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Artikelreihe Product Lifecycle Management, Teil 2:

Die Qual der Anbieterwahl

Nachdem es in der vergangenen Ausgabe darum ging, mit welchen Kosten bei der Einführung eines PLM-Systems zu rechnen ist, widmet sich der zweite Teil der Artikelserie der Auswahl einer geeigneten Lösung sowie eines passenden Partners.

 (Bild: ©JJAVA/Fotolia.com)

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Bei der Einführung eines PLM-Systems spielen nicht nur die Kosten eine Rolle, sondern es geht auch darum, das geeignete System sowie den passenden Partner zu finden. Der zweite Teil der Artikelserie ‚Was kostet PLM‘ geht daher auf Kriterien ein, die bei dieser Entscheidung helfen sollen. Bei der Bewertung von PLM-Lösungen sollten Fertigungsunternehmen dabei folgende Punkte beachten:

  • • Produktanforderungen und Bedarfsermittlung stehen am Anfang
  • • Anforderungen hinsichtlich Implementierung, Einführung und Support
  • • Spezielle Anforderungen an den Anbieter (z.B. weltweite Präsenz oder mögliche Übernahme einer Generalunternehmerschaft, Referenzen)
  • • Spezielle branchenbedingte Anforderungen z.B. Maschinenrichtlinien, MDR/FDA-Konformität bei Unternehmen der Medizintechnikbranche oder andere erforderlichen Standards oder Normen
  • • Zukünftige Anforderungen für die weitere Digitalisierung des Unternehmens wie ERP-Anbindung oder Aufbau eines digitalen Zwillings

Unternehmen sollten auch die Möglichkeit im Blick haben, die PLM-Lösung mit weiterführenden Funktionen zu erweitern. Zu Beginn empfiehlt es sich jedoch, klein anzufangen.

Die Wahl eines Anbieters

Die digitale Transformation hat in irgendeiner Art und Weise Auswirkungen auf jedes Unternehmen. Wer auf der Suche nach einer PLM-Lösung ist, kann so den Grundstein für eine konsistente digitale Produktrepräsentation legen. Ausgehend von einem Nutzungszeitraum von mindestens zehn Jahren, können jedoch Fehler bei der Auswahl erhebliche Konsequenzen mit sich bringen. Ein PLM-Anbieter sollte auf die Frage, welche Rolle Product Lifecycle Management für eine digitale Transformationsstrategie spielt, eine gute Antwort haben – sei es mit strategischen Partnerschaften, einem guten Ecosystem oder eigenen Digitalisierungslösungen. Und auch wenn es heute noch keine Rolle spielt, so ist die Verfügbarkeit einer Cloudlösung, auf die gegebenenfalls später migriert werden kann, ein weiterer wichtiger Aspekt. Doch was gibt es bei der Auswahl eines Anbieters – speziell eines PLM-Cloudanbieters – zu beachten?

Was ist wichtig?

Leistung, Zuverlässigkeit und Sicherheit: Produktdaten sind von unschätzbarem Wert. Daher ist die Gewährleistung von Sicherheit, Integrität und Zugänglichkeit im gesamten Unternehmen von größter Bedeutung. Entsprechende Technologien müssen unterstützt werden (Virtualisierung, Replikation, Spiegelung etc.). Im Falle einer Cloudlösung sollte der Lieferant auch eine kontinuierliche Systemverfügbarkeit von mindestens 99,5 Prozent anbieten und sein System stetig optimieren. So können ungeplante Ausfallzeiten reduziert werden.

Closed-Loop PLM: Die Anforderungen von Unternehmen an ein PLM-System sind vielfältig und umfassen mehrere Abteilungen mit unterschiedlichem Entwicklungsgrad. Anstatt nach einem PLM-Anbieter für Nischenlösungen zu suchen, empfiehlt es sich, einen Anbieter zu wählen, der im gesamten Unternehmen End-to-End-Funktionen bietet. Dazu gehören grundlegende Funktionen wie Dokumentenmanagement, Produktstruktur, Änderungsmanagement und Teileklassifizierung, aber auch komplexere Bereichen wie IIoT/IoT, Augmented Reality oder Systemintegration. Selbst wenn Unternehmen noch nicht für ein fortgeschrittenes PLM bereit sind, sollten sie dennoch in die Lage versetzt werden, nach einem überdurchschnittlichen branchenbezogenen Reifegrad zu arbeiten.

Schnelle Wertschöpfung der PLM-Funktionen: Der Markt bewegt sich schnell und somit bleibt kaum Zeit, komplexe PLM-Implementierungen selbst vorzunehmen. Abgesehen von einer großen Bandbreite an Funktionen der PLM-Lösung, sollte der gewählte PLM-Anbieter innerhalb eines Partnernetzwerkes daher tiefgreifendes Wissen und entsprechende Erfahrungen mitbringen. Eine Cloudlösung kann beispielsweise bereits in vier bis zwölf Wochen einsatzbereit sein.

