Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Corona-Pandemie verursacht Logistikprobleme

Warenstau im Reich der Mitte

Warentransporte von China nach Europa sind derzeit mit deutlich höheren Kosten als verbunden, als noch vor einigen Wochen. Containerschiffe sind ausgebucht, in der Luftfracht fehlen Kapazitäten und Waggons für Bahntransporte sind Mangelware. Schuld an dieser Verknappung ist die Corona-Pandemie.

Bild: ©Angelika Bentin/Fotolia.com

Bild: ©Angelika Bentin/Fotolia.com

Firmen in ganz Europa, die Waren in Asien und insbesondere in China einkaufen, kämpfen mit Lieferengpässen und stark wachsenden Frachtraten. Bestellte Sendungen erreichen Europa verspätet, weil Häfen überfüllt und die Containerschiffe auf den Routen in Richtung Westen randvoll sind. Dazu kommt: In asiatischen Häfen fehlen zum Teil Leercontainer, weil die Liefervolumen von Fernost in den Westen derzeit deutlich höher sind als in die andere Richtung. Charterschiffe sind kaum mehr zu buchen, weil die Kapazitäten nicht mehr erhältlich sind. Verschärft wird die Lage dadurch, dass den geringeren Kapazitäten zum Teil höhere Abverkaufszahlen und damit größere Warenmengen gegenüberstehen. Einige Reeder haben jetzt Buchungen für 2020 gestoppt, weil die Schiffe bis Jahresende voll sind. Und sie streichen absichtlich geplante Abfahrten, um die Frachtraten nach oben zu treiben. Insider berichten, dass binnen 13 Wochen 26 Abfahrten in Richtung Europa ausgefallen sind.

Unverschifft trotz Prioritätsaufschlag

Von permanent steigenden Kosten und kostspieligen sogenannten saisonalen Zuschlägen der Reedereien berichten Unternehmen dem Bochumer Softwareanbieter Setlog. Mehr als 100 Modemarken, die viel Ware in Asien herstellen lassen, nutzen Setlogs SCM-Software OSCA, um ihre internationalen Lieferketten zu steuern. Eine der großen Reedereien offeriert eine Art Prioritätsservice mit einem Aufpreis von rund 1.000 US-Dollar, mit dem sich Unternehmen vermeintlich einen Platz auf einem gewünschten Schiff erkaufen können. Doch auch die Zuschläge sind keine Garantie, dass die Transporte in Richtung Europa reibungslos laufen. „Bei 20 Prozent der Buchungen helfen auch die Zuschläge nicht“, sagt Setlog-Vorstand Ralf Düster aus Gesprächen. Er schätzt, dass insgesamt nur noch zehn Prozent aller alten Verträge eingehalten werden. Kurzfristige Transportbuchungen seien fast unmöglich. Die Folge: Firmen geben Transportaufträge von China nach Europa inzwischen bis zu sechs Wochen vor der Verschiffung.

Preise auf dem Spotmarkt

Seefracht: In der Kalenderwoche 48 kletterte der Shanghai Containerized Freight Index auf fast 3.000 US-Dollar für einen 20-Fuß großen Seefracht-Container. Das entspricht etwa dem Vierfachen des Werts vor sechs Wochen.

Luftfracht: Der Rückstand bei den Transporten nach Europa beträgt zum Teil sechs Tage. Manche Fluggesellschaften rufen je nach Relation bis zu 9,50 US-Dollar pro Kilogramm frachtpflichtigem Gewicht auf. Noch vor einigen Jahren wurde ein Kilogramm für 1,75 US-Dollar geflogen. Auslöser der Kapazitätsengpässe ist das Coronavirus. Weil große Teile der Passagiermaschinen-Flotten am Boden bleiben, stehen die sogenannten Belly-Kapazitäten nicht mehr als Frachtraum zur Verfügung. Manche Airlines lassen Passagierflugzeuge kurzerhand zu Frachtern umrüsten. In dieses Business ist vor Kurzem auch der Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson mit Caerdav eingestiegen. Der Rockmusiker und Unternehmer ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Firma.

Bahnfracht: Um einen Container auf der Schiene aus dem chinesischen Wuhan nach Deutschland zu transportieren, müssen mitunter mehr als 8.000 US-Dollar auf den Tisch gelegt werden. Denn wie in der Seefracht sind die Warenströme von Ost nach West deutlich größer als umgekehrt, erläuterte kürzlich Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Außerdem seien Waggons für den Warentransport ein knappes Gut.

