Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Traceability als Wettbewerbsfaktor

Mithilfe einer eindeutigen Kennzeichnung lässt sich der Ursprung eines Endprodukts über die gesamte Lieferkette bis hin zum einzelnen Bauteil zurückverfolgen. Vor diesem Hintergrund hat der ZVEI ein branchenübergreifendes Konzept zur Traceability entwickelt. Der Ansatz dient dazu, die Interessen aller Beteiligten der Wertschöpfungskette zu sichern sowie langfristig Kosten und Risiken zu minimieren.

Bild: ZVEI e.V.

Jeder Unternehmer trägt die Verantwortung für fehlerhaft in Verkehr gebrachte Produkte und kann gemäß §10 des Produkthaftungsgesetzes mit einem Haftungshöchstbetrag von bis zu 85 Millionen Euro für entstandene Personenschäden herangezogen werden. Hierbei haften alle an der Wertschöpfung des fehlerhaften Produkts beteiligten Organisationseinheiten gleichermaßen – auch ohne eigenes Verschulden. Die vollständige Transparenz über die gesamte Lieferkette ist deshalb der wichtigste Pfeiler für die Vermeidung von Haftungsfällen. Dazu stellt der ZVEI ein durchgängiges Traceability-Konzept zur Verfügung. Einer der Kernpunkte des Ansatzes ist das ‚ZVEI-Label‘, ein einheitlicher Datenstandard, der jede Produktkomponente auf dem Weg durch die Lieferkette begleitet und eine eindeutige Identifikation und Rückverfolgung auch von kleinsten elektronischen Bauteilen ermöglicht. So können beispielsweise Fehlerquellen schnell identifiziert und gezielte Rückrufaktionen ausgelöst werden, um Folgekosten im Rahmen von Rückrufaktionen zu senken oder zu vermeiden. Auch die Reaktionsgeschwindigkeit des Unternehmens lässt sich erhöhen, letztendlich können damit Imageschäden vermieden und sogar Beiträge in der Haftpflichtversicherung reduziert werden. Der Ansatz umfasst zwei Verpackungsdatensätze, mit denen Produkt- und Logistikinformationen weitergegeben werden müssen. Je nach Anwendungsfall oder Kritikalität des Produktes gibt es Maximal- und Minimalkennzeichnungen. Beim Label kommt es dabei nur auf den Inhalt an, die Form bleibt dem Nutzer überlassen. So können etwa 2D- oder 3D-Ettiketten genutzt werden, die ‚Daten-Identifier‘ sind ANSI-kompatibel.

Effizienzsteigerung und Fehlervermeidung

Für die Warenwirtschaft ergeben sich durch standardisierte Datenformate erhebliche Vereinfachungen: So können Waren beim Eingang automatisch erfasst und nicht mehr nur per Augenschein kontrolliert werden. Sie sind somit eindeutiger identifizierbar. Außerdem wird eine einfachere Verlinkung zwischen Material und Maschine ermöglicht, das MRP-System kann standardisiert und die Bedarfs- und Auftragsplanung vereinfacht werden. Mit dem Konzept lassen sich Produktions- und Logistikprozesse steuern und überwachen. Es liefert die Möglichkeit zur frühzeitigen Fehlervermeidung, Fehlererkennung und -behebung. Im Fehlerfall wird Alarm ausgelöst – und die Produktion automatisch gestoppt. Kontinuierliche Prozess- und Kostenoptimierungen und Qualitätsverbesserungen werden ebenso unterstützt wie Produktivitäts- und Effektivitätssteigerungen.

Schnittstellen für Systeme und Maschinen

Die Datenverarbeitung erfordert neben der Systemstruktur auch standardisierte Schnittstellen und die dazu notwendige Software. Deshalb wurden Schnittstellen entwickelt, die Steuerbefehle, Protokolldaten, Traceability-Daten und Daten zur Übertragung von Test-, Diagnose- und Reparaturdaten standardisiert weitergeben:

Control – Alle Steuerbefehle

Unitdata – Protokoll nach Verarbeitung

Tracequery – Anforderungsliste

Testandrepair – Diagnose und Reparatur

Neben den XML-Files, beschrieben durch XSD, wird auch eine Dokumentation in Deutsch und Englisch auf der verbandseigenen Internetseite zum Herunterladen angeboten. Nach der Lektüre des Leitfadens und der Dokumentation soll ein Programmierer zum einen in der Lage sein, eine der fertigen Schnittstellen zu implementieren, zum anderen aber auch die vorgesehenen Erweiterungsmöglichkeiten zu nutzen, um sie an spezielle Anforderungen anzupassen.

Strategische Aspekte und Nutzen

Ein optimiertes Zusammenspiel von IT- und Kommunikationslösungen ist die Voraussetzung für die zukünftige industrielle Produktion. Weltweit verzahnte Lieferketten erfordern einen schnellen Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Zukunftslösungen wie Smart Factory und Industrie 4.0 sind nur so umsetzbar. Das Traceability-Konzept ist auf diese strategischen Entwicklungen hin ausgelegt und dient dazu, deren Umsetzung zu unterstützen. Zu den Vorteilen eines solchen, konsequenten Tracabilty-Ansatzes zählen unter anderem:

  • Transparenz über Kosten und Prozesse
  • Prozessoptimierung im Unternehmen
  • Steigerung der Gesamteffektivität
  • Einheitlicher Datenstandard
  • Prozessübergreifende standardisierte XML-Schnittstelle
  • Kostenreduzierung
  • Risikominimierung
  • Qualitätsoptimierung
  • Vermeidung von Imageschäden
  • Erschließung neuer Kunden und Märkte

Gestartet wurde die Initiative zusammen mit Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette im Jahr 2008. An dieser Initiative sind im Jahr 2014 mehr als 130 Teilnehmer aus über 80 Unternehmen beteiligt, etwa aus den Segmenten Automobilindustrie, Medizintechnik, Weiße Ware oder Software sowie Baugruppenproduzenten und Hersteller von Halbleitern, passiven Bauelementen, elektromechanischen Bauelementen oder Leiterplatten, darüber hinaus Distributoren, Versicherungen und Juristen. Bestandteil des Konzepts ist der im November 2009 vorgestellte Leitfaden ‚Identifikation und Traceability in der Elektro- und Elektronikindustrie‘. Er ermöglicht eine Traceability-Betrachtung aus technischer, kommerzieller und rechtlicher Sicht und dient so der Entscheidungs-und Konzeptfindung für ein durchgängiges Traceability-System. Schwerpunkte des Leitfadens sind Nutzen- und Aufwandsbetrachtungen, Definitionen, internationale Kennzeichnungssysteme, technische Identifikationssysteme und Best-Practice-Beispiele.


Das könnte Sie auch interessieren:

Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young spielen digitale Technologien für zwei von drei deutschen Mittelständlern eine wichtige Rolle. Bei der digitalen Infrastruktur ergeben sich aus der Studie jedoch große regionale Unterschiede.‣ weiterlesen

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz zu Marketingzwecken steckt noch in den Kinderschuhen. Dies zeigt eine Studie, die Prof. Claudia Bünte von der SHR Hochschule in Berlin durchgeführt hat. Der Weg geht dabei weg von Insellösungen, hin zu Anbindung an die Tool-Landschaft des Unternehmens.‣ weiterlesen

Der Spezialist für Qualitätsmanagement Contechnet hat ein neues Release seiner Software-Suite auf den Markt gebracht. Weiterentwickelt wurde unter anderem die ISMS-Lösung Inditor ISO, die nun beim Risikomanagement anders vorgehen soll.‣ weiterlesen

In Köln entwickelt Ford neue Fahrzeugdesigns, die in Kleinauflage gefertigt werden, bevor sie in Serie gehen. Mittels 3D-Druck werden die notwendigen Montagevorrichtungen vor Ort entwickelt und hergestellt.‣ weiterlesen

ABB hat Maryrose Sylvester (Bild) mit Wirkung zum 1. August zur Country Managing Director (CMD) und Leiterin des Geschäftsbereichs Elektrifizierung für die Vereinigten Staaten ernannt. In ihrer Rolle als CMD tritt sie die Nachfolge von Greg Scheu an, der Ende Oktober in den Ruhestand geht.‣ weiterlesen

Kürzere Innovationszyklen bei spezifischeren Kundenanforderungen treiben die Komplexität in die Höhe. Ein Anforderungsmanagement auf der Basis moderner IT-Technologien kann helfen, Fehler früh zu finden und sie so exponentiell kostengünstiger zu beheben.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige