Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Data Governance

Regeln setzen für den Umgang mit Stammdaten

Lange Zeit fristeten die Stammdaten in ERP-Lösungen eine eher untergeordnete Rolle. Bei der Einführung noch intensiv betrachtet und mit viel Aufwand aufbereitet, rückt die Bedeutung im Tagesbetrieb oft vermeintlich immer mehr in den Hintergrund. So werden Daten im besten Fall einfach nicht mehr aktualisiert, im schlechtesten Fall zerstören neue Stammdaten jede Form der Standardisierung, die bei der Einführung mit viel Aufwand geschaffen wurde. Hier schafft ein effizientes Stammdatenmanagement Abhilfe und positioniert diese Aufgabe dort, wo sie hingehört: In die Führungs- und Organisationsebene des Unternehmens.

Ein koordiniertes Stammdaten-Management wird für mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer immer wichtiger.

Bild: Eirich

Zu den Stammdaten eines Unternehmens gehören alle langfristig gültigen Informationen wie Kunden- und Lieferantendaten, Materialdaten oder Arbeitspläne. Die Notwendigkeit eines Stammdatenmanagements beruht oft auf einer Fehlinterpretation des Begriffs ‚Stammdaten‘ selbst. So werden diese als ‚Grunddaten‘ oder auch als ’statische Daten‘ bezeichnet, auf denen betriebliche Prozesse aufbauen. Bewegungsdaten hingegen sind zeitbezogene, prozessorientierte und auftragsrelevante Informationen. Sie stehen beispielsweise mit der Abwicklung von Kunden-, Fertigungs- und Bestellaufträgen in Zusammenhang. Diese Tatsache führt häufig dazu, dass bei der Betrachtung des Tagesgeschäfts der Fokus auf den sich verändernden Bewegungsdaten liegt und die Stammdaten mitunter kaum oder gar nicht beleuchtet werden. So lässt sich feststellen: Die Bedeutung der Stammdaten für den Erfolg des Unternehmens ist in vielen Firmen nicht klar herausgearbeitet.

Die Basis der Digitalisierung

Unter anderem haben Lieferzeiten traditionell einen direkten Einfluss auf die Kundenzufriedenheit und wird daher auch auf Kundenseite in Form einer Lieferantenbewertung permanent erfasst. Interne Faktoren, die sich unmittelbar auf eine Verschlechterung auswirken könnten (zum Beispiel nicht mehr aktuelle Wiederbeschaffungszeiten), werden dagegen größtenteils erst im Problemfall untersucht. Dies wird durch die zunehmende horizontale und vertikale Vernetzung von Geschäftsprozessen verstärkt. Wertschöpfungsketten werden sowohl innerbetrieblich, etwa als Multi-Site-Prozesse, als auch extern ganzheitlich durch IT-Systeme abgebildet, wenn Lieferantenportale angebunden werden. Aber auch innerhalb des Unternehmens gewinnt das Thema Datenaustausch an Bedeutung. So koppeln heterogene IT-Systeme etwa MES– oder CAD-/PLM-Systeme miteinander. Wird ein neuer Artikel gefertigt, muss es für den Konstrukteur ersichtlich sein, welche Komponenten bereits vorhanden sind, oder ob diese erst beschafft werden müssen. Ohne diese Übersicht kann es zu Dubletten kommen – eine logische aber vermeidbare Konsequenz. Generell lässt sich festhalten, dass ein zunehmender Automatisierungsgrad eine bessere Datenqualität geradezu fordert. Diese herzustellen erfordert ein strategisches Stammdatenmanagement auf organisatorischer und systemtechnischer Ebene. Am Anfang einer entsprechenden Initiative steht die Suche nach den Ursachen für mangelnde Stammdatenqualität. Meist führen fehlerhafte Eingaben, unvollständige oder nicht durchgeführte Daten-Aktualisierungen oder erfasste Redundanzen zu falschen Stammdaten. An dieser Stelle können nur organisatorische und systemseitige Maßnahmen ansetzen, die auf die individuellen Geschäftsprozesse und deren Beteiligten aufsetzen, die mit den Stammdaten arbeiten.

Data Governance immer wichtiger

Grundsätzlich sollten Unternehmen ein allgemeines Bewusstsein für diese Thematik schaffen. Operativ muss zum Beispiel geklärt werden, welche Mitarbeiter künftig die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Stammdaten übernehmen. Im Dialog können klare Ziele definiert werden. Auch geht es darum, Potential und Nutzen einer langfristig guten als auch Risiken einer dauerhaft schlechten Datenqualität zu vermitteln. Die daraus entstehenden betrieblichen Aufgaben, Regeln und Verbindlichkeiten werden unter dem Tätigkeitsfeld Data Governance zusammengefasst. Betroffen sind alle betriebswirtschaftlichen Bereiche, in denen Daten elektronisch erfasst und weiterverarbeitet werden (Fertigung, Einkauf, Vertrieb, HR und so weiter). Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter regelmäßig zu diesem Thema weiterbilden. Sinnvoll ist außerdem der zusätzliche Aufbau einer zentralen Organisationseinheit, die mit den Verantwortlichen aus den Fachbereichen eng kooperiert, die Stammdatenqualität administrativ überwacht und bei Bedarf regulierend eingreift.


Das könnte Sie auch interessieren:

Individuelle Kundenwünsche beeinflussen zunehmend die Produktion. Mit der Verbindung von Verkaufs- und Produktionskonfiguration lässt sich die Komplexität einer variantenreichen Fertigung in den Griff bekommen.‣ weiterlesen

52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben bezüglich der digitalen Transformation erhöhen. Dies hat der Business-Software-Anbieter IFS in einer Studie ermittelt für die weltweit mehr als 3.032 Führungskräfte befragt wurden.‣ weiterlesen

Die Bekuplast-Unternehmensgruppe produziert Mehrweg-Transportverpackungen aus Kunststoff. Seit 2019 dient ein Enterprise-Content-Management-System (ECM) von ELO als Grundlage, zentrale Geschäftsprozesse zu automatisieren und mit den IT-Systemen zu verzahnen.‣ weiterlesen

Bosch Rexroth gibt einige Veränderungen in der Geschäftsführung bekannt. Unter anderem tritt Filiz Albrecht die Nachfolge von Christoph Kübel an, der zum Jahresende in den Ruhestand geht.‣ weiterlesen

Der Solution Manager von SAP stand lange im Ruf, nicht das Organisationsgenie unter den Business-Anwendungen zu sein. Doch der Hersteller hat in Version 7.2 viel am Werkzeug verbessert. Der Produzent von Lebensmittelzutaten Döhler hat daher den SolMan von SAP mit dem BPM-Tool Aeneus verknüpft, um die Gestaltung von mehr als 2000 Geschäftsprozessen zentral und nachhaltig zu strukturieren.‣ weiterlesen

In einer weltweiten Studie haben TÜV Rheinland und das Marktforschungsinstitut Ponemon untersucht, wie es um die Cybersicherheit von Industrieanlagen bestellt ist. Demnach ist die Operational Technology besonders gefährdet.‣ weiterlesen

Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.‣ weiterlesen

Unternehmenswachstum sorgte bei der Penn GmbH für ein Umdenken in der Unternehmensstrategie. Mit der Implementierung eines Manufacturing Execution Systems wollte man etwa Excel-Listen in der Produktionsplanung ablösen. Mit der MES-Lösung von Proxia gelang es sogar, die Anlagenverfügbarkeit auf fast 100 Prozent zu steigern.‣ weiterlesen

Im vergangenen Jahr haben 76 Prozent der Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud in Anspruch genommen. Dies geht aus einer Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.‣ weiterlesen

Schneider Electric möchte seine gruppeninternen Kompetenzzentren für Schlüsseltechnologien stärken. Mit einem weiteren Ausbau des Standortes Marktheidenfeld wird dieser Weg nun fortgesetzt.‣ weiterlesen

Die überwiegende Zahl der Maschinenbauer ist zuversichtlich, mittelfristig auf das nominale Umsatzniveau von 2019 zurückzukehren. So lautet die Kernbotschaft der sechsten VDMA-Blitzumfrage zur Corona-Pandemie, an der 658 Unternehmen teilnahmen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige