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Pfadfinder für Produktionsaufträge

CPQ und Auftragsrouting bei Mayer Gruppe

Pfadfinder für Produktionsaufträge

Die Mayer Gruppe produziert jährlich rund 16 Milliarden Briefhüllen in etwa 600 Varianten. Im Rahmen der ERP-Neueinführung von SAP zeigte sich, dass die Standard-Variantenkonfiguration das Geschäft inklusive Web2Print-Services nicht adequat abbildete. Heute sorgt der Konfigurator VCPowerPack von Aicomp dafür, dass Aufträge effizient durch die weltweiten Werke geschleust werden.

Ablagestisch der Taschenmaschine (Bild: Mayer-Kuvert-Network GmbH) [1]

Ablagestisch der Taschenmaschine (Bild: Mayer-Kuvert-Network GmbH)

Die Mayer Gruppe ist einer der größten europäischen Hersteller von Versand- und Verpackungslösungen. Das Artikel-Sortiment umfasst über 600 Briefumschläge, Versandtaschen und Leichtverpackungen. Neben dem Kerngeschäft Briefumschläge und Versandtaschen etabliert die Mayer Gruppe auch neue Segmente wie Leichtverpackungen sowie Neue Medien und Dienstleistungen, um der Kundennachfrage gerecht zu werden. Die Mayer Gruppe setzt verstärkt auf digitale Innovation und Weiterentwicklung. Mayer-Kuvert-Network ist mit über 30 Firmen in 16 Ländern das größte Unternehmen der Briefumschlagbranche in Europa. Gruppenübergreifend werden jährlich auf 136 Rollen- und 59 Blattmaschinen rund 16 Milliarden Briefhüllen hergestellt. Durch diese gewachsene Struktur entstehen hohe Anforderungen an die Systemlandschaft – insbesondere für die Produktkonfiguration und -kalkulation und insgesamt für schnelle Configure Price Quote(CPQ)-Prozesse.

SAP und VCPowerPack

Ein wichtiger Schritt für das Produktionsunternehmen war die Umstellung der ERP-Systemlandschaft auf SAP-Lösungen an den deutschen Standorten im Jahr 2014 und die Umstellung auf die Hana-Datenbank, welche den Weg für die Migration auf SAP S/4Hana im Jahr 2019 ebnete. Während der Evaluationsphase für die ERP-Neueinführung stellte sich heraus, dass die Anforderungen der gewachsenen komplexen Organisationsstruktur nicht mit der Standard-Variantenkonfiguration von SAP abgebildet werden konnten. Die Unternehmensgruppe entschied deshalb, die in SAP integrierte Konfigurationslösung VCPowerPack von Aicomp einzuführen, um die komplexen Konfigurations- und Kalkulationsszenarien in der Produktion darin abzubilden.

Endkunde konfiguriert selbst

Mit dem Hana-Umstieg bot sich auch der Wechsel der E-Commerce-Plattform an auf die SAP Commerce Cloud für Web2Print-Szenarien. Damit stieg der Anspruch an die Systemgeschwindigkeit sowie die Bedarfsplanung und Bestandsverwaltung. Web2Print bedeutet, dass bestehende Briefumschläge mit einem kundenspezifischen Motiv in Kleinstauflagen bedruckt werden. Technisch gesehen sollen die Kunden Lagerprodukte wählen und einen individuellen Druck im Web konfigurieren. Dies folgt dem bewährten Frontloading-Prinzip im CPQ-Prozess. Ziel ist es, für die Prozessoptimierung möglichst früh so viele Daten wie möglich zum Kundenauftrag zu sammeln, mit Erfahrungswissen aus nachgelagerten Bereichen (Produktion, Vertrieb etc.) möglichst automatisiert zu verbinden und damit mögliche Einsparungen zu nutzen.

CPQ und Auftragsrouting bei Mayer Gruppe

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Vorrillung für Seitenfalz in der Rollenmaschine (Bild: Mayer-Kuvert-Network GmbH) [2]

Vorrillung für Seitenfalz in der Rollenmaschine (Bild: Mayer-Kuvert-Network GmbH)

Anspruchsvolle CPQ-Prozesse

Für die Mayer Gruppe ist die Erstellung präziser und hochgradig konfigurierter Angebote zur Abwicklung individueller Produkte und kleiner Margen unerlässlich. Zur präzisen Preisfindung ist eine genaue Vorkosten-Kalkulation auf Basis einer Produktkonfiguration bereits in der Angebotsphase nötig. Dafür müssen Maschinen- und Materialkosten erfasst und verarbeitet werden, ohne die Zahl der erforderlichen Benutzereingaben zu sehr zu erhöhen oder zu weitreichende maschinen-technische Kenntnis vorauszusetzen. Jedes kundenindividuelle Produkt, theoretisch bis hinab zur Losgröße 1, stellt hinsichtlich der logistischen Abwicklung dieselben Anforderungen an die integrierte Systemlandschaft. Dazu gehören die Erfassung der Produkt-Spezifikationen, die Kalkulation bei Staffelmengen und Stammdaten für die möglichst automatisierte Abwicklung im Verkauf, Versand, Bestandsverwaltung und Buchhaltung. Für schnelle und fehlerfreie Prozesse sollte deshalb nach Auftragseingang eine möglichst direkte Überführung der CPQ-Produktspezifikation in System-Stammdaten erfolgen.

Anpassungen am SAP-System

Das eingesetzte ERP-System von SAP musste branchen- und kundenspezifisch angepasst werden, um die anspruchsvollen CPQ-Prozesse möglichst wirtschaftlich abzubilden. Die Bandbreite an Produkten, die produktionstechnischen Unterschiede innerhalb der Produktgruppen, ein heterogener Maschinenpark, und nicht zuletzt die vielen Produktionsstandorte stellen besondere Anforderungen an den CPQ-Prozess. In der Vergangenheit überblickten nur wenige Mitarbeiter dessen Komplexität. Die Festlegung und Validierung der Produktionsrouten bildeten oft einen Engpass im Prozess. Speziell diesen Flaschenhals wollten die Verantwortlichen mit der Aicomp-Software beseitigen. Eine automatische Ermittlung der möglichen werks- und länderübergreifenden Produktionsroute wurde mit den Standard-Komponenten realisiert. Diese automatische Ermittlung der Produktionsrouten beinhaltet etwa die Prüfung der technischen Grenzen der Maschinen, die Ermittlung der geplanten Maschinenzeiten und Rohstoff-Verbräuche, strategische Überlegungen, sowie die Priorisierung der technisch möglichen Produktionsrouten anhand verschiedener Kriterien. Da die Produktionsroute bereits in der Angebotsphase automatisch ermittelt wird wird, liefert die Plankostenkalkulation präzise Ergebnisse, die wiederum zentral für die Preisbildung und Deckungsbeitrags-Betrachtung ist.

Stammdaten automatisiert

Die automatisierte Stammdatenanlage wird angestoßen, sobald der Kunde den Auftrag erteilt. Als Basis für die Stammdatenanlage dient das im CPQ-Prozess erfasste Angebot, welches in der Variantenkonfiguration von VCPowerPack notwendige Informationen wie Produktspezifikation, Maschinenroute und die Stücklistendetails enthält. Die automatisierte Stammdatenanlage für gegebenenfalls mehrstufige und werksübergreifende Logistikprozesse reduziert die Fehlerquote erheblich und umfasst auch Halbfabrikate und Zukauf-Komponenten.

Die aktuelle Systemlandschaft

Die Software von Aicomp beinhaltet alle logischen Bedingungen für die Produktkonfiguration und führt Anwender durch die Produktspezifikationen. Ein Ampelsystem und Statusmeldungen sollen sicherstellen, dass nur Produkte konfiguriert werden, die auch gefertigt werden können. Über bidirektionale Schnittstellen zum Manufacturing Execution System MES CAT der Firma T.CON und Eskos CAD-System sind relevante Produktionsdaten bereits ab der Angebotserstellung verfügbar. Die automatisierte Stammdatenanlage erledigt ein Modul in VCPowerPack. Die Konfiguration von Web2Print-Individualisierungen für die E-Commerce-Szenarien werden über einen SAP Commerce Cloud Webshop an den Endkunden ausgelagert. Im Hintergrund übernimmt VCPowerPack die notwendigen Berechnungen. Die SAP Commerce Cloud ist zusammen mit der SAP Sales Cloud über die SAP Cloud Platform in SAP S/4HANA als ERP-Backend integriert. Damit lassen sich in Zukunft weitere Einsatzszenarien für nutzerbasierte Frontloading-Szenarien über die SAP Sales Cloud als CRM-System entwickeln.