Anzeige
Beitrag drucken

Das ERP-System als Taktgeber

Täglich nach neuen
Rezepturen produziert

Der Full-Service-Lohnhersteller für die Pharma- und Kosmetikindustrie Wagener setzt ständig neue Kundenanforderungen und -aufträge um. Eine flexible Nachschubsteuerung ist da ein Muss. Seit 2018 gibt das ERP-System der GUS Group den Takt an – und der ist schnell.

(Bild: Wagener & Co. GmbH)

(Bild: Wagener & Co. GmbH)

Beim westfälischen Auftragsfertiger Wagener vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Produkt im Werk hergestellt wird – jedes mit eigener Rezeptur und Herstellvorschrift sowie eigener Stückliste und Verpackungsanweisung. Dazu gehören Salben, Shampoos oder Lotionen. Abfüllung und Konfektionierung erfolgen ebenfalls immer individuell, sei es als Flasche, Tiegel, Tube oder Zäpfchen. Trotz dieser Vielfalt der Produktionsdienstleistungen basiert der Erfolg von Wagener & Co. auf der schnellen Lieferung. Das westfälische Unternehmen muss daher alle notwendigen Prozesse nahtlos miteinander verbinden – vom Auftragseingang über die Produktion, Abfüllung und Konfektionierung bis hin zur Qualitätskontrolle, Materialwirtschaft und Unternehmenslogistik. Zudem muss just-in-time produziert werden – und die weltweite Konkurrenz schläft auch nicht.

Ein individueller Standard?

Angesichts solcher Anforderungen war das vorherige ERP-System an seine Grenzen gestoßen. Zwar hatten es die Verantwortlichen bei Wagener zusammen mit dem damaligen Hersteller kontinuierlich ausgebaut. Doch erwiesen sich diese Erweiterungen in Form harter Programmierung als auf lange Sicht zu aufwendig. So kam bei dem Familienunternehmen das ERP-System GUS-OS Suite ins Spiel. Es hilft dem Unternehmen, Workflows individuell anzupassen. Bei Updates der Standardsoftware werden die so erstellten individuellen Workflows automatisch mitgenommen. Zudem stehen benutzerspezifische Dashboards zur Verfügung. Sie visualisieren den Stand aller Workflows, Prozesse und Tasks. Auch wichtig war die Abbildung der in der Pharma- und Kosmetikproduktion maßgeblichen Normen und Richtlinien. Das ERP-System musste alle Labor- und Produktionsprozesse validierungskonform abbilden – seien es Anforderungen aus der Chemie-, Pharma-, Kosmetik- oder Lebensmittel-Branche. So ist im Pharma- und Kosmetikbereich die Einhaltung der Good Manufacturing Practice (GMP) oberstes Gebot.

Bild: Wagener & Co. GmbH

Bild: Wagener & Co. GmbH

Bild: Wagener & Co. GmbH

Bild: Wagener & Co. GmbH

Pufferlager als Umschlagplatz

Ein weiterer Schwerpunkt der Einführung lag auf dem Warenfluss. Dieser erstreckt sich beim Hersteller über zwei separate Betriebsteile, die durch Straßenverkehr miteinander verbunden sind. Zum Teil existieren automatisierte Transportwege, bei denen etwa Flurfördergeräte zum Einsatz kommen. Aber auch die guten alten Staplerfahrten im Hochregallager gehören zum Alltag. „Neuralgischer Punkt unserer internen Logistik ist unser Pufferlager im Werk 1“, erläutert Christian Wagener, Leiter Finanzwesen und Controlling und Projektleiter bei der ERP-Einführung. „Wenn es dort zu Staus und Verzögerungen kommt, wirkt sich dies sofort auf die Produktion und unsere Lieferfähigkeit aus. Ziel war es also, hier sprichwörtlich Platz zu schaffen.“ Auf Basis der ERP-Lösung haben Wagener und sein Team das vor allem mit drei Bausteinen geschafft. Der neue ‚Leitstand Materialanforderung‘ automatisiert Prozessschritte, indem er alle Informationen nutzt, die an den unterschiedlichen Stellen im Unternehmen vorhanden sind: Arbeitspläne, Artikelbestände, Stücklisten, Ist-Rückmeldungen aus der Produktion und vieles mehr. Diese Informationen ermöglichen es, dass Materialien wesentlich schneller und passgenau in der Produktion bereitgestellt werden. Der Algorithmus des Systems berechnet etwa bei einer kontinuierlichen Produktion, zu welchem Zeitpunkt welche und wie viele Paletten wo benötigt werden. Es erfolgt dabei eine automatische Auswahl der Nachschubbestände unter Berücksichtigung von Kriterien wie ‚First Expired – First Out‘. Berücksichtigt sind auch Anforderungen wie vorgezogene Bereitstellungszeiträume für Wärmekammerzeiten. Denn manche Artikel müssen stundenlang mit Wärme behandelt werden, bevor sie sich weiterverarbeiten lassen. Die Mitarbeiter sehen im Leitstand genau, was vor der Produktion zu tun ist. Statt die Stücklisten einzeln durchzuarbeiten, liegen per Mausklick die Materialanforderungsvorschläge vor. Ein geschulter Blick reicht, und die Mitarbeiter können die Vorschläge des Systems freigeben.

Staplerleitsystem als ERP-Modul

Der zweite zentrale Baustein des neuen Systems basiert auf dem standardisierten Staplerleitsystem der implementierten Anwendung. Dieses unterstützt Umlagerungen und Kommissionierungen. Bei Wagener verfügen nun alle Staplerfahrer auf ihren Fahrzeugen über ein Terminal, das ihnen anzeigt, was sie wann und wohin transportieren sollen. Des Weiteren berücksichtigt das System auch Zwischenziele – etwa, wenn ein Lkw-Transport zwischengeschaltet ist. Denn ist ein Bestand erst einmal auf einem Lkw-Lager gescannt, wird er auf dem automatisch erstellten Lieferschein für den Transport zwischen den Werken mit angezeigt. „Das standardisierte Staplerleitsystem ist bereits auf die Anforderungen der Prozessindustrie zugeschnitten. Über die GUS-OS Suite konnten wir zugleich weitere individuelle Funktionen und Workflows mit einbauen, ohne dabei den Standard zu sprengen“, sagt Günter Schelkes, Leiter EDV bei Wagener & Co. Der dritte Baustein bindet die automatischen Flurfördergeräte des Unternehmens ein, mit denen Wagener die Ware von der Abfüllung und Konfektionierung ins Hochregallager bringt. Die neue Schnittstelle zum ERP-System arbeitet die Fahrbefehle aus dem Staplerleitsystem ab, damit das automatische Flurfördergerät die Paletten richtig absetzt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Nach jedem wirtschaftlichen Hoch kommt das Tief. Soweit die Logik. Und wenn es zur Flaute kommt, wird die Innovationskraft zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor, findet Sabine Bendiek. Die Microsoft-Deutschland-Chefin schildert außerdem, warum starke Firmen starke Partner brauchen und wie es um das Thema künstliche Intelligenz im Land bestellt ist.‣ weiterlesen

Durch die Nutzung von Sensordaten können Anwender einen signifikanten Mehrwert erzielen - wenn Algorithmen beispielsweise den Zeitpunkt der nächsten Wartung prognostizieren. Das Ulmer Beratungshaus GPS hat nachgesehen, wie sich der Antriebstechnikhersteller Mayr diesen Ansatz im Sinne einer Industrie 4.0 zunutze macht.‣ weiterlesen

Noch immer prägen ausgedruckte CAD-Layouts mit handschriftlichen Statusmeldungen und direkte Kommunikation den Bau einer Anlage. Mit Größe des Projekts steigen so die Risiken für Fehler, Zeitverlust und Ressourcenverschwendung. Diese lassen sich durch digitales Prozessmanagement reduzieren.‣ weiterlesen

Datenstandards wie eCl@ss vereinfachen den Handel und die Kommunikation zwischen Unternehmen. Dadurch sparen sie im Schnitt 5,85 Millionen Euro im Jahr. Vor allem im Einkauf und im Vertrieb spart eCl@ss viel Geld, zeigt eine neue Studie der IW Consult.‣ weiterlesen

'Smart Solutions for Production and Assembly‘ lautet das Motto der diesjährigen Motek, die gemeinsam mit der 13. Bondexpo vom 7. bis zum 10. Oktober in Stuttgart stattfindet. Rund 1.000 Aussteller werden dann ihr Portfolio präsentieren.‣ weiterlesen

Beim Fachkongress IT meets Industry treffen sich am 19. und 20. November in Mannheim Fach- und Führungskräfte aus IT und OT. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf der IT-Sicherheit in der Industrie.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige