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Waren sicher verorten

Tracking & Tracing

Waren sicher verorten

Der Weg einer Ware von der Produktion bis zum Endkunden ist oft kaum nachvollziehbar. Doch der Markt verlangt diese Transparenz immer häufiger – selbst in unregulierten Branchen. Um diese Nachweise erbringen zu können, lassen sich Produkte serialisieren. Prozessspezialist Scheer hat seit kurzem eine Lösung für genau diese Aufgabe im Portfolio.

(Bild: ©SeanPavonePhoto/Fotolia.com) [1]

(Bild: ©SeanPavonePhoto/Fotolia.com)

Rechtliche Regelungen verändern sich ständig. Daher ist es erforderlich, die Prozesse innerhalb des eigenen Unternehmens zu kennen, kontinuierlich zu analysieren und Abläufe regelmäßig den neuen Gegebenheiten anzupassen. Vor diesem Hintergrund erarbeitetet die Scheer GmbH einen Abgleich der unterschiedlichen branchenspezifischen Rechtsgrundlagen in Form einer Dokumentenanalyse. Deren Ziel war es, Gemeinsamkeiten innerhalb unterschiedlicher Branchen zu identifizieren, um eine generelle Lösung für den Umgang mit Regularien zu entwickeln und so die Compliance zu stärken. Als eine zentrale Gemeinsamkeit der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen wurde die Forderung nach mehr Transparenz über die Produktions- uns Logistikprozesse identifiziert. Im Rahmen von Interviews, Fokusgruppen und Expertenrunden erfolgte dann die Erhebung konkreter Anforderungen zur Schaffung jener Transparenz. Auf deren Basis wurden dann konkrete Anwendungsfälle (Use Cases) identifiziert, welche im Zusammenhang mit einer transparenten Produktions- und Logistikwertschöpfungskette stehen:

 

Plagiaten entgegenwirken

Die Echtheitszertifizierung von Produkten basiert auf der Herausgabe der EU Richtlinie 2011/62/EU (Arzneimittelfälschungsrichtlinie). Die EU-Kommission möchte mit dieser Richtlinie der Überschwemmung des Medikamentenmarktes mit Plagiaten entgegenwirken, bzw. dem Abrechnungsbetrug vorbeugen. Daher müssen Unternehmen (Apotheken und Pharmazeutik-Hersteller) Verkaufseinheiten serialisieren und die Informationen in einer Datenbank nachhalten. Dieses Vorgehen lässt sich nun auch auf andere Branchen übertragen, um die Echtheit von Produkten gegenüber Kunden oder Behörden nachzuweisen. Hersteller von Luxusgütern, Genussmitteln oder Kosmetikartikeln sind beispielsweise häufig mit der Verbreitung von Plagiaten konfrontiert. Die Produktserialisierung sowie das Tracking von Produktions- und Logistikwegen können helfen, die Echtheit des Produktes gegenüber dem Kunden nachzuweisen und somit eine erhöhte Kundenbindung zu erwirken.

Transparenz in der Wertschöpfungskette ermöglicht, das Vertrauen von Kunden zu stärken, Informationen für das Marketing zu erheben sowie daraus Produkte für den Endverbraucher anzubieten. (Bild: Scheer Holding GmbH) [2]

Transparenz in der Wertschöpfungskette ermöglicht, das Vertrauen von Kunden zu stärken, Informationen für das Marketing zu erheben sowie daraus Produkte für den Endverbraucher anzubieten. (Bild: Scheer Holding GmbH)

Unautorisierte Geschäfte

Die Reduzierung nicht autorisierter Geschäfte ist ebenfalls ein Use Case, welcher auf behördliche Anforderungen zurückzuführen ist. Unautorisierten Geschäften soll dabei durch eine Produktserialisierung entgegengewirkt werden. Dadurch wird es vereinfacht, Parallelimporte, Reimporte sowie laterale graue Importe zu identifizieren und diesen vom Hersteller unautorisierten Geschäften entgegenzuwirken.

Weitere Potenziale

Neben den genannten Use Cases birgt die Schaffung von Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette jedoch noch weiteren Nutzen. Insbesondere bei Märkten mit heterogenen Händlerstrukturen ist für produzierende Unternehmen der Weg des Produktes zum Endkunden nicht immer nachvollziehbar. Dieses fehlende Wissen erschwert es, Endkunden gezielter anzusprechen bzw. bessere Produkte zu entwickeln. Je mehr Informationen für Marketingzwecke erhoben werden können, desto umfangreicher ist meist der Mehrwert. Der Einsatz von smarten, mobilen Lösungen ermöglicht es beispielsweise, gezielt Informationen über Zielgruppen zu gewinnen, bzw. ein aktives Feedback von Kunden zu erhalten. Auf Basis dieser Informationen kann das Unternehmen zukünftig seine Produkte und Dienstleistungen zielorientierter entwickeln und Bestandskunden im Rahmen von Marketingkampagnen gezielt auf bestehende Produkte und Dienstleistungen aufmerksam machen. Insbesondere soziale Netzwerke haben diesen Trend erkannt und erste Geschäftsmodelle etabliert. Auf Basis der dort erhobenen Daten sowie ausgefeilten Algorithmen wird die Möglichkeit geboten, potenzielle End-Kunden gezielt auf Produkte und Dienstleistungen aufmerksam zu machen.

Individualisierte Produkte

Ein weiterer Trend ist die gezielte Herstellung von Produkten – individuell auf die Kundenwünsche angepasst. Viele Unternehmen haben erkannt, dass solchen Produkten ein signifikanter Wettbewerbsvorteil einhergeht und positionieren sich mit diesem USP (Unique Selling Proposition) erfolgreich im Markt. Auch in der pharmazeutischen Industrie ist eine Personalisierte Produktion bereits etabliert. Dabei werden Wirkstoffe optimal auf die Patienten abgestimmt.

Durch die Lösung der Scheer GmbH erhält jedes Produkt eine individuelle Seriennummer. (Bild: ©Alexey Stiop/Fotolia.com) [3]

Durch die Lösung der Scheer GmbH erhält jedes Produkt eine individuelle Seriennummer. (Bild: ©Alexey Stiop/Fotolia.com)

Transparenz stärkt Vertrauen

Zusammenfassend beschrieben, ermöglicht Transparenz in der Wertschöpfungskette, das Vertrauen von Kunden zu stärken, gezielt Informationen für Marketingzwecke zu erheben sowie daraus Produkte für den einzelnen Endverbraucher anzubieten. Transparenz ermöglicht zudem Behörden, Importe von Unternehmen besser überwachen und die Einfuhr illegaler Produkte verlässlich identifizieren zu können.

Tracking & Tracing

Auf Basis der Serialisierungspflicht für Arzneimittel entstand bei Scheer eine Lösung, welche die Serialisierung von Produkten mit einem klassischen Track & Trace-Ansatz verknüpft. Dabei handelt es sich um eine Stand-alone-Lösung, die sich durch ein umfangreiches Schnittstellenportfolio auch in komplexe IT-Landschaften einbetten lässt.

Eine Nummer pro Artikel

Im Produktionsprozess vergibt das Unternehmen dabei eine produktspezifische Seriennummer pro Artikel. Die Serialisierung wird dann an eine Datenbank zur Nachhaltung gemeldet. Die vergebene Nummer dient im Prozessverlauf als eindeutiges Identifikationsmerkmal des Produktes. Geht im Prozessverlauf beispielsweise eine Bestellung von einem Großhändler ein, ist es die Aufgabe des Kommissionierers, die richtige Produktmenge in der richtigen Verpackungsgröße zusammenzustellen und für den Versand vorzubereiten. In diesem erfolgt somit die Aggregation der Produkte zur korrekten Versandeinheiten. Dabei wird innerhalb der Datenbank sowohl das Aggregat als auch die zum Aggregat zugeordnete einzelne Serialisierung vorgehalten. Nach dem Warenversand kann das Handelsunternehmen die Ware auf Basis der Seriennummern zu verifizieren. Gelangt das Produkt nun zum Endkunden, hat dieser ebenfalls die Möglichkeit, die Seriennummer abzufragen. Auch Behörden können so kontinuierlich auf die Daten zuzugreifen, um unautorisierten Geschäften im Rahmen von Zollkontrollen vorzubeugen.

Möglichkeiten für das Marketing

Durch eine Abfrage kann das System feststellen, ob die eingegebene Seriennummer existiert. Bei einer positiven Abfrage erscheint eine entsprechende Meldung. Ist die Seriennummer nicht in der Datenbank gespeichert, erfolgt eine Negativmeldung. Dadurch kann direkt auf Plagiate oder bzw. unautorisierte Transporte reagiert werden. Im Rahmen der Abfragen können neben Hersteller-Nachweisen, auch weitere Informationen – z.B. für Marketingzwecke – zur Verfügung gestellt werden. In der Praxis stellt sich dies wie folgt dar: In der Produktion erfolgt die Stammdatenübertragung aus dem ERP-System an die Serialisierungsplattform. Eine Seriennummer wird generiert, in der hinterlegten Datenbank gespeichert und in die Stammdaten des ERP-Systems zurückgeschrieben. Kunden, Zwischenhändler oder Behörden greifen auf die Datenbank zu und können die gesamte Wertschöpfungskette prüfen.

Philosphiewechsel erforderlich

Um eine solche Lösung zu etablieren, ist auch ein Philosophiewechsel erforderlich. Unternehmen müssen sich von der chargengeführten Massenproduktion lösen und einen Wechsel auf individuelle Seriennummern vollziehen, was zu Beginn Investitionen erfordert. Die Lösung kann für Unternehmen aber ein weiterer Schritt sein, die Unternehmensprozesse zu verbessern und den digitalen Wandel weiter voranzutreiben.