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Zwischen Parametern und Codezeilen

Customizing von ERP-Systemen

Die Anpassungsmöglichkeiten eines ERP-Systems entwickeln sich immer mehr zum Unterscheidungsmerkmal aktueller Systeme. Doch welche Möglichkeiten für die individuelle Ausprägung gibt es – und welche Vor- und Nachteile bieten sie?

 (Bild: SoftGuide GmbH & Co. KG)

(Bild: SoftGuide GmbH & Co. KG)

Unternehmensprozesse sind in der Regel sehr spezifisch und individuell, da der Wettbewerb die Unternehmen zwingt, sich ständig weiter zu entwickeln. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen Vorgänge aber auch stetig optimiert werden. Bei der ERP-Einführung stellt sich dann häufig die Frage, ob die ausgesuchte Lösung die Gesamtheit der Unternehmensprozesse bereits im Standard abbildet oder ob entweder die Unternehmensprozesse an die Software angepasst werden oder umgekehrt. Ein Standard-ERP besteht in der Regel aus einer ganzen Reihe an Funktionen und Modulen, die sich aus langjährigen Best-Practice-Prozessen ergeben. Für viele ERP-Installationen werden die Standardfunktionen der Systeme um spezifische Branchenfunktionen erweitert und ergänzt. Auf diese Weise können einige wichtige Funktionalitäten bereits mitgeliefert werden. Doch selbst Branchen-ERP-Systeme sind Standard-Lösungen, die nicht alle individuellen Prozesse des jeweiligen Unternehmens komplett abbilden können.

Lösungen müssen mitwachsen

Bei der ERP-Einführung müssen selbstverständlich die vorhandenen Stammdaten eingelesen werden, das Corporate Design implementiert, die Lokalisierung vorgenommen werden und bereits vorhandene Einzellösungen entweder über Schnittstellen angebunden oder aber die bisherigen Daten aus diesen Einzellösungen übernommen werden. Bei der Frage der Anpassung geht es daher weniger um das ‚ob‘, sondern mehr um das ‚wie‘ und ‚in welchem Umfang‘. ERP-Lösungen sollten ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit bzw. Flexibilität aufweisen, so dass die Software sich nicht nur an die vorhandenen Geschäftsprozesse anpassen lässt, sondern auch zukünftigen neuen Marktanforderungen gewachsen ist. Doch nicht jede Form der Anpassung bzw. des Customizings ist gleichermaßen zu favorisieren. Der Einführung des ERP-Systems sollte also eine kritische Prüfung aller geschäftlichen Abläufe vorausgehen, so dass unter Umständen auch ein betrieblicher Prozess geändert wird und dem neuen ERP- System angepasst wird und nicht umgekehrt.

Parametrisierung

Praktisch jedes ERP-System umfasst Parameter zur Abbildung besonderer Unternehmensanforderungen. Manche Lösungen verfügen allerdings über nur geringe Anpassungsmöglichkeiten, während andere eine breite Palette an Parametern umfassen und so recht individuell darüber angepasst werden können. Der Vorteil dieser Form der Anpassung ist, dass der eigentliche Programmcode der Anwendung nicht geändert wird. Das System bleibt weiterhin updatefähig. Ein Nachteil bei der Parametrisierung kann auftreten, wenn zu viele Parameter vorhanden sind, die aktiviert oder deaktiviert werden können. Hier kann eventuell das Aktivieren oder Deaktivieren bestimmter einzelner Einstellungen untereinander Abhängigkeiten erzeugen, die sich auf die Funktionalität auswirken.

Installation von Add-ons

Add-ons sind zusätzliche ERP-Tools, die das Kernsystem der Lösung nicht verändern. Es bleibt somit weiterhin releasefähig. Typischerweise werden durch Add-ons fehlende Prozesse hinzugefügt oder Funktionalitäten erweitert.

Maßschneiderei ist aufwendig

Eine weitere Methode, das eingesetzte System anzupassen, ist die Anpassungsprogrammierung bzw. das Coding. So lassen sich zwar die eigenen Unternehmensprozesse exakt anpassen, in der Regel dauert die Entwicklung allerdings deutlich länger und das ERP kommt später zum Einsatz. Im Gegensatz zum Standard-ERP steigen zudem die Kosten sowohl bei der Erstellung des Codes als auch später bei der Pflege des Systems. Ein weiterer Nachteil des Codings ist der Verlust der einfachen Updatefähigkeit. Der individuell angepasste Code muss bei jedem Update wieder mitgenommen bzw. gesondert angepasst werden. Daher werden Updates bei modifizierten ERP-Systemen oft vernachlässigt oder ganz ausgelassen, so dass die Anwendung veraltet und unter Umständen Sicherheitslücken aufweist. Wenn es also Code-Anpassungen im ERP-System geben soll, sollten diese besonders gut dokumentiert werden. Das erleichtert spätere Updates und Anpassungen.

Customizing-Tools an Bord?

Eine Anpassung des ERP-Systems ist die Regel. Der Umfang dieser Individualisierung hingegen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die verschiedenen Customizing-Optionen haben jeweils Vor- und Nachteile, die jedes Unternehmen für sich bei der Einführung abwägen muss. Generell ist es aber von Vorteil, wenn die einfache Updatefähigkeit der Anwendung erhalten bleibt. Es kann zudem von Vorteil sein, die Lösung der Wahl auch danach auszuwählen, ob sie ab Werk über ein entsprechendes Customizing-Tool verfügt. So könnten Anpassungen wie Datenbankerweiterungen, Programmaussprünge, Formularanpassungen und vieles mehr schneller und effizienter vorgenommen werden.


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