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Betriebsmittelsicherheit in der Produktion

LOTO im europäischen Maschinenbau

Restenergien sind oft die Ursachen für schwere Arbeitsunfälle an Maschinen und Anlagen. Mit einem LOTO-Programm lassen sich diese Restenergien einfangen und abschalten. Dafür reicht es aber nicht, einfach Schlösser an die Hauptschalter zu hängen.

Bild: ©B1_Corepics/Fotolia.com

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Direkte Energietypen im Maschinenbau wie Elektroenergie, Gas, Hydraulik, Pneumatik oder durch Reaktionen chemischer Substanzen sind bekannt. Es gibt aber auch indirekte oder sekundäre Energie – etwa, wenn sich ein Schwungrad mit Motorantrieb nach dessen Ausschaltung mit Rotationsenergie weiterdreht, wenn mit Federkraft gespannte Teile Bewegungsenergie halten oder in einem Behälter ein Restdruck herrscht.

Die fünf Sicherheitsregeln aus der VDE 0100 der Elektrotechnik sorgen dafür, dass elektrische Energie keinen Schaden verursacht – sie lauten freischalten (Spannungsversorgung ausschalten), gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen sowie spannungsführende Teile abdecken oder abschranken. Alle anderen Energiearten, direkte wie indirekte, werden dabei nicht berücksichtigt. Genau das kann LOTO leisten: Darüber werden alle vorhandenen Energien sicher abgestellt und überprüft.

Systematisch gegen Unfälle gesichert

In den USA regelt die Occupational Safety and Health Administration (OSHA) die Kriterien und Mindestvoraussetzungen für LOTO mit dem Code of Federal Regulations CFR 1910.147- The control of hazardous energy (lockout/tagout). Dort kommt LOTO bei wiederkehrenden Arbeiten an Maschinen und Anlagen zum Einsatz, wie etwa der Wartung, Instandhaltung und Reinigung.

Das LOTO-Vorgehen umfasst folgende Schritte: Der betroffene Schalter wird umgelegt und die Spannung bzw. Energie damit abgeschaltet, der Schalter wird mit einem Schloss gesichert, auf einem Etikett stehen dann Name, Datum und Grund für die Abschaltung.

Danach wird die Spannungsfreiheit mit einem Messgerät geprüft, um sicherzustellen, dass der Schalter nicht kaputt ist. LOTO könnte deswegen um ein zusätzliches TO für ‚try out‘, also Überprüfung, ergänzt werden, um im Namen alle drei Schritte abzubilden. Ein anderer Name für das Vorgehen lautet LTV – Logout, Tagout, Verify. Mit LOTO wird also zum Beispiel sichergestellt, dass kein Restdruck mehr vorhanden ist, die Hydraulik steht und keine Säuren oder Laugen in den Leitungen zurückgeblieben sind.

LOTO für Europa und Deutschland

Die Notwendigkeit von LOTO ist auch in Europa gegeben, auch wenn der Gesetzgeber eine solche Regelung nicht vorsieht. Geregelt wird die Arbeitssicherheit bei Wartungs- oder Reinigungsarbeiten von der europäischen Richtlinie 2009/104/EG über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Arbeitsmitteln durch Arbeitnehmer bei der Arbeit: Der Arbeitgeber hat die Verantwortung, seinen Mitarbeitenden nur sichere Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Arbeitsmittel umfasst alles, was der Mitarbeitende braucht, um seiner Tätigkeit nachkommen zu können, unter Benutzung versteht die Richtlinie jede Art von Tätigkeit, die mit oder an dem Arbeitsmittel durchgeführt werden muss. Sie deckt also nicht nur den normalen Gebrauch ab, sondern auch Fehlerbehebung, Instandhaltung, Wartung und Reinigung – eine Maschine muss während aller Tätigkeiten sicher sein. Das impliziert LOTO, auch wenn der Begriff als solcher nicht genannt wird.

Immer mehr Unternehmen führen in Deutschland ein solches System ein. Die Gründe sind unterschiedlich. Manche Firmen mit Schwestergesellschaften in den USA übernehmen es wegen des amerikanischen Einflusses, andere verstärken ihren Fokus auf die Sicherheit mit einem LOTO-Programm. Denn noch immer passiert ein Großteil der schweren Unfälle im Gewerbe nicht im Normalbetrieb, sondern bei der Wartung, Instandhaltung oder Reinigung, weil noch Restenergien im System sind, die nicht abgeschaltet wurden.

Das Problem: Während elektrische Energie immer über den Hauptschalter gesichert werden kann, sind andere Energien nicht immer ohne Weiteres absperrbar, auch wenn Maschinenbauer bereits bei der Konstruktion und der Risikobeurteilung dazu angehalten sind. Gerade die Lageenergie bei Maschinen mit anhebenden Komponenten und vertikalen Bewegungen wird gern stiefmütterlich behandelt; es fehlt dann an Möglichkeiten, die kinetische Energie abzusperren bzw. das Herabfallen von Teilen zu verhindern.


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