Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Nachhaltigskeitsmanagement

ERP-Systeme als Anker der Emissionsreduktion

Für das CO2-Management lassen sich ERP-Anwendungen effektiv als zentralen Daten- und Prozesshub nutzen. Sie sind neben den Systemen für Fertigungssteuerung und Transportmanagement oft entscheidend, um klimarelevante Emissionen zu berechnen und zu steuern.

Bild: ©aerial-drone/stock.adobe.com

Bild: ©aerial-drone/stock.adobe.com

65 Prozent weniger Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 im Vergleich zum Jahr 1990, so lautet das ambitionierte Klimaziel der Bundesregierung. Um das zu erreichen, müssen in den nächsten zehn Jahren 372 Megatonnen CO2 eingespart werden. Geleitet durch diese politische und gesellschaftliche Agenda entwickeln sich in Unternehmen insbesondere ERP-Systeme sowie Business-Intelligence-Tools zu zentralen Instrumenten für den Umwelt- und Klimaschutz. Dies gilt vor allem für das CO2-Management. Ab 2024 werden Berichtspflichten zum CO2-Fußabdruck für einen Großteil der Wirtschaft verpflichtend. Schon heute entsteht Druck durch Banken, Wirtschaftsprüfer und andere Player. Die Themen Klimaneutralität und CO2-Management sind bereits in vielen mittelständischen Fertigungsbetrieben präsent und stellen diese vor neue Herausforderungen.

Digitales Nachhaltigkeitsmanagement

Alle Bereiche eines Unternehmens, von der Finanzbuchhaltung über Entwicklung, Vertrieb, Einkauf und Produktion bis hin zum Service, beeinflussen die CO2-Bilanz. Deshalb muss das CO2-Management als strategisches Ziel in der Gesamtorganisation verankert sein. Die Stichworte lauten hierbei: verstehen, reduzieren, kompensieren und kommunizieren des CO2-Fußabdrucks. Das kann nur auf Basis von korrekten und vollständigen Daten richtig funktionieren. Dabei können ERP-Systeme als Single Source of Truth eine Basis für Analysen und Maßnahmen bilden, um etwa über folgende Hebel des CO2-Managements bis hin zur Klimaneutralität zu gelangen:

  • • Kontinuierliches CO2-Tracking,
  • • Reduktionsstrategien ausarbeiten,
  • • Reduktionsmaßnahmen umsetzen,
  • • Emissionsverlauf überwachen.

Die im ERP-System bereits vorhandenen Daten werden dazu überwiegend von verschiedenen, auf CO2-Tracking spezialisierten Softwareanbietern wie Planetly, Klima.Metrix oder PlanA aufbereitet. Die Berechnung der CO2-Emissionen erfolgt nach Standards wie GRI, DNK, SBTi und EU Taxonomy. Daraus ergeben sich die CO2-Bilanz und der CO2-Fußabdruck.

Scope-orientierte CO2-Analyse

Unter Scopes versteht man beim CO2-Management die Unterscheidung von direkten, eigenen CO2-Emissionen und den indirekten CO2-Fußabdrücken. Letztere beziehen sich auf die Erzeugung von Emissionen durch gekaufte Energie einerseits sowie dem Emissionsspektrum der Lieferkette inklusive aller vor- und nachgelagerter Aktivitäten andererseits. Durch eine integrierte CO2-Managementsoftware in Verbindung mit dem ERP-System können Unternehmen ganzheitlich das Ziel der Klimaneutralität verfolgen. Auf Basis der Daten aus ERP-Software, MES und beispielsweise TMS ermöglicht ein solches System umfangreiche Erst-Analysen der Emissionen. Anschließend erfolgt auf Basis des ERP-Systems deren Reduktion in allen relevanten Bereichen. Dazu gehören beispielsweise die Lieferkettensteuerung, Materialdisposition, Produktentwicklung und Produktionsplanung genauso wie die Absatzplanung, Fahrzeugflotte, Transportsysteme und selbstverständlich auch die Vertriebsaktivitäten. Ein Beispiel: Unternehmen können so etwa CO²-hochbelastete Vorprodukte durch Vorprodukte mit wesentlich besserer CO²-Bilanz austauschen. In der Summe können Unternehmen umfangreich Ressourcen reduzieren, beispielsweise in Form von konsolidierten Beschaffungsprozessen, niedrigeren Energie- und Papierverbräuchen, weniger Geschäftsreisen, Verpackungs- und Fertigungsmaterialien, Einsparungen bei Betriebsmitteln und der Aufbereitung von Produktionsabfällen. Zudem kann Überproduktion, etwa durch verbesserte Absatzplanung und Materialdisposition, verhindert werden. Somit realisieren Produzenten eine ganzheitliche CO2-Bilanzierung und kontinuierliches CO2-Tracking. Zudem leiten sie Maßnahmen zur Reduzierung von CO2 und zur Kompensation des CO2-Fußabdrucks ab.

Den Übergang kompensieren

Um CO2-neutral zu werden, sind zumindest anfängliche Kompensationen wie Regenwaldaufforstungen, Moore oder Humuszertifikate vertraglich zu fixieren und umzusetzen, entweder in Eigenregie oder durch spezialisierte Drittunternehmen. Denn auch für Kunden wird die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu einem immer größeren Entscheidungsfaktor, da sie die eigene Nachhaltigkeit negativ beeinflussen kann. Beispielsweise durch Vorprodukte, die im schlechtesten Falle bereits mit einem sehr negativen CO2-Fußabdruck bezogen werden.

Digitale Standards schaffen

Es gab bereits Nachhaltigkeitsworkshops mit ERP-Herstellern wie Proalpha, dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz, Politikern, dem Umweltbundesamt und Landesumweltämtern. Aber es zeigt sich, dass bei vielen Akteuren Unkenntnis in Bezug auf Anwendungen und Daten aus dem produzierenden Sektor herrscht. Umgekehrt sind Industrie und Softwareanbieter oft nicht ausreichend über die Anforderungen zu Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität informiert. Zukünftig ist deshalb der weitere moderierte Austausch zwischen Business Software-Anbietern, dem Umweltbundesamt und Fertigungsunternehmen dringend erforderlich. Für ERP-Anbieter gilt, die Integration aller relevanten Datentöpfe entlang der unternehmerischen Wertschöpfungskette inklusive Supply Chain und Vertriebswege sicherzustellen, um Unternehmen dein Einsatz von CO2-Tracking-Lösungen zu erleichtern.

Fertigungsindustrie in Aufbruchsstimmung

Es herrscht Aufbruchsstimmung. Trotzdem muss Nachhaltigkeit inklusive CO2-Tracking tiefer bei Software-Anbietern und Fertigungsunternehmen verankert werden. Die Standard-Anbindung an alle CO2-relevanten Datenpunkte sowie die Integration weiterer Analyse-Applikationen wie etwa Business Intelligence-Lösungen sind essenziell für ein umfassendes CO2-Management. Auf dieser Basis lassen sich dann die richtigen Schritte für die CO2-Reduktion in der Produktion ableiten. Eine aktuelle Umfrage unter Softwareanbietern und Anwendern im Rahmen des Forschungsvorhabens ‚Digitale Steuerungsinstrumente für das Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement‘ im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt den Stand auf:

  • • Software-Anbieter und deren Anwender wünschen sich mehr Standardisierung, beispielsweise bei der Berechnung von Klimabilanzen.
  • • Unternehmen wollen eine einfache Integration verschiedener Softwarelösungen.
  • • Software-Anbieter bemängeln, dass vorhandene Funktionalitäten für das Nachhaltigkeitsmanagement von vielen Firmen nicht genutzt werden.

Die gesetzlichen Vorgaben einerseits, aber auch die rasant wachsende Relevanz des Themas Nachhaltigkeit auf Konsumentenseite werden immer stärker zum Treiber einer nachhaltig orientierten Unternehmensführung. Intelligente ERP-Systeme in ihrer Funktion als Daten- und Prozesshubs und Single Source of Truth in Unternehmen dürften im Zusammenspiel mit Speziallösungen für CO2-Tracking mittelfristig neue technologische Lösungen für ein ganzheitlichen CO2-Managements hervorbringen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Ab und zu fehlte ein Schlüssel im Kloster der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung von Schwäbisch Gmünd. Beim letzten Mal gab das den Impuls, anstatt neue mechanische Zylinder in die rund 220 Türen des Komplexes einzubauen, die alte Technik durch das Bluesmart-System von Winkhaus zu ersetzen.‣ weiterlesen

Mit 100,5 Punkten hält sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer im November stabil und liegt weiter im leicht über der neutralen Marke. Auf europäischer Ebene sank der Frühindikator allerdings erneut.‣ weiterlesen

In einer neuen Expertise des Forschungsbeirats Industrie 4.0 untersuchen das FIR an der RWTH Aachen und das Industrie 4.0 Maturity Center den Status-quo und die aktuellen Herausforderungen der deutschen Industrie bei der Nutzung und wirtschaftlichen Verwertung von industriellen Daten und geben Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Verbände, Politik und Wissenschaft.‣ weiterlesen

Im Forschungsprojekt FabOS soll eine KI-Bin-Picking-Anwendung entstehen, die ein verbessertes Erkennen, Greifen und definiertes Ablegen von Blechteilen in der Produktion ermöglicht.‣ weiterlesen

Die Digitalisierung des Qualitätsmanagements stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Daher haben das Fraunhofer IPT und die FH Südwestfalen im Forschungsvorhaben 'Qbility - Quality 4.0 Capability Determination Model' ein datengetriebenes Reifegradmodell entwickelt, das die Anforderungen eines digitalisierten Qualitätsmanagements bei KMU adressiert.‣ weiterlesen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt sicherheitsrelevante Patches und Updates so schnell wie möglich, unter Abwägung des jeweiligen Risikos, einzuspielen, auch wenn im professionellen und insbesondere industriellen Umfeld automatisierte Software-Updates mit unerwünschten Einschränkungen der Funktionalität - etwa durch einen Neustart des Systems - verbunden sein können.‣ weiterlesen

Im Gegensatz zu anderen Cyberangriffen bieten Attacken mit Ransomware auf den ersten Blick einen einfachen Ausweg: die Zahlung des geforderten Lösegelds.‣ weiterlesen

Nach 84,5 Punkten im Oktober kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex im November auf 86,3 Punkte. Die Unternehmen blicken demnach weniger pessimistisch auf die nächsten Monate.‣ weiterlesen

In Kombination mit einer Augmented-Reality-Brille bietet eine neue Software des Fraunhofer IGD digitale Unterstützung von Absortiervorgängen. Zusammengehörige Bauteile werden direkt im Sichtfeld der Beschäftigten an der Produktionslinie farblich überlagert. Anwender im Automotive-Bereich können so etwa durch beschleunigte Prozesse und eine minimierte Fehleranfälligkeit Kosten reduzieren.‣ weiterlesen

Edge Management, Digital Twin und Data Spaces bilden die Schwerpunkte einer Zusammenarbeit zwischen der Open Industry 4.0 Alliance und dem Labs Network Industrie 4.0.‣ weiterlesen