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Ulrich Balbach, Geschäftsführer bei Leuze:

„Wichtig ist, dass es am Ende tut!“

In Maschinen steigt der Softwareanteil und die Softwarebranche ohne Servicegeschäft ist kaum vorstellbar. Eine Chance für Leuze?

Balbach: Wir sehen das sehr differenziert. In manchen Bereichen – etwa um unsere Safety-Produkte herum – ist der Service bereits sehr wichtig. In welchem Maß wir das auf die Automatisierungtechnik übertragen, werden die nächsten zwei bis drei Jahre zeigen. Solche Entwicklungen vollziehen sich nicht erdrutschartig, sondern müssen aus sich heraus sauber darstellbar sein. Ähnliches gilt für neue Geschäftsmodelle, von denen soviel gesprochen wird. Vor Änderungen auf diesem Feld braucht man zwar keine Angst haben, aber gesunden Respekt. An dieser Stelle werden viele Fehler gemacht. Wir nähern uns solchen Fragen traditionell über die Technologie. Ob auf einer Lösung am Ende Automatisierungstechnik oder IT darauf steht, bleibt sich gleich.

Beobachten Sie in der Automatisierungsbranche Geschäftsmodelle auf der Basis von IIoT oder IoT mit nennenswerter Profitabilität? Wie positionieren Sie Leuze diesbezüglich?

Balbach: Unser Zugang über die Technologie erleichtert es uns, solche Themen zu erschließen. Letztlich brauchen solche Lösungen immer eine technologische Basis, also Sensoren. Und da sind wir ohnehin ganz vorne dabei. Zumal unsere R&D-Abteilung auch Ideen verfolgt, die erst in der Zukunft ihren Nutzen ausspielen können. Diese Denkweise haben wir übrigens ein wenig bei unserer Zusammenarbeit mit der New Economy kultiviert.

Gerade Beratungsunternehmen mahnen, dass die Digitalisierung im Unternehmen mit einem Kulturwandel einhergehen müsse. Ansonsten verfehle integrierte Technologie ihre Wirkung oder Produktinnovationen würden ausgebremst. Haben Sie Leuze intern auf Kurs gebracht, um aktuelle Technologietrends für sich nutzen zu können?

Balbach: Viele der heute als innovativ dargestellten Technologien, Methoden und Verfahren sind so neu nicht. OPC UA ist zum Beispiel ein alter Hut. Auch TSN ist uralt, Druckmaschinen verwenden es seit Jahrzehnten. In seiner Bedeutung für die Industrie könnte Edge Computing das Cloud Computing deutlich übertreffen. Die Kunden möchten schlicht den Zugriff auf ihre Daten behalten, wie unsere Messegespräche auf der letzten SPS immer wieder ergaben. In den USA mag das anders laufen, aber hiesige Unternehmen müssen schauen, welche Innovationen zu ihnen passen. Firmen werden nicht wie Google, nur weil sie wie Google bunte Stühle aufstellen. Gleichwohl müssen Firmen die Dinge gelegentlich aus einer anderen Perspektive betrachten, um sich weiterentwickeln zu können. Dieser Perspektivenwechsel und die damit verbundene Weiterentwicklung fällt der Industrie, insbesondere der Automobilbranche, oft noch sehr schwer. Und dafür es reicht nicht, einfach einige Startups aufzukaufen, am Besten noch mit einer Adresse im Silicon Valley.

Die ersten großen Startups und Ausgründungen, die in Zeiten des Industrie 4.0-Wirbels gegründet wurden, sind krachend gescheitert. Einige Maschinenbauer haben viel Geld verbrannt.

Balbach: Es muss nicht immer alles klappen und das kostet dann vielleicht ein bisschen Lehrgeld. Diese verkrampfte Art muss man ablegen.

Also wäre doch ein unternehmerischer Kulturwandel nützlich, mit mehr Toleranz für den Trial&Error-Ansatz?

Balbach: Ganz ehrlich: Als deutscher Ingenieur haben Sie das noch nie anders gemacht. Bei Leuze haben wir zwar auch viele Physiker, die gehen vielleicht ein wenig anders vor. Aber einem Ingenieur ist nicht immer wichtig, warum etwas funktioniert. Am Schluss ist ihm wichtig, dass es tut.

Verfolgt Leuze eine Plattform-strategie?

Balbach: Diese Entwicklung sehen wir kritisch. Wir beobachten, dass es im letzten halben Jahr deutlich ruhiger um viele Plattformen geworden ist. Und auf viele Fragen nach ihrer Funktion und ihrem Nutzen gibt es aus meiner Sicht keine zufriedenstellenden Antworten. Wenn wir schon über Digitalisierung sprechen, würde ich lieber die Frage nach dem Datenmodell in den Mittelpunkt rücken. Wir sehen, dass diese Digitalisierung nicht funktionieren kann, wenn die Datenmodellierung nicht klar ist. In einem Projekt kürzlich wollten wir lediglich unsere State-of-the-Art-Webshopsoftware mit unseren Produktdatenbanken verknüpfen. Für den technischen Ladeprozess reichte eine Nacht nicht aus. Das ist Digitalisierung live. Das liegt weder an uns, noch an den Herstellern. Es liegt an den Schnittstellen – und an diesem Problem hat sich nichts geändert.

Was wäre die Lösung?

Balbach: Die Verwaltungsschale ist hier ein Stichwort. Klassische deutsche Ingenieursarbeit ist gefragt. Aus guten Gründen wurden DIN-Normen bis hinunter zur kleinsten Schraube verfasst.

Herr Balbach, vielen Dank für das Gespräch. (ppr)


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