Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Einsatz von mobilen Endgeräten in der Produktion

Effizienzfaktor Mobilität

Die ständige Verfügbarkeit von Echtzeit-Informationen erhält auch in der Produktion immer mehr Bedeutung: Egal ob der Fertigungsleiter, der ständig unterwegs ist, jederzeit eine Sicht auf seine Maschinen und Aufträge benötigt oder der Werker in größeren Anlagen einen Tablet-PC für Rückmeldungen bei sich trägt.

Bild: Trebing + Himstedt

Der Ansatz ‚Anywhere, anytime, any device‘ hat in der Office-IT breitflächigen Einzug gehalten: Der Vertriebsaußendienst ist heute bereits vielfach darauf angewiesen, dass er unterwegs auf Kunden-, Produkt- und Auftragsdaten zugreifen kann. Dass von überall mit jedem Endgerät auf alle relevanten Daten zugegriffen werden kann, findet nun auch im Produktionsumfeld immer mehr Anhänger. Der Einsatz von mobilen Technologien ist dabei allerdings vor allem auf Grund der rauen Umgebungsparameter vielfach noch Insellösungen vorbehalten. Kundenwünsche, Wettbewerbsdruck und persönliche Erfahrungen mit mobilen Technologien seitens der Mitarbeiter zwingen aber auch hier zum Umdenken: Nach einer Studie des Fraunhofer IAO sehen 52 Prozent der befragten Unternehmen die mobile Kommunikationstechnik als zukünftige Bereicherung für den Produktionsmitarbeiter.

Vom Messprotokoll bis in die Wartung

Im Mittelpunkt steht dabei, Shop Floor-Prozesse durch den Einsatz mobiler Lösungen zu beschleunigen und die Qualität zu verbessern – und so Effizienzsteigerungen zu realisieren. Entlang eines klassischen Produktionsprozesses sind hier einige Anwendungen bereits heute möglich. Mit zunehmender Individualisierung der Produkte kommt es vielfach zu sehr komplexen Variantenfertigungen. Um dabei den Werker vor Ort zu unterstützen, können elektronische Arbeitsanweisungen passend zum aktuellen Auftrag am Montageplatz sogar animiert in 3D angezeigt werden. Damit der Werker hierbei beweglich und handlungsfähig bleibt, stellt der Einsatz von tragbaren Datenbrillen eine Perspektive dar: Die durchgeführten Arbeitsschritte und Messprotokolle der Qualitätssicherung werden so zugleich mit dem jeweiligen Werkstück verknüpft abgespeichert. Damit lässt sich der Dokumentationsaufwand erheblich reduzieren und Durchgängigkeit sicherstellen: Im Rahmen der Fraunhofer-Studie gehen 47 Prozent der Befragten davon aus, dass der Einsatz mobiler Endgeräte den Aufwand der Dokumentation drastisch reduzieren wird; 55 Prozent geben sogar an, dass sich die Qualität der Dokumentation durch mobile Endgeräte stark verbessert. Ein typisches Einsatzszenario für den Meister wäre, unterwegs in der Halle Arbeitsfortschrittvisualisierung und Auftragsauslastung einzusehen.

Um Störungen, Stillstände und Qualitätsmängel direkt am Ort des Geschehens zeitnah ermitteln zu können, kann eine direkte Erfassung per Tablet-PC die Datenqualität erhöhen und eine zeitnahe Auswertung von Anlagenkennzahlen wie der Gesamtanlageneffektivität oder ‚Overall Equipment Effectivness‘ (OEE) zeitnah ermöglichen. Heute werden Stillstände oftmals zentral nach Schichtende erfasst – das kann neben zeitlicher Verzögerung auch unpräzise Beschreibungen zur Folge haben, wenn etwa ein Stillstand länger zurück liegt. Ebenfalls kann mit der Kamera des mobilen Endgerätes ein Foto des defekten Gerätes erstellt und weitergeleitet werden, um den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) zu beschleunigen. Sind die Systeme entsprechend vernetzt, können die Störgründe zudem direkt an die Instandhaltung übermittelt werden. Der Instandhalter sieht dann bereits unterwegs, welche Maschine warum steht und kann sich direkt zum Ort des Geschehens begeben. Er kann so seine Einsatzplanung auf dem Mobilgerät empfangen und bearbeiten, oder auch eine wieder instandgesetzte Maschine im System freigeben. Eine Tablet-Version (Bild) für diese Aufgabe liefert Trebing + Himstedt als OEE-Starter-Paket aus. Die Umsetzung kann für eine SAP-Umgebung mithilfe von SAPUI5 realisiert werden, ein auf HTML5 basiertes Entwicklungswerkzeug für Benutzeroberflächen aus Walldorf. Der Lösungsanbieter konnte hierzu bereits bei einer Reihe von Projekten Erfahrungen mit der Implementierung für Desktop-, Touch- und Mobile-Applikationen im Produktionsumfeld sammeln.

Wegbereiter für neue Konzepte

Ein weiterer Vorteil von Tablets besteht darin, dass diese multifunktional einsatzfähig sind. Im Gegensatz zu Spezial-Terminals, die für eine Anwendung optimiert sind, können die Mobilcomputer zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden; bei Änderungen genügt oftmals das softwareseitige Anpassen der Oberfläche. ‚Hängen‘ an einer Maschine zwei oder drei Terminals – eventuell noch an einer Stelle, an der sich der Werker im normalen Produktionsprozess nicht aufhält – können durch mobile Endgeräte Kosten gesenkt und die Effizienz bei der Nutzung gesteigert werden: Ein Terminal kostet zwischen 2.000 und 5.000 Euro, im Vergleich dazu schlägt ein Tablet nur mit bis zu 600 Euro zu Buche. In den meisten Fällen spricht auch nichts gegen einen Einsatz im industriellen Umfeld. Ein ganz anderes Einsatzszenario stellt die flexible Personaleinsatzplanung dar: Smartphones sind im privaten Alltag heute bereits weit verbreitet. Entsprechend könnte zum Beispiel die Planung von Sonderschichten und Vertretungen über eine mobile App selbstständig, ohne zentrale Planung organisiert werden.

Das von der Bundesregierung geförderte Industrie-4.0-Forschungsprojekt ‚Kapaflexcy‘ arbeitet dazu an einer Art ‚Schicht-Doodle‘-Applikation, über die sich die Werker selbständig zu einer Sonderschicht organisieren können. So kann das Smartphone zukünftig möglicherweise die Stechuhr ersetzen; höherwertige Geräte bieten bereits die dazu erfoderliche Nahfunk-Technologie. Das Beispiel zeigt: Die Möglichkeiten, die mit Hilfe von Smartphone, Tablet oder Datenbrille entstehen, sind lange noch nicht ausgereizt. Das Beispiel von Miet-Stadträdern oder das Car-Sharing-Prinzip, in dem Fahrräder oder Autos per Smartphone aufgespürt, reserviert und gemietet werden können illustriert, dass viele Geschäftsmodelle erst durch den konsequenten Einsatz einer Technologie möglich werden. Es steht zu erwarten, dass sich mobilen Lösungen im Produktionsumfeld in Zukunft noch zahlreiche Anwendungsfelder eröffnen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Das Systemhaus Solid System Team wird von einer Doppelspitze geleitet. Neben Werner Heckl ist seit 1. April auch Torsten Hartinger mit der Geschäftsführung betraut.‣ weiterlesen

Materialise erwirbt Kaufoption von MES-Anbieter Link3D. Mögliche Übernahme könnte den Weg zum cloudbasierten Zugriff auf die 3D-Druck-Software-Plattform von Materialise ebnen.‣ weiterlesen

Ist die IoT-Infrastruktur in der Fertigung erst einmal installiert, müssen die erfassten Daten analysiert und in Nutzen überführt werden. Dabei kommt Event-Streaming-Technologie vor allem dann in Frage, wenn Anwender ihre Daten echtzeitnah verarbeiten wollen.‣ weiterlesen

Frank Possel-Dölken (Phoenix Contact) ist neuer Vorsitzender des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0. Er übernimmt das Amt von Frank Melzer (Festo).‣ weiterlesen

Der VDMA hat die Produktionsprognose für das laufende Jahr angehoben. War der Verband bisher von einem Zuwachs von 4 Prozent ausgegangen, so rechnet man nun mit einem Produktionsplus von 7 Prozent.‣ weiterlesen

Roboter gehören zum Rückgrat der smarten Fabrik. Doch die Automaten könnten außerhalb der Fabriken viel leisten. Das Dresdner Unternehmen Wandelbots hat jetzt eine Lösung entwickelt, die den Robotereinsatz auch für kleine und mittlere Unternehmen vieler Branchen interessant machen soll. Ein Industrie-PC von Kontron übernimmt in diesem System eine zentrale Aufgabe.‣ weiterlesen

Die Auftragsbücher der deutschen Industrieunternehmen füllen sich und die Produktion nimmt zu. Laut Ifo-Konjunkturumfrage liegen die Produktionserwartungen im März sogar auf dem höchsten Stand seit 1991.‣ weiterlesen

xyzWieviel sind Daten wert? Welche Daten sind für die Effizienzsteigerung der Produktion, die Qualitätssteigerung der Produkte oder neue Geschäftsmodelle für die produzierende Industrie und ihre Dienstleistungen von Nutzen und wie kann ihr Wert gemessen und beziffert werden? Am 13. Januar 2021 konstituierte sich dazu der Fachausschuss 7.24 Big Data in der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik neu, um die Experten-Empfehlung VDI/VDE 3715 'Data Assets' zu entwickeln. Im Fachausschuss wird ein metrischer Standard entwickelt für die Ermittlung des ökonomischen Wertes technikbezogener Daten innerhalb der Wertschöpfungskette.‣ weiterlesen

Es gibt keinen Textauszug, da dies ein geschützter Beitrag ist.‣ weiterlesen

Zutrittskontrollsysteme dokumentieren Aufenthaltszeiten, können bei der Corona-Kontaktverfolgung unterstützen und ermöglichen die individuelle Arbeitszeiterfassung. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung, der Pandemie sowie dem Trend zum dezentralen Arbeiten lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuellen Anforderungen.‣ weiterlesen

Mit dem Security Operations Center will Vinci Energies Cybersecurity-Spezialisten vernetzen. Die Eröffnung ist für das zweite Halbjahr 2021 vorgesehen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige