Anzeige
Anzeige
Anzeige

Rüstzeiten

Erweiterte Realität beim Maschinenrüsten

Beitrag drucken

Rüstprozess analysiert

Unter dem Motto ‚Lean und Digital‘ wurde in der ersten Phase des Projektes der bestehende Rüstprozess erhoben, analysiert und Optimierungspotentiale erkannt. Ziel dabei war, den Rüstprozess zuerst organisatorisch zu verbessern, einen Standard zu schaffen und diesen dann über die Datenbrille den Werkern digital zur Verfügung zu stellen. Die Vorgehensweise erfolgte klassisch über initiale Rüstworkshops. Dabei wurde entdeckt, dass über 60 Prozent der Zeiten im Rahmen des Rüstens auf Suchen und Transportieren von Rüstwerkzeug, sowie Nachjustieren entfallen. Die Entwicklung der AR-Anwendung erfolgte im Anschluss nach einem agilen Vorgehen. Der agile Ansatz ermöglichte das Einbinden der Produktionsmitarbeiter in den Entwicklungsprozess, was die erforderliche Akzeptanz des Personals schaffte. Der erste Prototyp als minimal viable product wurde dem Auftraggeber sowie den Schichtleitern übergeben, um in der frühen Testphase sofort Feedback der Endnutzer – also der Maschinenführer – zu bekommen. Nachdem diverse Mitarbeiter die Anwendung testeten, wurden die geäußerten Anregungen, welche hauptsächlich Usability-Themen betrafen, behoben und zu einer operativ einsetzbaren Lösung weiterentwickelt.

Hologramm-Ansicht: Moderne Endgeräte ermöglichen es, in relativ kurzer Zeit Prototypen zu erstellen und schnell erste Ergebnisse zu visualisieren.

Bild: Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH

Mitarbeiterzeitung informierte

Um die Akzeptanz bei den Werkern zu erhöhen, wurde neben dem Ausprobieren der Prototypen auch in der Mitarbeiterzeitung prominent darüber berichtet. Außerdem wurde ein kurzes Informationsvideo für die Mitarbeiter gedreht, in welchem der Zweck und Nutzen sowohl für die Management-Ebene als auch für die Mitarbeiter selbst dargestellt wurde, um so Ängsten und Zweifeln in der Benutzung der neuen Technologie und der realisierten Anwendung entgegenzuwirken. Um neue Technologien wie AR beim Rüsten einzusetzen, benötigte es einen betrieblichen Bedarf, wie beispielsweise den geschilderten Mangel an Fachpersonal in dem betrachteten Unternehmen. Gleichzeitig aber auch Entscheidungsträger im Unternehmen, die an den neuen Techniken interessiert sind. Gerade bei einem mittelständischen Unternehmen ist es darüber hinaus wichtig, dass die Projektbudgets, vor allem bei Technologiestudien mit ungewisseren Ergebnissen, in überschaubarem Rahmen bleiben. AR und damit Technik haben in dem geschilderten Beispiel etwas geschafft, das vergangene organisatorische Initiativen nicht erreicht haben – die genaue Bestimmung der notwendigen Rüstwerkzeuge und -prozesse pro Maschine und Auftrag, das Erheben der Einstellungswerte an den Maschinen, aber auch das nachträgliche Einbauen von Skalen, Anschlägen, Markierungen et cetera an den Anlagen, um definierte Einstellwerte und Prozesse festzuhalten. Was während der Entwicklung hervortrat, war das Verlangen der Mitarbeiter nach einer realitätsgetreuen Darstellung der Hologramme. Eine rein schematische Visualisierung der Rüstwerkzeuge wurde als nicht befriedigend empfunden und sorgte bei einigen Mitarbeitern für Verwirrung. Gerade das Digitalisieren großer, sperriger Rüstwerkzeuge war aber mit erheblichen Kosten verbunden. Ebenfalls eine Erkenntnis war, dass das automatische Erkennen von richtig und falsch eingebauten Maschinenteilen bei engen Toleranzen durch die Datenbrille nicht möglich war. Mit Hilfe der agilen Herangehensweise und der unternehmensweiten Bewerbung und Aufklärung der Anwendung wurde die nötige Akzeptanz der einzelnen Mitarbeiter geschaffen, welche essentiell für eine erfolgreiche Implementierung im Unternehmen ist.

Usability und Zuverlässigkeit

Moderne Endgeräte wie etwa die Microsoft Hololens ermöglichen es, in relativ kurzer Zeit Prototypen zu erstellen und schnell erste Ergebnisse zu visualisieren. Dies ist gerade in der Einführungsphase neuer Technologien wichtig, um den Mitarbeitern schnell einen Einblick in die zukünftige Anwendung zu geben und das Aufkommen von Gerüchten zu unterbinden. Als zentraler Erfolgsfaktor für die Akzeptanz der Datenbrille haben sich einfache Bedienung und Zuverlässigkeit der Technik herausgestellt.


Das könnte Sie auch interessieren:

In die Entwicklung von KI-Anwendungen fließen weltweit Multi-Milliarden-Dollar-Beträge. Ganz vorne dabei: Die großen Plattform-Betreiber aus den USA und China. In weiten Bereichen außen vor sind die Europäer. Im folgenden Beitrag geht es um Technologien, Trends und Player, welche die globale Wirtschaft in den kommenden Jahren nachhaltig prägen werden.‣ weiterlesen

Produzierende Unternehmen stellt die Digitalisierung vor einen grundlegenden Wandel. Kennzeichen hierfür ist die systematische Integration von Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Automatisierungstechnik in industriellen Wertschöpfungsstrukturen.‣ weiterlesen

Der ERP-Anbieter Proalpha übernimmt Tisoware, ein Anbieter für Zeitwirtschaftssoftware. Gemeinsam wollen beide Unternehmen ihre Kunden noch besser bei der Digitalisierung unterstützen.‣ weiterlesen

Wenn Werkzeuge ihre Halter- und Werkzeugrevolver-Daten zielgerichtet erheben und austauschen würden, ließen sich viele Mängel, etwa infolge von Schwingungen, vermeiden. Eine digitale Lösung rund um die Auswerteeinheit IQ Box des Werkzeugträgerspezialisten Sauter soll das und mehr möglich machen.‣ weiterlesen

Wenn der weltweit agierende Softwarehersteller IFS sein größtes Kundentreffen der Welt organisiert, geht es um Strategien, neue Produkte und Releases. So zeigte der ERP-Anbieter mit schwedischen Wurzeln im Oktober in Boston die neue durchgängig gestaltete Benutzerführung, ein neues Schnittstellenpaket und ein gestärktes Portfolio für das Field Service Management - unter anderem durch die Akquisition des Konkurenten Astea. Skateboard-Legende Tony Hawk war auch dabei.‣ weiterlesen

Die Bandbreite an Analyseanwendungen reicht von klassischen Reports und Kennzahlen über Self Service Analytics bis hin zu künstlicher Intelligenz. Bei aller Vielfalt sollte der Zweck nicht aus dem Fokus geraten: transparenter und effizienter fertigen zu können. Zumal immer wieder neue Manufacturing-Analytics-Instrumente entwickelt werden.‣ weiterlesen

Trotz schwieriger Marktbedingungen befindet sich die Fertigungsindustrie weiter im Wachstum. Dies zeigt der Global Growth Index des Softwareanbieters Epicor. Demnach betrug das Wachstum im Vergleich zur Vorjahresbefragung ein Prozent.‣ weiterlesen

Mit der Inititative 'Industrie 4.0' versuchen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft seit 2012, die hiesigen industriellen Wertschöpfungsnetzwerke wettbewerbs- und zukunftsfähig zu erhalten. KI und Machine Learning spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.‣ weiterlesen

Die Richtlinie VDI/VDE/NAMUR 2658 Blatt 1 'Automatisierungstechnisches Engineering modularer Anlagen in der Prozessindustrie - Allgemeines Konzept und Schnittstellen' wurde im Oktober 2019 in deutsch und englisch veröffentlicht. Darin wird das Engineering der Automatisierungstechnik modularer Anlagen vorwiegend in der Verfahrenstechnik beschrieben.‣ weiterlesen

Rund 100Mrd.€ Schaden ist deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr durch kriminelle Attacken entstanden. 75% der für eine Bitkom-Studie befragten Unternehmen waren von einer solchen Attacke betroffen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige