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‚eBOM‘ und ‚mBOM‘ abgleichen

Konstruktion und Fertigung per App synchronisieren

Die Unterschiede zwischen der Entwicklungs- und den Fertigungsstücklisten verursachen häufig großen Aufwand in der Abstimmung. Die oft mangelnde Unterstützung der Enterprise Resource Planning-Systeme bei der Abbildung der unterschiedlichen Sichten stellt die gängige Aufgabenverteilung deshalb zunehmend in Frage. Mit einer neuen Product Lifecycle Management-App können Unternehmen ihre Konstruktions- und Fertigungsstücklisten einfacher synchronisieren.

eBOM und mBOM synchronisieren.

Bild: Sykono / istock.com

Der Einsatz von Product Lifecycle Management-Systemen (PLM) hat in vielen Unternehmen zu einem arbeitsteiligen Stücklistenmanagement geführt: Das PLM-System beansprucht für sich die Definition und Pflege der Konstruktionsstückliste (Engineering Bill of Material, kurz ‚eBOM‚), während das Enterprise Resource Planning-System (ERP) die Hoheit über die Fertigungsstückliste (Manufacturing Bill of Material, kurz ‚mBOM‚) behauptet. Über eine Schnittstelle wird die Konstruktionsstückliste mit einem bestimmten Status beziehungsweise Reifegrad automatisch an das ERP-System übergeben und dort in der Regel durch die Arbeitsvorbereitung in eine Fertigungsstückliste umgewandelt. Dabei ergänzt sie diese um fehlende Informationen und verändert gegebenenfalls auch den Aufbau, wenn der nicht den Anforderungen von Fertigung und Montage entspricht.

Nachteil dieser Arbeitsteilung ist, dass die Aktualisierung der redundanten Stücklisten-Informationen in den verschiedenen Systemen bei technischen Änderungen einen erheblichen Arbeitsaufwand verursachen kann. Vielfach werden Änderungsprozesse durch die ERP-Systeme nur unzureichend unterstützt. Hersteller von langlebigen Investitionsgütern, die in geringen Stückzahlen gebaut und häufig umkonfiguriert werden, müssen ihre Fertigungsstückliste immer wieder ableiten oder von Hand anpassen. Das ist besonders aufwendig, wenn die ‚eBOM‘ auf mehrere, werkespezifische ‚mBOMs‘ abgebildet werden muss, um den unterschiedlichen Fertigungs- und Montageprozessen in den einzelnen Werken Rechnung zu tragen. Denn häufig werden an den anderen Standorten aus logistischen oder politischen Gründen lokal gefertigte Materialien eingesetzt.

Durchgängiges Stücklistenmanagement

Stellt sich die Frage, ob es nicht zweckmäßiger ist, alle Stücklisten-Ausprägungen über den gesamten Produktlebenszyklus in einem so genannten Master Data Management (MDM) zu belassen. Professor Martin Eigner äußerte diesbezüglich im Rahmen eines PLM-Workshops, dass es beispielsweise vorstellbar sei, die komplette Produktstruktur einschließlich der Anforderungen, Funktionen, Verhalten, Entwicklungs-, Test-, Fertigungs- und Montagestücklisten mit einem PLM-Backbone zu managen, das auch die Prozesse steuere. Eigner leitet den Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung an der Technischen Universität Kaiserslautern. Doch wer soll diese MDM-Funktionalität bereitstellt: PLM-, ERP- oder unabhängige Hersteller? In der Praxis setzt sich mehr und mehr die Idee durch, das Stücklistenmanagement in den PLM-Systemen zu belassen und auszubauen. Das spiegelt sich auch in den Produktportfolios einiger PLM-Anbieter wider.

So hat Contact Software das Produktstruktur- und Stücklistenmanagement in CIM Database PLM um den ‚mBOM Manager‘ erweitert. Er erlaubt es, zu einem Produkt oder einer Baugruppe mehrere Stücklisten zu verwalten und bei Änderungen synchron zu halten. Konstruktionsänderungen sollen so nachvollziehbarer gemacht und schnell an die lokalen Standorte kommuniziert werden. Zu jeder Konstruktionsstückliste können mehrere Fertigungsstücklisten angelegt werden – entweder interaktiv oder durch Kopieren vorhandener eBOMs beziehungsweise mBOMs. Beide können unterschiedliche Artikel beinhalten und müssen auch strukturell nicht identisch sein, um synchronisiert zu werden. Der Anwender kann eBOM und mBOM in einer tabellarischen Ansicht gegenüberstellen, um sich die Unterschiede grafisch anzeigen zu lassen. Ein besonderes Merkmal des ‚mBOM Managers‘ ist die Möglichkeit, Stücklisten durch einfache Drag & Drop-Operationen zu verändern oder umzustrukturieren und diese Änderungen auf Knopfdruck an die anderen Stücklisten-Ausprägungen weiter zu geben.

Schneller Transport von Änderungen

Die Hoheit über die Fertigungsstücklisten an das PLM-System zu übertragen, kommt für viele Branchen in Frage. Interessant kann diese Option vor allem für Hersteller von komplexen Produkten mit langen Lebenszyklen sein, die sehr viel Re-Engineering und Re-Konfiguration betreiben. Dazu gehören zum Beispiel Sondermaschinenbauer, Schwermaschinenbauer, Werkzeugmaschinenbauer, Baumaschinen-Hersteller oder Unternehmen in Aerospace, Schiffbau und Transportwesen. Unternehmen mit global verteilten Fertigungsstandorten, die separate ERP-Systeme oder -Instanzen nutzen, können besonders vom durchgängigen Stücklistenmanagement und dem schnellen und sicheren Änderungstransport in einem übergreifenden PLM-System profitieren. Vorteile können sich auch für Hersteller von Investitionsgütern ergeben, die über Stücklisten ihre Instandhaltung planen und die Stücklisten gegebenenfalls mit projekt- oder kundenspezifischen Informationen bereitstellen wollen.

Die Architektur der Lösung ist so angelegt, dass damit unterschiedliche Stücklisten-Arten abgebildet werden können, wie zum Beispiel eine Service-Stückliste, die wieder ganz anders aufgebaut sein kann als eine Montagestückliste. In letzterer sind vielleicht Ventile den einzelnen Aggregaten zugeordnet, in denen sie verbaut werden, während sie funktional beziehungsweise aus Service-Sicht zu einem zusammenhängenden Hydrauliksystem gehören. Das Stücklistenmanagement in einer einheitlichen Systemumgebung ermöglicht eine engere Verzahnung von Produktentstehung und Produktionsplanung. ‚eBOM‘ und ‚mBOM‘ können parallel aufgebaut und schneller geändert werden, was die Time to Market verkürzt. Außerdem kann die Umsetzung der Änderungen in den abgeleiteten Stücklisten mehr Komfort, Transparenz und Eindeutigkeit bieten. Daraus können sich zugleich neue Möglichkeiten für die Nutzung der Stücklisten als Vehikel für die Visualisierung und Navigation in den Produktmodellen ergeben.

mit mBOM Manager Stücklisten verwalten

Transparenz erwünscht. Mit der Software ‚mBOM Manager‘ lassen sich zu einem Produkt oder einer ganzen Baugruppe mehrere Stücklisten verwalten und synchronisieren. Bild: Contact Software


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