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Via Cloud zur Servitization

Der Hersteller als Dienstleister

Auf Basis von Daten können Geschäftsmodelle entstehen, die sich nicht länger auf ein Produkt konzentrieren, sondern den Servicegedanken in den Fokus rücken. Um die benötigten Daten zu sammeln und auszuwerten, ist die Cloud ein wichtiges Instrument. Ein Beispiel bei Rolls Royce zeigt, wie das gelingt und die Servitization einen klassischen Zielkonflikt zwischen Hersteller und Kunde auflöst.

 Via Cloud zur Servitization: Der Hersteller als Dienstleister

Bild: ©Kzenon / Fotolia.com

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass sich vor allem innovative produzierende Betriebe nach und nach vom klassischen Produktverkauf zum Lösungsanbieter weiterentwickeln. Der reine Fokus auf die Produktion schwindet, während der Servicegedanke und der Kundennutzen weiter in den Mittelpunkt rücken. Weltweit erfolgreiche B2C-Unternehmen wie Uber oder Airbnb zeigen, dass digitale und kundenorientierte Geschäftsmodelle hohes disruptives Potenzial bieten und dadurch ganze Branchen revolutionieren können. Wer erfolgreich sein möchte, der muss sein Geschäftsmodell an die sich ändernden Umweltbedingungen anpassen. Die Fähigkeit, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist zu einer Grundvoraussetzung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit geworden.

Geschäftsmodell Servitization

Servitization beschreibt den Wandel eines Unternehmens vom reinen Produzenten hin zu einer Kombination aus Hersteller und Dienstleister. Ein Beispiel dafür ist der britische Flugzeugturbinenhersteller Rolls-Royce. Bei seinem ‚Power by the hour‘-Angebot bezahlen Fluglinien für die Dienstleistung, die das Triebwerk erbringt. Das eigentliche Produkt bleibt Eigentum des Herstellers. Das Unternehmen ist somit über die gesamte Lebensdauer der Turbine für Überwachung, Wartung und Instandhaltung zuständig. Daraus ergeben sich große Vorteile für die Fluglinien: Kapitalausgaben werden zu Betriebsausgaben, finanzielle Risiken werden reduziert, sie erhalten Zugriff auf innovative Technologien und können sich vermehrt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Rolls-Royce gelingt es durch die Abrechnung der Flugstunden, konstante Umsatzströme zu generieren sowie die Kosten zu senken. Auch änderte sich die Haltung der eigenen Mitarbeiter: Während früher mit Wartung direkter Umsatz generiert wurde, entwickelten sich bei dem neuen Geschäftsmodell die wartungsarmen Turbinen zum obersten Ziel. Der Zielkonflikt zwischen Hersteller und Kunde entfällt, da es nun im Interesse von Rolls-Royce liegt, dass die eigenen Geräte effizient und einwandfrei funktionieren.

Sensorik und Datenanalyse

Möglich wurde dies alles durch ein Überwachungssystem der Triebwerke. Cyberphysische Sensoren übermitteln in Echtzeit die Betriebsdaten an die Zentrale, wo sie überwacht und beurteilt werden können. Das Sammeln der Daten bildet somit die Basis für die Verrechnung mit der Fluglinie. Durch die Analyse des Verhaltens der Turbinen sammelte Rolls Royce zudem Informationen für die Weiterentwicklung der Turbinen.

Bessere Produkte und Services

Die für die Analyse notwendigen Cyber-physischen Systeme (CPS) sind vernetzte Systeme, die reale Objekte und Prozesse beobachten und ebenso beeinflussen können. Sie finden sich dort, wo hochkomplexe, physische Systeme durch die Kommunikation mit der digitalen Welt effektiver werden können. So werden u.a. selbstständig arbeitende Produktionssysteme mit Fernüberwachung möglich. Durch das Sammeln und Auswerten einer großen Datenmenge erfahren Hersteller, wie ihre Kunden die Produkte bedienen und können sowohl Service als auch das Kundenerlebnis optimieren. CPS helfen also bei der Verbesserung von Produkten und Service. Die Eigenschaften von CPS stellen allerdings Anforderungen an die IT-Infrastruktur.

Hohe Ausfallsicherheit

Laut dem deutschen ‚Competence Center for Cyber Physical Systems‘ können Public Clouds diese Anforderungen erfüllen und durch ihre Funktionalitäten quasi ein CPS-Rückgrat bilden. Sie bieten unterschiedliche IT-Ressourcen wie Rechenzeit, Speicher, Anwendungen, Dienste oder auch Daten dynamisch an und verwalten diese gleichzeitig. Darüber hinaus wird ihnen eine hohe Ausfallsicherheit zugeschrieben und sie bieten im Bedarfsfall zusätzliche Leistungen. Dabei fungiert die Cloud als zentrale Datensammelstelle für Business Analytics, Machine Learning und Prozesssteuerung. Somit wird der für Servitization notwendige Datenaustausch mit externen Partnern ermöglicht. Durch die Überwachung der kompletten Lieferkette von Dienstleistungen kann dem Kunden individualisierter Service geboten werden.

Der passende Cloud-Provider

Bei der Auswahl eines Anbieters können sich Unternehmen unter anderem an Zertifikaten orientieren. Dabei empfiehlt es sich, auf eine europäische Business-Cloud zu setzen, die regelmäßig von unabhängigen, externen Prüfstellen untersucht und zertifiziert wird. Wenn es um Datensicherheit und Datenschutz geht, ist insbesondere auf das C5-Testat des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zu achten. Weltweit erfüllen nur neun Cloud-Provider die Anforderungen des Testats, der österreichische Cloud-Anbieter Fabasoft war das erste europäische Unternehmen.

Fokus auf den Kundennutzen

Produzierende Betriebe, die sich ihre Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft erhalten wollen, sollten sich am Markt auch als Dienstleister positionieren. Der Umstand, dass ein Unternehmen selber produziert und somit über die Möglichkeit verfügt, wichtige Daten zu sammeln, die einem Reseller nicht zur Verfügung steht, lässt sich zur Differenzierung gegenüber Mitbewerbern einsetzen. Noch wichtiger als der Fokus auf das Geschäft ist der Fokus auf den Nutzen des Kunden – und auch den Kunden des Kunden. Dann stiftet das Sammeln von Produktionsdaten einen echten Mehrwert. Das zentrale Tool für den wirklich sicheren Austausch von Daten sind nach höchsten Standards zertifizierte europäische Cloud-Lösungen, da dort sensible Daten auch ausreichend geschützt sind.


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