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Betriebsanlagen

Zentrale Messwarte sorgt
für effiziente Steuerung

Die Infraleuna GmbH überwacht die Betriebsanlagen für Energie- und Wasserversorgung am Chemiestandort Leuna von einer Zentralwarte aus. Jungmann Systemtechnik hat dort ergonomische Arbeitsplätze für fünf Anlagenfahrer eingerichtet, die mit acht bis 14 Multikonsolen ausgestattet sind. Auf diesen kann auf insgesamt 120 Videoquellen zugegriffen werden – visualisiert auf einer proaktiven Großbildwand mit insgesamt 28 Bildschirmen.

Bild: Jungmann Systemtechnik GmbH & Co. KG

Bild: Jungmann Systemtechnik GmbH & Co. KG

Nach eingehender Recherche sowie Erprobungen am Jungmann Systemtechnik-Leitwartensimulator in Buxtehude entschieden sich die Verantwortlichen bei Infraleuna, Jungmann mit der Konzeptstudie für eine zentrale Messwarte zu betrauen. „Überzeugt hat uns am Vorschlag unter anderem das Konzept für die KVM-Technik, die ausgereifte Funktionalität der geplanten Systeme und dass keine Installation auf vorhandenen Automatisierungssystemen nötig war“, sagt Dipl.-Ing. Thomas Räcke, Bereichsleiter Energie und Wasser bei der Infraleuna GmbH. Die Beteiligten einigten sich auf den Ausbau der Schaltwarte für die Bedienung von Energienetzen und -anlagen, da diese nicht nur zentral gelegen und mit der nötigen technischen Grundausstattung ausgerüstet war, sondern der Umbau hier zudem im laufenden Betrieb möglich war. „Außerdem grenzte an die bisherige Schaltwarte ein ungenutzter Wasserturm an, der gut baulich integriert werden konnte“, erklärt Räcke. Nachdem innerhalb des Turmes einige bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren, installierte das Fachpersonal von JST die neue Leitwarte inklusive separatem Vorraum für die Energiearbeitsplätze innerhalb von vier Wochen und richtete auch einen Multifunktionsraum mit Großbildwand sowie einen Technikraum ein.

Weniger Monitore

Insgesamt wurden in der neuen Zentralwarte fünf Arbeitsplätze geschaffen: Operative Lenkung, Netzbefehlstelle, Energieanlage und Wasseranlagen 1 sowie 2. „Durch diese Zusammenfassung aller dezentralen Leitwarten und die räumliche Nähe der Arbeitsplätze hat sich die direkte Kommunikation zwischen den verantwortlichen Operatoren seit Inbetriebnahme deutlich verbessert“, erklärt Räcke. Zudem ist jeder Anlagenfahrer nur für vier beziehungsweise sechs Bildschirme am Leitwartenpult und vier beziehungsweise acht Bildschirme auf der Großbildwand zuständig – trotz der Vielzahl der zu überwachenden Systeme. „Insgesamt verwalten unsere Mitarbeiter 120 Quellen“, so der Bereichsleiter. Diese Aufgabe, die normalerweise 120 Monitore in der Zentralwarte erfordern würde, kann nur deshalb effizient bewältigt werden, weil eine von Jungmann eigens entwickelte Hard- und Software zum Einsatz kommt: „Multiconsoling korreliert Monitore, das heißt der Anlagenfahrer holt sich immer die Anzeige auf einen der eigenen Bildschirme, die er gerade braucht“, so Geschäftsführer Carsten Jungmann. Früher mussten die Mitarbeiter oft von einem Arbeitsplatz zum anderen laufen, um Dinge zu kontrollieren und Einstellungen vorzunehmen. Auch das entfällt nun, denn auf die sogenannte Multikonsole lassen sich alle Anlagenbilder aufschalten, der Operator kann also die Bildschirme nach seinen Bedürfnissen frei belegen. Die Bilddarstellung und Tastatur-/Maus-Bedienung erfolgt dabei in Echtzeit, Multiconsoling überträgt zudem unabhängig vom IP-Netzwerk und benötigt keine zusätzliche Software auf den Quellrechnern. So werden mit dieser Lösung insgesamt die Usability und der Bedienkomfort am Arbeitsplatz deutlich erhöht. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Systemen ist auch, dass die vier oder acht einem Anlagenfahrer zugeordneten Panels der Monitorwand nicht nur der Spiegelung der Bildschirme am Leitwartenpult dienen, sondern über Maus und Tastatur ebenfalls für die Steuerung der Anlagen genutzt werden. Sie lassen sich insbesondere als Alarmierungstool verwenden und verkürzen so die Reaktionszeiten. „Für die flexible Visualisierung und Bedienung der verschiedenen Leitsysteme ist auch die sogenannte myGUI-Bedienoberfläche sehr hilfreich“, so Räcke. In dieser Multiconsoling-Komponente werden alle Konsolen der Arbeitsplätze und die Großbildwand als ‚Kontrollraumbild‘ dargestellt, das heißt als 3D-Modell der Leitwarte. Links an der Seite sind alle benötigten Quellen abgebildet und können über ihre individualisierbaren Icons einfach auf die Multikonsole gezogen und bedient werden. Das sorgt besonders in Stresssituationen wie zum Beispiel bei Störungen für eine absolut sichere Steuerung. „Wenn eine Störung eintritt, müssen die Anlagenfahrer schnell die relevanten Kamera- beziehungsweise Anlagenbilder finden, um das Problem beheben zu können“, erklärt Carsten Jungmann. „Bei anderen Systemen wird hier zum Beispiel mit Hotkey-Befehlen gearbeitet, was bei einer so großen Anzahl von Quellen wie bei Infraleuna aber nicht praktikabel ist.“ In myGUI dagegen können bestimmte Alarmszenarien eingerichtet werden, so dass mit einem Mausklick beispielsweise alle relevanten Daten im Bereich Kraftwerkstörung eingeblendet werden. Dabei wird eine Quellenliste mit bewegten Vorschaubildern angezeigt, anhand derer erfahrene Leitwarten-Mitarbeiter die von der Störung betroffenen Anlagen direkt auswählen können.

Effizienter Personaleinsatz

Aktuell werden die Arbeitsaufgaben an vier der fünf geschaffenen Wechselschichtarbeitsplätze arbeitsteilig durch je einen Operator in der Zentralwarte und mehrere Läufer in der Anlage vor Ort ausgeführt. Während der Operator die energie- und wassertechnischen Betriebsanlagen überwacht und koordiniert beziehungsweise steuert, führt der Läufer planmäßige Anlagenkontrollrundgänge vor Ort sowie ereignisbezogene Kontrollen unter Regie des Operators durch. Die Wasseranlagen beispielsweise, die bisher von drei dezentralen Warten bedient und beobachtet wurden, werden nun komplett von zwei Arbeitsplätzen in der Zentralwarte gesteuert. Die beiden Läufer können also noch flexibler und gezielter in den Anlagen vor Ort eingesetzt werden.


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