Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Nachhaltigkeit und MES

Digitaler Kreislauf von Einkauf, Planung und Logistik

Schon seit 1974 stellt Rapunzel kontrolliert biologische Nahrungsmittel her. Seit Kurzem schließt eine MES-Anwendung den digitalen Kreis von Einkauf bis Logistik. Doch die Fabriksoftware soll nicht zuletzt die Nachhaltigkeit des Unternehmens verbessern helfen.

Unternehmensstandort Rapunzel Naturkost (Bild: Rapunzel Naturkost GmbH)

Unternehmensstandort Rapunzel Naturkost (Bild: Rapunzel Naturkost GmbH)

Bio-Produkte gelten aus unterschiedlichen Gründen als attraktiv: Zum einen wird die Herstellung streng geregelt beziehungsweise kontrolliert und die Qualität ist oft hochwertig. Zum anderen unterstützen Kunden den ökologischen Landbau und heimische Erzeuger mit kurzen Transportwegen. Nach Angaben des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stieg der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf knapp 15 Milliarden Euro, mit steigender Tendenz. Rapunzel Naturkost aus Legau in Bayern produziert bereits seit 1974 kontrolliert biologische, naturbelassene und vegetarische Lebensmittel. Heute beschäftigt das Unternehmen 400 Mitarbeiter. Von dem 550 Produkte umfassenden Sortiment wird die Hälfte in Legau hergestellt oder verarbeitet.

Moderne Technik bis ins Lager

Um dem Unternehmenswachstum gerecht werden zu können, erweitert Rapunzel kontinuierlich das Logistikzentrum in Bayern und optimiert die Geschäftsabläufe. Die Lagerhaltung ist voll-, die Kommissionierung teilautomatisiert und auch die Produktionsanlagen sind auf dem neuesten Stand. Alle Wertschöpfungsschritte werden in einem SAP-System abgebildet. Eine letzte Lücke im Kreislauf von Einkauf, Planung und Logistik wurde vor Kurzem geschlossen: Jetzt werden auch die Abläufe in der Produktion digital abgebildet. Dafür wurde mit dem SAP-Integrator T.CON ein Manufacturing Execution System (MES) eingeführt, welches das ERP-System mit der Planungs- und Produktionsebene und dem Data Warehouse verbindet. Es plant, steuert und überwacht die Produktion in Echtzeit. Die Entscheidung für das Produkt MES von T.CON traf das Unternehmen vor allem wegen des modularen, auf Rapunzel zugeschnittenen Aufbaus. „Durch MES CAT konnten wir für uns wichtige Module wie Lagerverwaltung, Qualitätssicherung und Instandhaltung frei definieren. Dadurch mussten wir kein komplettes System einführen, sondern nur die Teile, die wir wirklich verwenden“, sagt Alexander Karst, Abteilungsleiter Produktion bei Rapunzel Naturkost. Die Konzeption erfolgte zwischen Entscheidern und Anwendern aus unterschiedlichen Fachbereichen bei Rapunzel und Spezialisten von T.CON. Anforderungen und Ideen für den MES-Einsatz wurden mithilfe von Design Thinking entwickelt. Durch den agilen Ansatz konnten die Rahmenbedingungen immer wieder neu definiert und Bausteine vor der Implementierung getestet werden.

Produktion bei Rapunzel Naturkost (Bild: Rapunzel Naturkost GmbH)

Produktion bei Rapunzel Naturkost (Bild: Rapunzel Naturkost GmbH)

Gründe für den MES-Einstieg

Mit dem MES-Projekt wollte der Nahrungsmittelhersteller insbesondere die Logistik- und Produktionsprozesse verbessern: Transparente Abläufe und Möglichkeiten zur Kostenanalyse über alle Produktionsschritte zählten zu den Projektzielen. Dafür stehen den Mitarbeitern etwa Analysefunktionen zur Verfügung, mit denen auch das Controlling auf tagesaktuelle Daten zugreifen kann. Zum anderen sollte die Lösung komplexe Abläufe in der Produktion vereinfachen: Alle Tätigkeiten, die früher manuell bearbeitet wurden, können mit dem MES an eigens eingerichteten digitalen Arbeitsplätzen in den Werkshallen erledigt werden. Laufwege, Abstimmungen und Papierkram, um etwa Rohwaren anzufordern oder Fertigwaren mit Etiketten zu versehen, fallen dadurch weg. Zugleich leitet die Lösung die Mitarbeiter durch die Fertigungsprozesse. Die Produktion läuft durch die Implementierung schneller, fehlerfreier und kostengünstiger ab. Ein Beispiel: „Durch die digitale Zuordnung der Rohwaren und Verpackungsmaterialien zum Fertigungsauftrag und der Produktionslinie erhöhen wir die Rezepturtreue. Jedes Material und die Fertigungslinie werden vor der Verwendung gescannt und auf Richtigkeit überprüft. Der Mitarbeiter erhält eine aktive Rückmeldung. Die Fehlerquote geht hier gegen Null“, sagt Alexander Karst.

