Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Staatliche Förderung für F&E-Projekte

Von der Prüfung bis zum Antrag

Seit Januar 2020 ist das Forschungszulagengesetz in Kraft. Mit dieser Forschungszulage können Unternehmehn ihre Innovationen fördern lassen. Marcus Arens, Director Sales & Marketing bei Ayming, zeigt, was Unternehmen beim Beantragen beachten sollten.

 (Bild: ©LEDOMSTOCK/stock.adobe.com)

(Bild: ©LEDOMSTOCK/stock.adobe.com)

Das Münchner ifo-Institut hat im Frühjahr dieses Jahres eine Studie zum Stand der Forschungsausgaben der deutschen Wirtschaft veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Anzahl der Industrieunternehmen hierzulande, die sich im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) engagieren, im Jahr 2020 auf 68,5 Prozent angewachsen ist. Allerdings kam es im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 bei ihren Forschungsausgaben (gemessen am Anteil des Umsatzes) zu einem deutlichen Rückgang. So ging der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,2 Prozent zurück, nach 3,5 Prozent in den drei Jahren zuvor. Dabei gibt es seit etwa einem Jahr die Möglichkeit, F&E-Ausgaben staatlich fördern zu lassen. Grundlage dafür ist das ‚Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung‘ (Forschungszulagengesetz, FZulG). Bei der Forschungszulage handelt es sich um eine staatliche Förderung, die in zwei Stufen gewährt wird: Im ersten Schritt erfolgt eine technische Analyse des Projektes. Wird diese erfolgreich durchlaufen, erhält der Antragsteller ein Zertifikat. Dieses bildet dann die Basis für den zweiten Schritt, die Zuteilung der entsprechenden Mittel.

Kein Wettbewerb um Zuteilung

Das FZulG bietet den Unternehmen einen Vorteil gegenüber anderen Förderprogrammen: Sie müssen nicht mit anderen Unternehmen in einen Wettbewerb um einen Anteil an einer gedeckelten Gesamtsumme treten. Der Gesetzgeber ermöglicht den Antragstellern eine Förderung der Ausgaben für F&E von 25 Prozent (der Personalkosten für Produkt- oder Prozessentwicklung plus Lohnnebenkosten), bei Fremdaufträgen für F&E liegt der maximale Förderanteil bei 15 Prozent. Zwar ist hier nicht der gesamte Fördertopf gedeckelt, allerdings ist die maximal mögliche Fördersumme pro Unternehmen bzw. Unternehmengruppe begrenzt – und zwar auf 1Mio.? pro Jahr. Unternehmensgruppe heißt, dass sich alle Mutter- und Tochter-Gesellschaften mit einer Beteiligung von mehr als 50 Prozent den dann erhaltenen Förderbetrag teilen müssen. Doch um die Förderung zu erhalten, gibt es das eine oder andere zu beachten.

Technische Prüfung

Bei der technische Prüfung kommt es insbesondere auf eine genaue technische Darstellung der Projekte an. Technikspezialisten gilt es davon zu überzeugen, dass es sich um eine echte, innovative (Weiter-)Entwicklung handelt. Die Verantwortung für diese Untersuchung liegt beim Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die eigentliche technische Prüfung liegt dann bei den Partnern des Ministeriums: dem VDI-Technologiezentrum, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der AIF Projekt GmbH. Sind sie überzeugt, erhält das Unternehmen mit dem Zertifikat den entsprechenden Nachweis für die Innovation und hat damit einen rechtlichen Anspruch auf die Forschungszulage erworben. Unternehmen können unterschiedliche F&E-Projekte zur Prüfung anmelden. Die Projekte müssen jedoch der Zuordnung anhand der Definitionen des Frascati-Handbuchs 2015 der OECD entsprechen. Dazu gehören beispielsweise:

  • • die Grundlagenforschung: Aneignung neuen Wissens ohne vordefinierten Zweck,
  • • die industrielle Forschung: anwendungsorientiertes, neues Wissen mit praktischem Zweck,
  • • sowie die experimentelle Entwicklung: systematisches Nutzen bereits existierender, fachspezifischer Kennnisse, um zusätzliches Wissen zu generieren und neue oder verbesserte Produkte oder Dienstleistungen beziehungsweise Verfahren zu entwickeln.

Das FZulG ist dabei nicht grundsätzlich auf bestimmte Branchen beschränkt. Branchenübergreifende Themen wie Digitalisierung, Prozessoptimierung oder Industrie 4.0 stehen im Fokus und sind dem Grunde nach als förderfähig einzustufen. Da die Beurteilung auf Förderfähigkeit seitens der Behörden allerdings durch Fachleute aus der Technologie erfolgt, kann eine Kooperation mit spezialisierten Unternehmensberatungen sinnvoll sein. Diese arbeiten mit einer Vielzahl von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern zusammen, die technische Know-how mitbringen, um das Zertifikat zu erhalten.

Der zweite Schritt

Hat ein Unternehmen die erste Hürde genommen, erfolgt der Antrag beim Finanzamt. Dieses kann zwar die grundsätzliche Förderfähigkeit der Projekte nicht mehr ablehnen, allerdings die Höhe der Zulage im Nachgang noch einmal überprüfen. Folglich sollten die Unternehmen große Sorgfalt walten lassen, wenn sie die Ausgaben eines F&E-Projekts zusammentragen. Die Auszahlung der Fördermittel erfolgt später durch die Verrechnung der Zuschüsse mit der Steuerlast der Unternehmensgruppe. Das bedeutet: Erhält ein Unternehmen 50.000 Euro an Fördermitteln, muss aber gleichzeitig 150.000 Euro an Steuern zahlen, dann werden diese beiden Beträge miteinander verrechnet. In der Folge muss also nur die Differenz, im Beispiel 100.000 Euro, an das Finanzamt gezahlt werden. Müsste die Unternehmensgruppe jedoch lediglich 30.000 Euro an Steuern bezahlen, erhält die Gruppe in diesem Beispiel 20.000 Euro als Erstattung.

Nachträgliche Förderung

Das FZulG bietet die Möglichkeit, einen Antrag auch im Nachhinein einzureichen. Somit können auch Projekte gefördert werden, die bereits begonnen haben oder sogar abgeschlossen wurden. Dabei gilt jedoch der Stichtag 1. Januar 2020, da das Gesetz an diesem Tag in Kraft getreten ist. Ein Vorteil der nachträglichen Förderung ist, dass die Wartezeit auf Bewilligung der Fördermittel, um aus der Idee eine erfolgreiche Innovation zu entwickeln, entfällt – bei heutigen Innovationszyklen ein wichtiger Aspekt.

Fehler vermeiden

Um zu vermeiden, bei einer Betriebsprüfung aufgrund des FZulG in Schwierigkeiten zu kommen, ist eine sorgfältige Dokumentation notwendig. Das beinhaltet den vollständigen Prozess, von der internen Analyse der Innovation bis hin zu den Anträgen bei den Partnern des Forschungsministeriums und beim Finanzamt. Empfehlenswert ist daher, diesen Prozess in einer Hand zu belassen, da im Falle einer Betriebsprüfung unberechtigterweise erhaltene Mittel zurückgezahlt werden müssen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Telefónica Tech erwirbt BE-terna und will damit seine Position als Technologie-Dienstleister stärken.‣ weiterlesen

Tim van Wasen tritt die Nachfolge von Stéphane Paté an und wird Geschäftsführer von Dell Technologies Deutschland.‣ weiterlesen

Überwachungssysteme, die vor Einbrüchen schützen sollen und sich per Smartphone-App steuern lassen, sollen die Nutzer in Sicherheit wiegen. Dass dieses Gefühl trügen kann, haben Studierende aus dem Studiengang Informatik an der Hochschule Emden/Leer im Rahmen eines Forschungsprojektes aufgedeckt.‣ weiterlesen

Das IT-Unternehmen Checkmarx hat das Tool Supply Chain Security vorgestellt. Das Programm zielt aber nicht auf die physische Lieferkette eines Produktionsunternehmens ab, sondern überwacht im Zusammenspiel mit Checkmarx Software Composition Analysis (SCA) den Health- und Security-Status von Open-Source-Projekten mit Blick auf mögliche Anomalien.‣ weiterlesen

Unternehmen haben bezüglich der Digitalisierung ihrer Qualitätsprozesse heute mehr Möglichkeiten denn je. Beim Blick auf klassische Produktionsunternehmen und deren Systemlandschaften kommen ERP- und CRM-Systeme, MES-Software und CAQ-Lösungen zum Vorschein, die durch offene Schnittstellenkonzepte wie OpenAPI in Summe wesentlich mehr Integrationsmöglichkeiten als früher mitbringen.‣ weiterlesen

Mit der weltgrößten Spaltrohrmotorpumpe mit Explosionsschutz konnte Hermetic-Pumpen für Aufsehen sorgen. Um bei der Entwicklung und Fertigung der Spezialpumpen erforderliche Normen und Vorgaben möglichst effizient umzusetzen, setzt der Hersteller aus Gundelfingen auf ein Integriertes Managementsystem.‣ weiterlesen

Mit einem Manufacturing Execution System (MES) können mittelständische Fertigungsbetriebe ihre Produktion digitalisieren und sie so auf komplexere Marktanforderungen ausrichten. Auf welche Funktionalitäten Fertiger achten sollten, zeigt der folgende Beitrag.‣ weiterlesen

Das Maschinenbauunternehmen Schenck Process hat die serverlose, modulare IoT-Plattform Coniq Cloud auf den Markt gebracht. Das System ist als IoT-Backbone für die eigenen Maschinen gedacht und bietet Anwendungsprogramme etwa zu Optimierung von Produktionszeiten und für Datenauswertungen.‣ weiterlesen

Komplexe Fertigung in Kombination mit hohem Termindruck führten beim Maschinenbauer Knoll dazu, dass lediglich 53 Prozent der Liefertermine zu halten waren. Nach der Einführung der PPS-Lösung von LF Consult liegt die Termintreue bei über 90 Prozent - bei kürzeren Durchlaufzeiten.‣ weiterlesen

Wenn sich am 30. Mai die Hallentore zum Flagschiff der Deutschen Messe öffnen, kann das als Startschuss für das postpandemische Messegeschehen gelten. Denn die Hannover Messe nimmt traditionell eine Sonderrolle unter den Industrieausstellungen ein. Grund dafür ist auch das hochkarätige Begleitprogramm, das diesmal mit 600 Vorträgen auf sechs Bühnen die Angebote der 2.500 Aussteller einrahmt.‣ weiterlesen

In diesem Jahr findet die Intralogistikmesse Logimat wieder in Präsenz statt. Und laut Veranstalter bewegen sich die Buchungen wieder auf Vor-Pandemie-Niveau. 1.500 Aussteller werden vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Stuttgart erwartet.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige