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Nachhaltiges Lean Management

Klima schützen und Ressourcen sparen

Im Zuge des Lean Managements die Prozesse nach ökonomischen Aspekten zu optimieren, gehört für die meisten Unternehmen heute zum Standard. Die wenigsten beziehen bislang allerdings ökologische Aspekte mit ein – obwohl auch das zur Wirtschaftlichkeit beiträgt. Voraussetzung für eine stetige Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen ist erstens ein systematisches Vorgehen. Zweitens bedarf es exakter Kennzahlen, die in Echtzeit verfügbar sind.



Bild: Porsche AG

Seit Jahren bemühen sich die meisten Unternehmen – vor allem in der Industrie – intensiv darum, sämtliche Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette effizient und schlank zu gestalten. Im Zuge des Lean Managements sollen Verschwendungen (Muda), Überlastungen (Muri) und Unausgeglichenheiten (Mura) stetig aufgedeckt und beseitigt werden, um so zu einem optimalen Verhältnis von Input und Output zu gelangen. Als unerwünscht gelten dabei alle nicht-wertschöpfenden Tätigkeiten. Nach Taiichi Ohno, der Anfang der 1990er-Jahre die Produktion bei Toyota erstmals nach Lean-Prinzipien ausrichtete, lassen sich sieben Arten unterscheiden: Materialbewegungen (Transportation), Bestände (Inventory), Bewegungen (Motion), Wartezeiten (Waiting), Verarbeitung (Over-Processing), Überproduktion (Over-Production) sowie Korrekturen und Fehler (Defects). Es geht bei diesem Verständnis einer schlanken Wertschöpfungskette also vornehmlich um ökonomische Aspekte.

Die ökologischen Aspekte des Wirtschaftens bleiben dabei unberücksichtigt. Damit tun sich die Unternehmen keinen Gefallen. Denn erstens wird Nachhaltigkeit für immer mehr Kunden zu einem Kaufkriterium, zweitens steigt die Anzahl an gesetzlichen Vorgaben zum Schutz des Klimas und der Umwelt und drittens hilft eine auch nach ökologischen Kriterien optimierte Wertschöpfungskette in vielen Fällen dabei, Kosten zu senken – also effizienter zu produzieren. Selbstverständlich können moralische Erwägungen für die Unternehmen einen zusätzlichen Anreiz darstellen, ihr Handeln zu überdenken. Das setzt aber die Überzeugung der Verantwortlichen voraus, die zum Teil auch gegenüber den Shareholdern argumentiert werden muss.

Ökologisches Handeln nutzt

In einer Kooperation zwischen der ESB Business School der Hochschule Reutlingen sowie der Management- und IT-Beratung MHP wurde mit Green Stream Analysis und Green Stream Design ein Ansatz entwickelt, der systematisch den ökonomischen Nutzen von ökologischem Handeln aufzeigt. Damit sollen sich auch Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit motivieren lassen, die für rein moralische Argumente wenig zugänglich sind. Wichtig war vor diesem Hintergrund auch, die Implementierung des Ansatzes möglichst einfach zu gestalten und dabei auf Bekanntes aufzusetzen. Green Stream Analysis und Green Stream Design greifen deshalb das im Lean-Kontext weit verbreitete Wertstrommanagement auf und fügen den etablierten ökonomischen Überlegungen eine ökologische Dimension hinzu. Anwenden lassen sich Green Stream Analysis und Green Stream Design auf sämtliche Schritte der Wertschöpfungskette und in Bezug auf verschiedene Umweltaspekte: die Einsparung von Wasser, die Vermeidung von Abfällen, die Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen. Exemplarisch ausgestaltet wurde der Ansatz für den Energie- und CO2-Aspekt. Dazu wurde das Wertstromdesign von Rother und Shook mit dem ökologischen Modell des Energiewertstroms von Erlach und Westkämper kombiniert (Bild 1).

Wertstromanalyse

Neben allen wertschöpfenden und nicht-wertschöpfenden Arbeitsschritten werden auch sämtliche Energieverbraucher identifiziert und dokumentiert. Entsprechend werden ergänzend zu den herkömmlichen Kennzahlen – etwa Durchlauf-, Rüst- und Stillstandzeiten – auch der Energieverbrauch und die Emissionen erfasst und zugewiesen. Dies geschieht auf Basis der Standards des CO2-Footprints nach DIN14040 mit DIN14044.

Wertstromdesign

Ausgehend vom erhobenen Ist-Zustand werden die Prozesse neu gestaltet. Dabei sollen die in dem Ansatz formulierten zwölf Richtlinien berücksichtigt werden. Diese greifen die schon von Rother und Shook formulierten sieben Richtlinien auf, fügen ihnen aber – in Anlehnung an das Modell des Energiewertstroms von Erlach und Westkämper – Aspekte zum Verbrach und zur Emission hinzu. Gliedern lassen sich die Richtlinien in die Dimensionen Prozess-, Effizienz-, Relations- und Energiemixanalyse (Bild 2). In der Mehrzahl der Fälle werden sich ökomische und ökologische Ziele gleichermaßen erreichen lassen. Zudem werden sich Maßnahmen, die primär zur Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen dienen, häufig auch vorteilhaft auf die herkömmlichen Kennzahlen auswirken. Sollte es zu Zielkonflikten kommen, hängt es von der Strategie des Unternehmens ab, welche Dimension dominiert.

Wertstromplanung

Ist der Soll-Zustand in dieser Form definiert, werden die erforderlichen Umstellungen in den Prozessen vorgenommen – wie das auch im Rahmen des üblichen Wertstrommanagements üblich ist. Für hervoragende Ergebnisse mündet dies in einen Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP).


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