Beitrag drucken

Geschäftsmodelle im Wandel

Vom Komponentenhersteller zum HMI-Komplettanbieter

Bedieneinheiten werden zunehmend zur Visitenkarte einer Maschine und müssen hohe Ansprüche erfüllen. Der Gehäuse-Spezialist Rose Systemtechnik hat diesen Trend erkannt und in wenigen Jahren ein Portfolio kundenspezifischer HMI-Komplettlösungen entwickelt. Ein Blick auf die individuell entworfenen Panel-PCs aus Porta Westfalica.

Die Tragarmsysteme von Rose werden individuell auf jede Anwendung ausgelegt und von Hand montiert. (Bild: Rose Systemtechnik GmbH)

Die Tragarmsysteme von Rose werden individuell auf jede Anwendung ausgelegt und von Hand montiert. (Bild: Rose Systemtechnik GmbH)

Aufgrund wachsender internationaler Konkurrenz suchen Maschinen- und Anlagenbauer nach Möglichkeiten, ihre Produkte von anderen abzuheben. Dabei spielen der Design-Aspekt und hier insbesondere die Bedienpanels eine wichtige Rolle, denn die Anforderungen an die Gestaltung der HMI-Einheiten sind zuletzt enorm gestiegen. Beim Gehäusehersteller Rose Systemtechnik beschleunigte dieser Trend einen Prozess, der schon lange vorher begonnen hatte: Der Wandel vom Komponentenhersteller zum Anbieter individueller HMI-Komplettlösungen. Die Basis für die Individualisierung der Produkte legte bereits Firmengründer Friedhelm Rose, der 1969 das weltweit erste Aluminiumgehäuse für Industrieanwendungen konstruierte. Schon in den 1970er Jahren bot Rose gegen Aufpreis die kundenspezifische Bearbeitung der Gehäuse an. In den 1990er Jahren nahm die Firma Sondergehäuse in ihr Programm auf, die nach Kundenwunsch entwickelt wurden. Seit langem können Kunden Bearbeitungsoptionen für ihre Edelstahl-, Aluminium- und Polyestergehäuse hinzukaufen.

Kundenspezifische Panel-PCs

Um mit den steigenden Ansprüchen der Maschinenbauer Schritt zu halten, musste Rose den Bereich der Steuergehäuse jedoch verändern. Eine Möglichkeit bestand darin, Panel-PCs in das Produktprogramm aufzunehmen, denn sie bieten viele Einbau-, Konfigurations- und Designoptionen. „Wir mussten uns entscheiden, ob wir uns im HMI-Bereich neu aufstellen oder dieses Produktsegment aufgeben“, erinnert sich Nils Stello, Leiter der Business Unit HMI bei Rose. Daher stellte der Gehäuse-Hersteller eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit dem Projektnamen Innovation Cell zusammen, um die Chancen und Risiken einer Neuausrichtung des Produktportfolios zu evaluieren. Das sechsköpfige Team hatte ein Jahr lang Zeit für seine Marktanalyse.

Diese Lösung aus Panel-PC, Steuergehäuse und Tragarmsystem wurde für die Fertigungslinie eines PKW-Herstellers entwickelt. (Bild: Rose Systemtechnik GmbH)

Diese Lösung aus Panel-PC, Steuergehäuse und Tragarmsystem wurde für die Fertigungslinie eines PKW-Herstellers entwickelt. (Bild: Rose Systemtechnik GmbH)

Produktprogramm ergänzt

Am Ende dieses Prozesses stand die Überzeugung, dass Panel- und Industrie-PCs das Angebot der Firma sinnvoll ergänzen würden. „Sie bilden mit unseren klassischen Gehäuse- und Tragarmsystemen eine Einheit, die sich optimal an die Anforderungen des Kunden anpassen lässt“, sagt Stello. Blieb noch die Frage: Make or buy? Sollte man eine eigene Fertigungslinie für Panel-PCs aufbauen oder externe Produktionskapazitäten zukaufen? Die Antwort stand schnell fest, denn Rose arbeitete seit langem mit CRE Rösler Electronic aus Hohenlockstedt zusammen. CRE produzierte zu dem Zeitpunkt schon mehr als 40 Jahre HMI-Panels für den Maschinen- und Anlagenbau sowie für die Automobil-Industrie. Die Firma hatte mit ihren Produkten renommierte Design Awards gewonnen, stand aber vor einer ungeklärten Unternehmensnachfolge. Nach erfolgreichen Verhandlungen übernahm Rose im August 2019 den HMI-Hersteller und gliederte ihn bis Juli 2020 in die Business Unit HMI ein. Nun hatte der ehemals reine Gehäuse- und Komponenten-Hersteller umfangreiches Knowhow im Bereich Panel-PC hinzugewonnen. „Wir können unseren Kunden jetzt komplette HMI-Lösungen aus Steuergehäuse, Industrie-PC und Tragarmsystem aus eigener Fertigung anbieten“, erläutert Rose-Geschäftsführer Dr. Heinz Werner Rixen. „Da bei uns wirklich alles aus einer Hand kommt, können wir Panel-PCs und mechanische Komponenten exakt aufeinander abstimmen,“ sagt Stello. Dieses Leistungsversprechen flankiert der Anbieter mit den Aussichten auf Industrietauglichkeit und Langzeitverfügbarkeit der Produkte.

