Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Nach Übernahme aus Fernost

Komplette IT-Landschaft in Europa ausgetauscht

2015 hat die Heidelberger Druckmaschinen AG den Bereich Entwicklung und Produktion von Faltschachtelklebemaschinen an das chinesische Unternehmen Masterwork Group Co. Ltd. verkauft. Weil die bei Heidelberg genutzte IT nicht einfach übernommen werden konnte, musste Masterwork innerhalb kürzester Zeit die IT in Europa ersetzen.

Bild: Masterwork Group Co. Ltd.

Bild: Masterwork Group Co. Ltd.

Obwohl die Masterwork Machinery GmbH (kurz MK Masterwork) in Neuss ein relativ junges Unternehmen ist, verfügt es bereits über jahrelange Erfahrungen in der Entwicklung und Konstruktion von Faltschachtelklebemaschinen. MK Masterwork wird gegründet, als die Heidelberger Druckmaschinen AG 2015 die Entwicklung und Produktion der Faltschachtelklebemaschinen an die Masterwork Machinery Co. Ltd. in Tianjin, China (MK) übergibt. Das neue Unternehmen am Standort Neuss gehört fortan zur Masterwork Machinery Co. Ltd. (MK) und übernimmt die Vertriebs- und Serviceunterstützung für das Heidelberg-Netzwerk, das Produktmanagement sowie die Forschung und Entwicklung der Faltschachtelklebemaschinen. Viele kennen sich noch aus ihrer Zeit bei Heidelberg oder sogar Jagenberg. 2003 war dieser Geschäftsbereich von Jagenberg an Heidelberg verkauft worden. Gefertigt werden die Faltschachtelklebemaschinen in Nové Mesto in der Slowakei. Das Team in Neuss und Nové Mesto besteht zusammen aktuell aus etwa 150 Mitarbeitern und hat zum Teil über 40 Jahre Erfahrung in diesem Branchensegment. Den Produktionsstandort gibt es bereits seit über 30 Jahren. Die Ausgründung hatte zur Folge, dass das Unternehmen eine neue ERP-Software brauchte.

Übernahme keine Option

Das ERP-System von Heidelberg einfach zu übernehmen, war keine Option: „SAP ist auf große Konzerne ausgelegt, aber wir sind ein kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern und brauchten daher eine Software, die mittelständische Strukturen abbildet“, begründen die Geschäftsführer Frank Matthias Schmid und Miroslav Svec die Entscheidung für ein eigenes ERP-System. Zunächst führte MK Masterwork Gespräche mit anderen IT-Partnern, die jedoch keine passende Lösung anbieten konnten. Dann wurden Frank Matthias Schmid und Miroslav Svec auf die ERP-Software Unitop aufmerksam, die auf Microsoft Dynamics NAV basiert, und forderten kurz darauf ein Angebot der GOB Software & Systeme an. Die Gespräche verliefen positiv und man einigte sich schließlich auf eine Zusammenarbeit. Die GOB stellte innerhalb weniger Monate das neue ERP-System für MK Masterwork bereit. Dabei setzte das Unternehmen vor allem auf die langjährige Erfahrung der GOB in internationalen Projekten. Das war besonders wichtig, weil auch der Produktionsstandort in der Slowakei mit neuer Software ausgestattet werden musste.

Für die Variantenfertigung

Unitop ist eine Branchensoftware, die gezielt für Variantenfertiger entwickelt und mit den Jahren immer weiter optimiert wurde. Darin enthalten ist unter anderem ein Produktkonfigurator, mit dem die Faltschachtelklebemaschinen kundenindividuell konfiguriert werden können. Im April 2016 begann die Voruntersuchung der Prozesse und Datenstrukturen, im Juni 2016 wurde der Auftrag erteilt. Stücklisten, Arbeitspläne, Variantenlogik – alles musste von SAP nach Unitop exportiert werden. Sieben Monate später, am 1. Januar 2017, war das System für alle wesentlichen Unternehmensbereiche einsatzbereit. Eine Faltschachtelklebemaschine ist im Grunde ein Maschinenverbund. Eine Maschine besteht aus mehreren Komponenten, die für jeden Kunden konfiguriert und montiert werden. „Wir verwalten ungefähr 150.000 Artikel in der ERP-Software. Ohne Disposition und Vorplanung würden wir für den Bau einer Faltschachtelklebemaschine neun Monate benötigen“, sagt Svec. „Daher war es wichtig, dass wir eine vorausschauende Planung in unser ERP-System integrieren. Hierdurch sind wir in der Lage, unsere Maschinen in nur wenigen Wochen fertigzustellen.“

