Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Messdaten-Pflege

Ohne Mehrarbeit kostenoptimiert konstruiert

Mit Classmate Plan von Simus Systems kalkuliert die Hans Weber Maschinenfabrik in Kronach fast jedes Fertigungsteil – und spart sich dabei 70 Prozent der Kalkulationszeiten. Jetzt sollen Konstrukteure schon beim Entwickeln die Bauteile kostengerecht auslegen können.

Extruder der Flexxtrusion-Serie sorgen für Flexibilität, etwa bei der Produktion von Fensterprofilen. (Bild: Hans Weber Maschinenfabrik GmbH)

Extruder der Flexxtrusion-Serie sorgen für Flexibilität, etwa bei der Produktion von Fensterprofilen. (Bild: Hans Weber Maschinenfabrik GmbH)

Nach dem Bau der ersten Holzschleif-Automaten im Jahr 1913 gründete Hans Weber 1922 eine Maschinenfabrik in Kronach. 1955 folgten die ersten Bandschleifmaschinen – 1960 wurden die ersten Extruder für die Kunststoff-Industrie gefertigt. Auf beiden Gebieten ist das Familienunternehmen in dritter und vierter Generation heute noch tätig – als Technologieführer, untermauert durch zahlreiche Patente sowie ein eigenes Technikum. Aufgrund verschiedenen Materials, kundenspezifischer Endprodukte und Designvarianten werden bei einer Fertigungstiefe von 95 Prozent Einzelteile und Kleinserien bis Losgröße zehn bearbeitet.

Wirtschaftlich fertigen

„Um diese komplexe Fertigung wirtschaftlich zu beherrschen, wird in der Arbeitsvorbereitung jedes Bauteil genau kalkuliert“, berichtet Daniel Greiner, Leiter Zeitwirtschaft. Pro Jahr erstellt er mit seinem Team rund 16.000 Arbeitspläne, wovon rund 7.500 durch Änderungen vorhandener Fertigungsteile entstehen. Dabei unterstützte bisher ein eigenentwickeltes Kalkulationsprogramm für die Blechfertigung auf einer Trumpf-Laseranlage, das auch eine Abschätzung der Auslastung ermöglichte. Ohne direkte Anbindung an das ERP-System, etwa zur Abfrage aktueller Rohmaterialkosten, war das Tool nur bedingt einsetzbar und erforderte zahlreiche Rücksprachen zwischen Einkauf, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Zeitwirtschaft. Die Kosten der übrigen Bauteile wurden mit einer Tabellenkalkulation ermittelt. Deshalb wurde nach einer neuen Lösung gesucht, die zusätzlich eine transparente Kostenkontrolle in der Konstruktion und eine abteilungsübergreifende Nutzung eröffnen würde – ohne allerdings eine Mehrbelastung der Konstrukteure zu verursachen.

Erfolgreiche Evaluierung

Den entscheidenden Hinweis erhielt Daniel Greiner von Stefan Kraus, dem CAD/CAM-Administrator des Unternehmens. Er stellte den Kontakt zu Simus Systems in Karlsruhe her, dem Anbieter einer eigenen Software-Suite zur Strukturierung, Bereinigung und Pflege technischer Massendaten. Diese enthält auch Classmate Plan ein Modul zur automatischen Erstellung von Arbeitsplänen aus CAD-Informationen. Nach Anreicherung mit wirtschaftlichen Zahlen, etwa aus ERP-Systemen, erstellt die Lösung automatisch Kalkulationen der gewünschten Bauteile. Das webbasierte Tool Classmate Easyfinder visualisiert diese Daten einschließlich einer 3D-Vorschau des Bauteils unternehmensweit. Erste Tests mit dieser Software an typischen Bauteilen aus dem Weber-Spektrum verliefen positiv. Nach einen Referenzbesuch entschloss man sich daher zu einem Pilotprojekt: „Wir haben die automatische Kalkulation an 50 ausgewählten Bauteilen soweit erprobt, dass beide Seiten von einem erfolgreichen Projektverlauf für unser gesamtes Teilespektrum ausgehen konnten“, berichtet Daniel Greiner.

Anspruchsvolle Einführung

Nach dem Vertragsabschluss wurde das Einführungsprojekt im August 2017 gestartet. Nach dem Kick-off und zwei Validierungsworkshops dauerte es rund ein Jahr, bis die Software in den Testbetrieb gehen konnte. Hier wurden nun Feinschliff und zusätzlicher Komfort hinzugefügt: „Bevor neue Kalkulationen erstellt werden, sollte Classmate Plan nach aktuellen Werten aus der Nachkalkulation suchen und vorhandene Kosteninformationen übernehmen“, sagt Daniel Greiner, der das Einführungsprojekt leitete. „Zu diesem, im Sondermaschinenbau verbreiteten, 3D-CAD-System von PTC haben wir eine Schnittstelle geschaffen“, berichtet Stefan Kraus. Die Baugruppenkalkulation wurde erweitert und die Konturerkennung bei der Bearbeitung von Blechteilen verfeinert. Mit der Einführung im Oktober 2018 lief zugleich die Ablösung des vorhandenen ERP-Systems durch Applus von Asseco, so dass weitere Schnittstellen und Anpassungen erforderlich wurden. „Schließlich haben wir alles erreicht, was wir wollten“, fasst Daniel Greiner zusammen.

Die Schleif- und Entgratmaschine für Fein- und Grobblech aus der Reihe Weber PT compact garantiert perfekte Schleifergebnisse für das Handwerk. (Bild: Hans Weber Maschinenfabrik GmbH)

Die Schleif- und Entgratmaschine für Fein- und Grobblech aus der Reihe Weber PT compact garantiert perfekte Schleifergebnisse für das Handwerk. (Bild: Hans Weber Maschinenfabrik GmbH)

Firmeneigene Suchmaschine

Die Konstrukteure können ihre Bauteile mit dem Classmate Easyfinder im Hinblick auf die Kosten überprüfen. Er ermöglicht eine Suche nach Modellen, Merkmalen oder Teilbereichen ebenso wie textorientierte Abfragen nach Schlüsselwörtern, Einzelwerten oder Wertebereichen und zeigt sie als Vorschaugrafiken an. „Die Kostentreiber werden durch eine farbliche Hervorhebung sofort erkannt und können direkt überprüft werden“, berichtet Stefan Kraus. „Manchmal genügt ein anderer Bohrungsdurchmesser, um die Fertigungskosten drastisch zu reduzieren.“ Weitere Möglichkeiten eröffnet der Kostenvergleich ähnlicher Bauteile, die nebeneinander dargestellt werden. „Ohne Mehraufwand, vor allem ohne Rückfragen an Controlling, Einkauf oder Zeitwirtschaft, erkennen die Konstrukteure, welche Variante die kostengünstigste Option für ihre Aufgabenstellung wäre“, meint der CAD/CAM-Administrator. Die Ermittlung und Analyse von Kostentreibern in der Konstruktion fördert ein wirtschaftliches Baukastendenken.

Zeitwirtschaft entlastet

Dies alles entlastet die Zeitwirtschaft und verkürzt die Durchlaufzeiten der Arbeitsvorbereitung. Bei den inzwischen angefertigten 19.000 Kalkulationen wurden 5.000 Baugruppen und 14.000 Bauteile auf Anhieb analysiert. „Vor allem bei den Arbeitsgängen Lasern, Kanten und Bohren sparen wir rund 70 Prozent der Kalkulationszeit“, schildert Daniel Greiner. Mit der Baugruppenkalkulation können die voraussichtlichen Herstellkosten neu konstruierter Bauteile und die im ERP-System gespeicherten Werte vorhandener Bauteile gemeinsam erfasst und dargestellt werden – was eine weitere Entlastung bedeutet. Dr. Markus Weber, der als Geschäftsführer alle Meilensteine des Projektes definiert hatte, zieht Bilanz: „Durch die Anwendung von Classmate konnte das kosten- und fertigungsoptimierte Konstruieren im Hause Weber nochmals forciert werden. Positiv bewerten wir auch den stetig wachsenden Datenpool aus der Anwendung, der transparent und abteilungsübergreifend eingesetzt werden kann.“ Mit der freien Energie wird die Digitalisierung der Abläufe weiter vorangetrieben: So soll die Arbeitsplanerstellung in Verbindung mit der ERP-System weiter automatisiert werden. Auch die Erkennung und Analyse von Schweißbaugruppen durch das Programm wird weiter vorangetrieben.


Das könnte Sie auch interessieren:

Im Juli lagen die Auftragseingänge in der deutschen Elektroindustrie um 1,9% unter ihrem Vorjahreswert. Die Inlandsbestellungen gaben um 1% nach, die Auslandsbestellungen um 2,5%.‣ weiterlesen

Mit der Inbetriebnahme eines IBM Q System One wollen IBM und die Fraunhofer-Gesellschaft das Thema Quantencomputing für die Industrie vorantreiben. Durch die Kooperation entsteht zudem ein neues Kompetenzzentrum für Quantentechnologie.‣ weiterlesen

Das neue Siemens Opcenter der Softwaresparte des Münchener Technologieunternehmens bringt zahlreiche Anwendungen wie Camstar, Simatik IT und Preactor in einer einheitlichem Umgebung und Benutzerführung zusammen. René Wolf von Siemens Digital Industries Software schildert, was die Kunden davon haben - und was sich funktional getan hat.‣ weiterlesen

Der Schärfspezialist Vollmer stellt auf der Emo Hannover seine Digitalinitiative V@dison in den Mittelpunkt. In Halle 6, Stand F66 finden Besucher das neu entwickelte IoT-Gateway des Herstellers. Schleif- und Erodiermaschinen lassen sich damit plattformunabhängig in IoT-Umgebungen einbinden.‣ weiterlesen

Die Landschaft für Endgeräte zur mobilen Datenerfassung hat sich im letzten Jahrzehnt fast genauso rasant entwickelt wie im Consumer-Bereich. In der Lagerlogistik oder der Produktion zählen neben Stapler-Terminals gerade mobile Handhelds zu den gängigsten Gerätetypen. Um aber das passende Gerät für das eigene Unternehmen zu identifizieren, lohnt der Blick auf die mobilen Prozesse, die Integration in die Unternehmens-IT und vor allem die Arbeitsumgebung der Mitarbeiter.‣ weiterlesen

In Wertanalyseprojekten erfolgt eine Bewertung an vielen Stellen des Arbeitsplans. Die VDI-Richtlinienreihe 2808 hilft, reproduzierbare Ergebnisse durch strukturierte Vorgehensweisen zu erzielen und diese Ergebnisse kundenorientiert darzustellen.‣ weiterlesen

Auf der diesjährigen Emo präsentiert die HSi GmbH ihre Softwarelösungen zur automatisierten Planzeit- und Kostenermittlung, Arbeitsplanerstellung sowie Auftragssteuerung. Am Stand C20 in Halle 9 werden auch Erweiterungen des Systems zu sehen sein, etwa bei der Zeitübergabe an SAP: Werden im Stufeneditor NC-Grundzeiten in den Rüst- und Spannbausteinen eingegeben, erfolgt die Summierung dieser Zeiten parallel zu den Hauptzeiten (th), Nebenzeiten (tn) und Grundrüstzeiten (trg).‣ weiterlesen

Obwohl das MQTT-Protokoll bereits seit etwa zwei Jahrzehnten existiert, ist es durch sein Konzept bestens für moderne IIoT-Anwendungen geeignet. Vor allem für solche, die sich auf eine aktive Benachrichtigung stützen. Also dort, wo Geräte nur bei Bedarf Daten bereitstellen und nicht regelmäßig, wie bei der passiven Benachrichtigung. Doch wie lässt sich der Erfolg von MQTT im IIoT erklären, und was sollte man vor dem Einsatz des Übertragungsprotokolls wissen?‣ weiterlesen

Auf der Emo zeigt TDM Systems (Halle 9, Stand F24) erstmals den TDM WebCatalog einer breiten Öffentlichkeit. Ab August steht die Cloud-Anwendung nach Registierung den Anwendern von TDM Global Line 2019 und TDM 2019 (und höher) zur Verfügung.‣ weiterlesen

DMG Mori wird auf der Emo in Halle 2, Stand A21 über 30 digitale Innovationen zeigen. Darunten sind neue Celos APPs, Werkzeuge zum Monitoring, der Produktionsplanung und -steuerung sowie webbasierte Instandhaltungstools.‣ weiterlesen

Nachdem Produzenten schon ihre Waschmaschinen, Kühlschränke und Rollläden IoT-fähig ausliefern, wollen viele auch im eigenen Werk von der Vernetzung profitieren. Anhand eines beispielhaften Projektes klärt dieser Beitrag, wie das schnell und günstig gelingen kann.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige