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Datendrehscheibe für Maschinendaten

Über den Produktivitätsgewinn hinausdenken

Der gestiegene Wettbewerbsdruck in Zeiten der Digitalisierung macht es für Unternehmen nicht nur unerlässlich, ihre Waren immer effizienter zu produzieren. Um auch in Zukunft wirklich konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ihr gesamtes Geschäftsmodell auf das digitale Zeitalter zuschneiden. Die Grundlage dafür bieten ERP-Systeme: Sie agieren in Industrie 4.0-Szenarien als zentrale Informationsdrehscheibe und verwalten damit die Datenbasis für neue Leistungsangebote und Services.

Geschäftsmodell und Produktivitätsgewinn im I40-Zeitalter

Bild: © mikkolem – Fotolia.com

Die hohen Automatisierungs- und Produktivitätsversprechen der smarten Fabrik stehen und fallen mit der Fähigkeit, die hohen anfallenden Datenmengen in Industrie 4.0-Szenarien tatsächlich effizient verarbeiten und auswerten zu können. Als Rückgrat der Geschäftsprozesse kommt dabei vor allem den ERP-Lösungen der heutigen Zeit eine entscheidende Rolle zu: Sie binden einen Großteil der am Gesamtprozess beteiligten Drittsysteme – von der Speziallösung des Lieferanten bis hin zur Produktionsmaschine in der Werkshalle – in das Gesamtsystem mit ein und werden damit zur zentralen Informationsdrehscheibe in smarten Fertigungsszenarien. Ist die ERP-Lösung dabei in der Lage, die gewaltigen Datenmassen effizient zu bewältigen – viele ERP-Lösungen sind bereits heute auf den Einsatz in anspruchsvollen Industrie 4.0-Szenarien ausgelegt – schafft sie die zentrale Grundlage für effiziente Prozessabläufe bis in die smarte Fabrik hinein. An dieser Stelle jedoch bereits aufzuhören, wäre zu kurz gegriffen, denn allein mit produktiveren Fertigungsprozessen ist das Potenzial der vernetzten Technologie nicht ausgeschöpft. Daten sind das Herzblut der smarten Fabrik und gerade die großen Mengen, die es für das ERP-System zu verwalten gilt, bergen ein weit höheres Potenzial, das über eine reine Prozessoptimierung hinausgeht. Denn als zentrale Informationsdrehscheibe legen ERP-Systeme auch die Basis für die Analyse und Auswertung der anfallenden Betriebsdaten und ermöglichen so die Entwicklung neuer Angebote und Services für Endkunden.

Geschäftsmodell im Digitalzeitalter

Eine hohe Verfügbarkeit von Produktionsmaschinen ist für Fertiger in der heutigen Zeit unerlässlich. Ein unerwarteter Ausfall einer zentralen Anlage kann nicht zuletzt bei einem zeitkritischen Auftrag handfeste finanziellen Konsequenzen nach sich ziehen, ganz abgesehen vom entstehenden Reputationsschaden. Um dem entgegen zu wirken, können bereits die Hersteller der entsprechenden Anlagen auf vernetzte Industrie 4.0-Technik zurückgreifen und ihre Maschinen um Funktionalitäten zur vorausschauenden Wartung erweitern. Hierzu werden diese schon bei ihrer Herstellung mit der Funktionalität ausgestattet, die eigenen Betriebsdaten zu sammeln und aus dem Praxiseinsatz beim Endkunden zurück in die Cloud des Herstellers zu übermitteln. Das ERP-System veranlasst daraufhin deren Analyse und Auswertung. Werden dabei Werte festgestellt, die auf den baldigen Ausfall einer bestimmten Komponente hindeuten, lassen sich die notwendigen Wartungsprozesse vorausschauend anstoßen und somit einen Produktivitätsausfall verhindern. So ist der Maschinenhersteller in der Lage, nicht nur den Funktionsumfang seiner Anlage zu erweitern, sondern auch das Leistungsspektrum seines Kundenservices. Im ERP-System gesammelte Betriebsdaten lassen sich jedoch nicht nur durch den Maschinenhersteller selbst nutzen. Eine weitere Möglichkeit für die Optimierung des eigenen Geschäftsmodells besteht darin, Endkunden im Rahmen einer speziellen App selbst Zugriff auf die gesammelten Betriebs-, Produktions- und Wartungsinformationen der bei ihnen im Einsatz befindlichen Maschinen zu geben.

Eine solche App könnte Unternehmensverantwortliche und Maschinenführer durch einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf Informationen zur aktuellen Fertigung unterstützen, zum Beispiel in Form einer detaillierten Übersicht über ihren Maschinenpark, Daten zum jeweils aktuell bearbeiteten Fertigungsauftrag, zu verwendeten Materialien sowie Betriebsstunden, Auswertungen und Kennzahlen oder gar einen individualisierten News-Channel mit Informationen zu aktuellen Schulungsangeboten. Ebenso ließen sich Funktionalitäten bereitstellen, die gesammelten Daten in unternehmensinternen Prozessen weiterzuverwenden. Auch in diesem Fall optimiert der Hersteller sein Leistungsportfolio rund um die produzierte Maschine und legt gleichzeitig die Basis für einen langfristigen Werterhalt der Anlage im digitalen Zeitalter. Schließlich ist der Maschinenhersteller auf diese Weise in der Lage, sein Leistungsportfolio für den Endkunden durch Big Data-Analysen zu erweitern. Auch hier bildet das ERP-System die Grundlage: Als übergreifende Informationszentrale beherbergt es die übertragenen Maschinendaten aller Kunden, die einen bestimmten Anlagentyp im Einsatz haben. Durch einen anonymisierten Vergleich ließen sich so beispielsweise mögliche Faktoren ermitteln, die sich in der Praxis positiv oder negativ auf den Durchlauf oder Output der Maschine auswirken. In der Folge wäre der Hersteller in der Lage, konkrete Handlungsempfehlungen an den Endkunden zu geben, wie sich etwa durch eine einfache Konfigurationsänderung die Leistung der Maschine weiter erhöhen lässt – die reine Bereitstellung des Produkts wird durch weiterführende Beratungsdienstleistungen ergänzt.

Servicepartner für Endkunden

Um mithilfe digitaler Technologie tatsächlich zukunftsfähig zu werden, müssen Unternehmen über das Ziel der reinen Effizienzsteigerung hinausdenken. Digitale Services für die Endkunden auf Basis gesammelter Maschinendaten versetzen Unternehmen in die Lage, ihr Leistungsspektrum rund um ihre Produkte auszuweiten. Dadurch steigern sie deren Wert und erhalten diesen langfristig. Der Hersteller entwickelt sich weiter zum digitalen Produkt- und Servicepartner für seine Kunden – und schafft damit die Grundlage für den weiteren Geschäftserfolg im digitalen Zeitalter.


Christian Leopoldseder ist Managing Director Austria bei Asseco Solutions.


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