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Maschinelles Lernen: Informatiker öffnen ihre Hörsäle für die Industrie

Maschinelles Lernen bedeutet, Muster in großen Datenmengen zu erkennen, daraus Rückschlüsse zu ziehen und sich so Wissen zu erarbeiten. Die komplexen Rechenverfahren lassen sich auch in der Physik, Chemie, Medizin oder Materialwissenschaft einsetzen. Jetzt haben Saarbrücker Informatiker angekündigt, ihr Wissen über Maschinelles Lernen auch an fachfremde Studenten und Mitarbeiter aus der Industrie weitergeben.

 (Bild: Universit?t des Saarlandes)

(Bild: Universität des Saarlandes)

Matthias Hein, Professor für Mathematik und Informatik an der Saar-Uni, hat an der Universität des Saarlandes ein Projektseminar vorgestellt, in der jeweils drei Studenten über 15 Wochen hinweg ein Anwendungsproblem mit Techniken des Maschinenlernens lösen. Dabei soll das Anwendungsproblem kein künstliches Planspiel sein, sondern eine aktuelle Frage aus einer der Fakultäten auf dem Campus oder einem Unternehmen. Daher sind nicht nur Informatik-Studenten für das neue Projektseminar zugelassen, sondern auch Studenten aus anderen Fachrichtungen und Mitarbeiter aus der Industrie.

Interaktion mit Fachleuten gefordert

„Es existieren bereits sechs Vorlesungen zum ‚Machine Learning‘ an der Universität des Saarlandes. Daher war es nahezu logisch, diesen Schwerpunkt auszubauen und auch für Fachfremde zu öffnen“, sagt Hein. Der Wissenschaftler hat für seine Forschung zu Maschinellem Lernen schon mehrere Preise erhalten, etwa den deutschen Mustererkennungspreis 2011 und eine Auszeichnung des europäischen Forschungsrates 2012, und gilt international als Experte auf diesem Gebiet. In der Lehre fiel Matthias Hein auf, dass ein Aspekt seines Gebietes zu kurz kommt. „Es wird oft übersehen, dass die Lösung eines Lernproblems viel früher anfängt als bei der Auswahl der Lernmethode – zunächst muss in Interaktion mit dem Fachexperten herausgefunden werden, was das Problem eigentlich ist“, erklärt Hein. Das aber lasse sich nicht in den kleinteiligen Übungen oder Mini-Projekten parallel zu den Vorlesungen vermitteln, die regelmäßig an der Fachrichtung Informatik der Universität des Saarlandes angeboten werden.“

Acht Professoren im Team

Bei der Umsetzung der Projekte kann Hein auf sieben weitere, ebenfalls auf diesem Gebiet anerkannte Professoren der Saar-Uni zählen, darunter Professor Bernt Schiele, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik auf dem Universitätscampus. Zusammen mit der Daimler AG und der Technischen Universität Darmstadt erstellte Schiele bereits ‚Cityscapes Dataset‘, den größten Datensatz, mit dem autonome Fahrzeugen darauf trainiert werden, automatisch Verkehrsszenen zu verstehen. Derzeit arbeitet Schiele mit Toyota Motor Europe weiter daran, dass Rechner die visuellen Informationen blitzschnell verarbeiten, damit autonome Fahrzeuge in kritischen Situationen passend reagieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit rund 900.000 Euro. Im kommenden Wintersemester sollen die ersten Teilnehmer aus Universität und Industrie am rund viermonatigen Seminar teilnehmen.

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