Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Materialbewirtschaftung per Software-Leitstand

Wenn die im Betrieb seit Jahren etablierte IT-Lösung drei Aufträge gleichzeitig auf eine Maschine plant, wird es offensichtlich: Ein System, das die Produktion nicht im Detail kennt, kann nicht sinnvoll planen. Die Feinplanung auf der produktionsnahen Ebene bietet dahingegen viele Vorteile. Das reicht von der zeitnahen Optimierung von Auslastung und Rüstzeiten bis zur Suche nach wirtschaftlich sinnvollen Fertigungsalternativen.


Dr.-Ing. Hanns Jürgen Hüttner ist Geschäftsführer der FLS Fertigungsleitsysteme GmbH & Co. KG.

Mehr und mehr Unternehmen erkennen, dass die produktionsnahe Planung mit schneller Rückkopplung aus dem Betrieb ein zentrales Element ist, um die Produktion trotz knapper werdender Ressourcen – Maschinen, Personal und Material – auch kostenmäßig zu optimieren. In vielen Betrieben erzeugen Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) die Fertigungsaufträge. Bringen die Systeme keine spezifische Unterstützung für Branchenprozesse mit, so fehlt vielfach die Information über die Fertigung, um realistisch planen zu können.

Dazu zählen mitunter sogar fundamentale Informationen über die Produktionsbedingungen – etwa auf welchen Maschinen welche Vorgänge mit welcher Geschwindigkeit laufen können oder welche Maschine innerhalb einer Gruppe am besten geeignet ist, bestimmte Produkte zu fertigen. So können Planungsvorgaben entstehen, die die Produktion nicht oder nicht wirtschaftlich umsetzen kann. Im Laufe der Zeit wurden viele Planungssysteme verbessert, aber oft muss gerade für die Suche nach wirtschaftlich sinnvollen Produktionsalternativen vieles nach wie vor manuell eingegeben oder korrigiert werden.

Materialbewirtschaftung und Feinplanung im Leitstand

Bisher erfolgt die Materialbewirtschaftung zumeist im ERP-System. Es erzeugt Fertigungsaufträge und Bestellungen und geht davon aus, dass die Fertigungsaufträge zu den theoretisch angenommenen Terminen ausgeführt werden. Ohne entsprechende Feinplanungsfunktionalität weiß das System zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, ob die Fertigungsaufträge zu diesen Terminen ausgeführt werden können und wie Maschinen und Personal ausgelastet sind. Die Fertigungsplanung wiederum übernimmt die so terminierten Fertigungsaufträge, plant sie in der optimalen Reihenfolge und geht davon aus, dass das ERP-System die Verfügbarkeit des Materials auch für diese Reihenfolge abgesichert hat. Beide Systeme rechnen also jeweils nur mit einem Teil der verfügbaren Informationen.

Umfassende Leitstandssysteme vereinigen hingegen Materialbewirtschaftung und Fertigungsplanung auf der Ebene der Manufacturing-Execution-Systeme (MES) und berücksichtigen die gegenseitigen Abhängigkeiten. Wenn ein Auftrag vorgezogen wird und er einem anderen Auftrag Material entzieht, kann der Leitstand den ‚Bestohlenen‘ so auf einen Zeitpunkt nach der nächsten Materiallieferung verschieben. Auf diese Weise erübrigt sich ein neuer Abgleich mit dem ERP-System.

Gleichzeitig hat der Leitstand Zugriff auf die ‚Realität‘ eines Produktionsbetriebes, das System kann die Ressourcen, Regeln sowie Alternativen abbilden und entsprechend planen: Wenn ein Artikel nicht in der Nachtschicht gefahren werden darf, weil sonst mit erhöhtem Ausschuss gerechnet werden müsste, wird ein anderer Zeitpunkt gewählt. Auch kurzfristig auftretende, günstigere Alternativen lassen sich so realisieren. Die Kopplung von Fertigungsplanung und Materialbewirtschaftung erlaubt es auch, die Bestellvorschläge an die konkret geplanten Fertigungsaufträge anzupassen. Die Praxis zeigt, dass sich durch eine solche Umstellung Bestände dauerhaft um bis zu 30 Prozent senken lassen.

