Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Wechselwirkungen von ERP- und MES-Kennzahlen

Stellschrauben für die Wertschöpfungskette

Enterprise Ressource Planning (ERP) und Manufacturing-Execution-Systeme (MES) arbeiten entlang der Wertschöpfungskette Hand in Hand. Doch wo fängt das eine System an und wo hört das andere auf? Diese Abgrenzungsschwierigkeiten betreffen nicht nur das Einsatzgebiet, sondern auch die Kennzahlen, die zur Unternehmenssteuerung aus den jeweiligen Applikationen herangezogen werden.

Bild: Guardus Solutions AG

Aussagekräftige Kennzahlen sind für die Chef-Etage und Fachverantwortliche aus Controlling sowie Qualitäts- und Produktionsmanagement wichtige Steuerungsinstrumente. Doch noch immer sehen viele Fachbereiche ihre eigenen, meist in Excel-Tabellen geführten Kennzahlen (KPI) als das Maß aller Dinge. Abteilungsübergreifende Wirkmechanismen, die etwa das Zusammenspiel zwischen ERP- und MES-Indikatoren aufzeigt, werden oftmals außer Acht gelassen. Die Kunst der weitsichtigen, systemübergreifenden Analyse besteht jedoch darin, diese Wechselwirkungen methodisch auszuwerten. Nur so kann das Management die Auswirkungen ‚anderer‘ Einflussgrößen auf die ‚eigenen‘ Indikatoren nachvollziehen und entsprechend handeln.

Grundlage für das Erkennen dieser Wechselwirkung ist die Abgrenzung der Einsatzgebiete von ERP und MES. Einen ersten Ansatz dazu liefern bereits die Namen der Systeme. Das P im ERP steht für ‚Planning‘ (Planung), das E in MES für ‚Execution‘ (Ausführung). Die IT-Lösungen haben somit verschiedene Anwendungsbereiche innerhalb der Wertschöpfungskette. Während das ERP den betriebswirtschaftlichen und finanziellen Teil abbildet, kommen MES-Indikatoren vor allem auf operativer Ebene zum Einsatz.

Eine weitere plakative Trennung kann über den Datenbestand vollzogen werden: ERP-Kennzahlen benötigen eine kaufmännische Grundlage. Neben Informationen aus Buchhaltung und Rechnungswesen fließen auch logistische Werte ein – zum Beispiel für die Abbildung von Bestandsveränderungen. Hinzu kommen stark kumulierte Daten aus der Produktion. Diese technischen Werte übersetzt das ERP über Kostenstellen und Kostensätze in Geldeinheiten, um etwa das Umlaufvermögen und somit die Kapitalbindung zu bewerten.

MES-Kennzahlen hingegen fokussieren auf technische Rohdaten im Produktionsumfeld. Dazu gehören Zeitarten wie Personal-, Produktions- und Rüstzeiten, Mengen wie Gutmenge, Ausschuss oder Nacharbeit und detaillierte Messwerte und Prozessdaten aus den Produktionsabläufen. Neben einem eigenständigen Set an standardisierten KPI, wie sie auch das VDMA-Einheitsblatt 66412 beschreibt, liefert ein MES somit technische Leistungsparameter für viele betriebswirtschaftliche KPI. Ohne die Werte eines MES kann daher in vielen Fällen keine monetäre Zuordnung im Sinne einer ERP-Kennzahl stattfinden. Ein Großteil der ERP-Indikatoren ‚reibt‘ sich mit seinen Planwerten an den realen Daten aus der Produktion. Die betriebswirtschaftliche Analyse lebt also stark von der detaillierten Aufzeichnung der Fertigungsvorgänge. Die Wechselwirkung macht deutlich, dass eine scharfe Trennung der beiden Anwendungen kaum möglich ist. Die verschiedenen betriebswirtschaftlichen und technischen Einflussgrößen finden sich sowohl in MES- als auch in ERP-Kenngrößen wieder. Eine gezielte Verzahnung der Systeme bringt daher erheblichen analytischen Nutzen.

Betriebe profitieren vom Zusammenspiel der Systeme

Besonders klar wird das Zusammenspiel unter dem Gesichtspunkt der Effektivität, denn sie bezeichnet das Verhältnis von erreichtem Ziel – gemessen im MES – zu definiertem Ziel, das wiederum das ERP festlegt. Auch wenn etwa eine Produktionsanlage aufgrund von fehlerhaftem Eingangsmaterial langsamer läuft als im Arbeitsplan festgelegt, kann die geplante MES-Kennzahl ‚Qualitätsrate‘ durchaus erreicht werden – denn die Gutmenge steht im gewünschten Verhältnis zur produzierten Menge. Hat die gedrosselte Geschwindigkeit jedoch Einfluss auf die vorgegebene Stückzeit, steigt die Laufzeit der Maschine an. Das Ergebnis: Die im ERP geplante Effektivität sinkt ab, denn sie verlangt nach einer höheren produzierten Menge im Verhältnis zur Hauptnutzungszeit der Anlage. Das kann zu Auftragsrückständen führen, was sich aus Sicht des Controllers in nicht erreichten Fertigungsvolumina und Monatsumsätzen auswirkt. Daher müssen Qualitätsrate und Effektivität in ein effizientes Gleichgewicht gebracht werden, da sie sich durch den Faktor ‚produzierte Menge‘ gegenseitig bedingen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Konsolidierung großer Datenmengen, um damit KI-Anwendungen für Produktionsprozesse zu entwickeln, fällt vielen Unternehmen noch schwer. Im Projekt ExDRa sollen Lösungen entstehen, die diesen Prozess spürbar vereinfachen. Dieser Text ist der Auftakt zu einer Artikelreihe zu den produktionsbezogenen Initiativen des vom BMWi geförderten Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft.‣ weiterlesen

Rockwell Automation hat einen neuen CTO. Zum 1 Juli hat Cyril Perducat das Amt des Chief Technology Officers übernommen.‣ weiterlesen

Um schon vor der Lieferung einer Werkzeugmaschine Einblicke in ihre Leistungsfähigkeit zu ermöglichen, arbeitet die Schweizer Starrag-Gruppe mit der NC-Simulationslösung Vericut. Anhand der ermittelten Daten lassen sich die für später angedachten NC-Programme feinjustieren, noch bevor die Maschine ihr Werk verlässt.‣ weiterlesen

Viele Firmen befassen sich gerade mit der Neuausrichtung Ihrer Lieferketten. Dabei bietet das europäische Estland auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen beispielhafte Digitalisierungs- und Fertigungsexpertise. Zusammen mit dem vergleichsweise einfachen Marktzugang, der räumlichen Nähe und dem Rahmen der EU-Gesetzgebung dürfte das kleine Land ein zunehmend wichtiger Partner der hiesigen Industrie bei ihrer digitalen Transformation werden.‣ weiterlesen

Änderungen in Personalzeitwirtschaft und Entgeltabrechnung gehören im HR-Management zu den oft ungeliebten, aber dennoch regelmäßig anstehenden Aufgaben. Jede Änderung in den Betriebsvereinbarungen, Gesetzesnovellen oder tarifliche Neuregelungen verlangen die Überarbeitung von Schemen und Regeln in den Personalabteilungen. Und auch Adhoc-Änderungen müssen unmittelbar umgesetzt werden.‣ weiterlesen

ERP-Branchenlösungen sollen Standardgeschäftsprozesse und Spezialfunktionen unter einen Hut bringen. Innovachem für mittelständische Chemieunternehmen verbindet den Systemkern aus Basis von SAP S4/Hana etwa mit Modulen zur Rezepturentwicklung und Compliance-Prüfung. Das erspart so manche Programmierarbeit und Schnittstellenpflege.‣ weiterlesen

Aras Software hat einen neuen Geschäftsführer. Peter Schoppe hat mit Wirkung zum 1. Juli die Leitung des Plattformanbieters übernommen.‣ weiterlesen

Er ist schnell, leicht und verbraucht wenig Treibstoff: Der Hochgeschwindigkeits-Helikopter Racer kann Fluggeschwindigkeiten von bis zu 400km/h erreichen. Die Schalenbauteile seiner Außenhaut werden mit einem neuartigen Fertigungsverfahren hochautomatisiert hergestellt. Ein Forscherteam des Fraunhofer IGCV hat die Methode gemeinsam mit Airbus Helicopters entwickelt.‣ weiterlesen

Dualis hat den neuen Hauptsitz des Unternehmens in Dresden bezogen. Der reguläre Arbeitsbetrieb begann am 19. Juli.‣ weiterlesen

Kawasaki Gas Turbine Europe plant, produziert, installiert und wartet Gasturbinen. In Bad Homburg befindet sich das europäische Zentrallager des Tochterunternehmens von Kawasaki Heavy Industries. Um dort fehleranfällige Prozesse abzulösen, hat das Unternehmen eine Lagerwirtschaftslösung eingeführt, die alle Transportbewegungen dokumentiert.‣ weiterlesen

Störungen in der Lieferkette können schnell zu Problemen führen. Jaggaer hat vier Tipps zusammengestellt, wie Unternehmen Schwachstellen in der eigenen Lieferkette identifizieren können.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige