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Produzieren nach der Pandemie

Langfristige Auswirkungen der Covid19-Pandemie

Technologisches Wissen

Das Wachstum des Produktionspotenzials wird erheblich durch den technischen Fortschritt vorangetrieben. Auch hier ist von einer Dämpfung auszugehen, denn viele Unternehmen sehen sich aktuell zu Kosteneinsparungen gezwungen – was möglicherweise auch die Forschungsbudgets einschließt. Längerfristig könnte es überdies bei der öffentlich finanzierten Forschung zu Einschränkungen kommen, wenn Bund und Länder aufgrund der fiskalischen Belastungen durch die Coronakrise auch bei Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungsförderprogrammen sparen sollten. Dem steht allerdings entgegen, dass auch die zur Abfederung der Krise beschlossenen Konjunkturprogramme zum Teil auf die Unterstützung von Forschung und Entwicklung gerichtet sind. Beschleunigend auf die Entwicklung des Produktionspotenzials könnte sich zudem auswirken, dass die Coronakrise die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft vorangetrieben haben dürfte. Dies kann sich positiv auf die Produktivität des Faktoreinsatzes auswirken, so wenn überflüssige Dienstreisen durch virtuelle Meetings ersetzt werden oder neue technische Ausstattungen zum Einsatz kommen. Unklar ist allerdings, inwieweit auch eine verstärkte Nutzung von Homeoffice-Lösungen produktivitätssteigernd wirkt. Zum derzeitigen Zeitpunkt lassen sich die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Höhe und die Entwicklung des Produktionspotenzials nicht präzise quantifizieren. Dessen ungeachtet beträgt schon aktuell (Schätzung für den Zeitraum 2019-2025) das Potenzialwachstum lediglich rund 0,9 Prozent pro Jahr, rund einen halben Prozentpunkt weniger als im Zeitraum 1996-2019. Grund für das langsamere Wachstum der Produktionsmöglichkeiten ist dabei vor allem der weithin ausgereizte Spielraum für eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung sowie ein geringeres Wachstum des Kapitalstocks. Zu befürchten ist, dass das Potenzialwachstum nach der Corona-Pandemie noch geringer ausfällt als bislang schon erwartet.

Langfristig geschwächt

Die Folgen der Coronakrise treffen vor allem Wirtschaftszweige, die stark vom Lockdown betroffen waren. Das Beherbergungsgewerbe, die Gastronomie, das Veranstaltungswesen sowie einige andere Dienstleistungszweige hatten demnach die höchsten Geschäftseinbußen zu verzeichnen. Eher unerwartet ist auf den ersten Blick, dass viele Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes angeben, weiterhin stark negativ durch die Pandemie betroffen zu sein. Zwar befand sich die Industrie schon vor dem Corona-Ausbruch in einer rezessiven Phase, so dass nicht alle Beeinträchtigungen hier auf die Coronakrise zurückzuführen sein dürften. Dennoch leiden viele Industrieunternehmen offenkundig bis heute darunter, dass im Zuge der Grenzschließungen und der Beeinträchtigungen im Luftverkehr Lieferketten gestört waren, was auf der Beschaffungs- und Absatzseite zu Schwierigkeiten führte. Hinzu kommen nachfrageseitige Probleme, da aufgrund der gedämpften Nachfrage im Inland wie im Ausland der Absatz eher schwach ist. Hiervon ist neben der Automobilindustrie vor allem der Maschinenbau betroffen, da die Investitionsgüternachfrage im Zuge der Pandemie stark eingebrochen ist und sich trotz der aktuellen Erholung auch in den kommenden Jahren nur schwach entwickeln dürfte. Einige Branchen spüren allerdings gar keine direkten Folgewirkungen der Coronakrise, einige wenige, wie die Pharmazeutische Industrie, profitierten sogar von höherer Nachfrage. Im Großen und Ganzen stellt die Pandemie jedoch einen exogenen Schock dar, der nahezu überall mit starken Geschäftseinbußen verbunden war. Über alle Branchen hinweg wird die Wirtschaftslage von den Unternehmen weiterhin deutlich ungünstiger eingeschätzt als unmittelbar vor der Krise. Es ist absehbar, dass nicht alle Betriebe eine lange Durststrecke überstehen werden. Ob es tatsächlich zu einer Pleitewelle kommt oder lediglich zu stillen Unternehmensschließungen, ist noch nicht ausgemacht. Viel spricht aber dafür, dass gerade Unternehmen mit einer dünnen Kapitaldecke, einem veralteten Geschäftsmodell und allgemein jene, die in Märkten mit einer hohen Wettbewerbsintensität tätig sind, die Krise nicht überleben werden.

Regionale Ungleichheiten

Hinzu kommt, dass Hilfen des Staates oftmals nur in Form von Krediten gewährt werden – manch ein Unternehmensinhaber mag das Risiko scheuen, für längere Zeit mit Zins- und Tilgungszahlungen belastet zu sein, vor allem dann, wenn er oder sie bereits kurz vor der Rente steht und eine Nachfolge noch ungeklärt ist. Da dieses Problem insbesondere in strukturschwächeren Regionen virulent ist, könnte die Krise auch zu einer Verschärfung regionaler Disparitäten beitragen.


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