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Ein Auto, viele Sprachen

Volkswagen und ITL realisieren Übersetzungen für 153 Länder

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Der Volkswagen-Konzern gehört zu den weltweit führenden Automobilherstellern. Die Fahrzeuge der Konzernmarken werden heute in 153 Staaten vertrieben. Und auch die Produktion erfolgt international verteilt in 123 Fertigungsstätten in 31 Ländern. Eine solch globale Produktion und Distribution stellen auch eine große Herausforderung an die sprachliche Kompetenz eines Unternehmens dar. Schließlich müssen alle Geschäfts- und Führungsprozesse über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ineinandergreifen. Dabei enthält ein Auto mehr Text als man auf den ersten Blick sieht — und dieser muss überall auf der Welt von Beschäftigten, Fahrern und in den Verkaufsräumen verstanden werden.

Bei einer Produktion, die sich über verschiedene Länder und Kontinente hinweg erstreckt, müssen Koordination und Kommunikation über Kultur- und Sprachbarrieren hinweg funktionieren. Gemeinsam mit dem Übersetzungsspezialisten ITL hat Volkswagen ein Projekt umgesetzt, bei dem umfangreiche Dokumente aus unterschiedlichen Ländern ins Englische übersetzt werden mussten — und das in kurzer Zeit.

Aus diesem Grund arbeitet der Autobauer mit dem Übersetzungsspezialisten ITL zusammen. Die Kooperation umfasst neben den Anforderungen an einen Sprachdienstleister, wie sie die ISO-Norm 17100 vorgibt, auch das gesamte Umfeld der Informationssicherheit. Dies gewährleistet ITL über eine erfolgreiche TISAX-Zulassung.

‚Das Spezialprojekt‘

Ende 2017 stand Volkswagen vor der Aufgabe, umfangreiche Dokumente aus allen Teilen des Unternehmens in Brasilien, China, Deutschland, Russland, Spanien und Tschechien in sehr kurzer Zeit in englischer Sprache zur Verfügung stellen zu müssen. Die Ausgangsprachen waren entsprechend Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch, Deutsch, Russisch, Spanisch und Tschechisch. Hinzu kam, dass die zu übersetzenden Dokumente überwiegend nur im PDF-Format vorlagen – von editierbar bis handschriftlich gescannt – und erst in ein verarbeitbares Format konvertiert werden mussten.

80.000 Wörter in 48 Stunden

Erste Teilprojekte hatten ergeben, dass die Dokumente in der vorgegebenen Zeit nicht in der herkömmlichen Art, also nur mithilfe eines Translation Memory Systems und Übersetzern, zu bewältigen waren. In Spitzenzeiten des Projektes lag die geforderte Durchlaufzeit bei durchschnittlich 80.000 Wörtern innerhalb von 48 Stunden vom Dateneingang bis zur Lieferung an Volkswagen. Um dies auf konventionellem Weg zu erreichen, hätten extrem viele Übersetzer und Revisoren parallel eingesetzt und koordiniert werden müssen, was den Aufwand in die Höhe und die Qualität nach unten gedrückt hätte. Seitens ITL wurde daher ein Konzept zum Einsatz von maschineller Übersetzung und nachfolgendem Postediting vorgelegt, das dann schnell den Weg in die Umsetzung fand.

Die Eckpfeiler des Konzepts sahen wie folgt aus:

Für das Training eines maschinellen Übersetzungssystems speziell für das Projekt war keine Zeit vorhanden. Daher hat sich ITL für den Einsatz von neuronalen Machine-Translation-Systemen (MT-Systemen) entschieden.

Für alle Sprachkombinationen wurde ein Team von bis zu 100 Posteditoren ausgewählt und entsprechend auf das Projekt vorbereitet. Vorgabe war, dass die Qualität – auch unter den extremen Lieferzeitvorgaben – möglichst der einer Humanübersetzung gleichkommen musste. Stichproben, der Volkswagen-internen QS-Abteilung haben ergeben, dass diese Vorgaben umgesetzt wurden.

Der Übersetzungsprozess wurde in drei Schritte aufgeteilt: eine klassische Datenvorbereitung, das Postediting sowie die Qualitätssicherung (QS): Um die nicht direkt bearbeitbaren PDF-Dokumente möglichst einsatzfähig zu machen, wurde ein Team aus bis zu 15 PDF-Bearbeitern aufgebaut, das im Schichtdienst die PDF-Dateien in geeignete MS-Office-Formate konvertierte. Anschließend wurden die direkt editierbaren sowie die aufbereiteten Daten mit dem vorhandenen und sich mit Fortschreiten des Projekts immer mehr füllenden Translation Memory abgeglichen. Alle neu zu übersetzenden Texte beziehungsweise alle Texte, die unter einem Schwellenwert von 98 Prozent ’Fuzzy Match’ lagen, also Formulierungen, die bereits weitgehend identisch in anderen Dokumenten vorhanden waren, wurden dann an die jeweilige MT-Maschine geschickt. Die Ergebnisse wurden anschließend dem Posteditor als Translation Memory zur Verfügung gestellt. Beim Postediting-Prozess konnten die Übersetzer/Posteditoren auf die Ergebnisse der maschinellen Übersetzung zurückgreifen und die Anpassungen vornehmen. Unterstützt wurden sie dabei von einer mitgelieferten Terminologiedatenbank. Der Qualitätssicherungsprozess umfasste die bekannten Prüfschritte, die innerhalb eines Translation Memory Systems umsetzbar sind. Das heißt die Prüfung auf zum Beispiel korrekte Terminologie, Formatinformationen und Zahlen. Zudem erfolgte eine Prüfung mit von ITL erstellten regulären Ausdrücken auf typische Fehlerquellen von maschineller Übersetzung. Dazu zählen beispielsweise die Vermischung von Sprachvarianten, übersetzte Eigennamen, Einhaltung der Redaktionsvorgaben von Volkswagen hinsichtlich des Datums. Die Layoutprüfung sowie stichprobenweise inhaltliche Prüfungen bildeten den Abschluss.

Aufgrund der TISAX-Konformität der itl-Prozesse war die Sicherheit gegeben, dass die Daten über die gesamte Prozesskette hinweg mit der vorgeschriebenen Sorgfalt behandelt und über die vorgegebenen Kanäle übertragen wurden.

Enge Koordination

Ein derart komplexer Prozess erfordert eine enge Kooperation zwischen Kunde und Übersetzungsteam. Sowohl bei Volkswagen als auch bei ITL war ein Projektmanagement-Kernteam von zumeist sechs Personen mit der Koordination dieses Projektes betraut. Aufgrund der über den Globus verteilten Absender und Empfänger der Daten war dabei ein sehr flexibles Zeitmanagement und eine enge Abstimmung zwischen beiden Teams gefordert.

Unabhängig von der Qualität der Ausgangsdokumente und der teilweise sehr unterschiedlichen qualitativen Ergebnisse der eingesetzten MT-Systeme konnte Volkswagen im Vergleich zu einer herkömmlichen Bearbeitung mit einem Translation Memory System 20% Kosten einsparen.

Tägliche Bewertung

In täglichen Jour Fixes wurden die aktuelle Situation bewertet, Informationen ausgetauscht, Neujustierungen in der Ressourcenplanung vorgenommen und aktuelle Probleme besprochen. Eine Herausforderung für Mensch, Maschine und Prozess, die sowohl für Volkswagen als auch für ITL neue Dimensionen im Zeitalter maschineller Übersetzung eröffnet hat. Neben den Kosteneinsparungen ist hier auch der Zeitfaktor zu nennen: Mit einem herkömmlichen, ausschließlich Translation-Memory-gesteuerten Prozess, wäre dieses Projekt nicht realisierbar gewesen.

Eine weitere Erkenntnis aus diesem Projekt: Übersetzungsqualität ist auch unter solch herausfordernden Rahmenbedingungen erreichbar, wenn alle Komponenten zusammenspielen und die Beteiligten an einem Strang ziehen.

Auf Augenhöhe

Ohne eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne ein Verständnis für die Probleme der jeweils anderen Seite, wäre ein Projekt in dieser Größenordnung nicht realisierbar gewesen. Dadurch konnte die Motivation der Mitarbeiter hochgehalten werden. Nur unter dieser Voraussetzung, gepaart mit einem ausgefeilten Prozess und unter Einsatz modernster Technologie, haben VW und ITL gemeinsam das Projekt erfolgreich abgeschlossen.


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