Kundenbeispiel Schuler

Die kundenspezifischen HMI-Bedieneinheiten von Rose setzt auch der weltweit agierene Maschinen- und Anlagenbauer Schuler aus dem schwäbischen Göppingen ein: Der Hersteller engagierte Rose, um das Design seiner mehr als 30 verschiedenen Anlagentypen zu vereinheitlichen. Sämtliche Pressen sollten bereits von weitem als Schuler-Maschinen erkennbar sein. Im Mittelpunkt des Re-Designs standen die Panel-PCs – im Sinn einer Visitenkarte der Anlage. Heraus kam eine völlig neu konstruierte HMI-Anwendung, die ein einheitliches Bedienkonzept für alle Maschinen bietet und eine flexible Beschriftung der Funktionstasten ermöglicht. Der Entwicklungsprozess für das neue Schuler-Bedienpult war von einem intensiven Austausch zwischen dem Gehäuse- und dem Pressenhersteller geprägt. Konzepte für das Leergehäuse und das Display wurden erstellt und immer weiter verfeinert, bis schließlich ein Prototyp gefertigt werden konnte. „Das Design hat uns sehr angesprochen“, berichtet Ralf Sohr, Ingenieur im Bereich Technology Electrical Engineering bei Schuler. „Wichtig war für uns aber auch die Bereitschaft von Rose, das Panel genau nach unseren Vorstellungen zu bauen.“

Bedienbarkeit heißt Effizienz

Der Bereich HMI-Komplettlösungen verspricht großes Wachstumspotenzial, für Rose, denn mit dem Angebot kommt der Hersteller dem Bedürfnis vieler Maschinen- und Anlagenbauer entgegen. Als Zielmärkte nimmt die Firma daher vor allem wettbewerbsintensive Branchen wie die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie, die Pharmaindustrie und Logistik in den Blick.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau gingen im April um 20 Prozent gegenüber Vorjahr zurück, meldet der VDMA. Schon im März lag der Wert sechs Prozent im Minus‣ weiterlesen

Nicht nur EU und Bundesregierung erwarten von der Wirtschaft, auch die Verbraucher fordern einen bewussteren Umgang mit Ressourcen. Mit einer Internet of Things-Applikation lässt sich an den Stellschrauben dazu drehen, meldete das IT-Infrastruktur- und Dienstleistungsunternehmen NTT kürzlich.‣ weiterlesen

Am 24. und 25. Mai stand Dortmund im Zeichen der industriellen Instandhaltung. Mehr als 4.000 Besucher und rund 200 Aussteller zählte der Veranstalter Easyfairs am Ende der diesjährigen Maintenance.‣ weiterlesen

Die Geschäftsbedingungen in der deutschen Industrie wurden im Mai schlechter, meldet das BME im Einkaufsmanagerindex EMI. Vor allem im Ausland ging die Nachfrage kräftiger zurück, teilt der US-amerikanische Finanzdienstleister S&P Global mit, der hinter der Analyse steht.‣ weiterlesen

Die GFOS blickt auf 35 Jahre Unternehmensgeschichte zurück und blickt in diesem Zuge auch in die Zukunft. So will der Softwareanbieter seine Geschäftsaktivitäten international erweitern.‣ weiterlesen

Die 2020 gegründete IDTA wächst und begrüßt mit Mitsubishi Electric Europe ihr 100. Mitglied.‣ weiterlesen

Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) wird der 11. Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und löst Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer nach fast elf Jahren ab.‣ weiterlesen

Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender bei DMG Mori, hat am Donnerstag sein Amt niedergelegt. Sein Vertrag wurde im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung einvernehmlich beendet. Alfred Geißler wurde vom Aufsichtsrat zum Nachfolger bestellt.‣ weiterlesen

Microsoft feiert 40. Geburtstag in Deutschland und eröffnet ein europäisches Experience Center in München. Es ist eines von vier Experience Centern weltweit.‣ weiterlesen

Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme beleuchten in einem neuen Whitepaper, wie es um die Entwicklung europäischer bzw. deutscher KI-Sprachmodelle bestellt ist.‣ weiterlesen