Anpassbare System-Baukästen für branchenübergreifenden Einsatz

Damit realistisch geplant und optimiert werden kann, muss der Leitstand grundsätzlich alle Prozesse vorwegnehmen, die im Betrieb ablaufen. Doch bei vielen Systemen muss häufig noch auf Behelfslösungen – beispielsweise Excel – oder auf individuell programmierte Software ausgewichen werden. Der nächste Schritt muss darin bestehen, die Besonderheiten eines Betriebes in Standardsoftware lückenlos abzubilden und die unterschiedlichen Vorgänge in einer Produktion als einfach anwendbare Bausteine zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet für Hersteller, einen einfach zu bedienenden ‚Baukasten‘ zur Verfügung zu stellen, der Vorgänge, die auf den ersten Blick unterschiedlich sind, so generalisiert abbildet, dass sie einfach zu implementieren sind – auch in unterschiedlichen Branchen. Ein Beispiel: Der Übergang von einer Farbe zu einer anderen ist in der Schokoladenindustrie ebenso wichtig wie beim Spritzgießen von Kunststoff: In beiden Branchen müssen die Maschinen beim Wechsel von Dunkel nach Hell gereinigt werden.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wenn sich Kunden zum Kauf entscheiden, soll der Auftrag ohne Verzögerung und Rückfragen ausgelöst werden. Speziell für komplexe und variantenreiche Produkte setzt dies meist durchgängig digitale und automatisierte Angebots- und Auftragsprozesse voraus. Dabei gilt: Was per CPQ verkauft wird, muss ERP-seitig auch effizient produziert, geliefert und kaufmännisch abgewickelt werden. Ohne dieses Zusammenspiel geht es nicht.‣ weiterlesen

Digitale Werkzeuge für das Field Service Management helfen, den Erwartungen der Kunden gerecht zu werden. Virtueller und interaktiver Support mit etwa Augmented Reality-Technik könnte bald in vielen Firmen für noch bessere Ergebnisse sorgen. Zumal Service-Organisationen im Krisenjahr 2020 dazu gezwungen waren, etwaige Berührungsängste mit Technologie abzulegen.‣ weiterlesen

Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichnen im Gegensatz zu globalen Konkurrenz niedrigere Margen und schwächere Wachstumsraten, so eine Bain-Analyse. Dieser Rückstand sei jedoch aufholbar.‣ weiterlesen

Nach dem globalen Umsatzeinbruch um voraussichtlich 7 Prozent in diesem Jahr, wird für 2021 im Maschinenbau ein Umsatzwachstum von 6 Prozent prognostiziert.‣ weiterlesen

Mit dem Ziel, seine Präsenz in der DACH-Region weiter auszubauen hat das US-Unternehmen Aptean die Modula GmbH übernommen.‣ weiterlesen

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im leicht positiven Bereich.‣ weiterlesen

Die nun veröffentlichte Normungsroadmap KI von DIN DKE sowie dem BMWi soll Handlungsempfehlungen für Standardisierung von künstliche Intelligenz geben. Die Roadmap ist online abrufbar.‣ weiterlesen

Produktkonfiguration ist für das österreichische Unternehmen Robotunits schon lange ein Thema. Als die selbstentwickelte Lösung für diese Aufgabe an ihre Grenze stieß, wurde die Configure Price Quote-Software von Acatec eingeführt. Das System sollte die Firma auf dem Weg zu ihrem ehrgeizigen Ziel unterstützen: Doppelter Umsatz in fünf Jahren.‣ weiterlesen

Unter der Leitung des Lehrstuhls Werkzeugmaschinen und Steuerungen an der TU Kaiserslautern (WSKL) startet das Projekt „5G – Einsatz in der Industrie“. Durch die Beteiligung der Lehrstühle Augmented Vision, Funkkommunikation und Navigation sowie der Technologie-Initiative SmartFactory-KL soll ein leistungsfähiges Netzwerk entstehen.‣ weiterlesen

Anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung präsentiert die Plattform Industrie 4.0 Anwendungen für eine nachhaltige Industrie 4.0. Anhand von Analysen haben die Plattform-Spezialisten dabei drei mögliche Entwicklungspfade identifiziert.‣ weiterlesen

Der SAP-Partner Itelligence übernimmt das finnische SAP-Beratungshaus Pasafin Oy. Mit der Übernahme will das Unternehmen seine Position in Skandinavien stärken.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige