Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

IT-gestütztes Termin- und Kostencontrolling

Der Bau von Windenergieanlagen erfordert gut organisierte Logistikprozesse, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Derzeit entsteht eine Software, die Planer mit integrierten Termin- und Kostencontrolling-Funktionen bei der Lieferkettenorganisation unterstützen soll.

Bild: IPH-Institut für Integrierte Produktion Hannover gemeinnützige GmbH

Im Jahre 2012 betrug der Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung in Deutschland 22,9 Prozent. Die Windenergie machte dabei etwa ein Drittel der erneuerbaren Energien aus. Gemäß dem Ziel der Bundesregierung, festgehalten im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), soll der Anteil regenerativer Energien im Jahr 2020 bereits 35 Prozent betragen. Etwa die Hälfte des regenerativen Stroms soll aus der Windenergie stammen. Zur Erreichung dieser Ziele ist die zukünftige Errichtung neuer Windenergieanlagen (WEA) sowie das ‚Repowering‘ bestehender Anlagen erforderlich. Dabei ist insbesondere die Aufstellung von WEA im Onshore-Bereich relevant: Zwei Drittel des im Jahr 2012 aus Windenergie gewonnenen Stroms wurde an Land erzeugt.

Bis zur Inbetriebnahme einer WEA sind jedoch zahlreiche logistische Herausforderungen zu bewältigen. Die Produktion der Komponenten sowie die Errichtung vor Ort werden meist durch Unternehmen realisiert, die in regionalen Clustern zusammenarbeiten. Dazu zählen zum Beispiel Zulieferbetriebe und Unternehmen, die Montage und Netzanschluss realisieren. Um eine pünktliche Inbetriebnahme und niedrige Kosten zu erzielen, müssen alle Komponenten pünktlich und möglichst gleichzeitig am Montageort sein. Daher ist eine Abstimmung der Verfügbarkeitstermine der Komponenten in den regionalen Clustern über alle Phasen der Herstellung, des Transports und der Montage der Komponenten von großer Bedeutung: Die Logistikleistung gegenüber dem Abnehmer lässt sich durch Montagepünktlichkeit sowie den daraus resultierenden Logistikkosten messen – dies hängt maßgeblich von der erfolgreichen Abstimmung ab.

Transportrisiken minimieren

Eine typische Supply Chain für WEA beginnt mit der Beschaffung der einzelnen Komponenten unter Berücksichtigung der Fertigungsabläufe und endet mit Transport und Endmontage der Anlage vor Ort. Bei der Montage sind neben der gleich- und rechtzeitige Verfügbarkeit auch die von Handhabungsvorrichtungen wie Kränen entscheidend für eine termingerechte Inbetriebnahme. Misslingt die Abstimmung, können ungeplante Logistikkosten auftreten. Diese resultieren zum Beispiel aus der Kapitalbindung durch wartendes Material und ungenutzte Handhabungsvorrichtungen. Aber auch das Ausweichen auf unwirtschaftliche Transportmittel oder längere Strecken zur Vermeidung von Terminabweichungen bei der Materialverfügbarkeit am Montageort kann die Logistikkosten schnell nach oben treiben. Ein wesentlicher Treiber für Terminabweichungen bei der Materialverfügbarkeit sind Transportrisiken wie Staus, unerwartete Streckensperrungen für Schwerlasttransporte sowie fixe und knapp bemessene Transportzeitfenster.

Gegenmaßnahmen wirtschaftlich steuern

Ob Terminabweichungen bei der Materialverfügbarkeit kritisch für die Höhe der Logistikkosten sind, ist in der Regel schwer zu beantworten. Aktuelle Ansätze erlauben zwar ein Termincontrolling, das bereits die Auswirkungen von Abweichungen auf terminbezogene logistische Zielgrößen, Durchlaufzeit (DLZ) und Termintreue berücksichtigt. Allerdings werden logistische Zielgrößen mit Relevanz für die Logistikkosten – beispielsweise Bestand und Auslastung – häufig außer Acht gelassen. So kann es passieren, dass bei einzelnen Terminabweichungen mit geringen Auswirkungen auf die Termineinhaltung gegenüber dem Kunden nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, obwohl die Logistikkosten insgesamt deutlich steigen könnten.

Andererseits kann es auch passieren, dass bei ausschließlicher Betrachtung der Terminsicht unwirtschaftliche Maßnahmen ergriffen werden. Derzeit ist kein umfassender Ansatz für ein kombiniertes Termin- und Kostencontrolling verfügbar, der besondere Rücksicht auf die Rahmenbedingungen von Supply Chains für WEA legt, etwa die spezifischen Transportanforderungen und -restriktionen. Somit ist es in der Praxis derzeit nur mit hohem Aufwand möglich, zusätzliche Kosten vorherzusagen, die durch Terminabweichungen bei der Materialverfügbarkeit auftreten. Entscheidungen werden daher meist ‚aus dem Bauch getroffen‘ und können sich im Nachhinein als teuer und wenig wirkungsvoll herausstellen. Ein zielgerichtetes frühzeitiges Eingreifen durch Gegenmaßnahmen bei Abweichungen ist so meistens nicht möglich.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Konsolidierung großer Datenmengen, um damit KI-Anwendungen für Produktionsprozesse zu entwickeln, fällt vielen Unternehmen noch schwer. Im Projekt ExDRa sollen Lösungen entstehen, die diesen Prozess spürbar vereinfachen. Dieser Text ist der Auftakt zu einer Artikelreihe zu den produktionsbezogenen Initiativen des vom BMWi geförderten Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft.‣ weiterlesen

Rockwell Automation hat einen neuen CTO. Zum 1 Juli hat Cyril Perducat das Amt des Chief Technology Officers übernommen.‣ weiterlesen

Um schon vor der Lieferung einer Werkzeugmaschine Einblicke in ihre Leistungsfähigkeit zu ermöglichen, arbeitet die Schweizer Starrag-Gruppe mit der NC-Simulationslösung Vericut. Anhand der ermittelten Daten lassen sich die für später angedachten NC-Programme feinjustieren, noch bevor die Maschine ihr Werk verlässt.‣ weiterlesen

Viele Firmen befassen sich gerade mit der Neuausrichtung Ihrer Lieferketten. Dabei bietet das europäische Estland auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen beispielhafte Digitalisierungs- und Fertigungsexpertise. Zusammen mit dem vergleichsweise einfachen Marktzugang, der räumlichen Nähe und dem Rahmen der EU-Gesetzgebung dürfte das kleine Land ein zunehmend wichtiger Partner der hiesigen Industrie bei ihrer digitalen Transformation werden.‣ weiterlesen

Änderungen in Personalzeitwirtschaft und Entgeltabrechnung gehören im HR-Management zu den oft ungeliebten, aber dennoch regelmäßig anstehenden Aufgaben. Jede Änderung in den Betriebsvereinbarungen, Gesetzesnovellen oder tarifliche Neuregelungen verlangen die Überarbeitung von Schemen und Regeln in den Personalabteilungen. Und auch Adhoc-Änderungen müssen unmittelbar umgesetzt werden.‣ weiterlesen

ERP-Branchenlösungen sollen Standardgeschäftsprozesse und Spezialfunktionen unter einen Hut bringen. Innovachem für mittelständische Chemieunternehmen verbindet den Systemkern aus Basis von SAP S4/Hana etwa mit Modulen zur Rezepturentwicklung und Compliance-Prüfung. Das erspart so manche Programmierarbeit und Schnittstellenpflege.‣ weiterlesen

Aras Software hat einen neuen Geschäftsführer. Peter Schoppe hat mit Wirkung zum 1. Juli die Leitung des Plattformanbieters übernommen.‣ weiterlesen

Er ist schnell, leicht und verbraucht wenig Treibstoff: Der Hochgeschwindigkeits-Helikopter Racer kann Fluggeschwindigkeiten von bis zu 400km/h erreichen. Die Schalenbauteile seiner Außenhaut werden mit einem neuartigen Fertigungsverfahren hochautomatisiert hergestellt. Ein Forscherteam des Fraunhofer IGCV hat die Methode gemeinsam mit Airbus Helicopters entwickelt.‣ weiterlesen

Dualis hat den neuen Hauptsitz des Unternehmens in Dresden bezogen. Der reguläre Arbeitsbetrieb begann am 19. Juli.‣ weiterlesen

Kawasaki Gas Turbine Europe plant, produziert, installiert und wartet Gasturbinen. In Bad Homburg befindet sich das europäische Zentrallager des Tochterunternehmens von Kawasaki Heavy Industries. Um dort fehleranfällige Prozesse abzulösen, hat das Unternehmen eine Lagerwirtschaftslösung eingeführt, die alle Transportbewegungen dokumentiert.‣ weiterlesen

Störungen in der Lieferkette können schnell zu Problemen führen. Jaggaer hat vier Tipps zusammengestellt, wie Unternehmen Schwachstellen in der eigenen Lieferkette identifizieren können.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige