Anzeige
Beitrag drucken

Energiespeicher für die Industrie

„Den Nutzen praktisch aufzeigen“

Thomas Koch ist Inhaber der Energieberatung SDL in Engen und berät vor allem die Industrie zu Energieeffizienz-Projekten. Im Gespräch erläutert Koch den grundsätzlichen Nutzen von Energiespeichern für Industriebetriebe – und warum sich die Anschaffung in fast jedem Unternehmen rechnen kann.



Im Gespräch erläutert Thomas Koch den grundsätzlichen Nutzen von Energiespeichern für Industriebetriebe – und erklärt, warum er sich bei seinem eigenen Bauprojekt für einen ASD-Speicher entschieden hat. Bild: Energieberatung SDL
Herr Koch, für wie wichtig halten Sie Energie- und Stromspeicher?

Thomas Koch: Die Netze sind in den letzten Jahren immer weniger harmonisch und teilweise störanfälliger geworden. Jeder, der seine Kernprozesse für eine gewisse Zeit selbst versorgen kann, ist gut beraten. Deshalb werden Stromspeicher mit Blick auf die Versorgungssicherheit an Bedeutung gewinnen. Es geht darum, Kapazitäten zu schaffen, zu bündeln und auch miteinander zu verschalten. Solche Speicher werden, quasi als Backup-System, mittel- und langfristig definitiv immer wichtiger, um einen temporär erhöhten Bedarf ohne Weiteres schnell decken zu können.

Rechnet sich ein Energiespeicher?

Koch: Das ist eine Frage, die sich nur selten sofort mit ja oder nein beantworten lässt. Verhindert ein Stromspeicher den Ausfall einer Maschine oder einen größeren Schaden, rechnet er sich schon mit dem ersten Stromausfall. Ist ein solches Szenario nicht relevant, sprechen wir über längere Amortisationszeiten. Doch das passt ins Bild, denn die Unternehmen, die mit zwei Jahren statischer Amortisation kalkulieren, werden weniger. In zwei Jahren rechnet sich kaum eine größere Anschaffung, keine neue Produktionsanlage und kein Pkw. Um einen Stromspeicher wirtschaftlich zu beurteilen, benötigt man einen gesamtheitlichen Überblick. Also: wie sehen Stromabnahmeverhalten und Prozesse aus; wo geht es in den nächsten vier, fünf Jahren hin; wie entwickelt sich der Standort und vieles mehr. Grundsätzlich lässt sich in der Industrie der Nutzen eines Speichers meist recht praktisch aufzeigen. Oft aber eben erst, wenn man den Überblick über das Gesamtpaket hat.

Worin besteht der Nutzen von Energiespeichern konkret?

Koch: Da gibt es − insbesondere für die Industrie – viele handfeste Punkte: Die Möglichkeit selbst erzeugte Energie zu speichern, zu einem anderen Zeitpunkt zu nutzen und weniger Strom fremd einzukaufen, ist der erste Vorteil. Ein weiterer Nutzen ist im Peak Shaving zu sehen, also der Senkung von Lastspitzen mit der eigenen Energieversorgung. Der Hintergrund ist, dass die Leistungspreise, also Netznutzungsentgelte, nach Lastspitzen berechnet werden. Selbst wenn nur eine einzige höhere Leistungsspitze innerhalb eines 15-Minuten-Zeitraums erzeugt wird, muss der Abnehmer für die gesamte Abrechnungsperiode, meist das Kalenderjahr, einen höheren Preis entrichten. Vorteil drei betrifft die unterbrechungsfreie Stromversorgung, abgekürzt USV, wie sie viele IT-Anlagen erfordern. Das lässt sich in der Industrie mit einem geeigneten Speicher über die IT hinaus ausdehnen. Beispielsweise auf diejenigen Prozesse, bei denen eine Störung nicht akzeptabel ist oder gleich richtig viel Geld kostet.

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?

Koch: Eine Spritzgussmaschine, bei der ein immenser Reinigungsaufwand entstünde, wenn der Strom mitten im Prozess ausfällt. Ein Stromspeicher kann sicherstellen, dass vorher definierte Anlagen eine bestimmte Zeit lang weiterlaufen.

Welche Vorteile fallen Ihnen noch ein?

Koch: Das Stichwort Regelenergie: Ist der Speicher voll und der Strom wird gerade nicht benötigt, lässt sich der Energieüberschuss als Regelenergie zur Verfügung stellen und verkaufen. Es gibt Dienstleister, die diese Regelenergie bündeln. Sie hat schließlich einen Marktwert. Last but not least ist ein wirtschaftlicher Vorteil, dass mit einem Speicher für Energie, die erneuerbar erzeugt wird, dauerhaft weniger bezahlt werden muss. Angesichts steigender Strompreise wird dieses Argument in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Und dann gibt es meist noch viele kleine Vorteile, die sich aus den individuellen Gegebenheiten am einzelnen Speicher-Einsatzort ergeben und ermitteln lassen. Es ist praktisch egal, in welchen Betrieb wir gehen, wir werden überall die Wirtschaftlichkeit von Energiespeichern aufzeigen können.



Mit der Steuerung Pacadu von ASD schadet der Defekt einer einzelnen Zelle nicht dem kompletten Verbund. Zudem lassen sich Batterien verschiedener Bauart und Güte in das System einbinden. Bild: Energieberatung SDL
Sie haben sich bei Ihrem eigenen Bauprojekt für die Speichertechnologie von ASD entschieden. Warum?

Koch: Der große Unterschied liegt in der von ASD entwickelten Speichersteuerung Pacadu. Damit entstehen hohe Freiheitsgrade in der Wahl und der Zusammenstellung der Batterien. Im Vergleich zu anderen Speichern ist es nicht mehr nötig, zwillingsgleiche Batterien erster Güte zu verbauen, sondern es lassen sich fast beliebige einbinden. Der Defekt einer einzelnen Zelle schadet nicht dem kompletten Verbund. Die Steuerung trägt deshalb dazu bei, dass die Systeme schneller preislich attraktiv werden. Der zweite bedeutende Vorteil, den der Pacadu bringt, ist die Skalierbarkeit: Das System lässt sich jederzeit und praktisch beliebig aufrüsten oder auch reduzieren. Diese Möglichkeit ist am Markt einzigartig, deshalb kommt für uns nur ein Pacadu-gesteuerter Stromspeicher in Frage.

Wie sieht das Projekt aus?
:

Koch: Wir errichten ein Gebäude ohne Keller, insgesamt über 500m2 auf zwei Ebenen, das wir selbst gewerblich und privat nutzen werden. Das Ganze ist als Vorzeigeobjekt gedacht und deshalb stand von Anfang an die Frage im Raum, welchen Autarkiegrad wir erreichen können. Die Zielsetzung ist, mit einer Photovoltaik-Anlage und einem Speicher auch im Winter genügend Energie zur Verfügung zu haben, die wir bei Bedarf aus dem Speicher abrufen. Wir werden mit dem KfW-40-Standard den gewerblich maximal förderfähigen Standard, der bei KfW-55 liegt, weit übertreffen. Der Spatenstich ist noch in diesem Jahr geplant.


Das könnte Sie auch interessieren:

Bereits im September hatte der Augsburger Roboterhersteller Kuka Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Die Geschäftsführung hat nun ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Demnach soll ein Teilbereich im Robotics-Segment neu ausgerichtet werden.‣ weiterlesen

Auch in ERP-Systemen auf Cloud-Basis kann KI-Technologie ihr Potenzial entfalten. Sie analysiert enorme Datenmengen in Sekundenbruchteilen, startet eigenständig Prozesse und gibt Handlungsempfehlungen. Grenzen für ihren Einsatz setzt aber der Gesetzgeber.‣ weiterlesen

Klaus Hübschle tritt Anfang 2020 die Nachfolge von Andreas Börngen als CEO von M&M Software an.‣ weiterlesen

Econ Solutions hat mit Philip Würfel einen neuen Geschäftsführer. Er tritt die Nachfolge von Dr. Stephan Theis an.‣ weiterlesen

Wohin entwickeln sich die Fabriken in den nächsten Jahren? Philipp Wallner von MathWorks wagt die Prognose, das fünf Faktoren darunter sein werden, die individuelles Fertigen und Ressourceneffizienz in Einklang bringen.‣ weiterlesen

Der einzige Trost beim Thema künstliche Intelligenz und Cybersicherheit? Dass auch die Angreifer nicht verstehen, wie die technologische Black Box KI genau funktioniert. Steve Rymell, Technikchef bei Airbus CyberSecurity, berichtet über die Notwendigkeit, künstliche Intelligenz auf dem Feld der IT-Sicherheit im Auge zu behalten - ohne ihr freilich einen Sonderstatus zuzuweisen.‣ weiterlesen

Weltweit streben Unternehmen nach digitalisierten Produktionsumgebungen. Schließlich verhelfen vernetzte Maschinen zu mehr Transparenz, Einsparpotentiale werden offenbar und die Produktionsplanung endlich realistischer. Doch vor der Vernetzung muss deren Zweck möglichst klar definiert sein, und auch das Koppeln der Maschinen selbst braucht Sachverstand.‣ weiterlesen

Dietmar Heinrich wird neuer Finanzvorstand der Dürr AG. Zudem ernannte der Aufsichtsrat Dr. Jochen Weyrauch zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.‣ weiterlesen

Die Maschinenbauer aus Deutschland müssen sich in einem zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Das Jahr 2019 war geprägt von einer schwachen Weltkonjunktur, immer härteren Drohungen und Sanktionen in den globalen Handelsstreitigkeiten, sowie einem tiefgreifenden Strukturwandel in der Autoindustrie.‣ weiterlesen

Nach einer Studie von Gartner soll bis 2022 der Geschäftswert von KI auf 2,85 Billionen Euro steigen. Der Löwenanteil davon wird voraussichtlich auf den Bereich der Kundenerfahrung entfallen, für das schon ausgereifte Tools am Markt existieren. Dieser Überblick zeigt, wie es heute um KI im Field Service Management steht und wohin die Reise geht.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige