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Edge Computing

Wo sich IT und OT näher kommen

In Edge-to-Cloud-Architekturen haben Edge und Cloud unterschiedliche Rollen: Das Edge dient der Echtzeit-Analyse und -Aktion, die Hauptrolle der Cloud ist Korrelation und Koordination. (Bild: Hewlett-Packard Enterprise)

In Edge-to-Cloud-Architekturen haben Edge und Cloud unterschiedliche Rollen: Das Edge dient der Echtzeit-Analyse und -Aktion, die Hauptrolle der Cloud ist Korrelation und Koordination. (Bild: Hewlett-Packard Enterprise)

Einfach zur Anwendung

Ebenso wie bei Smartphones erschließt sich der wahre Wert von konvergenten Edge-Systemen erst mit den Applikationen, die die verschiedenen OT- und IT-Komponenten zu einem nützlichen Prozess verknüpfen -beispielsweise die Video-Qualitätskontrolle in der Produktion: Eine Video-Kamera erfasst dabei die auf einem Band vorbeirollenden Produkte; ein Machine-Learning-Programm erkennt anhand der Video-Aufnahmen Produktfehler; ein erkannter Fehler löst einen Impuls in einer speicherprogrammierbaren Steuerung aus, um das defekte Produkt vom Förderband zu schieben. Ein solches organisiertes Zusammenspiel von OT und IT wird heute in vielen Fällen manuell aufgesetzt und programmiert, was großen Aufwand verursacht und anfällig für Sicherheitslücken ist. Eine Lösung für dieses Problem sind so genannte No-Code-Workflow-Generatoren. Die Datenquellen, Adapter, Treiber, Middleware, Anwendungen und SPS lassen sich dabei zu einem Workflow verbinden, indem entsprechende grafische Symbole mit der Maus verknüpft werden. Die IT-Applikationen, mit denen die OT-Daten analysiert und verarbeitet werden werden dabei aus einem Applikationskatalog ausgewählt und, in einen Container verpackt, aus der Cloud an das Edge-System übertragen.

Den Überblick behalten

Sind all diese Voraussetzungen gegeben, muss noch das Problem des Systemmanagements am Edge gelöst werden. Diese Systeme – es können hunderttausende sein – befinden sich in allen möglichen entlegenen und unwirtlichen Orten. An ein händisches Aufsetzen und Warten ist also nicht zu denken. Vielmehr braucht es ein Systemmanagement, das – ähnlich wie bei einem Smartphone – die meisten Aufgaben autonom durchführt wie beispielsweise die Inbetriebnahme der Edge-Hardware oder das Laden und Installieren von Firmware, Betriebssystem und Anwendungen. Weitere Edge-spezifische Bedingungen, denen das Systemmanagement Rechnung tragen muss, ist eine fragile Netzwerkverbindung. Das heißt zum Beispiel, dass unterbrochene Updates an dem Punkt fortgesetzt werden, wo sie unterbrochen wurden, und dass das Edge-System sich aktiv meldet, wenn es nach einer Netzwerkunterbrechung wieder online ist. Zudem muss das Systemmanagement Edge-spezifische Sicherheitsfunktionen bieten, da es am Edge keine Zutrittskontrolle wie im Rechenzentrum gibt.

Fremde Territorien betreten

Die Erfindung des Smartphones hat eine Revolution ausgelöst. Dasselbe muss mit den Edge-IT-Systemen passieren. Nur dann kann es gelingen, Effizienz-, Wachstums- und Ertragsversprechen des industriellen Internets der Dinge einzulösen. Die Schlüssel dafür sind physische OT/IT-Konvergenz, No-Code-Anwendungsentwicklung und ein möglichst einfaches Systemmanagement am Edge. Die Konvergenz von OT und IT wird die Koordinatensysteme der beiden Branchen verschieben. Die Hersteller erobern jeweils fremde Territorien und schließen neue Partnerschaften, um neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsfelder zu schaffen – zugleich müssen sie ihre angestammten Territorien gegen Angriffe verteidigen. Die Herstellerbindung im OT-Bereich erinnert heute wegen der vielen proprietären Technologien an die Zustände auf dem Mainframe-Markt vor 30 Jahren. Die Welt der IT hat den mühevollen Weg von proprietären zu weitgehend offenen Systemen hinter sich gebracht. Der Welt der OT steht dies noch bevor.


Peter Widmer ist Global Category Manager Converged Servers,
Edge & IoT Systems bei Hewlett Packard Enterprise.


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