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Stummen Geräten das Sprechen beibringen

Tipps für erfolgreiche IoT-Projekte

Der Gedanke hinter dem Internet of Things ist im Grunde einfach: Ansonsten ’stumme‘ Geräte werden mittels Sensorik und Datenübertragung zum Sprechen gebracht. Das Potenzial im Ansatz ist enorm, wenn etwa Maschinen, Halbzeuge und fertige Produkte ihren Produzenten Hinweise darauf liefern, was sich künftig besser machen ließe. Der Aufbau einer IoT-Anwendung ist nicht trivial und oft fehlt es an Erfahrung. Doch werden einige Leitlinien berücksichtigt, können aufwendige Projekte selbst im Mittelstand gelingen.

IoT - Geräten das Sprechen beibringen | Aufmacherbild

Bild: ©metamorworks/Shutterstock.com

Das Jahr 2018 könnte das Jahr des IoT-Durchbruchs in Deutschland werden. Laut der neuen IDC-Studie ‚Internet of Things in Deutschland 2018‘ planen 72 Prozent der befragten Unternehmen, in diesem Jahr mindestens ein neues IoT-Projekt umzusetzen. Bereits eingeplante Budgets machten dies auch finanziell möglich. Der Anlagen- und Maschinenbau hat mit 78 Prozent zusammen mit der Finanzindustrie besonders große Ambitionen. Über alle Branchen hinweg geht es bei den IoT-Initiativen vor allem um die Optimierung von internen Prozessen und Abläufen. Effizienz, Kosten und Qualität sollen stetig verbessert werden. Der nächste Schritt wäre, das IoT auch in Produkte und Services zu integrieren. Doch, um IoT-Projekte Realität werden zu lassen, bedarf es eines durchdachten Technologieplans. Klaus Löckel ist Managing Director Eurocentral bei Dassault Systèmes und empfiehlt, auf die Unterstützung eines erfahrenen IoT-Dienstleisters zu setzen – „besonders auch im Hinblick auf das Thema Sicherheit“. Anschließend müsse das Unternehmen ein Geschäftsmodell entwickeln, das verschiedene Aspekte berücksichtigt. „Welche Prozesse sind Teil des Projekts, mit welchen Technologien wird der IoT-Datenfluss verwaltet, welche Technologie ist für Kunden und Mitarbeiter einfach zu erlernen und anzuwenden? Denn ohne Menschen geht es nicht“, führt Löckel weiter aus. Dabei sind Führungskräfte gefragt, die sicherstellen, dass bei der digitalen Transformation alle mitgenommen werden. Es gilt, Ängste zu nehmen und Potenzial zu entdecken und auszubauen. „Erst die Kombination von menschlichem Know-how und maschineller Intelligenz führt IoT-Projekte zum Erfolg. Der schnelle Wurf gelingt dabei den wenigsten Unternehmen. Es sind die kleinen Schritte, die zum Erfolg führen.“ Werden folgende fünf Ratschläge berücksichtigt, lassen sich selbst ambitionierte Pläne verwirklichen.

Sorgfältige Plattformwahl

Als Schnittstelle zwischen den vernetzten Geräten und den Systemen, in denen IoT-Daten gespeichert werden, muss eine IoT-Plattform verschiedene Anforderungen erfüllen. Auch künftige Use Cases sollen deshalb mitgedacht werden. Reicht es aus, dass die Plattform vernetzte Objekte und Konnektivität verwaltet? Oder sollte sie auch Applikationen sowie Verarbeitung und Reporting der Daten steuern können? Sollen zusätzlich noch Advanced-Analytics-Funktionen wie Cluster-Analysen oder Machine Learning darstellbar sein? Der IDC-Studie zufolge hat bereits jedes fünfte Unternehmen eine IoT-Plattform im Einsatz. Für das Jahr 2018 planen 51 Prozent der Befragten, eine solche zu implementieren. Dabei schätzen sie vor allem Sicherheitsfunktionen (47 Prozent), die einfache Integration anderer Systeme (39 Prozent), die Datenaufnahme und regelbasierte Weiterleitung (38 Prozent), die Überwachung und Diagnose von IoT-Geräten (37 Prozent) und die einfache Visualisierung für Daten (36 Prozent). Die Auswahl des Anbieters sollte also äußerst sorgfältig erfolgen. „Die Plattform muss alle Prozessbeteiligten miteinander verbinden und ihnen Zugriff auf den gleichen, stets aktuellen Datenbestand ermöglichen. Nur so können beispielsweise Erfahrungen aus der Fertigung zügig in die Produktentwicklung zurückgespielt oder Materialanforderungen automatisch an die Supply Chain weitergegeben werden“, erläutert Klaus Löckel: „Die Softwareplattform sollte einem holistischen Ansatz folgen, der alle Prozesse innerhalb eines Unternehmens betrifft.“

Komponenten einer IoT-Anwendung (Bild: Dassault Systemes Deutschland GmbH)

Bild: Dassault Systemes Deutschland GmbH

Innovationen im IoT-Lab

Die Innovationskultur im eigenen Unternehmen kann über IoT-Labs besonders gefördert werden. Sie bieten aus Sicht der IDC eine gute Chance, gemeinsam mit Anbietern an Prototypen und Use Cases zu arbeiten. In dieser geschützten, firmeninternen Umgebung fühlen sich Mitarbeiter sicher und können einen Blick über den Tellerrand wagen. Durch dieses Experimentieren lässt sich leichter ein Konzept für den Rollout entwickeln. Das sehen auch die Unternehmen so: 38 Prozent der Befragten wollen im Laufe des Jahres das IoT-Lab eines Plattformanbieters nutzen.

Dauerhaften Prozess aufgesetzt

Zunächst kann es für Unternehmen sinnvoll sein, Know-how in IoT-Projekten aufzubauen, die auf interner Ebene ansetzen – etwa zur Effizienz- oder Prozessverbesserung. Werden hier Erfolge verbucht, sollten sich Unternehmen nicht darauf ausruhen, sondern diese weiter betreiben, beispielsweise zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. IDC empfiehlt, hier die vielfältigen Möglichkeiten wie Vernetzung bestehender Produkte, Entwicklung neuer Produkte mit IoT-Funktionen oder datenbasierter Services auf Basis von IoT-Daten auszuloten. In Hinblick auf die Customer Journey könnte man sich vor Augen halten, dass eine IoT-Anwendung eine besonders personalisierte Kundenansprache ermöglicht.

Analyseort je nach Use Case

Steigende Datenvolumina führen dazu, dass die Übertragung in das Datacenter immer schwieriger wird. Kosten steigen und Entscheidungen werden zeitlich verzögert. Neben der Art der Verbindung muss deshalb vor allem überlegt werden, mit welchem Computing-Modell die Daten übertragen werden sollen. In der IDC-Studie wird zwischen Core, Egde und Endpoint unterschieden. Core Computing beinhaltet alle Datenverarbeitungsprozesse, die in einem Datacenter stattfinden. Dieser zentralisierte Ansatz – egal, ob in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum – ist im Moment der weitverbreitetste, stößt aber aufgrund der steigenden Informationsmenge zunehmend an Grenzen. Edge Computing ist die Ebene, die zwischen den IoT-Endgeräten und dem Datacenter liegt, hier aggregieren und analysieren Gateways oder Server in der Nähe des Entstehungsorts die Daten. Dieses Modell nutzen aktuell 14 Prozent der befragten Unternehmen, für 2018 planen weitere 32 Prozent den Einsatz. Analysen können aber auch direkt in einem vernetzten Endpoint stattfinden. IDC prognostiziert, dass 2019 40 Prozent der Daten in der Nähe des vernetzen Objekts verarbeitet werden. Dennoch muss jedes Unternehmen unter der Berücksichtigung von Faktoren wie Latenzzeit, Bandbreite und Standort der IoT-Geräte entscheiden, welches Modell geeignet ist. „Je zeitkritischer die Analyse ist, desto näher sollte sie am vernetzten Objekt stattfinden“, heißt es in der Studie.

Eine IoT-Anwendung ohne Datensicherheit ergibt wenig Sinn. ICC hat untersucht, mit welchen Mitteln mittlere und große Unternehmen ihre Applikationen absichern. (Bild: Dassault Systemes Deutschland GmbH)

Bild: Dassault Systemes Deutschland GmbH

Blockchain als mögliche Lösung

Was die Sicherheit im IoT angeht, liegen Großunternehmen meist deutlich vorne. Sie sind nicht nur bei der Umsetzung weiter, sondern messen dem Thema IoT-Security deutlich höheren Stellenwert bei. In der Studie empfiehlt IDC die Absicherung proaktiv anzugehen und nicht als Hemmnis für die Umsetzung zu sehen. Denn: „Das Risiko von der Konkurrenz mit innovativen und neuen Angeboten überholt zu werden, ist gerade im Mittelstand einfach zu groß.“ Zu den innovativen Konzepten, um die IoT-Sicherheit zu verbessern, zählt auch die Blockchain. Dabei handelt es sich um eine dezentrale Datenbank aus Transaktionsdatensätzen. Diese Liste wird chronologisch linear um solche Datensätze erweitert, woher auch der bildhafte Name stammt. Entwickelt und bekannt wurde dieses webbasierte Buchhaltungssystem im Rahmen der Kryptowährung Bitcoin. Nur neun Prozent der Befragten haben von Blockchain noch nichts gehört – generell besteht großes Interesse an den neuen Möglichkeiten. Überzeugt von den Vorteilen wollen 38 Prozent der befragten Unternehmen die Blockchain-Technologie im Laufe des Jahres 2018 in ihre IoT-Initiativen einbinden. Aus Sicht von IDC sollte die Entscheidung über den Einsatz aber nicht aus Gründen eines aktuellen Hypes getroffen werden. Vielmehr sollten Unternehmen prüfen, ob Blockchain-Lösungen sinnvoll sind, um Daten zu sichern und Kontrollketten einfacher zu überprüfen. „Evaluieren Sie jedoch genau, ob beispielsweise der erhöhte Ressourcenbedarf an Rechen- und Speicherleistung durch Blockchain wirklich gerechtfertigt ist. Der Einsatz von Blockchain ist nicht für jeden Use Case sinnvoll“, gibt IDC in der Studie zu bedenken.

Tatkraft gefordert

Die aktuelle Marktentwicklung legt nahe, dass es gerade für deutsche Unternehmen wichtig sein dürfte, IoT-Pläne anzugehen. Die Phase der Visionen ist bei vielen Firmen längst der Phase der Umsetzung gewichen. Um die digitale Transformation erfolgreich zu durchlaufen, ist es entscheidend, aktuelle Trends auf ihr mögliches Potenzial für das eigene Unternehmen zu prüfen. Unterstützung liefern dabei auf Wunsch die Anbieter starker Tools mit ihrem Wissen.


Klaus Löckel im Interview

Mit der neuen Datenschutzverordnung sind alle für dieses Thema sensibilisiert. Wie sieht es im Kontext von IoT-Projekten damit aus? Wie schätzen Sie das ein?

Klaus Löckel: Gerade im Rahmen der Produktentwicklung werden ‘Privacy by Design’ und ‘Privacy by Default’ neue gesetzliche Richtlinien vorgeben. Unternehmen sollten dies nicht als Zwang, sondern als Chance sehen, sich vom Wettbewerb zu differenzieren und neue Kunden zu gewinnen, die dem IoT bisher skeptisch gegenüberstanden.

Welche Anwendungsbereiche des IoT sind für Unternehmen besonders interessant?

Löckel: Neben Connected Industry gewinnen auch die Felder Smart City, wie wir es mit unserer 3Dexperience City adressieren, oder Smart Energy, wie z.B. unsere Initiative rund um das Life Cycle Tower (LCT) ONE Gebäude im österreichischen Dornbirn an Bedeutung. Zu guter Letzt darf das Thema Connected Car nicht fehlen. Die OEMs profitieren von neuen Geschäftsfeldern und der Endkunde nutzt die Vorteile von Wartungsinformationen in Echtzeit, dynamischen Verkehrsinformationen oder auch dem Streamen von Musik. IoT-Projekte erobern nach und nach alle Branchen.

Was passiert, wenn Unternehmen aktuelle Trends wie IoT-Fähigkeit verschlafen?

Löckel: Unternehmen lassen sich nicht über Nacht IoT-ready gestalten. Eine umfassende digitale Vernetzung muss gut geplant und schrittweise umgesetzt werden. Hier besteht gerade für gewachsene Unternehmen die Gefahr, gegenüber Start-ups ins Hintertreffen zu geraten. Gerade in Deutschland stecken viele IoT-Projekte noch in den Kinderschuhen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber eines ist sicher: Solange die Auftragsbücher noch gut gefüllt sind, werden sich nur wenige Entscheider an tiefgreifende Umwälzungen in ihrem Unternehmen wagen. Dabei könnten sie sich, wie bereits beschrieben, große Vorteile zunutze machen.

Klaus Löckel, Managing Director Eurocentral bei Dassault Systèmes | Bild: Dassault Systemes Deutschland GmbH


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