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Geschäftsrisiken und Compliance

Wachsende Anforderungen im Chemikalienmanagement

Jedes Jahr werden mehr Chemikalien verarbeitet. Das Management dieser Stoffe ist strikt reguliert. Mit dem richtigen Mix aus Menschen, Technik und Prozessen können Unternehmen effizient mit den Regeln umgehen.

Bild: © Mayumi Terao/istockphoto.com

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Mehr als 70.000 Chemikalien begegnen uns heute im Alltag und 1.000 weitere kommen Jahr für Jahr hinzu. Weltweit steigen die Mengen an Chemikalien, die in der Produktion zum Einsatz kommen. So werden beispielsweise laut Unesco zur Herstellung eines einzigen T-Shirts bis zu sechs Kilogramm Chemikalien verwendet. Die effektive, angemessene und verantwortungsvolle Nutzung von Chemikalien ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Kosten, Abläufe, regulatorische Vorschriften, Sicherheitsthemen – all diese wichtigen Einzelaspekte sind Bestandteile eines nachhaltigen Chemikalienmanagements. Die Anforderungen an das Chemikalienmanagement von regulatorischer Seite sind hoch. Weltweit gilt hier das sogenannte 2020-Ziel, das im Kern aussagt, dass beim Umgang mit Chemikalien in allen Phasen ihres Lebenszyklus schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt bis zum Jahr 2020 minimiert werden müssen. Dieses Ziel wird durch zahlreiche globale und regionale Regelwerke unterstützt.

Akkurate Bestandsliste

Die Risiken, die mit dem Einsatz von Chemikalien verbunden sind, lassen sich durch eine Reihe von Maßnahmen vor Ort und unternehmensweit weitestgehend ausschalten. Zunächst einmal ist es wichtig, einen genauen Überblick darüber zu haben, welche Chemikalien an den einzelnen Standorten genutzt werden und welche Compliance-Dokumentation – einschließlich Verzichtserklärung, sofern zutreffend – für jede dieser Chemikalien gefordert wird. Die Erstellung einer Bestandsliste ist daher von zentraler Bedeutung. Das Verzeichnis ermöglicht, sich ein genaues Bild davon zu machen, in welchem Maße das eigene Unternehmen entsprechenden Risiken ausgesetzt ist – das heißt Risiken durch Non-Compliance, aber auch durch Umweltverschmutzung oder Verstöße gegen interne Sicherheits- und Gesundheitsrichtlinien. Für Kimberley Williams, Inventardienst-Managerin bei SiteHawk, einem US-Unternehmen für Stoffdatenmanagement, ist ein akkurat geführtes Chemikalienverzeichnis die Grundlage für jegliche Initiativen rund um das Chemikalienmanagement eines Unternehmens und für Compliance im Hinblick auf das global harmonisierte System (GHS-Compliance).

Einheitliches System

Das GHS ist ein weltweit einheitliches System zur Einstufung von Chemikalien sowie deren Kennzeichnung auf Verpackungen und in Sicherheitsdatenblättern. „Es ist wie beim Hausbau: Regelmäßige Überprüfungen der Fundamente – sprich, Inventuren der Chemikalienbestände – gewährleisten, dass kleine Unregelmäßigkeiten nicht erst zu großen Problemen werden”, erklärt Williams und fügt hinzu: „Die Protokollierung der am Standort vorhandenen Chemikalien, die Dokumentation ihrer genauen Lagerplätze sowie die Gewährleistung der Aktualität und Verfügbarkeit aller Sicherheitsdatenblätter (Safety Data Sheet, SDS) helfen dem Unternehmen, eine solide Basis für die Erstellung von Genehmigungs- und Kontrollverfahren zu schaffen, SDS-Compliance sicherzustellen und die regulatorische Berichterstattung zugunsten eines ebenso effizienten wie präzisen Reportings zu automatisieren.” Einige der wichtigsten Tipps von Kimberley Williams im Zusammenhang mit der Erstellung eines Bestandsverzeichnisses lauten: sämtliche Materialien beschriften; ausgewiesene Chemikalien-Bereiche einrichten; Materialien entweder physisch oder logisch (mittels Software) gruppieren; und einen Zeitplan festlegen, damit die Inventur zu einer jährlichen Routine wird. „Mit dem richtigen Mix aus Menschen, Abläufen und Technologie können Unternehmen in ihren Bemühungen zum Thema Chemikalienmanagement einen entscheidenden Schritt vorankommen und Compliance gewährleisten.”

Zentrales Datenmanagement

Chemikalienmanager beginnen zu verstehen, dass die Investition in Datenmanagement-Software zur Unterstützung bei den entsprechenden Aufgaben die wichtigste ist, die ihr Unternehmen in den kommenden zehn Jahren tätigen wird. An erster Stelle steht hier die Investition in eine Technologie, die EH&S-Daten (Environmental, Health & Safety), in größerem Umfang integriert. Software-Plattformen bieten eine einfache, überschaubare Datenschnittstelle an und verfügen über eine Reporting-Funktion, die den Zugriff auf Daten diverser Quellen ermöglicht. Auf diese Weise lassen sich regulatorische Anforderungen erfüllen und Unternehmensanalysen unterstützen. Ein vollständig filter- und durchsuchbares Materialverzeichnis lässt sich zudem durch umfassenden digitalisierten Content externer Anbieter wie Sitehawk oder 3E (einem Spezialisten für das Management von Sicherheitsdatenblättern) ergänzen. So erhält das Unternehmen sämtliche Details zu Herstellerangaben und Gefahrenklassifizierungen, die für das Compliance-Reporting erforderlich sind. Anwender haben zudem die Möglichkeit, neue Chemikalien, die mit einem bestimmten Produkt in Zusammenhang stehen, zu registrieren und sogar Verzichtserklärungen anzufordern, falls Chemikalien Substanzen der Kategorie 1A enthalten. Diese Kategorie bezeichnet Stoffe, deren krebserzeugende Wirkung beim Menschen bekannt ist.

Genaues Bild der Risiken

Um ein genaues Bild der potenziellen Risiken oder Gefahren zu erhalten, können Standortmanager mit Hilfe der Software Immobilienprofile für jeden einzelnen Standort anlegen und darin vermerken, welche Chemikalien wo gelagert sind, wie lange sie sich bereits dort befinden und ob je nach Gefahrentyp ein Grenzwert für die Lagerung gilt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Karten und Grafiken zu erstellen, um die Analyse der Kennzahlen in Bezug auf die Chemikalienbestände zu erleichtern. Das niederländische Technologieunternehmen Philips, Hersteller einer breiten Palette von elektronischen Geräten und Beleuchtungslösungen, nutzt bereits seit einigen Jahren leistungsstarke Chemikalienmanagement-Software. Die Eliminierung und Minimierung des Einsatzes gefährlicher Substanzen in den eigenen Produkten und Produktionsprozessen zählt bereits seit Langem zu den Prioritäten des Unternehmens. Für seine Produkte pflegt Philips eine Liste sogenannter geregelter Stoffe (Regulated Substances List, RSL). Diese Liste führt Substanzen auf, deren Einsatz per Gesetz oder durch Philips verboten ist, die aufgrund regulatorischer Vorschriften zu überwachen sind oder deren Überwachung Philips selbst vorschreibt. Diese RSL wird regelmäßig aktualisiert und sämtliche Lieferanten des Unternehmens sind angehalten, ihren Vorgaben zu entsprechen. Sie listet darüber hinaus eine Reihe von Stoffen wie beispielsweise Polyvinylchlorid, Phtalate und Beryllium, deren Einsatz Philips aus Gründen der vorbeugenden Gefahrenabwehr auslaufen lassen will, obwohl dies von behördlicher Seite nicht gefordert ist.

Grüne Chemie

Möglicherweise wird sich die Welt künftig verstärkt ‘grünerer’ Chemie zuwenden, wenn es um Produktkomponenten und Produktionstechniken geht. Laut einer neuen Studie des American Sustainable Business Council und des Green Chemistry & Commerce Council (GC3) ist zu erwarten, dass dieser Markt einen rasanten Anstieg erleben wird. In Deutschland besitzt die grüne Chemie ein enormes Marktpotenzial, da die Chemiebranche diejenige mit dem dritthöchsten Bruttosozialprodukt ist. Deutschland hat hier die Chance, weltweit seinen Marktanteil auszubauen und gleichzeitig Umwelt- und Gesundheitsschutz voranzutreiben. Zunehmend wächst die Erkenntnis, dass die Kosten für den Einsatz von Chemikalien weit über die reinen Materialkosten hinausgehen. Indem sie bewährte Erfolgsmethoden anwenden und den gesamten Lebenszyklus von Chemikalien betrachten, versuchen immer mehr Unternehmen, ihr Chemikalienmanagement besser zu integrieren, um so strategische Vorteile daraus zu ziehen und im Markt nutzen zu können. Die wesentlichen Vorteile sind eine signifikante Effizienzsteigerung, die Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit am Standort, die Minderung von Unternehmensrisiken und eine nachhaltige Ausrichtung, die langfristig Bestand haben soll.

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Bild: © Mayumi Terao/istockphoto.com



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