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Qualitätsmanagement für die Produktentstehung

Entwicklungsprozesse messbar machen

Die Gestaltung belastbarer Prozesstrukturen stellt Unternehmen gerade im Bereich Produktentwicklung vor Herausforderungen. Sowohl seitens der Abläufe als auch seitens der IT-Unterstützung fehlen vielfach Standards, zudem erschwert die schwer messbare kreative Leistung die Klassifizierung des Erfolges von Entwicklungsprozessen. Die Initiative 'Pipe' verfolgt dazu den Ansatz, Kernbereiche mithilfe von Kennzahlen messbar zu machen.

Bild: Fotolia/Gina Sanders

Für viele Unternehmen ist es eine große Herausforderung, feste Prozessabläufe im Bereich Produktentwicklung zu etablieren. In der Beratungspraxis zeigt sich vielfach, dass zum einen der Kostenfaktor der Produktentwicklung in der fertigenden Industrie eher gering ausfällt, zum anderen befürchten viele Entwicklungsabteilungen, dass durch ’starre‘ Prozesse die Freiheit für Kreativität und Innovation eingeschränkt wird. Trotzdem werden einzelne Bestandteile des Produktentstehungsprozesses (PEP) in allen Unternehmen IT-gestützt verwaltet – in unterschiedlichem Detaillierungsgrad, mit unterschiedlichen Werkzeugen, mehr oder weniger mit Systemen unterstützt. Diese heterogene Prozesslandschaft erschwert vielen Unternehmen, den PEP zu verbessern da Aussagen über die Effizienz und Wirtschaftlichkeit nur schwer zu treffen sind.

Prozessqualität im Fokus

Als ein Ansatz zur Analyse und Verbesserung der Produktentwicklung bietet es sich an, das Ergebnis der Produktentwicklung zu analysieren. Die Bewertung kreativer Leistungen wird dabei durch das Herunterbrechen auf die Funktionsebene möglich. Dieses Vorgehen lässt jedoch keine Rückschlüsse auf Prozesse, Werkzeuge oder Methoden zu, woraus sich eindeutige Verbesserungspotenziale ableiten ließen. Im Gegensatz zu diesem Vorgehen stellt das Projekt ‚Process Indicators for Product Engineering‘ (Pipe) das Definieren von Kennzahlen, um den PEP im Allgemeinen zu bewerten, in den Mittelpunkt. Auf Basis dieser Kennzahlen oder ‚Key Performance Indicators‘ (KPI), vergleichbar mit den wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens, können dann Aussagen über die Leistungsfähigkeit und Effizienz einzelner Prozesse oder Bereiche im PEP getroffen werden.

Das Ziel der von den Unternehmen Contact Software, Dassault Systèmes, IBM Deutschland und Transcat PLM sowie dem Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik der Universität Magdeburg und dem VDMA als ideelle Trägerschaft unterstützte Initiative ist die Verbesserung der Qualität der Entwicklungsprozesse: Durch die stetige Weiterentwicklung der Abläufe soll ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess etabliert werden. Dazu werden Leistungswerte aus den fünf Querschnittsprozessen Anforderungsmanagement, Projektmanagement, Konfigurationsmanagement, Änderungsmanagement und Collaborationsmanagement ermittelt. Diese können dann den Organisationsbereichen eines Unternehmens und den Phasen im Entwicklungsprozess zugewiesen werden, um anhand von Auswertungen Prozesse, Methoden und Werkzeuge dieser Bereiche zu optimieren. So lässt sich beispielsweise bewerten, wo Schwachstellen im Prozess vorliegen, ob der Ressourceneinsatz verbessert werden muss, wie IT-Werkzeuge eingesetzt und welche Methoden gegebenenfalls angepasst werden müssen.

Analyse mit Kennzahlen

So besteht beispielsweise der Prozess ‚Änderungsmanagement‘ darin, dass Änderungsanfragen oder ‚Engineering Change Requests‘ (ECR) bezüglich Aufwand und Nutzen analysiert werden und dann über eine positive Entscheidung zu einem Änderungsauftrag oder ‚Engineering Change Order‘ (ECO) führen. Um einen zugehörigen KPI zu ermitteln, werden die Change Requests bezüglich Änderungsgrund, Komponenten, Projekt und Unternehmensbereich klassifiziert. Sämtliche Änderungsanfragen werden dann nach PEP-Phasen wie Vordesign, Design oder Produktion geordnet dargestellt.

Daraus lassen sich bei einer Häufung von Änderungen – etwa bei bestimmten Produktkomponenten – eine Werteaussage beziehungsweise entsprechende Handlungsempfehlungen ableiten. Sind Änderungen graduell ohne hohen Aufwand zu realisieren, so kann die Entscheidung zur Änderung beim Prozesseigner liegen. Fallen die nötigen Aufwände jedoch größer aus, so bietet Pipe ein Werkzeug, auf dessen Basis Investitionen begründet werden können. Durch das Erkennen von Handlungsfeldern für das Einleiten von Änderungen können so die Effizienz bestehender Abläufe und die Auswirkungen von Prozessänderungen messbar gemacht und dem Management als fundierte Entscheidungsgrundlage zur Verfügung gestellt werden. Das Erfassen von Parametern kann dabei manuell erfolgen, die Auswertung erfolgt dann über das Pipe-Werkzeug.

Werden Prozesse durch IT-Systeme unterstützt oder darin abgebildet, können die Kennzahlen auch automatisch erfasst und in einem Dashboard dargestellt werden. Dadurch kann der Anwender zyklisch die Leistungsfähigkeit des PEP ermitteln und die Ergebnisse von Veränderungen sichtbar machen. Diese Methodik eignet sich vor allem dazu, die virtuelle Produktentstehung messbar zu machen, mehr Überblick in Entwicklungsprozessen zu gewinnen, diese Prozesse weiter zu entwickeln und so deren Qualität zu verbessern. Konsequent angewendet lässt sich so der Produktentstehungsprozess kontinuierlich verbessern und damit auch langfristig erfolgreicher gestalten.

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Entwicklungsprozesse messbar machen
Bild: Fotolia/Gina Sanders



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