Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Schnittstellen-Wildwuchs einhegen

Nach zu vielen Standards
dokumentiert?

Nicht nur im Maschinenbau ist die Technische Dokumentation verpflichtendes Beiwerk bei der Lieferung des Produktes. Oft besteht sie aus Dokumentationen anderer Hersteller und eigenen Inhalten, die der Technische Redakteur zusammenführt. Standards sollen dabei helfen. Doch dass aktuell immer mehr Varianten und Schnittstellen für diese Aufgabe veröffentlicht werden, schmälert ihren Nutzen.

Bild: Dercom e.V.

Bild: Dercom e.V.

Die Verbreitung moderner Redaktionssysteme zur Erstellung von Technischen Dokumentationen wächst. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie erleichtern die Arbeit des Redakteurs spürbar und verringern die Zahl leicht vermeidbarer Fehler. Der Schlüssel zum Erfolg solcher Systeme ist ihr modularer Aufbau. Nicht länger muss der Redakteur im Anschluss an die Weiterentwicklung eines Produktes mühsam die relevanten Stellen in der Dokumentation ausfindig machen und anpassen, stattdessen kann er innerhalb der Modulstruktur äußerst zielgerichtet vorgehen. Modifiziert er den Dokumentenbaum an einer hierarchisch übergeordneten Stelle, übernimmt das System diese Änderungen für alle folgenden Abschnitte. Dadurch lassen sich die klassischen und häufig vorkommenden Copy-and-Paste-Fehler vermeiden. Das freut nicht nur den Redakteur, sondern auch den Anwender eines Produktes. Außerdem ermöglichen moderne Redaktionssysteme zusätzlich eine sehr zeit- und damit kosteneffiziente Arbeitsweise. Nutzer haben für die Mitarbeiter ihrer Technischen Redaktionen massive Zeitersparnisse feststellen können, nicht selten mehrere Arbeitstage. Insbesondere bei den immer kürzeren Time-to-Market-Intervallen, in denen viele Unternehmen heute agieren, wirkt sich der schnellere Entstehungsprozess Technischer Dokumentationen positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

Medienbrüche vermeiden, Kosten senken

Moderne Redaktionssysteme können ihre Fähigkeiten zur Kostensenkung allerdings erst dann vollends entfalten, wenn sie sich nicht innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen erschöpfen. Noch immer verschenken viele Betriebe dadurch ungenutztes Potenzial, denn in den industriellen Lieferketten steht es für Technische Redakteure auf der Tagesordnung, eigene Inhalte mit denen aus Fremddokumentationen zusammenzuführen. In der Praxis verlieren die Redakteure hier viel Zeit, da allgemeingültige Normen und universale Schnittstellen fehlen. Mit Dita (Darwin Information Typing Architecture) hat die Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) einen Standard entwickelt, der Medienbrüche zwischen unterschiedlichen Technischen Redaktionen obsolet machen soll. Großes Potenzial zeigt sich dabei beispielsweise für die Technische Dokumentation innerhalb der Software-Branche, da Dita Datenerstellung, Datenspeicherung und Datenverarbeitung über ein Standardisierungsgremium mit einem XML-Standard abbildet. Außerdem bietet sich die auf Topics basierende Informationsarchitektur des Systems an, um Webhilfen zu generieren.

Der Standard muss zur Branche passen

Es ist naheliegend, dass die Technischen Dokumentationen ganz unterschiedlicher Branchen sich strukturell stark voneinander unterscheiden. Deswegen werden sich Redakteure anderer Wirtschaftszweige bei Dita auch mit Nachteilen konfrontiert sehen. Ein Redakteur, der beispielweise die Technische Dokumentation einer Maschine erstellt, benötigt eine vollkommen andere Informationsstruktur als ein Software-Entwickler. Das mag der Grund sein, warum Dita insbesondere in Industrieunternehmen bislang kaum Verbreitung findet. Für viele Anwender ist der Standard zu spezifisch definiert, so dass die Einarbeitung in das System unverhältnismäßig viel Zeit beansprucht. Für die Bedürfnisse anderer Redakteure ist wiederum die Spezifikation zu allgemein gehalten. In beiden Fällen bedeutet die Anpassung des Dita-Standards jedoch die gleiche Konsequenz: unnötige Kosten. Ob Dita die Anforderungen eines Unternehmens erfüllen kann, muss im Einzelfall betrachtet werden, wobei die Bedürfnisse des Anwenders der Kern der Analyse sein sollten. Für einige Nutzer ergeben sich durch eine Umstellung allerdings keinesfalls Vorteile, sondern klare Nachteile: Da wesentliche Grundlagen der Systemfunktionalität nicht mit Dita in Verbindung stehen, müssten sie diese erst aufwendig modifizieren. Auch unter anderen Gesichtspunkten ist die Umstellung keinesfalls notwendig. Es gibt Lösungen, auf die die genannten Probleme nicht zutreffen. Viele Anwendungen setzen Kernkonzepte erfolgreicher Redaktionssysteme bereits seit Jahrzehnten um. Sie sehen daher in der Regel keinen Anlass, ihre Gesamtarchitektur mit der bestehenden, weitreichenden Prozessunterstützung und der Vielfalt an marktrelevanten Funktionen auf Dita umzustellen. Aktuelle und zukünftige Anforderungen Technischer Dokumentationen können mit Dita, aber auch anderen Informationsmodellen oder eventuell neuen Strukturierungsformen erfüllt werden. Entscheidend ist letztlich, dass die systembasierte Umsetzung auf der inhaltlichen und strukturellen Standardisierung von Informationen, auf der effizienten Prozesssteuerung und möglichst auf Automatisierung aufbauen. Hier besteht bei den vorhandenen Systemen ein reiches Erfahrungspotenzial, das ausgereifte Lösungen bietet – unabhängig von Dita.

Brückenschlag zwischen Flexibilität und Standard

Anstatt einen universellen Standard zu etablieren, verfolgt der Verband deutscher Redaktions- und Content Management Systemhersteller e.V. (Dercom) eine andere Strategie: Die Herstellervereinigung möchte die Integration verschiedener Redaktionssysteme über standardisierte Schnittstellen optimieren. Ziel ist es, dass Technische Redakteure ein für ihre Bedürfnisse geeignetes System wählen können, ohne Medienbrüche fürchten zu müssen. Das soll nicht der systematischen Ausbreitung verschiedener Schnittstellen entgegenwirken. In den vergangenen Jahren ist es jedoch zu einem regelrechten API-Wildwuchs gekommen. Diese große Zahl unterschiedlicher Schnittstellen führt letztlich dazu, dass Unternehmen auf inkompatible Anwendungen setzen. Damit wird das eigentliche Ziel eines nahtlosen und universellen Austauschs zwischen den Technischen Redaktionen konterkariert. Allgemeine Standards für branchenspezifische Lösungen sowie universale Schnittstellen sind gerade in der globalisierten Wirtschaft nötiger denn je, um den Informationsfluss zwischen Technischen Redakteuren weltweit zu optimieren. Jüngstes Produkt der Bemühungen des Dercom ist das Common Translation Interface Coti. Es ermöglicht den automatisierten Datenaustausch via Schnittstelle zwischen Redaktions- und Übersetzungssystemen. Die Ausfertigung Technischer Dokumentationen in unterschiedlichen Sprachen ist im Exportland Deutschland seit jeher von großer Bedeutung. Zwar handelt es sich bei Coti um eine Standard-Schnittstelle, dennoch kann der Anwender ein Übersetzungsprogramm seiner Wahl nutzen, um die eigenen Anforderderungen zu erfüllen. Damit soll der Brückenschlag gelingen zwischen Standardisierung auf der einen und Flexibilität auf der anderen Seite.


Das könnte Sie auch interessieren:

Zerspaner müssen sich intensiv mit hoher Variantenvielfalt, kleinen Losgrößen und langen Rüstzeiten befassen, um wettbewerbsfähig zu fertigen. MES-Software mit Advanced Planning and Scheduling-Funktionalität hilft, die Herausforderungen der Branche anzugehen.‣ weiterlesen

Weltweit steckt der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) noch in den Kinderschuhen. Die Mehrheit der Unternehmen, die KI einsetzen, experimentieren laut einer Accenture-Untersuchung in diesem Bereich noch. 12 Prozent nutzen die Technologie mit einem KI-Reifegrad, der einen starken Wettbewerbsvorteil bringt, so das Ergebnis der Studie.‣ weiterlesen

Thomas Herrguth verantwortet seit 1. Juli das Deutschlandgeschäft bei VMware. Sein Vorgänger Armin Müller konzentriert sich nun auf seine Rolle als Vice President CEMEA bei VMware.‣ weiterlesen

Bei Predictive-Quality-Anwendungen kann es sich auszahlen, nicht auf die Cloud, sondern auf Edge Computing zu setzen – vor allem dann, wenn es schnell gehen muss, erläutert Data-Science-Spezialist LeanBI.‣ weiterlesen

Der ERP-Auswahlberater Trovarit begleitete Buhmann Systeme bei seiner Software-Neuausrichtung von der Prozessanalyse bis zur Systemauswahl. Ein zentrales Element war der Anforderungskatalog mit 850 Punkten. Im Marktvergleich bot die Software AMS.ERP die höchste Abdeckung - und ihr Hersteller erhielt den Zuschlag.‣ weiterlesen

Gemeinsam wollen Siemens und Nvidia das industrielle Metaverse erschließen. Die Unternehmen wollen dafür ihre Partnerschaft ausbauen und durch die Verknüpfung von Nvidia Omniverse und Siemens Xcelerator realitätsgetreue digitale Zwillinge ermöglichen.‣ weiterlesen

Amazon Web Services hat auf dem AWS Summit in San Francisco drei Services angekündigt, die sich vor allem an produzierende Betriebe richten. Mit AWS IoT TwinMaker können Entwickler digitale Zwillinge etwa von Gebäuden, Fabriken, Industrieanlagen und Produktionslinien erstellen.‣ weiterlesen

Wachstum hatte die Personalarbeit bei Schuler Präzisionstechnik vor Herausforderungen gestellt. Die manuelle Bearbeitung von Vorgängen kostete Zeit und war umständlich. Daher wurde ein digitales Personalmanagement-System auf Basis einer Software für Enterprise Content Management (ECM) aus der Taufe gehoben.‣ weiterlesen

Die Berliner Fraunhofer Institute haben im Auftrag von German Edge Cloud und dem Innovationscluster 5G Berlin eine 5G-Infrastruktur in Betrieb genommen. Diese steht Kunden und Partnern aus Industrie und Forschung für Projekte zur Verfügung.‣ weiterlesen

PTC hat das neunte Major Release der CAD-Software Creo vorgestellt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Boston hat in die Weiterentwicklung der Modellierungsumgebung investiert, um die Benutzerfreundlichkeit und Produktivität zu erhöhen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige