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VDI-Präsident Volker Kefer im Gespräch

„Das hohe Maß an Flexibilität und Kreativität sollte uns positiv in die Zukunft blicken lassen“

Die Corona-Krise stellt die Globalisierung auf den Prüfstand. Für VDI-Präsident Volker Kefer ist die Situation Herausforderung und Chance zugleich. Im Interview spricht er über die Lage des Technikstandorts Deutschland heute und nach der Krise.

Dr. Volker Kefer ist seit dem 1. Januar 2019 Präsident des VDI e.V.(Bild: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. / Catrin Moritz)

Dr. Volker Kefer ist seit dem 1. Januar 2019 Präsident des VDI e.V.(Bild: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. / Catrin Moritz)

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage des Technologiestandorts Deutschland?

Volker Kefer: Es mag etwas sonderbar klingen, aber die derzeitige Krise ist Herausforderung und Chance zugleich. Wir erleben nahezu täglich, dass Entwicklungen, die schon vorher notwendig waren, enorm beschleunigt werden. Das gilt insbesondere für das große Feld der Digitalisierung, das derzeit einen enormen Aufschwung erlebt. Wenn es die verschiedenen digitalen Kommunikationsplattformen, etwa für Homeoffice, nicht gäbe, würde die Arbeit in vielen Unternehmen nicht mehr stattfinden. Online Learning für Schülerinnen und Schüler wäre nicht möglich. Es zeigt sich in einer solchen Krise aber auch, dass wir auf diesem Sektor in Deutschland immer noch erheblichen Nachholbedarf haben. Dieser wird jetzt wesentlich schneller angegangen. Produktionsumstellungen sind plötzlich viel schneller möglich. Davon wird die produzierende Industrie sicher auch nach Corona profitieren. Lieferketten und die damit verbundenen Abhängigkeiten werden neu überprüft und womöglich neu gestaltet. Die ungehemmte Globalisierung steht auf dem Prüfstand. Die Krise fördert kooperative Zusammenarbeit und Interdisziplinarität. Forschende Institutionen und Universitätskliniken tauschen plötzlich ihre Daten aus, um die Epidemie einzudämmen und Medikamente bzw. Impfstoffe beschleunigt zu entwickeln. Plötzlich gibt es eine bundesweite Plattform, die darüber informiert, wo wie viele Intensivbetten und Beatmungskapazitäten zur Verfügung stehen. Dies sind alles Entwicklungen, an denen Ingenieurinnen und Ingenieure maßgeblich beteiligt sind und von denen der Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland hoffentlich auch nach Covid-19 und der im Anschluss sicher notwendigen und schwierigen Erholungsphase profitieren wird.

Was können Ingenieure und Ingenieurinnen tun, um an der Bewältigung der Corona-Krise mitzuwirken?

Kefer: Es hat sich innerhalb kürzester Zeit gezeigt, wie wichtig ihr Fachwissen ist, um den neuen Herausforderungen im Rahmen der Corona-Pandemie zu begegnen. Besonders bezeichnend ist dabei das branchenübergreifende und interdisziplinäre Denken und Handeln. Es gibt inzwischen eine große Zahl von Initiativen und Ideen, um beispielsweise den Engpässen in der Medizintechnik entgegen zu wirken. Plattformen wie etwa ‚3D Printing fights Corona‘, bei der es um die schnelle Produktion von Schutzschirmen fürs Gesicht geht, oder Initiativen von Unternehmen aus der Produktion, die plötzlich Komponenten für die Herstellung von Beatmungsgeräten liefern können, Aktionen der Textilindustrie zur Produktion der dringend benötigten Schutzausrüstung für medizinisches Personal, die schnelle Programmierung einer Tracking-App aus den Reihen der Studenten und Jungingenieure des VDI anlässlich eines Hackathons der Bundesregierung und vieles mehr. Um so etwas schnell und erfolgreich umzusetzen, braucht es das Knowhow von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Was wird nach der Krise anders sein?

Kefer: Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die nach der Krise überbleiben und uns eine Weile beschäftigen werden, sollten wir vor allem die positiven Erfahrungen, die zwangsweise aufgrund der Krise insbesondere in der Industrie entstanden sind, als Basis für neue Produkte, Produktionsabläufe, Wertschöpfungsketten nutzen und weiterentwickeln. Besonders das hohe Maß an Flexibilität und Kreativität sollte uns positiv in die Zukunft blicken lassen. Das derzeitige branchenübergreifende Zusammenarbeiten schweißt unsere Gesellschaft auch längerfristig zusammen. Es zeigt, dass wir mit unserem Knowhow gegenseitig einspringen, wenn Hilfe von Nöten ist. Mein ganz besonderer Dank gilt deshalb allen Ingenieuren und Ingenieurinnen, die an der Beherrschung und Bewältigung der Epidemie tatkräftig und oft über Grenzen hinweg mitwirken.

Wie bewältigt der VDI die Situation?

Kefer: Der VDI ist als großer Verein relativ gut gerüstet, um die Krise zu stemmen. Die tägliche Prämisse derzeit ist, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, damit sie gesund bleiben, sowie für unsere Mitglieder da zu sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Darüber hinaus sind wir zur Bewältigung der Krise auf unterschiedlichen Plattformen und bei verschiedenen Aktionen entweder unterstützend oder aktiv mit im Boot. Zudem ist der VDI gerade durch seine große Anzahl ehrenamtlicher Experten als Dialogplattform, Wissensvermittler und Ratgeber verstärkt gefragt. Damit dieses Engagement funktioniert, arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VDI derzeit dankenswerter Weise mit sehr viel zusätzlichem Engagement und Einsatz.


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