Unternehmensweite Zusammenarbeit: Da Produkte immer komplexer werden, müssen Unternehmen Wege finden, eine Zusammenarbeit mit globalen Design- und Lieferpartnern sicherzustellen. Dabei ist es kostspielig und aufwendig, ein eigens aufgesetztes System zu verwalten. Viele Unternehmen sind nicht bereit oder in der Lage die damit verbundenen Sicherheitsrisiken zu bewältigen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass ein PLM-Anbieter Funktionen für die Zusammenarbeit – webbasiert oder in der Cloudlösung – mitliefert. So kann z.B. die Akzeptanz im Unternehmen für die PLM-Lösung gesteigert werden, da Produktdaten für alle Beteiligten leicht einsehbar sind. Über rollenbasierte Anwendungen kann jeder Mitarbeiter dabei nur sehen, was er sehen muss.

Projektbasierte Zusammenarbeit: Zusammenarbeit auf Projektbasis, bestenfalls auf agile Herangehensweisen abgestimmt, erhöht die Innovationskraft und erzeugt sichere abgeschlossene Projektbereiche für Kunden und Partner. Standardisierte, effiziente Prozesse und eine automatisierte Projektausführung gewährleisten zeitnahe Kommunikation zwischen verteilten Teams. Nachverfolgungstools tragen dazu bei, KPIs stets im Blick zu haben und damit den Fortschritt eines Projekts zu überprüfen.

Flexible Preisgestaltung: In der Regel finden mietbasierte Lizenzmodelle Anwendung (Subscription). Das verringert die Höhe der Anfangsinvestition und gibt später Flexibilität beim Wachstum der Lösung, sei es funktional oder auf die Anzahl der Arbeitsplätze bezogen. Dabei gilt es, auf mögliche Tauschoptionen von Software-Lizenzen zu achten. Mit Cloud- oder SaaS-Lösungen gehen Kunden von einem Betriebsausgabenmodell aus, bei dem die Kapitalkosten eliminiert werden und der Anbieter die Verantwortung für alle Systemaktualisierungen und -upgrades übernimmt. Die beiden Modelle nähern sich aber immer weiter an. Subscription-Modelle geben Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit, ihre Ausgaben den Gegebenheiten anzupassen. Die Abrechnung erfolgt für die Anzahl von Mietlizenzen, die gerade benötigt wird. Kauflizenzen wiederum liegen brach, wenn sie nicht genutzt werden.

Updates und Upgrades: Die jeweilige Lösung sollte ein gutes Support- und Update-Konzept mitbringen. Referenzen können darüber näher informieren. Fällt die Entscheidung auf ein PLM-as-a-Service-Modell, müssen Hardware und Software nicht vor Ort installiert werden, sodass die interne IT-Abteilung weniger Änderungen und Aktualisierungen vornehmen muss. Updates und Upgrades werden vom jeweiligen Anbieter gestellt und durchgeführt.

Systemintegration und Konfiguration: Die Fähigkeit, CAD- und PLM-Systeme zu integrieren und auf andere Unternehmenssysteme (z.B. ERP) zu erweitern, trägt dazu bei, Produktdaten im gesamten Unternehmen in einer Quelle zu vereinen. Ein Anbieter sollte daher über gute Konzepte zum Austausch mit anderen Applikationen verfügen. Dabei spielt die Verfügbarkeit einer Plattform, die über Standardprotokolle mit anderen Systemen kommunizieren kann, eine wesentliche Rolle.

Mehr als 120 Kriterien

Es ist nicht einfach das richtige PLM-System und den passenden Anbieter zu finden. Die verschiedenen Kriterien im Auge zu behalten ist dabei gar nicht so einfach. NET AG System Integration hat diesbezüglich eine Liste mit mehr als 120 Kriterien zusammengestellt, die online verfügbar ist und die Suche nach dem richtigen Anbieter erleichtern soll.


Sechs Ratschläge für die PLM-Einführung

Das Marktforschungs- und Consulting-Unternehmen Tech-Clarity analysiert unter anderem den betriebswirtschaftlichen
Nutzen von Softwaretechnologien und Dienstleistungen. In Bezug auf PLM-Software
empfiehlt das Haus folgende Maßnahmen:
  • Unternehmen sollten die PDM-Anforderungen für auf Grundlage der geschäftlichen Bedürfnisse, der Unternehmensgröße, der Branche und der individuellen Voraussetzungen ermitteln und priorisieren.
  • Firmen sollten Anforderungen auf hoher Ebene verwenden, um Lösungen auf ihre Tauglichkeit zu prüfen, bevor mit detaillierten Bewertungen begonnen wird.
  • Kleine Unternehmen oder Unternehmen, die schnell starten möchten oder über beschränkte IT-Ressourcen verfügen, können einfache, marktübliche technische Lösungen wie Cloud- oder Managed-Service-Lösungen in Betracht ziehen.
  • Es gilt die Benutzerakzeptanz zu berücksichtigen, einschließlich vereinfachtem Zugriff und verstärkter Visualisierung für nicht-technische Ressourcen.
  • Für größere Unternehmen mit höheren Anforderungen an Prozesse und Skalierbarkeit und dem entsprechenden Budget für die erforderlichen IT-Ressourcen: Diese sollten den Einsatz skalierbarer Lösungen mit umfassenden Funktionen in Betracht ziehen, die beispielsweise eine standortübergreifende globale Zusammenarbeit unterstützen.
  • Ebenfalls bedenken sollte man die langfristigen Bedürfnisse im Hinblick auf Unternehmens- und Prozesswachstum, auf Digitalisierungs- und Industrie-4.0-Initiativen.


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