CAD-System gewechselt

Neben der Umstellung der ERP-Software stand MK Masterwork vor einer weiteren Herausforderung: Der Wechsel der CAD-Software. „Wir sind von Unigraphics auf das in der MK-Gruppe eingesetzte Solidworks umgestiegen, damit wir unsere Konstruktionsdaten im Unternehmensverbund austauschen können“, sagt Schmid. Bei dieser Software-Umstellung wurde Solidworks über eine spezielle Schnittstelle an das ERP-System angebunden. Dabei wurden viele Prozesse noch einmal überdacht. „Im Zuge der Software-Umstellung haben wir parallel versucht, die Prozesskomplexität zu reduzieren“, schildert Schmid. Außerdem wurde im neuen ERP-System ein Änderungsmanagement eingerichtet. Wenn früher beim Änderungslauf ein Flüchtigkeitsfehler aufgetreten war, den man schnell hätte korrigieren können, so war das nicht möglich, bevor der Workflow komplett abgeschlossen war. „Heute können wir den Änderungslauf stoppen, den Fehler korrigieren und den Änderungsprozess fortführen“, so Schmid.

Zwei Standorte, eine Lösung

Sowohl der Standort in Neuss als auch der Produktionsstandort in Nové Mesto arbeiten heute mit Unitop. In der Slowakei wurde bereits die integrierte Finanzbuchhaltung gelobt. Die Terminologie sei leicht verständlich und durch die Excel-Integration von Unitop kommt das Unternehmen weitaus schneller an seine Kennzahlen. Außerdem erinnert die Programmoberfläche an Microsoft Office Outlook, wodurch die Mitarbeiter sich schnell zurechtfanden.


Das könnte Sie auch interessieren:

Zerspaner müssen sich intensiv mit hoher Variantenvielfalt, kleinen Losgrößen und langen Rüstzeiten befassen, um wettbewerbsfähig zu fertigen. MES-Software mit Advanced Planning and Scheduling-Funktionalität hilft, die Herausforderungen der Branche anzugehen.‣ weiterlesen

Weltweit steckt der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) noch in den Kinderschuhen. Die Mehrheit der Unternehmen, die KI einsetzen, experimentieren laut einer Accenture-Untersuchung in diesem Bereich noch. 12 Prozent nutzen die Technologie mit einem KI-Reifegrad, der einen starken Wettbewerbsvorteil bringt, so das Ergebnis der Studie.‣ weiterlesen

Thomas Herrguth verantwortet seit 1. Juli das Deutschlandgeschäft bei VMware. Sein Vorgänger Armin Müller konzentriert sich nun auf seine Rolle als Vice President CEMEA bei VMware.‣ weiterlesen

Bei Predictive-Quality-Anwendungen kann es sich auszahlen, nicht auf die Cloud, sondern auf Edge Computing zu setzen – vor allem dann, wenn es schnell gehen muss, erläutert Data-Science-Spezialist LeanBI.‣ weiterlesen

Der ERP-Auswahlberater Trovarit begleitete Buhmann Systeme bei seiner Software-Neuausrichtung von der Prozessanalyse bis zur Systemauswahl. Ein zentrales Element war der Anforderungskatalog mit 850 Punkten. Im Marktvergleich bot die Software AMS.ERP die höchste Abdeckung - und ihr Hersteller erhielt den Zuschlag.‣ weiterlesen

Gemeinsam wollen Siemens und Nvidia das industrielle Metaverse erschließen. Die Unternehmen wollen dafür ihre Partnerschaft ausbauen und durch die Verknüpfung von Nvidia Omniverse und Siemens Xcelerator realitätsgetreue digitale Zwillinge ermöglichen.‣ weiterlesen

Amazon Web Services hat auf dem AWS Summit in San Francisco drei Services angekündigt, die sich vor allem an produzierende Betriebe richten. Mit AWS IoT TwinMaker können Entwickler digitale Zwillinge etwa von Gebäuden, Fabriken, Industrieanlagen und Produktionslinien erstellen.‣ weiterlesen

Wachstum hatte die Personalarbeit bei Schuler Präzisionstechnik vor Herausforderungen gestellt. Die manuelle Bearbeitung von Vorgängen kostete Zeit und war umständlich. Daher wurde ein digitales Personalmanagement-System auf Basis einer Software für Enterprise Content Management (ECM) aus der Taufe gehoben.‣ weiterlesen

Die Berliner Fraunhofer Institute haben im Auftrag von German Edge Cloud und dem Innovationscluster 5G Berlin eine 5G-Infrastruktur in Betrieb genommen. Diese steht Kunden und Partnern aus Industrie und Forschung für Projekte zur Verfügung.‣ weiterlesen

PTC hat das neunte Major Release der CAD-Software Creo vorgestellt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Boston hat in die Weiterentwicklung der Modellierungsumgebung investiert, um die Benutzerfreundlichkeit und Produktivität zu erhöhen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige