Vor einem Jahr hat die Bundesregierung ihre Strategie Künstliche Intelligenz beschlossen. Das Ziel: Die weitere Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz ganzheitlich politisch zu gestalten. Nun zog man seitens der Regierung eine Zwischenbilanz.

Bild: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bild: Bundesministerium für Bildung und Forschung

„Unser Anspruch ist es, bei KI in allen Bereichen in die Weltspitze zu kommen. Und wir sind in Deutschland auf einem guten Weg“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und ergänzte, dass man in vielen Bereichen noch besser werden müsste. Sie forderte kleine und mittelständische Unternehmen auf, die Chance zu ergreifen. „Die kontinuierliche Stärkung der KI-Forschung ist Grundlage für eine erfolgreiche Gesamtentwicklung in Deutschland. Deshalb werden wir unsere Kompetenzzentren für KI-Forschung weiter ausbauen und vernetzen. Wir brauchen die weltweit klügsten Köpfe in Deutschland. Dafür haben wir gemeinsam mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ein Programm gestartet, um international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Deutschland zu holen. KI soll den Menschen zugutekommen. Deshalb ist der schnelle Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ebenfalls ein Ziel der KI-Strategie“, so die Ministerin.

KI-Trainer

Im ersten Jahr der KI-Strategie habe man die Weichen dafür gestellt, den Transfer von KI-Lösungen in die Wirtschaft deutlich zu verbessern, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Bundesweit sind KI-Trainer an den Start gegangen, die kleinen und mittleren Unternehmen KI-Kompetenzen vermitteln. So können die Unternehmen eigene innovative Produkte und Dienstleistungen umsetzen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und Arbeitsplätze sichern. Mit unserer Initiative für eine souveräne europäische Dateninfrastruktur wollen wir Daten – den wichtigsten Rohstoff der Zukunft – für unsere Wirtschaft sicher verfügbar und nutzbar machen.“

Mit dem Innovationswettbewerb ‘Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme‘ will das Bundeswirtschaftsministerium zudem Projekte stärken, mit denen die Anwendung von KI verstärkt in die Praxis gebracht werden soll. Im Rahmen des Förderschwerpunktes ‘Mittelstand-Digital‘ haben seit Juni 33 sogenannte KI-Trainer ihre Arbeit in acht ausgewählten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren aufgenommen — weitere sollen hinzukommen.

Gaia-X

Zur KI-Strategie gehört auch der geplante Aufbau einer europäischen souveränen und vernetzten Dateninfrastruktur (Gaia-X). Denn Datensouveränität und die breite Datenverfügbarkeit sind wesentliche Faktoren für erfolgreiche Entwicklungen in einer datengetriebenen Wirtschaft im Bereich der KI. Anlässlich des Deutsch-Französischen Ministerrats am 16.Oktober in Toulouse unterzeichneten die Minister der Wirtschafts- und Forschungsressorts eine Roadmap zum weiteren Vorgehen. Auch die Deutsch-Schwedische Innovationspartnerschaft wurde um das Thema Künstliche Intelligenz erweitert, um ein Europäisches KI-Ökosystem voranzutreiben.

„Künstliche Intelligenz wird Arbeit und Gesellschaft weitreichend verändern. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass aus technologischem Fortschritt auch sozialer Fortschritt wird“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. „Deshalb fördern wir im Rahmen von Experimentierräumen die Anwendung von KI in den Betrieben.“ Die Bewerbungsphase für die betrieblichen Experimentierräume unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) läuft seit Oktober; ab Sommer 2020 werden dann die innovativsten Projekte zur Erprobung menschenzentrierter KI-Anwendungen in der Arbeitswelt gefördert. Die Zukunftszentren in den neuen Bundesländern, die Vernetzung fördern und neue Qualifizierungsangebote für die betriebliche Ebene entwickeln und anbieten werden, befinden sich in Gründung. Zudem wird im BAMS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) ein KI-Observatorium aufgebaut, das im Frühjahr 2020 eröffnet werden soll. Kernaufgaben sind die Beobachtung von Technologieentwicklung, -verbreitung und Technologiefolgenabschätzung für KI in Arbeit und Gesellschaft.

Bitkom enttäuscht

Der Digitalverband Bitkom zeigt sich angesichts der Zwischenbilanz unzufrieden. Die Umsetzung sei bislang enttäuschend, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die bescheidenen Mittel von 500Mio.€ pro Jahr haben bislang noch so gut wie keine Wirkung erzielt“. In den USA werde gerade über ein 100-Milliarden-Dollar-Programm zur KI-Förderung diskutiert, so Rohleder. Die Bundesregierung solle überprüfen, ob die deutsche KI-Strategie überhaupt richtig dimensioniert ist. „Und von den in der Strategie angekündigten 100 KI-Professuren in Deutschland ist nach einem Jahr noch nichts zu sehen, es sind bislang erst 30 ausgeschrieben worden. Wir müssen das Tempo massiv erhöhen“, fordert Rohleder.





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