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Integriertes MES und ERP-System

Zwei Ebenen verbinden

Der Maschinenbauer Rekers stellt unter anderem Misch- und Dosieranlagen, Colour-Blending-Systeme oder Steinformanlagen für die Betonwarenindustrie her. Der Mittelständler aus dem niedersächsischen Spelle setzt in der Produktion auf ein integriertes MES- und ERP-System und verbindet so die Produktionsebene mit der Managementebene.

Integriertes MES und ERP-System - Zwei Ebenen verbinden

Bild: PSI Automotive & Industry GmbH

Die Rekers GmbH entwickelt, baut und montiert seit mehr als 60 Jahren Maschinen- und Anlagen für die Betonwarenindustrie. Dabei versammelt das Unternehmen sämtliche Kompetenzen – angefangen von der Konzeption, über die Planung, Fertigung und Montage bis zur Inbetriebnahme und dem Service – im eigenen Haus. In Sachen IT setzt das Unternehmen jedoch weitestgehend auf spezialisierte Systeme etablierter Hersteller. Um die unternehmenspezifischen Abläufe auch zukünftig bewerkstelligen zu können, hat das Unternehmen eine neue, integrierte Betriebsdaten(BDE)- und Personalzeiterfassung (PZE) eingeführt und migrierte dafür zunächst auf eine neue Version des installierten ERP-Systems.

ERP und MES verknüpfen

Rund 150 Mitarbeiter bauen bei Rekers im Stammwerk in Spelle komplette Anlagen für die Betonwarenindustrie. Dazu zählt die Konzeptionierung, Planung und Teilefertigung genauso wie die Montage und Inbetriebnahme der Anlagen. Für die durchgängige Unterstützung der abteilungsübergreifenden Abläufe nutzt der Mittelständler nicht nur ein ERP-System, sondern auch ein Manufacturing Execution System (MES), welches den Produktionsprozess auf Werkstattebene mit der Auftragsbearbeitung auf Managementebene verbindet. „Genau dort mussten wir etwas tun“, berichtet Jens Bonnekessel, Betriebsleiter bei Rekers. „Unsere eigenentwickelte BDE genügte insbesondere funktional unseren Anforderungen nicht mehr, die Personalzeitverwaltung war bereits vor einiger Zeit durch den Hersteller abgekündigt worden und in der Folge veraltet.“ Die Verantwortlichen entschieden sich daher, ein neues MES auf Basis eines Pflichtenhefts auszuschreiben. Zu den wichtigsten Anforderungen zählte neben einer Schnittstelle zum eingesetzten ERP-System PSI-Penta vor allem auch der Wunsch, VBAs (Visual Basic for Application) selbst programmieren zu können. Am Ende des Auswahlprozesses fiel die Entscheidung zugunsten des aktuellen ERP-Lieferanten PSI Automotive & Industry. „Uns überzeugte letztlich nicht nur die MES-Lösung selbst. Auch der Fakt, dass wir das Unternehmen als unseren ERP-Lieferanten bereits kannten, das MES mit dem ERP-System schon originär eng mit einander verknüpft ist und wir von einer vergleichsweise kurzen Einführungszeit ausgehen konnten, waren natürlich relevante Kriterien für die Auftragsvergabe“, erläutert der Betriebsleiter.

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Update des ERP-Systems

Vor Einführung des Systems musste jedoch ein Update des installierten ERP-Systems auf eine neue Version erfolgen, da nur diese mit den neuesten MES-Modulen kompatibel ist. Gleichzeitig entschied sich das Projektteam zu einem Wechsel von einer Oracle- zu einer SQL-Datenbank. Die Migration auf die neue ERP-Version verlief weitestgehend reibungslos. Mit dem System plant und steuert Rekers sämtliche Produktion-, Service-, Ersatzteil-, Lager- und Reklamationsaufträge. Dabei bildet die Lösung sämtliche Anforderungen eines typischen Variantenfertigers ab – also Produktionsaufträge mit Serien- bis hin zu Projektcharakter. Als eine Herausforderung erwies sich im Zuge der Migration der Wechsel auf die neue Datenbank. Dabei kam es bspw. zu Problemen mit den sogenannten Nummernkreisen. Das Programm vergab dabei nicht die notwendigen, fortlaufenden Seriennummern, sondern ging in Tausendersprüngen vor. Die Einführung der neuen MES-Lösung – dazu zählen neue BDE- und PZE-Terminals sowie die entsprechenden Software-Module – erfolgte in zwei Phasen und abteilungsweise. Mittels einer Schnittstelle zum Altsystem lief die neue Lösung zu Beginn parallel in einem Testbetrieb, ehe auf ein – ebenfalls noch paralleles – Produktivsystem umgestellt wurde. Eine weitere Herausforderung bestand in der Anbindung der Terminal-Hardware. „Im rauen Produktionsumfeld hatten wir immer wieder Schwierigkeiten eine stabile WLAN-Verbindung aufzubauen und entschlossen uns schließlich für die Verkabelung“, sagt Bonnekessel. Seither läuft das System stabil, und das Projektteam kann als letzten Schritt die Zahlen des Alt- mit denen des Neusystems vergleichen, bevor diese Verbindung gekappt wird.

Arbeitsabläufe überdacht

Die Systemeinführung hat Rekers auch genutzt, um die eigenen Arbeitsabläufe zu überdenken. Dazu zählt etwa der Vergleich von individuellen Anpassungen mit im System gebotenen Standards. „Für die Materialvorabbestellung von Teilen mit langer Laufzeit gibt es z.B. ein gutes Modul im ERP-System, das wir noch nicht nutzen, aber bestens für unsere Anforderungen geeignet wäre. Denn es kommt immer wieder vor, dass Stücklisten noch nicht freigegeben und somit noch keine Bedarfe gemeldet sind, obwohl längst klar ist, dass bestimmt Teile mit langer Laufzeit definitiv benötigt werden“, beschreibt Bonnekessel. Auch vorhandene VBAs stellte das Unternehmen auf den Prüfstand. Diese werden mit dem später geplanten Wechsel auf das ERP-Release 9 nicht mehr unterstützt. Funktional hat Rekers mit dem neuen Release zumindest kleine, aber feine Verbesserungen ausmachen können. „Die Migration war für uns ja nur Mittel zum Zweck – aber eben im doppelten Sinne. Funktional waren wir auch vor dem Wechsel schon gut aufgestellt. Tatsächlich profitieren wir in der Version 8 aber beispielsweise vom ‚Workflow light‘ oder den verbesserten Plausibilitätsprüfungen“, fasst Jens Bonnekessel zusammen. Durch den ‚Workflow light‘ erhalten Mitarbeiter die Möglichkeit, eigene, arbeitsplatzspezifische Filter bzw. Suchaufträge anzulegen, die automatisch eine Aufgabenliste befüllen. Der Wechsel auf die System-Version 9 soll in circa zwei Jahren erfolgen. Bis dahin steht die Einführung eines neuen Produktdatenmanagement-Systems (PDM) sowie eventuell weiterer ERP- und MES-Module auf der Wunschliste des Unternehmens.

Für die Zukunft gerüstet

Mit seinem durchgängigen ERP-MES-System sieht sich Rekers softwareseitig gut für die Zukunft gerüstet. Die Verbindung zwischen Planungs- und Durchsetzungsebene ermöglicht einen verbesserten Prozess – von der Management- bis zur Werkstattebene.


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