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Kommissionierverfahren im Eignungstest

Pick-by-what?

In Zeiten des boomenden E-Commerce-Geschäfts und kleiner werdenden Sendungsgrößen gerät auch die Kommissionierung zunehmend unter Druck. Hier sind flexible Strategien gefragt, um die Flut an eingehenden Bestellungen und Retouren zu bewältigen.

Sprachtechnologien eignen sich insbesondere für die Kommissionierung von Kleinteilen. (Bild: Honeywelll GmbH)

Sprachtechnologien eignen sich insbesondere für die Kommissionierung von Kleinteilen. (Bild: Honeywelll GmbH)

Das Kommissionieren gehört nicht nur zu den kosten- und arbeitsintensivsten Prozessen im Lager, sondern ist auch am anfälligsten für Fehler. Während in vielen Logistikbereichen die Optimierungspotenziale bereits erschlossen sind, gibt es bei der Kommissionierung, Verpackung und dem Versand noch Bedarf. Das verwundert, hat doch die Kommissionierung wesentlichen Anteil an der Wirtschaftlichkeit der logistischen Produktion. Die Forderungen an eine Kommissionierlösung erscheinen simpel: schnell und fehlerfrei. Die Akzeptanz der jeweiligen Technik hängt dabei im Wesentlichen vom Nutzen ab. Nur wenn sich Arbeitsbedingungen verbessern und Prozesse durch den Einsatz optimieren lassen, sind Unternehmen bereit, die Anfangsinvestitionen in Kauf zu nehmen. Entscheiden, aber wie? Welche Technologie ist aktuell am ausgereiftesten und in der Lage, die Papierlisten im Lager abzulösen? Dieser Beitrag liefert einen Überblick über den derzeitigen Stand der Technologie und zeigt außerdem auf, was die Zukunft für das moderne Logistikzentrum bereithält.

Pick-by-Voice

Zu den bewährten Kommissioniermethoden in der Logistik gehört zweifelsfrei Pick-by-Voice, das in zahlreichen Distributionszentren wegen seiner Bewegungsfreiheit und flexiblen Anpassbarkeit seit Jahren erfolgreich implementiert ist. Wie der Name schon verrät, funktioniert die Kommissionierung allein über die Stimme des Kommissionierers, sodass der Arbeiter stets beide Hände freibehält. Der Lagermitarbeiter erhält die Aufträge aus dem Lagerverwaltungssystem per WLAN auf einen Mobilcomputer, der die Textbefehle in Sprachanweisungen umwandelt. Von einer Computerstimme über ein Headset geführt, bestätigt der Mitarbeiter jeden einzelnen Schritt des Kommissionierprozesses ebenfalls durch Spracheingaben. Die Aufträge werden vom Lagerverwaltungssystem über Funk auf das Headset des Kommissioniers gesendet und die Ausführung direkt zurückgemeldet. Solche sprecherabhängigen Systeme werden auf ein bestimmtes Sprachprofil hin trainiert und passen sich der Stimme und den sprachlichen Eigenheiten ihrer Nutzer wie Aussprache, Akzent und Dialekt an, aber auch den komplett unterschiedlichen Sprachen des mobilen Arbeitsmarkts. Das einmalige Sprachtraining vor der ersten Nutzung des Systems dauert nicht lange, ist aber sehr wichtig: Permanente Hintergrundgeräusche von Gabelstaplern, Kühlaggregaten und Förderbändern stören den Spracheinsatz im Lager und werden durch das Sprachtraining herausgefiltert. Einmal eingespielt, bildet die Software die individuelle Sprechweise seiner Nutzer ab und ist in der Lage, auch Sprachanomalien, beispielsweise durch Müdigkeit am Ende eines Arbeitstages, fehlerfrei zu erkennen. Sprecherunabhängige Voice-Systeme hingegen kommen durch diese komplexe Geräuschkulisse und Diversität im Lager schnell an ihre Grenzen. Sprachtechnologien eignen sich dabei nicht nur für die Kommissionierung, sondern auch für die Inventur, Entladung, Einlagerung oder die Wartung von Produkten als Value Added Service. Das einfache Handling und die unkomplizierte Implementierung in das bestehende EDV-System machen Pick-by-Voice zu einem Dauerbrenner unter den gängigen Kommissionierverfahren und tragen zu der hohen Akzeptanz unter den Mitarbeitern bei. Ebenso entscheidend: Neulinge können ohne großen Trainings- und Schulungsaufwand rasch mit ihrer Arbeit beginnen.

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Bild: KEB Automation KG

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Pick-by-Scan

Zu einer festen Größe in der Kommissionierung gehört auch das Pick-by-Scan-Verfahren, bei dem mobile Handheld-Computer mit integriertem 1D- oder 2D-Barcodescanner zum Einsatz kommen. Der Kommissionierer erhält den jeweiligen Auftrag auf das Gerät, das ihn dann durch den Kommissionierprozess führt. Der Mobilcomputer zeigt die Daten des eingescannten Barcodes an, die der Mitarbeiter im nächsten Schritt bestätigen muss. Die Angaben zum entnommenen Artikel oder auch Fehl- und Nullmengen werden an das Lagerverwaltungssystem übermittelt, sodass der aktuelle Status des Kommissioniervorgangs jederzeit einzusehen ist. Eine Installation des Datenterminals am Gabelstapler mit Verknüpfung zum Staplerleitsystem ist ebenso möglich. Die Kommissionierung via Scanner ist in der Logistik- und Transportbranche am verbreitesten und wird oftmals in Kombination mit lichtgeführten oder sprachbasierten Logistiksystemen bei großen oder schweren Artikeln genutzt.

Der kombinierte Einsatz von Kommissionierverfahren wie Voice- und Scanning-Technologie ist gängige Praxis im Lager. (Bild: Honeywell GmbH)

Der kombinierte Einsatz von Kommissionierverfahren wie Voice- und Scanning-Technologie ist gängige Praxis im Lager. (Bild: Honeywell GmbH)

Pick-by-Light

Bei Distributionszentren mit kurzen Laufwegen und der Kommissionierung von Schnelldrehern mit sehr hoher Pickleistung kann Pick-by-Light das passende Verfahren darstellen. Da es hierbei auf Geschwindigkeit ankommt, wird Pick-by-Light oftmals in Kombination mit automatisierten Lagersystemen eingesetzt, etwa zur Kommissionierung von Klein- und Bauteilen in der Automobil-und Fertigungsindustrie. Der Kommissionierer wird hierbei über eine Signallampe mit Display und mindestens einer Quittiertaste an jedem Lagerfach zum gewünschten Artikel geleitet. Das Display zeigt die zu kommissionierende Menge an, die der Mitarbeiter mit der Quittiertaste bestätigt. Dank der lichtgeführten Navigation weiß der Mitarbeiter genau, aus welchem Fach welche Ware zu entnehmen ist, und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers sinkt. Nicht zu vernachlässigen sind jedoch die hohen Kosten für Anschaffung, Wartung und Instandhaltung.

Pick-by-Vision

Pick-by-Vision ist eines der neusten Kommissionierverfahren, das die Nutzung einer Spracherkennung mit der visuellen Anzeige von Informationen per Datenbrille kombiniert. Der Kommissionierer kann weiterhin ungestört freihändig arbeiten und erhält zusätzlich Informationen in Echtzeit auf seine Brille, sodass er den aktuellen Status seines Auftrags stets im Blick hat. Pick-by-Vision nutzt die Technologie von erweiterter Realität (Augmented Reality), wodurch das Einblenden von relevanten Daten sowie unterstützenden Grafiken und Modellen ermöglicht wird. Pick-by-Vision ist zwar technisch schon ausgereift und lässt sich in moderne Lagerverwaltungssoftware integrieren, beschränkt sich im Moment aber noch auf Prototypen in Testumgebungen. Die Industrietauglichkeit scheitert an der Datenbrille selbst, die den permanenten Hochleistungsanforderungen einer professionellen Lagerumgebung noch nicht gewachsen ist. Dafür ist sie nicht robust genug und die Akkulaufzeiten sind bei Weitem nicht ausreichend. Auch Arbeiten in Tiefkühllagern bei Temperaturbedingungen von bis zu -30°C werden für die Brille zur Belastungsprobe. So dürfen die Gläser bei starken Temperaturschwankungen nicht beschlagen oder die Sicht bei Staubeinwirkung nicht beeinträchtigt werden. Aus ergonomischer Sicht ist der langfristige Einsatz von Datenbrillen über mehrere Stunden insbesondere für die Augen problematisch, die etwa durch das ständige Umfokussieren zwischen physischer Wirklichkeit und virtueller Information strapaziert werden.

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Verfahren ergänzen sich

Warum aber ein einziges Verfahren implementieren, wenn man die Vorteile mehrerer Lösungen verbinden kann? Sprachtechnologien zum Beispiel spielen entlang der gesamten Logistikkette eine wichtige Rolle und überzeugen mit einer zuverlässigen und schnellen Pick-Leistung insbesondere bei der Kommissionierung von Kleinteilen. Dank der hohen Produktivität der Mitarbeiter und der geringen Fehlerquote ist und bleibt Pick-by-Voice eine sichere Investition. Dabei ist das Verfahren oftmals nicht als Einzellösung in Gebrauch, sondern komplementär zu anderen Applikationen. So wird im Lager nach wie vor auf Barcodescanner gesetzt, etwa beim Kommissionieren von Paletten. Der Lagermitarbeiter greift hierfür kurzzeitig auf ein Barcode- oder RFID-Lesegerät zurück und führt anschließend die Kommissionierung über sein Headset fort. Egal, für welche Lösung sich Unternehmen entscheiden: Das boomende E-Commerce-Geschäft und die steigende Nachfrage der Kunden nach Lieferungen am selben oder nächsten Tag erfordern eine Umstrukturierung des Logistiklagers. Die Wahl des passenden Kommissionierverfahrens, das flexibel auf die individuellen Prozesse im Lager zugeschnitten ist, markiert einen wichtigen Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Austausch bestehender Soft- und Hardware reicht dabei nicht aus, vielmehr müssen sämtliche Lagerprozesse einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Hier ist die Beratung durch einen Anbieter mehrerer Kommissioniertechnologien hilfreich, der objektiv beurteilen kann, welches Verfahren am besten zum Kunden und seinen individuellen Prozessen passt. Am Ende hat das System die Nase vorn, welches sich mit den Anforderungen des Kunden hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Qualität, Flexibilität und Effizienz deckt – nur dann werden Unternehmen bereit sein, in die Technik zu investieren.


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