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Liveworx 2016 in Boston

„IoT ist der nächste große Schritt für PLM“

Ein Tagesprogramm zur digitalen Transformation und nur einmal den Begriff Industrie 4.pl0 hören – was in Deutschland zurzeit unmöglich scheint, war auf der PTC-Anwenderkonferenz Liveworx 2016 in Boston die Realität. Im Mittelpunkt stand das Internet der Dinge, kurz IoT. Die Technologien rund um netzwerkfähige Produkte gelten vielen als das amerikanische Pendant zur Industrie 4.0 und werden zumindest nach Auffassung von Jim Heppelmann, CEO von PTC, die produzierende Industrie schon bald umfassend verändern.



Bild: Parametric Technology GmbH

Jim Heppelmann, CEO von PTC, eröffnete die Liveworx 2016 in Boston mit einem Zitat des 2009 gestorbenen Zukunftsforschers Roy Amara: „Wir neigen dazu, die Wirkung einer Technologie kurzfristig zu überschätzen und langfristig zu unterschätzen.“ Wenigstens vom 6. bis 9 Juni war damit auf der größten Veranstaltung des amerkanischen Softwareanbieters das Internet of Things gemeint. Diese Technologien rund um vernetzte Produkte werden nach Auffassung Heppelmanns das Geschäft der Fertigungsindustrie schon bald weitreichend verändern. Das betrifft die Abläufe, Geschäftsmodelle und Strategien der Produzenten – wirklich im Zentrum der Entwicklung stünden die Produkte selbst, indem sie die Grenze zwischen physischer und virtueller Welt verwischen. Mit seiner IoT-Plattform Thingworx will der Technologieanbieter an diesem Wachstumsmarkt teilhaben.

Die Plattform gehört seit der Übernahme des gleichnamigen Unternehmens im Jahr 2013 zum PTC-Portfolio und ist als Werkzeugkasten zu verstehen, mit dem sich IoT-Anwendungen entwickeln und nutzen lassen. Den Kern des Systems bildet mit Thingworx Analytics eine Analyse-Engine, die etwa mit ihrem Anomaliendetektor Thingwatcher Datenbestände auf Muster hin untersuchen kann. Die Grundbausteine für die IoT-Lösungen insgesamt lassen sich nach Rob Gremley, Group President, Technology Platform Group von PTC, in die Thingworx-Plattform eingliedern, genauso die kürzlich erworbene Kepware für die Konnektivität zur Maschinenebene sowie die Augmented/Virtual Reality-Lösung Vuforia. Die Plattform soll nach Angaben Gremleys offen bleiben, um Anwendern die Anbindung von Lösungen Dritter zu ermöglichen. Um die Thingworx-Plattform weiter am Markt zu etablieren, handelt PTC zudem derzeit mit verschiedenen großen Cloud-Anbietern Kooperationen aus. Eine Erfolgsmeldung gab es bereits: Der Software-Hersteller gab in Boston bekannt, dass Amazon Web Services künftig Thingworx unterstütze.

Produkte nachträglich verbessern

Vernetzte Flugzeuge, intelligente Maschinen oder internetfähige Konsumgüter – auf der Liveworx 2016 konnten sich rund 4.500 Teilnehmer vor Ort und weitere 4.100 im Livestream aus über 40 Ländern anschauen, wie Heppelmann, Gremley und Craig Hayman, Group President, IoT Solutions, an verschiedenen Beispielen das Potenzial vernetzter Produkte aufzeigten. Die Frachträume von Flugzeugen ließen sich mittels Vernetzung etwa besser nutzen und Investitionsgüter mit weniger ungeplantem Stillstand betreiben. Um solche Anwendungen zu realisieren, müssen Hard- und Software nach neuen Gesichtspunkten ausgelegt und konstruiert werden – Cloud-Konnektivität wird selbstverständlich. Dabei wird – so die Vision von PTC – die Beziehung zwischen dem Fertiger und seinem Kunden neu ausgerichtet. Bislang beschränkte sich der Kontakt nach dem Verkauf oft auf den unerfreulichen Servicefall. Das könnte sich mit vernetzten Produkten ändern. Hersteller können über den gesamten Lebenszyklus hinweg mit ihren Erzeugnissen kommunizieren. In Absprache mit den Anwendern lassen sich Funktionen hinzufügen und bestehende nachträglich optimieren. Unsachgemäße oder besonders intensive Benutzung kann erkannt und in den Entwicklungsprozess des Nachfolgemodells einbezogen werden. Hersteller würden als Dienstleister auftreten, indem sie ihren Kunden aktiv Hinweise für Verbesserungen im eigenen Haus liefern – und selbst gegebenenfalls neue Geschäfte anbahnen.

Komplexität reduzieren mit Augmented Reality

Von der Komplexität vernetzter Produkte sollen Anwender im Idealfall nichts spüren. In puncto Bedienerfreundlichkeit könnte nach Auffassung des amerikanischen Technologieunternehmens Augmented/Virtual Reality (AR/VR) den nächsten Innovationsschub auslösen. In seiner Keynote schilderte Jay Wright, President und General Manager, Vuforia Technology, wie das Vuforia-Portfolio von PTC in dieses Bild passe. Im Jahr 2015 hatte der CAD- und PLM-Spezialist für 65 Millionen US-Dollar die Virtual Reality-Sparte von Qualcomm Connected Experiences erworben. Bislang wurden mit dem Virtual und Augmented Reality-System rund 5.000 Projekte erstellt – mit steigender Tendenz. Auf der Bostoner Veranstaltung kündigte der Anbieter das Release der Suite Vuforia Studio Enterprise gegen Ende des Jahres an. Schon heute können Anwenderunternehmen auf Anfrage eine Preproduction-Version erhalten, um eigene Lösungen zu erarbeiten.

Physische und virtuelle Welt verbinden

Mit der Suite lassen sich physische Objekte mit virtuellen kombinieren. Dabei greift die Software auf die CAD-Daten einer Engineering-Anwendung zu und komprimiert sie um das 150-Fache. Diese Abbildungen lassen sich somit noch über Funknetze auf Endgeräte wie Tablet-PCs und Smartphones übertragen. Auf der einen Seite sind die Modelle abstrahiert, um sie vor der unerlaubten Kopie des Designs zu schützen. Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Mit sogenannten Vumarks lassen sich Objekte in der realen Welt kennzeichnen. Wird die Kamera eines Endgerätes auf diese Markierung gerichtet, ruft es das hinterlegte digitale Modell lokal ab oder lädt es herunter. Wie Mitarbeiter von PTC auf der Hauptbühne in Kongresscenter demonstrierten, lassen sich die Modelle vergleichsweise einfach an die gewünschte Position des realen Objekts im Display des Endgerätes andocken. Auf das Display des Endgerätes überlappt das virtuelle Modell das reale Objekt. Auch Bewegtbilder können eingebunden werden, um etwa Wartungsarbeiten zu illustrieren. Erstellt werden die Visualisierungen mit der Software Creo Illustrate.


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