Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Unternehmensanwendungen

Was nutzt ein ERP-Testsystem?

Nicht selten heißt es, ERP-Testsysteme seien überflüssig, zeitaufwändig und teuer. Dabei nützt der Betrieb einer solchen Testumgebung sogar dann, wenn die eigentliche ERP-Lösung schon reibungslos funktioniert.

 (Bild: ©putilov_denis/stock.adobe.com)

(Bild: ©putilov_denis/stock.adobe.com)

Vor allem, wenn im Live-Betrieb des produktiven Systems alles funktioniert, fragen sich Mitarbeiter oft, warum Sie diesen zusätzlichen Aufwand betreiben, und ein ERP-Testsystem regelmäßig nutzen sollen. Dieser Beitrag stellt den Aufwand für das Betreiben und die Vorteile eines aktiv genutzten ERP-Testsystems gegenüber und veranschaulicht den Nutzen für das produktive ERP-System. Ein ERP-Testsystem ist eine Kopie des produktiven ERP-Systems. Die gesamte Produktivumgebung mit allen Funktionen und Einstellungen wird zu einem bestimmten Zeitpunkt eingefroren und im Testsystem abgebildet. Alle Daten, Prozesse und Workflows stehen hier für Tests, Weiterentwicklungen, Implementierungen neuer Prozesse und Fehleranalysen bereit.

Mehraufwand muss lohnen

Der Betrieb eines Testsystems ist allerdings nur bei regelmäßiger Pflege sinnvoll – und wenn es auch genutzt wird. Aufwand entsteht dabei für:

  • • die Systemadministratoren, die das ERP-Testsystem bereitstellen und die Daten aktuell halten,
  • • die Fachabteilungen, die sich neben dem Tagesgeschäft für die Arbeit mit dem ERP-Testsystem Zeit einplanen.

Hinzu kommt ein zweites funktionierendes System, das Ressourcen wie CPU-Leistung, Arbeitsspeicher und Plattenspeicher verbraucht. Oft ist dies durch ein Upsizing der virtuellen Umgebung sehr einfach zu bewerkstelligen – bei echter verbauter Hardware wird es aber etwas komplizierter. Hier müsste für eine vollständige Testumgebung jede Maschine ein zweites Mal angeschafft werden. Nicht zu vergessen: Auch für ein ERP-Testsystem sind Lizenzen erforderlich. Je nach ERP-System und Anbieter können hier zusätzliche Kosten entstehen.

Fehler risikolos beheben

Bei einigen Vorgängen im ERP-System – z.B. bei Buchungen der Finanzbuchhaltung – werden automatisch Belege erstellt, die nicht einfach gelöscht oder aus dem System genommen werden können. Werden im Produktivsystem Fehler entdeckt, sollte man für die Behebung auf das ERP-Testsystem wechseln. Nur hier lassen sich Fehler ohne Risiko nachstellen, analysieren und beseitigen. Um bei dem Beispiel der Finanzbuchhaltung zu bleiben: Hier ist es egal, ob bei den Tests und der Fehlerbehebung widersprüchliche Buchungsbelege entstehen, die sich nur mit Storno oder Gegenbuchungen geradebiegen lassen. Kein Wirtschaftsprüfer schaut die Testsysteme an.

Laufende Verbesserungen

Mit einem aktuellen ERP-Testsystem lässt sich verhindern, dass bei einigen Spezialfällen Work Arounds etabliert werden, die nur außerhalb der ERP-Software gelöst werden können (etwa durch Aufschreiben oder auf Zuruf). Dies fördert die kontinuierliche Weiterentwicklung der Prozesse und der ERP-Lösung. Dies gilt vor allem dann, wenn es sich um noch nicht definierte Sonderfälle handelt, bei denen unterschiedliche Fachbereiche betroffen sind. Nur im Testsystem besteht die Möglichkeit, neue Ideen ‚am lebenden Objekt‘ auszuprobieren und im Projektteam den neuen Standardprozess ohne das Risiko vollständig zu betrachten, dass die Tests im Produktivsystem Spuren hinterlassen.

Backups und Restores

Ein Restore aus einem Backup wiederherzustellen ist keine alltägliche Aufgabe. Doch es sollte keinesfalls im Produktivsystem ‚live‘ getestet und geübt werden. Die Probe im ERP-Testsystem beantwortet wichtige Fragen wie:

  • • Wie lange steht bei einem Backup das System nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung?
  • • Auf was haben die Nutzer in diesem Zeitraum Zugriff?
  • • Ist es möglich während der Backup-Phase (eingeschränkt) an bestimmten Projekten weiterzuarbeiten?
  • • Wie lange dauert es bis alles wieder voll funktionsfähig ist?

Neue Schnittstellen testen

Im Laufe eines ERP- Releasezyklus ist es notwendig, immer wieder neue Systeme zu implementieren. Mögliche Gründe:

  • • Geschäftsprozesse werden erweitert,
  • • Anbindungen zu neue Kunden, Partnern, Lieferanten,
  • • Standardschnittstellen oder die Verbindung zum Logistikdienstleister ändern sich.

Auch die Integration neuer Schnittstellen sollten nicht im Live-Betrieb getestet werden, da dies ungewollte Fehler oder Seiteneffekte mit sich bringen kann.

Patches und Updates testen

Patches und Hersteller-Updates sind dazu gedacht, vorhandene Probleme zu beheben. Aber auch hier können Seiteneffekte auftreten. Jeden Patch, den die Systemadministratoren vorab im ERP-Testsystem einspielen, erlaubt Aussagen auf das Zeitverhalten und Abhängigkeiten zu anderen Modulen. Und nur in einem Testsystem kann danach ausführlich überprüft werden, ob die gewünschte Änderung des Patches sich wie gewünscht verhält.

Routine erwünscht

Wurden bei der ERP-Einführung noch Testszenarien entwickelt, alle Prozesse beleuchtet und das System auf Herz und Nieren geprüft, so geht dieses Wissen nach der Einführung oft sukzessive verloren. Mitarbeiter nutzen das Produktivsystem fürs Tagesgeschäft und Prozesse, die monatlich oder seltener stattfinden (Inventur, Jahresabschluss) geraten in Vergessenheit und werden nur nach ‚Fahrplan‘ abgearbeitet. In einem Testsystem lassen sich Abläufe und Buchungen für Monatsabschlüsse ohne Konsequenzen durchspielen. Durch das regelmäßige Testen der Anwendung und der Prozesse gewinnen Fachabteilung und Systemadministratoren Routine und Vertrautheit mit dem System.

Upgrades fallen leichter

Das Upgrade des ERP-Systems auf eine neue Version wird von vielen Mitarbeitern als bedrohlich wahrgenommen. Schließlich ist die letzte ERP-Einführung schon lange her und viel Wissen und Erfahrung aus dieser Zeit ist verloren gegangen. Die Ablehnung eines Systemwechsel nimmt zu. Im schlimmsten Fall wird ein dringend notwendiges neues Release nicht getestet und nie eingeführt.

Nutzen Fachabteilungen und Administratoren regelmäßig das ERP-Testsystem, sind die Hürden für ein Upgrade deutlich geringer. Das neue Wissen von damals ist zur Routine geworden und wichtige Updates, Patches oder Releases gelingen mit deutlich geringerem Aufwand. Dies spart viel Zeit, da alle Fachabteilungen das ERP-System bereits kontinuierlich weiterentwickeln und für nachfolgende Veränderungen aufgeschlossener und besser gewappnet sind.

Gutes Investment

Der ROI für das regelmäßige Nutzen eines ERP-Testsystems für Fehlerbehebung, Analysen und Weiterentwicklung von Prozessen ist gegeben – erschließt sich oftmals aber erst auf den zweiten Blick. Die Pflege eines Testsystems scheint in folgenden Fällen unnötig:

  • • Solange das Tagesgeschäft läuft und keine neuen Prozesse erforderlich sind,
  • • Sonderfälle bei Workflows noch nicht identifiziert wurden,
  • • keine Fehler auftreten,
  • • keine Patches oder Updates anstehen,
  • • alle Schnittstellen auf dem aktuellen Stand sind.

Doch sobald einer der gerade aufgezählten Fälle Eintritt, ist ein aktuelles ERP-Testsystem, sowie das Wissen und die Erfahrung mit Testszenarien enorm nützlich. Zudem bleiben Mitarbeiter und Systemadministration routiniert im Umgang mit dem ERP-System jenseits des Tagesgeschäfts. Vor allem wenn der Hersteller des Systems ein neues Release ankündigt, ist eine Mannschaft von Vorteil, die die aktuelle Softwareversion in vollem Umfang beherrscht. Denn dann ist das Einspielen wichtiger Updates, Service-Releases und Patches ins Produktivsystem ebenfalls reine Routine. n technischer Redakteur und Bernhard Räther als ERP-Berater bei Inway Systems.


Das könnte Sie auch interessieren:

Beim Anlagenbauer Mühlböck bildete der Produktkonfigurator das Herzstück der Auftragsbearbeitung. Mit der Einführung eines neuen ERP-Systems sollte dieser abgelöst werden. Eine Aufgabe, die sich als sehr komplex herausstellte. Nach langer Suche und einem gescheiterten Versuch stellte sich schließlich Asseco Solutions dieser Herausforderung.‣ weiterlesen

Die Cyberkriminalität nimmt zu und Cybersecurity-Fachleute sind schwer zu finden, folglich wächst die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Cybersecurity jährlich um mehr als 30% (laut (ISC)2, 2021), und gut vorbereitete Studierende werden die ersten sein, die für die Top-Jobs der Branche infrage kommen. Daher werden akademische Programme, die sie darauf vorbereiten, sehr gefragt sein.‣ weiterlesen

Nozomi Networks Labs hat seinen neuesten OT/IoT Security Report veröffentlicht. Wie der Bericht zeigt, hatten Wiper-Malware, die Aktivitäten von IoT-Botnetzen und der Ukraine-Krieg im ersten Halbjahr 2022 entscheidenden Einfluss auf die Bedrohungslandschaft. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 konnten die Forscher von Nozomi Networks Labs Aktivitäten verschiedenartiger Bedrohungsakteure beobachten. Dazu zählten Hacktivisten, von staatlichen Stellen vorangetriebene APTs und Cyberkriminelle.‣ weiterlesen

Der Fokus von cyberkriminellen Handlungen liegt auf Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, maßgeblich um den Betrieb lahm zu legen oder um Erpressungsgelder zu erbeuten. Dass die Gefahrenlage angespannt ist, belegen Fakten: Laut BSI wurden 2021 rund 144Mio. neue Schadprogramme identifiziert.‣ weiterlesen

Der IT-Dienstleister Syntax hat mit Catherine Solazzo eine neue Marketing-Chefin. Sie soll u.a. die Nachfrage-Generierung des Unternehmens vorantreiben.‣ weiterlesen

Darüber, ob der der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag von Ingenieuren und Ingenieurinnen angekommen ist, liefert eine VDI-Umfrage Erkenntnisse. Der Verband hat seine Mitglieder dazu befragt.‣ weiterlesen

Die Materialknappheit in der deutschen Industrie hat sich im Juli kaum entspannt. Und auch für die nächsten Monate ist laut Ifo Institut nicht mit einer deutlichen Erholung zu rechnen.‣ weiterlesen

Die Möglichkeiten der additiven Fertigung gehen weit über Prototyping hinaus. Aktuelle Drucker sind durchaus für den Seriendruck geeignet und können Entwicklung sowie Fertigung beschleunigen. Andreas Tulaj von Carbon gibt einen Überblick.‣ weiterlesen

Teile auf die Schnelle beim Dienstleister zu drucken, klingt zunächst nach einer Erleichterung. Doch das Knowhow in diesen Bauteilen muss geschützt sein. Damit beschäftigt sich das Forschungsprojekt ProCloud3D, an dem auch der Verschlüsselungsspezialist Wibu-Systems beteiligt ist.‣ weiterlesen

Hotellobbys, Produktionshallen oder Tiefkühlzonen von Lagerhäusern - überall dort reduzieren Luftschottanlagen den Wärme- und Stoffaustausch zwischen verschiedenen Bereichen. Arwus aus Chemnitz produziert diese Anlagen nach Kundenanforderung - und bringt mit ERP-Software von Delta Barth Transparenz in die Abläufe.‣ weiterlesen

Wie aus einer Befragung des Branchenverbands Bitkom hervorgeht, nimmt der Einsatz von 5G in der Produktion zu und auch die Investitionen in den Funkstandard steigen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige