Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Konzepte für die letzte Meile

Wenn der Roboter klingelt

Durch die Digitalisierung des Lieferprozesses könnten schon bald Roboter Pakete ausliefern. Bevor es soweit ist, müssen aber noch einige Herausforderungen gelöst werden. Den Unternehmen ist zwar bewusst, dass die Digitalisierung der Supply-Chain-Prozesse wichtig ist, jedoch fehlen Erfahrunsgwerte.

 (Bild: ©zapp2photo/stock.adobe.com / Laird Technologies)

(Bild: ©zapp2photo/stock.adobe.com / Laird Technologies)

Die geographische Lage Deutschlands lässt den Logistikmarkt boomen: 25 Prozent des gesamten Logistikumsatzes in Europa erwirtschaften Unternehmen in der Bundesrepublik. Die Logistikbranche ist in Deutschland dabei der drittgrößte Wirtschaftsbereich nach Automobilwirtschaft und Handel. Rund 60.000 überwiegend mittelständische Unternehmen agieren auf diesem Sektor.

Die letzte Meile

Der Onlinehandel hat die Branche stark verändert: Immer mehr Waren werden im Internet bestellt und in Privathaushalte verschickt. Laut Parcel Shipping Index werden weltweit jedes Jahr 68Mrd. Pakete geliefert. Dadurch entstehen neue Herausforderungen. Eine betrifft die sogenannte letzte Meile – also den Transport der Waren vom Depot zum Kunden. Wegen verteilter Lieferpunkte und kleiner Mengen lassen sich die Waren kaum bündeln. Zudem kommt es häufig vor, dass aufgrund der Abwesenheit ein zweiter, teurer Zustellungsversuch erfolgen muss. Laut Untersuchungen ist die letzte Meile für mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten verantwortlich und somit der größte Kostenfaktor bei Paketlieferungen. Auch die zunehmende Verkehrsdichte stellt für die Branche ein Problem dar. Die Zahl der Lieferfahrzeug steigt dabei stetig an. So machen Lieferfahrzeuge mittlerweile 30 Prozent des Verkehrs aus und sind in Stoßzeiten an 80 Prozent der Staus beteiligt. So sinkt die Produktivität der Lieferdienste, da die Autos im Stau stehen und vorgegebene Routen und Zeiten nicht eingehalten werden können. Eine weitere Herausforderung stellt die Lieferung am selben Tag dar. Um diese komplexen Prozesse wirtschaftlich zu lösen, suchen Logistikunternehmen nach Lösungen. Eine Chance liegt dabei in der Digitalisierung.

Dynamische Wertschöpfungsketten

Durch Vernetzung können starre Wertschöpfungsketten zu dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken werden. Mehrere Lösungen, die dies bewirken sollen, sind in der Erprobungsphase. Eine Möglichkeit ist die Lieferung per Roboter. Diese bietet sich besonders in Innenstadtbereichen an. Damit dies jedoch gelingt, müssen alle Akteure miteinander vernetzt werden: Das Warenlager, der Transporter sowie der Roboter. Dadurch können Unternehmen beispielsweise durch geschicktes Flottenmanagement Frachtraum noch besser nutzen. Durch sogenanntes Platooning lässt sich zudem der Kraftstoffverbrauch von Lkws senken, was gerade bei zunehmenden Paketlieferungen relevant ist. Zudem kann die Vernetzung dank intelligentem Verkehrsmanagement und intelligenter Parkraumsuche dabei helfen, Staus zu vermeiden.

Bestehende und neue Lösungen vernetzen

Für Logistikunternehmen ist es wichtig, dass durch Vernetzung sowohl bestehende Kommunikationslösungen als auch Neuanschaffungen verbunden werden. Ein Ansatz dafür ist eine offene Plattform. Diese sollte für Kunden bzw. Partner offene und flexible Software- und Hardware-Komponenten zur Verfügung stellen. So können Applikationsentwickler sich voll und ganz auf die Anforderungen komplexer Use Cases konzentrieren, während die Plattform die Probleme der Integration im Fahrzeug löst und die Kommunikation des Fahrzeugs mit der Außenwelt sicherstellt. Ebenfalls wichtig für die drahtlose Kommunikation ist eine robuste und sichere Konnektivität. Diese bietet eine im Fahrzeug eingebettete Connectivity-Plattform. Sie sollte das Fahrzeug sowohl nach innen als auch nach außen vernetzen und gleichzeitig so skalierbar sein, dass unterschiedlichste Fahrzeugtypen miteinander verknüpfen kann. Das muss auch dann funktionieren, wenn kein Internet zur Verfügung steht. Neben Echtzeitdaten und einer schnellen Datenanalyse muss für einen optimierten und autonomen Logistikverkehr auch eine netzunabhängige und permanente Verbindung zu anderen, teilweise auch autonomen Fahrzeugen gegeben sein. Die Konnektivitätslösung sollte daher alle Technologien inklusive Mobilfunkstandards, WLAN und Bluetooth beinhalten und der fahrzeuginternen Kommunikation eine hohe Datenbandbreite gewährleisten.

Schutz vor Cyberangriffen

Für Logistik-Unternehmen gilt es zudem, den Schutz vor Cyberkriminellen im Auge zu behalten. Sicherheitsexperten und Hacker stehen in einem ständigen Wettkampf miteinander. Um beispielsweise vernetzte Fahrzeuge vor den Gefahren zu schützen, müssen diese regelmäßig mit Updates versorgt werden. Eine Möglichkeit, die Vielzahl von Geräten in Fahrzeugen in kurzer Zeit zu aktualisieren, ist das Einspielen von Software über die Mobilfunk-Schnittstelle, bezeichnet als Firmware-Over-the-Air (FOTA). Schwachstellen können so schnell ausgebessert, neue Funktionen integriert und kryptografische Verfahren – mit denen etwa die Steuergeräte abgesichert werden – modernisiert werden.

Erfahrungswerte fehlen

Eine Studie des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens PAC im Auftrag der Deutschen Telekom und T-Systems bescheinigt, dass erst vier Prozent der Betriebe eine vollkommen vernetzte Umgebung geschaffen haben. Für die Befragung wurden 150 IT- und Business-Entscheider aus der Fertigungs- und Logistikbranche befragt. Die Studie zeigt, dass Effizienzdruck (77 Prozent), die notwendige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (73 Prozent) sowie die Erhöhung der Agilität und Flexibilität (71 Prozent) für Unternehmen wichtige Motivationsfaktoren sind, verstärkt in IoT-Projekte zu investieren. Diese Zahlen zeigen, dass Unternehmen zwar wissen, dass die Digitalisierung ihrer Supply-Chain-Prozesse wichtig ist, ihnen jedoch Erfahrungswerte und Best-Practice-Beispiele fehlen. Ohne Orientierungshilfe fühlen sich viele Unternehmen zu unsicher, um diesen Prozess zu starten. Eine offene, im Fahrzeug eingebettete Konnektivitätsplattform setzt genau dort an. So können auch kritische Problemstellungen gelöst und die Vorteile der Digitalisierung genutzt werden. n Director bei Laird Technologies.


Das könnte Sie auch interessieren:

Industrielle Trends wie IIoT und Digitalisierung setzen immense Datenströme voraus. Doch im Gegensatz zur IT-Security für Büros müssen Fabrikbetreiber auf wesentlich mehr Stolpersteine achten, damit ihre Anlagen nicht schon einfachen Angriffen zum Opfer fallen.‣ weiterlesen

Ab und zu fehlte ein Schlüssel im Kloster der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung von Schwäbisch Gmünd. Beim letzten Mal gab das den Impuls, anstatt neue mechanische Zylinder in die rund 220 Türen des Komplexes einzubauen, die alte Technik durch das Bluesmart-System von Winkhaus zu ersetzen.‣ weiterlesen

Mit 100,5 Punkten hält sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer im November stabil und liegt weiter im leicht über der neutralen Marke. Auf europäischer Ebene sank der Frühindikator allerdings erneut.‣ weiterlesen

In einer neuen Expertise des Forschungsbeirats Industrie 4.0 untersuchen das FIR an der RWTH Aachen und das Industrie 4.0 Maturity Center den Status-quo und die aktuellen Herausforderungen der deutschen Industrie bei der Nutzung und wirtschaftlichen Verwertung von industriellen Daten und geben Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Verbände, Politik und Wissenschaft.‣ weiterlesen

Im Forschungsprojekt FabOS soll eine KI-Bin-Picking-Anwendung entstehen, die ein verbessertes Erkennen, Greifen und definiertes Ablegen von Blechteilen in der Produktion ermöglicht.‣ weiterlesen

Die Digitalisierung des Qualitätsmanagements stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Daher haben das Fraunhofer IPT und die FH Südwestfalen im Forschungsvorhaben 'Qbility - Quality 4.0 Capability Determination Model' ein datengetriebenes Reifegradmodell entwickelt, das die Anforderungen eines digitalisierten Qualitätsmanagements bei KMU adressiert.‣ weiterlesen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt sicherheitsrelevante Patches und Updates so schnell wie möglich, unter Abwägung des jeweiligen Risikos, einzuspielen, auch wenn im professionellen und insbesondere industriellen Umfeld automatisierte Software-Updates mit unerwünschten Einschränkungen der Funktionalität - etwa durch einen Neustart des Systems - verbunden sein können.‣ weiterlesen