Kostenanstieg mit Software begrenzen

Damit aufgrund der hohen Frachtraten wenigstens die Kosten pro Warenstück gering sind, rät Patrick Merkel, Geschäftsführer der Prologue Solutions GmbH, sich frühzeitig Informationen der Lieferanten zu den Bestellungen zu besorgen und Sendungen möglichst zu bündeln (Buyer´s Consolidation). Digitale SCM-Lösungen helfen, die dafür erforderlichen Informationen von allen angeschlossenen Supply Chain-Partnern einzuholen und zu verarbeiten. So wird etwa früh bemerkt, wenn beispielsweise Verlader Buchungsänderungen vornehmen.

 


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Konsolidierung großer Datenmengen, um damit KI-Anwendungen für Produktionsprozesse zu entwickeln, fällt vielen Unternehmen noch schwer. Im Projekt ExDRa sollen Lösungen entstehen, die diesen Prozess spürbar vereinfachen. Dieser Text ist der Auftakt zu einer Artikelreihe zu den produktionsbezogenen Initiativen des vom BMWi geförderten Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft.‣ weiterlesen

Rockwell Automation hat einen neuen CTO. Zum 1 Juli hat Cyril Perducat das Amt des Chief Technology Officers übernommen.‣ weiterlesen

Um schon vor der Lieferung einer Werkzeugmaschine Einblicke in ihre Leistungsfähigkeit zu ermöglichen, arbeitet die Schweizer Starrag-Gruppe mit der NC-Simulationslösung Vericut. Anhand der ermittelten Daten lassen sich die für später angedachten NC-Programme feinjustieren, noch bevor die Maschine ihr Werk verlässt.‣ weiterlesen

Viele Firmen befassen sich gerade mit der Neuausrichtung Ihrer Lieferketten. Dabei bietet das europäische Estland auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen beispielhafte Digitalisierungs- und Fertigungsexpertise. Zusammen mit dem vergleichsweise einfachen Marktzugang, der räumlichen Nähe und dem Rahmen der EU-Gesetzgebung dürfte das kleine Land ein zunehmend wichtiger Partner der hiesigen Industrie bei ihrer digitalen Transformation werden.‣ weiterlesen

Änderungen in Personalzeitwirtschaft und Entgeltabrechnung gehören im HR-Management zu den oft ungeliebten, aber dennoch regelmäßig anstehenden Aufgaben. Jede Änderung in den Betriebsvereinbarungen, Gesetzesnovellen oder tarifliche Neuregelungen verlangen die Überarbeitung von Schemen und Regeln in den Personalabteilungen. Und auch Adhoc-Änderungen müssen unmittelbar umgesetzt werden.‣ weiterlesen

ERP-Branchenlösungen sollen Standardgeschäftsprozesse und Spezialfunktionen unter einen Hut bringen. Innovachem für mittelständische Chemieunternehmen verbindet den Systemkern aus Basis von SAP S4/Hana etwa mit Modulen zur Rezepturentwicklung und Compliance-Prüfung. Das erspart so manche Programmierarbeit und Schnittstellenpflege.‣ weiterlesen

Aras Software hat einen neuen Geschäftsführer. Peter Schoppe hat mit Wirkung zum 1. Juli die Leitung des Plattformanbieters übernommen.‣ weiterlesen

Er ist schnell, leicht und verbraucht wenig Treibstoff: Der Hochgeschwindigkeits-Helikopter Racer kann Fluggeschwindigkeiten von bis zu 400km/h erreichen. Die Schalenbauteile seiner Außenhaut werden mit einem neuartigen Fertigungsverfahren hochautomatisiert hergestellt. Ein Forscherteam des Fraunhofer IGCV hat die Methode gemeinsam mit Airbus Helicopters entwickelt.‣ weiterlesen

Dualis hat den neuen Hauptsitz des Unternehmens in Dresden bezogen. Der reguläre Arbeitsbetrieb begann am 19. Juli.‣ weiterlesen

Kawasaki Gas Turbine Europe plant, produziert, installiert und wartet Gasturbinen. In Bad Homburg befindet sich das europäische Zentrallager des Tochterunternehmens von Kawasaki Heavy Industries. Um dort fehleranfällige Prozesse abzulösen, hat das Unternehmen eine Lagerwirtschaftslösung eingeführt, die alle Transportbewegungen dokumentiert.‣ weiterlesen

Störungen in der Lieferkette können schnell zu Problemen führen. Jaggaer hat vier Tipps zusammengestellt, wie Unternehmen Schwachstellen in der eigenen Lieferkette identifizieren können.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige