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Fertigung planen und steuern

Mit Unterstützung der Mitarbeiter

Beim Streben nach mehr Effizienz und Produktivität scheitern viele Fertigungsunternehmen an der geringen Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter. Der Komponenten- und Systemlieferant Argo-Hytos hat es geschafft, sich zur Einführung eines integrierten Manufacturing Execution Systems die volle Unterstützung der Mitarbeiter zu sichern.



Bild: MPDV Mikrolab GmbH

Um die Transparenz in der mechanischen Fertigung am Standort Kraichtal-Menzingen zu steigern, führte Argo-Hytos bereits im Jahr 2012 das integrierte Manufacturing Execution System Hydra von MPDV ein. Die Erfassung und Analyse von Maschinenstillständen sollte zu neuen Erkenntnissen und in Folge daraus zu einer Verbesserung der Effizienz führen. Zunächst implementierte das Unternehmen die MES-Module Betriebs- und Maschinendaten sowie den Leitstand zur Auftragsfeinplanung. Die Verknüpfung dieser drei Module ermöglicht sowohl die Auswertung der bereits gelaufenen Aufträge inklusive der Rückmeldung verdichteter Daten an das führende ERP-System als auch eine Optimierung der Maschinenbelegung. Dabei erfolgt die Verteilung der Aufträge auf die einzelnen Maschinen weitestgehend automatisch und basiert auf den Vorgaben aus dem ERP, wie zum Beispiel Maschinengruppe oder Ecktermine.

Transparenz in der Fertigung

In der Fertigung melden die Werker die vorgegebenen Aufträge an und signalisieren dem MES dadurch die Zugehörigkeit der anschließend erfassten Daten. CNC-Bearbeitungszentren wie auch Faltmaschinen und Montageeinheiten liefern automatisch und regelmäßig Zeiten, Status und Mengen. Große Monitore in der Fertigung visualisieren die erfassten Informationen auch für die Mitarbeiter. Teils noch in der Implementierungsphase, teils erst während der Nutzung erkannte der Fertiger immer wieder nützliche MES-Funktionen, die zur weiteren Vereinfachung bestehender Abläufe dienen können.

Zwei Beispiele aus der Praxis: Immer, wenn an einer Maschine das Material ausgeht, setzt der dort tätige Werker den Maschinenstatus auf ‚Kein Material‘. Dieser Status wird gleichzeitig auch bei einem Mitarbeiter der Intralogistik angezeigt. Auf Basis der Statusmeldungen aller Maschinen und der angezeigten Informationen über die aktuell laufenden Aufträge kann der Intralogistiker schnell auf Unterbrechungen dieser Art reagieren und diese gezielt durch Materialanlieferungen abstellen. An vielen der an das MES angebundenen Maschinen wird nach der Auftragsanmeldung automatisch eine Information zum produzierten Artikel angezeigt. Ein Foto dient dabei als Vergleichsmaterial. Somit können die Werker an der Maschinen schnell und intuitiv erkennen, ob alles in Ordnung ist. Bei Bedarf stehen weiterführende Informationen zum Artikel und zum Auftrag zur Verfügung.

Smarte MES-Funktion zur Effizienzsteigerung

Die Auswertungen der ersten Monate ergaben eine zu geringe Maschinenauslastung und zudem relativ lange Liege- und Wartezeiten. Durch eine optimierte Feinplanung erhoffte sich Jörg Stech, Chief Operation Officer der Argo-Hytos Gruppe, das aktuelle Auftragsaufkommen mit dem gleichen Personalaufwand in kürzerer Zeit zu schaffen – in zwei statt bisher drei Schichten. Die durch den Erhalt aller Arbeitsplätze gestützte Motivation der Mitarbeiter sicherte gleich beim ersten Versuch den Erfolg. Vom Erfolg beflügelt, führte Stech die Nachtschicht wieder ein – allerdings mit zusätzlichen Aufträgen. Da die beiden anderen Schichten mittlerweile eingeschwungen waren und mit dem neuen Auftragsvolumen zurechtkamen, konnte ein Teil der Mitarbeiter wieder abgezogen werden, um in der Nachtschicht zu arbeiten. Im Endeffekt waren alle mit dem Ergebnis zufrieden: die Mitarbeiter, weil kein Personal abgebaut wurde; die Geschäftsleitung, da nun mehr produziert werden kann; das Controlling, da dank MES aussagekräftige Kennzahlen zur Verfügung stehen und Jörg Stech, weil er seinem Unternehmen damit in Summe einen großen Dienst erwiesen hatte.

Um die Nachhaltigkeit der Verbesserungen sicherzustellen, betreibt das Unternehmen eine zentrale KVP-Ecke. Dort informieren sich Mitarbeiter über die aktuelle Produktivität und beteiligen sich aktiv am kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Ein großer Vorteil ist dabei, dass die Daten für die dort ausgehängten Auswertungen und Diagramme größtenteils mit dem MES erfasst werden und somit kein zusätzlicher Aufwand entsteht. Das Wissen über die Kennzahlen – zum Beispiel Nutzgrade, Erfüllung von Vorgabezeiten, Ausbringung der vergangenen Schichten, Tage und Wochen – gibt allen Mitarbeitern ein Gefühl für die eigene Leistungsfähigkeit und motiviert zudem, diese auszubauen. Auswertungen zu einzelnen Maschinen werden auch direkt neben den dort angebrachten MES-Terminals ausgehängt. „Mitarbeiter wollen wissen, wie es läuft“, erklärt Stech, „und mit den Daten können wir die geforderte Transparenz ganz einfach herstellen – ohne großen Aufwand.“



Die Mitarbeiter in der Fertigung können über Terminals auch weiterführende Informationen zu Produkten und Produktionsaufträgen abrufen. Direkt daneben sind die Kennzahlen der vergangenen Schicht aus dem MES ausgehängt. Bild: MPDV Mikrolab GmbH

Im Dienste der Mitarbeiter

In der nächsten Stufe erweitert das Unternehmen den Funktionsumfang des MES um die Module Personalzeit, Zeitwirtschaft, Leistungs- und Prämienlohn sowie Zutrittskontrolle. Damit löst der Fertiger ein bereits vorhandenes System zur Personalzeiterfassung ab und konsolidiert die fertigungsnahe IT-Landschaft. Ohne handschriftliche Aufschreibungen stehen nun Auftragszeiten, Maschinenstatusmeldungen, Produktionsmengen und Anwesenheitszeiten der Mitarbeiter zur Verfügung. Daraus berechnet das MES dann für die jeweiligen Prämiengruppen die Werte für die leistungsorientierte Entlohnung. Dabei unterstützen einfache Funktionen des formelbasierten Leistungslohns eine exakte Abbildung der Betriebsvereinbarung. Das System stellt somit sicher, dass jeder Mitarbeiter gemäß seiner Leistungen beziehungsweise der Leistung seiner Prämiengruppe entlohnt wird. Des Weiteren sind papierlose Workflows zum Beispiel für die Urlaubsbeantragung und -genehmigung angedacht. Ziel ist es, aufwendige und bürokratische Abläufe zu verschlanken. Die Bedienbarkeit der Funktionen steht dabei immer im Vordergrund. Zudem wurde vor einiger Zeit auch die Zutrittskontrolle in Hydra integriert, so dass seither alle Zutritte und Zutrittsversuche im gleichen System protokolliert und ausgewertet werden.

Bisher läuft das MES im genannten Umfang bereits in Kraichtal-Menzigen und auch am tschechischen Standort Vrchlabi stabil. Insgesamt erfasst es dort die Daten von rund 45 Maschinen und stellt sie auf 15 Maschinenterminals sowie rund 20 Office Clients zielgruppengerecht dar. Noch in diesem Jahr soll die gleiche Installation in die Werke in Indien, USA, China und Polen ausgerollt werden. Dabei profitiert das Unternehmen von den Erfahrungen, die beim erstmaligen ‚Jonglieren der Schichten‘ gemacht wurden. Jörg Stech sieht den Rollouts also gelassen entgegen. Die MES-Installation kann im Rahmen einer Werksführung am 25.02.2016 bei Argo-Hytos besichtig werden: http://mpdv.info/hydralive20160225


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