Nachhaltiger produzieren

Eine besondere Anforderung an das Projekt war, eine nachhaltigere Planung und Produktion zu unterstützen. „Wir setzen uns eigene ökologische Standards, Richtlinien und Auflagen. MES CAT unterstützt uns dabei, diese einzuhalten und weiterzuentwickeln“, sagt Karst. Dazu erfasst das MES die Daten von den Anlagen in Echtzeit. Daraus leitet es Kennzahlen wie Rüst- und Stillstandzeiten, Produktivzeiten und der Anlageneffektivität (OEE) ab. Die Kennzahlen werden parallel dazu an SAP ERP übertragen und dort mit dem Fertigungsauftrag verknüpft. Umgekehrt stehen freigegebene Fertigungsaufträge aus SAP ERP unverzüglich in der Produktion zur Verfügung. „Damit können die Beschäftigten die Maschinenleistung und die Produktionsprozesse überwachen, vergleichen und im Sinne der Nachhaltigkeit optimieren“, sagt Michael Karl, Product Lead MES CAT Discrete Manufacturing bei T.CON. So wird mithilfe des MES ohne begleitende Papiere produziert und Ressourcen wie Rohstoffe, Energie und Mitarbeiter werden effizienter eingesetzt. Durch die Analysen des Systems wissen Unternehmen genau, wo welche Ressourcen verbraucht werden, können diese auf Kostenträger umlegen und danach die Produktionsreihenfolge anpassen. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Wer zur richtigen Zeit das Richtige produziert, steigert Qualität und reduziert Ausschuss. Darüber hinaus lassen sich die Standardfunktionen des MES CAT individuell um verschiedene digitale Tools ergänzen. So ist es beispielsweise möglich, Produktionsabfälle so zu kennzeichnen und steuern, dass sie recycelt werden können. „Im nächsten Schritt führen wir ein QS-Modul ein. Das Ziel dabei ist, die Qualitätskontrollen direkt in MES CAT zu dokumentieren“, sagt Alexander Karst. Mit der Einführung der MES-Anwendung konnte Rapunzel somit nicht nur den digitalen Kreislauf schließen, sondern auch die eigene Nachhaltigkeit einen großen Schritt nach vorne bringen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Viele ERP-Lösungen wurden einst von Spezialisten entwickelt und danach nur noch angepasst, erweitert und mit Updates versorgt. Doch steigende Digitalisierungsanforderungen, schnellere Produkteinführungen sowie der Fachkräftemangel schrauben die Anforderungen in die Höhe. Könnte Low-Code-Softwareentwicklung die Lösung sein?‣ weiterlesen

Mit einem Anstieg von 1,6 Punkte im Januar liegt das IAB-Arbeitsmarktbarometer bei 102,9 Punkten und damit über der neutralen Marke von 100. Für die Arbeitsmarktforscher deutet dies auf positive Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt hin.‣ weiterlesen

Mit ProKI, einem Demonstrations- und Transfernetzwerk für künstliche Intelligenz (KI) in der Produktion, soll die Anwendung von KI bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weiter vorangetrieben werden.‣ weiterlesen

Wolfgang Boos hat zum Jahreswechsel die Geschäftsführung des FIR an der RWTH Aachen übernommen. Er tritt die Nachfolge von Volker Stich an.‣ weiterlesen

Mit den Produkten der Marke Smartblick will F&M Werkzeug und Maschinenbau gerade kleineren Unternehmen ermöglichen, Fertigungsprozesse anhand von Maschinendaten zu analysieren und zu optimieren. Jetzt hat die Firma ein Modul vorgestellt, das mit künstlicher Intelligenz 'on Edge' prädiktive Qualitätsanalysen erstellt, also Predictive Quality ermöglicht.‣ weiterlesen

Die GSG Genii Software Gruppe hat die Übernahme der Camos Software und Beratung GmbH bekanntgegeben, einem Software-Spezialisten im Bereich Configure Price Quote (CPQ).‣ weiterlesen

Lichttechnische Messungen gehören bei der Produktion von Displays zum Standard. Während der Entwicklung müssen jedoch auch sehr unterschiedliche Messungen, meist detaillierter als in der Serienfertigung, durchgeführt werden. Das Zusammenspiel von Displayansteuerung, Messequipment und Auswertung der Messwerte ist dabei oft zeitaufwendig und fehlerbehaftet. Eine voll- oder teilautomatisierte Messung kann die Arbeit vereinfachen.‣ weiterlesen

Mit einem Mix aus Liefer- und Projektgeschäft wappnet sich die Firma Unterfurtner aus Österreich gegen Marktschwankungen. Dabei verursachten die unterschiedlichen Prozesse der Geschäftsbereiche früher viel Aufwand, den das alte ERP-System kaum abfederte. Der Rollout von AMS.ERP änderte das, denn die Software ist auf solche Anforderungen zugeschnitten.‣ weiterlesen

ERP-Integrationen sind herausfordernde Projekte. Oft vergrößern überbordende Funktionswünsche das Risiko des Scheiterns. Eine Alternative ist die Ausarbeitung einer langfristigen ERP-Strategie samt Roadmap.‣ weiterlesen

Julia C. Arlinghaus, Nicole Dreyer-Langlet, Katharina Hölzle, Daniel Hug, Dieter Meuser und Björn Sautter verstärken den Forschungsbeirat Industrie 4.0. Das von Acatech koordinierte Gremium berät strategisch und unabhängig, insbesondere das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).‣ weiterlesen

Softwareanbieter Sage stellt neue Werkzeuge bereit, die eine Brücke zwischen der eigenen Systemumgebung und der Azure-Cloud von Microsoft bilden sollen.‣ weiterlesen