Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Software für die Just-in-Sequence-Produktion

Taktgenau an Kunden liefern

Die Just-in-Sequence-Versorgung (JIS) mit Bauteilen organisieren Automobilhersteller nach allen Regeln der Kunst – denn stillstehen sollen Linien nie. Um diese Anforderung herum ist eine Standardlösung für Zulieferer entstanden, die JIS-Prozesse durchgehend abdeckt und sich dabei einfach konfigurieren lassen soll.

 (Bild: ©sack/via Getty Images)

(Bild: ©sack/via Getty Images)

In der Automobilindustrie und in anderen Branchen mit komplexer Produktion und einer Vielzahl konfigurierbarer Modell- und Produktvarianten sind viele Hersteller bestrebt, ihre Fertigungstiefe so weit wie möglich zu senken. Sie lagern dazu Entwicklung und Fertigung von Bauteilen und Modulen in großem Umfang an ihre Zulieferer aus. Die Kombination aus einer hohen Anzahl von Varianten und der Größe der Bauteile erschwert zudem die Lagerhaltung an der Linie erheblich oder macht sie sogar unmöglich. Deshalb fordern Produzenten von ihren Zulieferern oftmals eine Just-in-Sequence-Belieferung (JIS), um die eigene Produktion taktgenau mit Teilen zu versorgen.

Genaue Abfolge einhalten

Der Lieferant oder Logistikdienstleister mit JIS-Belieferung muss Vorgaben des OEM in puncto Menge, Zeit und Ort exakt einhalten und Bauteile genau in der Reihenfolge ans Band liefern, die dessen Fertigungssequenz entspricht. Zu berücksichtigen sind dabei Sequenzverschiebungen oder Sonderproduktionen aufseiten des OEM, die in eine laufende Sequenz eingesteuert werden, aber auch unterschiedliche Anforderungen an die JIS-Belieferung verschiedener Werke ein und desselben Herstellers. Das stellt Zulieferer vor große Herausforderungen in Bezug auf die Planung der Reihenfolge der Lieferungen, der Behälter, das Beladen der Lkw und die Berücksichtigung der Kundenspezifika. Erschwerend hinzu kommt der in der Regel sehr hohe Zeitdruck. Meist bleiben dem Zulieferer vom EDI-gestützten JIS-Abruf des OEM bis zur sequenzgerechten Lieferung der Teile nur wenige Stunden, oft weniger als 30 Minuten. Infolge der kurzen Steuerzeiten hält der Hersteller seinen Pufferbestand niedrig, schon geringfügige Lieferverzögerungen können seine Produktion empfindlich stören.

JIS-Spezifika der OEM

Das oberste Gebot bei der JIS-Belieferung lautet daher, dass die Produktion des OEM niemals stocken oder gar stillstehen darf. Sie gilt daher als Königsdisziplin der Materialversorgung einer Fertigung. Voraussetzung für die JIS-Versorgung ist eine automatisierte Verarbeitung und Prüfung der elektronischen JIS-Lieferabrufe eines OEM oder Systemlieferanten samt aller Sequenz- und Zusatzinformationen, die sie beinhalten. Der Zulieferer muss dabei herstellerspezifische Prozesse und Sonderverfahren – zum Beispiel Audi-Perlenkette, BMW Tacho, Volvo VCCBOM oder Stellantis Corail – in seinem IT-System abbilden. Auch die Kommunikation mit den OEM in globalen Edifact-Formaten und, sofern nötig, die mit ihren Werken vor Ort in speziellen EDI-Formaten wie Ansi X12 (USA) oder Anfavea-RND (Brasilien) ist unerlässlich.

Mehrstufige JIS-Prozesse lassen sich visualisieren und steuern. (Bild: WSW Software GmbH)

Mehrstufige JIS-Prozesse lassen sich visualisieren und steuern. (Bild: WSW Software GmbH)

Standardsoftware verfügbar

Für die EDI-gestützte JIS-Abwicklung bietet WSW Software die Standardlösung Lojistix an, die autonom oder in Verbindung mit einer ERP-Software, als führendes System oder als Fallback-Lösung, arbeiten kann. Sie bildet den JIS-Prozess ab (One-Piece-Flow) und beginnt dabei bei der EDI-Integration (in-/outbound). Sie reicht über die Steuerung der Endmontage, die Verpackung in verschiedene Behälter und das Labeling bis zur Versandabwicklung auf Basis produktionssynchroner Abrufe und der Durchführung logistisch sortenreiner Prozesse. Erforderlich ist auch die Einbettung in den Produktionsprozess, um Rückmeldungen zu Fertigungsaufträgen und gefertigten Komponenten samt retrograder Buchung des verbrauchten Materials aus dem JIS-Prozess zu erhalten (Backflush). Arbeitet die WSW-Lösung in Verbindung mit einem ERP-System etwa mit SAP, das Material- und Kundenstammdaten sowie Stücklisten verwaltet, ist ein performanter und konsistenter bidirektionaler Datenaustausch sicherzustellen. Um darüber hinaus die JIS-Abwicklung in Lager, Montage und Produktion automatisiert zu steuern, ist auch die Kommunikation mit einem Warehouse-Management-System (WMS) und einem Manufacturing Execution Systems (MES), aber auch mit SPS-Steuerungen, ob direkt oder per OPC-UA, möglich. Monitoring-Funktionen in der Standardsoftware helfen, Fehler und Probleme bei der JIS-Abwicklung zu erkennen und zu beheben. Archivierungsfunktionen verwalten nicht mehr benötigte Daten.

Taktgeber für die Prozesse

Diese modulare JIS-Software von WSW Software hat sich als Taktgeber für die Prozesse in Lager, Montage und Produktion weltweit bewährt und wird laufend weiterentwickelt. Wie die JIS-Abwicklung mit dieser Anwendung aussehen kann, zeigt das Beispiel der Eurofit Group, die als Tier-1-Lieferant fast 26 Millionen Kompletträder pro Jahr in 18 Werken auf drei Kontinenten produziert und OEM in aller Welt damit beliefert. Das Eurofit-Werk Radsystem Mosel montiert Kompletträder für das VW-Werk in Zwickau (Golf, seit 2019 auch ID.3) und das in Dresden (e-Golf), seit 2019 auch Winterreifen. Die Lieferung erfolgt nach dem JIS-Konzept gemäß den Vorgaben von VW. Abhängig vom Modell werden die Radsätze unterschiedlich kommissioniert und zugeordnet und die LKW getrennt beladen: Ein interner Werks-LKW versorgt das Zwickauer, ein externer LKW das Dresdner VW-Werk.

Sequenzprüfungen zeigen, ob ein Behälter im Versand ist und welche Positionsebene er hat. (Bild: WSW Software GmbH)

Sequenzprüfungen zeigen, ob ein Behälter im Versand ist und welche Positionsebene er hat. (Bild: WSW Software GmbH)

Belieferung optimieren

Die EDI-gestützte JIS-Abwicklung mit VW erfolgte im Eurofit-Werk Radsystem Mosel bislang mit einer JIS-Lösung, die keine Sequenzprüfung ermöglichte. Die ist für die Genauigkeit und Qualität einer JIS-Belieferung wichtig. Da eine Neuprogrammierung nicht infrage kam, entschieden die Verantwortlichen, die Altanwendung im Zuge der Einführung der Geschäftssoftware SAP ERP durch eine JIS-Standardlösung zu ersetzen. Lojistix erfüllte die Kernanforderungen bereits im Standard und bildet nun den Dreh- und Angelpunkt der JIS-Abwicklung mit VW. Die Eurofit Group konnte das System inmitten der laufenden Produktion mit Unterstützung der WSW-Berater unter Einhaltung von Zeitplan und Budget in vier Monaten integrieren. Die Anwendung überprüft heute eingehende EDI-Nachrichten sowie Komponenten eines Komplettrades, die sie zugleich der Fahrzeug- und Verbauposition (vorne, hinten, links, rechts) zuordnet, automatisch auf Vollständigkeit. Sie ist mit SAP ERP, einem MES und einer SPS-Steuerung verbunden und tauscht bidirektional Daten mit diesen Applikationen und der Steuerung aus. Gleichzeitig kommuniziert sie mit dem vorhandenen EDI-Subsystem. Lojistix ist inzwischen auch am spanischen Eurofit-Standort in Saragossa installiert, der ein ebenfalls in Spanien ansässiges VW-Werk mit Kompletträdern versorgt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Strecke zur Industrie 4.0 bewältigen Anlagenbetreiber nicht im Sprint, sondern im Marathon. Reifegradmodelle helfen ihnen, die vielversprechenden Meilensteine anzusteuern. Wobei bereits die Visualisierung zahlreiche Ansätze zur Modernisierung bietet – in der Balance zwischen Funktionalität und Sicherheit.‣ weiterlesen

So gut die Förderanlagen von Kühne im Betrieb auch funktionierten - bei den internen Fertigungsabläufen war Luft nach oben. Eine weitreichende Digitalisierungskampagne sollte das ändern. Heute fertigt die Firma vom Auftragseingang bis zur Auslieferung in einem durchgängigen Prozess - was künftig Optimierungen auf einem ganz neuen Niveau erlaubt.‣ weiterlesen

Meba Sawing Solutions setzt bereits seit den 1980er Jahren auf ein ERP-System. Doch die Software zur Verwaltung der Maschinen und Montage-Arbeitsplätze war in die Jahre gekommen und vieles wurde händisch in Excel-Listen ausgewertet. 2020 entschloss sich das Unternehmen daher, auf die MES-Lösung von Proxia zu setzen.‣ weiterlesen

Mit Beatrix Martinez hat Dassault Systèmes eine neue Vice President Investor Relations. Sie tritt die Nachfolge von François-José Bordonado an, der im nächsten Jahr in den Ruhestand geht.‣ weiterlesen

Beim Anlagenbauer Mühlböck bildete der Produktkonfigurator das Herzstück der Auftragsbearbeitung. Mit der Einführung eines neuen ERP-Systems sollte dieser abgelöst werden. Eine Aufgabe, die sich als sehr komplex herausstellte. Nach langer Suche und einem gescheiterten Versuch stellte sich schließlich Asseco Solutions dieser Herausforderung.‣ weiterlesen

Die Zunahme von Remote Work und der damit gestiegene Bedarf nach sicheren, hybriden Arbeitsumgebungen stellt IT-Verantwortliche vor Herausforderungen: Denn die Cyberangriffe auf Unternehmen steigen seit der Pandemie an.‣ weiterlesen

Die Cyberkriminalität nimmt zu und Cybersecurity-Fachleute sind schwer zu finden, folglich wächst die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Cybersecurity jährlich um mehr als 30% (laut (ISC)2, 2021), und gut vorbereitete Studierende werden die ersten sein, die für die Top-Jobs der Branche infrage kommen. Daher werden akademische Programme, die sie darauf vorbereiten, sehr gefragt sein.‣ weiterlesen

Nozomi Networks Labs hat seinen neuesten OT/IoT Security Report veröffentlicht. Wie der Bericht zeigt, hatten Wiper-Malware, die Aktivitäten von IoT-Botnetzen und der Ukraine-Krieg im ersten Halbjahr 2022 entscheidenden Einfluss auf die Bedrohungslandschaft. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 konnten die Forscher von Nozomi Networks Labs Aktivitäten verschiedenartiger Bedrohungsakteure beobachten. Dazu zählten Hacktivisten, von staatlichen Stellen vorangetriebene APTs und Cyberkriminelle.‣ weiterlesen

Der Fokus von cyberkriminellen Handlungen liegt auf Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, maßgeblich um den Betrieb lahm zu legen oder um Erpressungsgelder zu erbeuten. Dass die Gefahrenlage angespannt ist, belegen Fakten: Laut BSI wurden 2021 rund 144Mio. neue Schadprogramme identifiziert.‣ weiterlesen

Der IT-Dienstleister Syntax hat mit Catherine Solazzo eine neue Marketing-Chefin. Sie soll u.a. die Nachfrage-Generierung des Unternehmens vorantreiben.‣ weiterlesen