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Flight Inspection System

Arbeit am Herz des Flugzeugs

Die Aerodata AG liefert ihre Flight Inspection Systems an Flugzeughersteller weltweit. Die Software Pro.File von Procad hilft bei der Verwaltung der Produktdaten. Ohne die Lösung lassen sich die komplexen Auflagen und Zulassungsverfahren der Luftfahrtindustrie immer schwerer wirtschaftlich bewältigen.



Bild: Aerodata AG

Wenn es um Spezialanwendungen geht, landen Kunden aus allen Erdteilen auf dem Forschungsflughafen in Braunschweig. Gegründet 1985, hat die Aerodata-Gruppe seit dem Jahr 1997 dort ihren Hauptsitz. Die Aerodata AG ist auf den Markt der Echtzeitdatenerfassung und Prozesssteuerung spezialisiert und mit ihren Flight Inspection-Systemen weltweit erfolgreich. Weil man Flugvermessungssysteme, Missionssysteme, Avionikgeräte und Umrüstung von Luftfahrzeugen nicht von der Stange bekommt, fertigt Aerodata sie fast ausschließlich als Einzelstücke. Jeder Kunde erhält seine individuelle Variante oder Konfiguration. Angesichts sehr vieler Einzelteile und Zeichnungen gibt es bei dem Unternehmen komplexe Stücklistenstrukturen. Auch der Aufwand bei der Dokumentation zur Zulassung von Geräten, Systemen oder Modifikationen ist hoch. Handbücher für Betrieb, Einbau und Wartung, Testpläne und Berichte sowie Qualifikationsnachweise müssen erstellt und im jeweiligen Status abgelegt werden. Erleichtert wird die Arbeit etwa von den Spezialanwendungen ProE Wildfire, Auto CAD, Engineering Base, Pulsonix und Orcad. Zeichnungen, Stücklisten und begleitende Dokumente verwalteten die Ingenieure im Unternehmen traditionell im Filesystem über den Windows Explorer. Die Folge: Wenig Struktur und Doppelablagen, wenn verschiedene Teams gleiche Daten an unterschiedlicher Stelle ablegten. „Wir brauchten für die Ablage von Daten aus mechanischer und elektrischer Konstruktion eine intelligente Software mit klarer Struktur und Datenverwaltung, die Dokumentennummern automatisch vergibt, Konfliktmeldungen absetzt, in der wir Änderungen dokumentieren können“, sagt Edward Boag, Leiter Konstruktion und Fertigung bei Aerodata.

Standards für Freigaben in mehreren Stufen



George-Edward Boag, Leiter Konstruktion und Fertigung bei Aerodata. Bild: Procad GmbH & Co. KG

Weil auch das einstige ECAD-System nicht mehr ausreichend Funktionen für aktuelle Marktanforderungen lieferte, entschied sich Aerodata dazu, die eigene Software-Infrastruktur mit der Einführung der PLM-Lösung Pro.File von Procad und dem E-CAD-Programm Engineering Base von Aucotec neu aufzustellen. Dazu bewogen das Unternehmen insbesondere die komplexen Auflagen und Zulassungsverfahren der Luftfahrtbehörden sowie der steigende Aufwand, das Qualitätsmanagement zu dokumentieren. Technische und produktbegleitende Dokumente müssen standardisierte, mehrstufige Freigabeworkflows durchlaufen und an verschiedenen Stellen sind Leistungsnachweise zu erbringen. All dies muss strukturiert abgelegt und verwaltet werden. Diese Aufgabe übernimmt heute das PLM-System. „Wir verfügen damit über ein einheitliches Tool zur Verwaltung aller Konstruktionsunterlagen, Teilestammdaten und begleitenden Office- und PDF-Dokumente“, so Michael Wolf, CAD/Pro.File-Manager bei Aerodata. Wichtig war dem Unternehmen die Integration des Systems sowohl mit dem eingesetzten ERP-System MICLAS mittels Biztalk-Server als auch mit ProE, Auto CAD und Engineering Base.

Bi-direktionale Verbindung mit angrenzenden Systemen

Als Herz der Systemlandschaft bei Aerodata interagiert das PLM-System bi-direktional mit den CAD-Lösungen, der ERP-Software und MS Office. Die Datenverwaltung dient aber auch als Dateiablage für weitere angrenzende Systeme. Im CAD-System legen die Konstrukteure Artikel- und Stücklistenstammdaten, Zeichnungen und Modelle an – beziehungsweise Visio-Dateien in Engineering Base. Diese werden automatisch an das PLM-System transferiert. Durch die Integration haben die Konstrukteure direkt aus ihrer gewohnten Arbeitsumgebung heraus Zugriff auf die mit der Zeichnung verbundenen Dokumente im PLM-System. Stammdaten und Stücklisten übergibt Pro.File, wenn das neue Teil alle Freigabestufen durchlaufen hat, an das ERP. Dann ist es zu einer anwendbaren Bauunterlage geworden, so der Branchenterminus. Diese bildet die Basis für die Fertigung. Aerodata muss also im ERP-System keine Artikelstammdaten manuell anlegen, denn diese werden automatisiert und korrekt aus der CAD/PLM-Umgebung übermittelt. Im ERP-Programm lassen sich anschließend kaufmännische Informationen wie Preise oder Lieferanten hinzufügen. Durch die Integration der Systeme für PLM, CAD- und ERP können die Konstrukteure diese Informationen in ihrer Arbeitsumgebung ebenfalls einsehen.

Freigabeprozesse für 200 Dokumententypen



Bild: Aerodata AG

Essentiell ist der Einsatz des PLM-Systems für die Firma, weil sie darin ihre komplexen Freigabeworkflows abbilden kann. Jede Änderung an einem Bauteil bedarf der Zulassung durch die europäische Luftfahrtbehörde EASA und gegebenenfalls weiterer Institutionen. Diese Änderungen sind in Testplänen, Maintenance-Manuals, Flughandbüchern und so weiter festzuhalten. Knapp 200 Dokumententypen hat der Hersteller eingerichtet. Für jedes Dokument gibt es wiederum bis zu drei unterschiedliche Freigabeprozesse, die es durchlaufen muss und innerhalb derer geprüft wird, ob alle Fragen zu Sicherheit und Genehmigung darin berücksichtigt sind. Die Logik dieser Freigabeprozesse hat das Unternehmen im PLM-System hinterlegt. Elf Stufen haben die Workflows zum Teil, bis alle internen Abteilungen ihren Haken gesetzt haben: die ‘Muster-Prüf-Ingenieure’, die Musterprüfleitstelle als verlängerter Arm der Behörde im Haus sowie letztlich die EASA. Nach Abschluss der Anpassungen lässt sich im System detailliert nachvollziehen, wer wann ein zu prüfendes Dokument erstellt und freigegeben hat.

Compliance IT-gestützt sicherstellen

Mit Proom nutzt Aerodata zudem ein Pro.File-Add-on, das die Ingenieure direkt aus dem PLM-System heraus verwenden. Weltweit, derzeit vor allem im asiatischen Raum, betreuen die Ingenieure Kundenprojekte und übermitteln von dort aus Projektdokumente nach Braunschweig. Vor allem Meldungen über Sicherheitsupdates, Produktänderungen sowie begleitende Unterlagen wie Handbücher stehen Unternehmenskunden über die Dokumentenaustauschplattform zur Verfügung. Die Nutzer der Produkte können dort aber auch Fehlerprotokolle ablegen, welche die Zentrale zügig prüfen und bearbeiten kann. „In der Luftfahrtindustrie sind wir rechtlich verpflichtet, unsere Kunden jederzeit über jedwede die Luftsicherheit betreffende Änderung zu informieren“, sagt Edward Boag. „Früher haben wir dies mittels Post oder CDs gehandhabt. Mit der Dokumentenaustauschplattform funktioniert das nun wesentlich komfortabler.“ Für die Kunden wurden eigene Projekträume eingerichtet. Aerodata erhält eine Empfangsbestätigung des Gegenübers über jedes übermittelte Dokument und kann so einwandfrei durchgängig nachweisen, seiner gesetzlichen Informationspflicht nachgekommen zu sein.


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