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Warenwirtschaft bei Kawasaki Gas Turbine Europe

Digital erfassen statt abweichender Bestand

Kawasaki Gas Turbine Europe plant, produziert, installiert und wartet Gasturbinen. In Bad Homburg befindet sich das europäische Zentrallager des Tochterunternehmens von Kawasaki Heavy Industries. Um dort fehleranfällige Prozesse abzulösen, hat das Unternehmen eine Lagerwirtschaftslösung eingeführt, die alle Transportbewegungen dokumentiert.

Über ein Notebook mit Touchscreen, Etikettendrucker und Barcode-Scanner lassen sich Lagerbewegungen fehlerlos erfassen. Handhelds helfen bei der mobilen Kommissionierung der Lagerware. (Bild: Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH)

Über ein Notebook mit Touchscreen, Etikettendrucker und Barcode-Scanner lassen sich Lagerbewegungen fehlerlos erfassen. Handhelds helfen bei der mobilen Kommissionierung der Lagerware. (Bild: Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH)

Die Kawasaki Gas Turbine Europe (KGE) gliedert sich in die Bereiche Vertrieb, Engineering, Projektabwicklung und Service. Im Engineering werden Gasturbinen-Packages geplant. In der Projektabwicklung werden diese durch den Projektleiter kundenspezifisch angepasst, gefertigt und installiert. Für Wartung und Instandhaltung ist die Serviceabteilung zuständig. Dementsprechend gliedert sich auch der Einkauf in eine zentrale Auftragserfassung (Einkauf projektbezogen), sowie einen Einkauf für Ersatzteile, den das Serviceteam benötigt. Im Lager sind die Verbrauchsmaterialen, Einzelkomponenten und Baugruppen für die Fertigung, wie auch die Ersatzteile für den Service. „Unsere Firma hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen können. Im Vergleich zu 1998 hat sich die Anzahl der neuen Projekte vervielfacht, was das Ein- und Verkaufsvolumen stark beeinflusst“, sagt Yasemin Türkmen, ERP-Administratorin bei der Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH.

Manuelle Erfassung

Eine tonnenschwere Gasturbine besteht aus Tausenden von Einzelteilen. Wenig überraschend beläuft sich der Lagerstand auf 2,4 Millionen Euro, nach einer Inventur sogar auf drei Millionen. Noch bis vor zwei Jahren wurden die Artikel im Lager manuell erfasst und anschließend in das Warenwirtschaftssystem eingegeben. Das Lager wurde hauptsächlich mit Office-Lösungen und mit Unterstützung des Softwareanbieters HS – Hamburger Software geführt. Beispielsweise waren Lager und Regale durchgängig nummeriert. In den Stammdaten der Artikel waren Lager und Regal vermerkt. Zudem wurden Wareneingänge mündlich mitgeteilt und mussten dann manuell im Warenwirtschaftssystem HS Auftragsbearbeitung nacherfasst werden. „Eine Forecast-Planung, Lagerabwicklung, Lagerhaltung und Controlling waren sehr zeitintensiv“, sagt ERP-Administratorin Yasemin Türkmen. „Im Grunde waren wir ständig am Anpassen der Prozesse und kamen nie so richtig hinterher.“ Mit den alten Prozessen im Bereich der Lagerverwaltung sei man an Grenzen gestoßen, so Thomas Himmighofen, Direktor von Kawasaki Gas Turbine Europe.

Alle Bewegungen erfasst

Unterstützung bekam KGE von Albos, einem Lösungspartner von HS – Hamburger Software. Anfang 2018 präsentierten Albos-Mitarbeiter das Lagerwirtschaftssystem Albos.Lawi mit Anbindung an HS Auftragsbearbeitung. Projektstart mit Aufnahme der Anforderungen war Ende 2018. Implementiert wurde schließlich im März 2019 mit der Konfiguration von Auftragsabwicklung und Lagerbestandsverwaltung. „Wir haben einiges an Fleißarbeit leisten müssen, um konsistente Daten zu bekommen. Nicht nur die bereits erfassten Artikel mussten inventiert werden, auch der gesamte Lagerbestand wurde neu mit der Albos-Software erfasst“, sagt Türkmen. Für den Lagerarbeitsplatz wurde eigens ein neues Lagerterminal installiert. Im Lager selbst verwendet KGE mobile Handhelds für Umlagerungen und Inventur. Darauf läuft eine von Albos entwickelte App. Mit den Mobilgeräten werden Bewegungen im Lager erfasst und an das Warenwirtschaftssystem rückgemeldet. Dort werden die Bestände automatisch gegeneinander abgeglichen und bei Bedarf nachbestellt. „Damit ist jede Lagerbewegung lückenlos im Bestand dokumentiert und nicht mehr in irgendeiner Excel-Tabelle erfasst. Die Transparenz ist heute deutlich höher“, schildert Türkmen. In HS Auftragsbearbeitung werden die Stammdaten zentral erfasst und von Albos.Lawi übernommen. Die Anbindung zwischen Warenwirtschaft und Lagerbestandsführung erfolgt über Webservices. „Für uns war die Aufsplittung des physischen Lagers in diverse digitale Lagerbereiche eine Herausforderung. Die Auftragsbearbeitung kennt nur Lager, wir mussten in den Prozessen darauf achten, dass gegebenenfalls eine Umlagerungsbuchung ausgelöst wird, falls die Ware das virtuelle Lager wechselt. Das hatten wir vor Kawasaki so noch nicht und haben diese Funktionalitäten mit der Software-Einführung umgesetzt“, sagt Jürgen Grabowski, Geschäftsführer bei Albos.

Automatische Übergabe

Im Wareneingang kommt sowohl bestellte als auch nicht bestellte Ware – regelmäßige Lieferungen von Verbrauchsteilen aus Japan – an. Da eine Bestellung im Warenwirtschaftssystem erfasst ist, wird automatisch ein Wareneingangsbeleg an die Software übergeben. Anhand dessen erfolgt die Wareneingangsprüfung, werden Packstücketiketten gedruckt und der Wareneingang gebucht. Durch Scannen der Packstück-ID des Etiketts und des Stellplatzes am Regal wird anschließend die Ware auf das gewünschte Lager umgelagert. Über den Wareneingangsschein wird in HS Auftragsbearbeitung die Rechnung abgerufen. Trifft Ware ohne Bestellung ein, erstellt die Lagersoftware einen Wareneingangsbeleg. Ist die Ware über eine Auswahlliste in Menge und Stückzahl erfasst und vereinnahmt, erfolgt die Rückmeldung an die Warenwirtschaft.


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