Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Chatbot als Assistenzsystem

Wenn Werker Bots beim Wort nehmen

Robotic Process Automation und Chatbots könnten bei vielen Fertigungsbetrieben für die nächsten Effizienzschübe sorgen. Denn was den meisten eher von privaten Telefonaten und vielleicht noch dem Büro bekannt sein dürfte, könnte man auch auf dem Shop Floor nutzen.

 (Bild: ©industrieblick/Fotolia.com)

(Bild: ©industrieblick/Fotolia.com)

Es gibt Anwendungsfälle, bei denen Chatbots helfen können, die Produktivität nicht nur auf Büro- sondern auch auf Werksebene zu verbessern. Das illustrieren folgende Beispiele:

Einsatz in der Wartung

Ein Szenario ist in der Maschinenwartung denkbar: Wenn beispielswesie ein Mitarbeiter eine Fehlfunktion an einer Maschine feststellt, kann er, anstatt einen Wartungstechniker zu rufen, per Chatbot mit der Fehleranalyse beginnen – entweder per Sprachbefehl auf dem Smartphone oder mittels Chat auf dem Smartphone. Ein auf KI-Technologie basierender Chatbot kann dann bereits bekannte Lösungen vorschlagen und falls der Arbeiter qualifiziert ist, diesen auch direkt anleiten. Sollte das Problem nicht vom System gelöst werden können, wird der menschliche Wartungstechniker alarmiert. Machbar ist dies auf Basis der gesammelten und verarbeiteten Informationen. Im Idealfall bringt der Experte direkt die richtigen Ersatzteile mit, da er vorab über Details informiert wurde.

Hilfe im Projektmanagement

Entstehen neue Produktionslinien, sind an solche Projekten oft viele Lieferanten und andere Stakeholder beteiligt. Zudem sind derartige Projekte mit einem hohen Risiko behaftet, Verzögerungen haben oft einen negativen Einfluss auf das Unternehmensergebnis. Dies führt zu hohen Aufwänden im Projektmanagement und Projektcontrolling. Um Abhilfe zu schaffen, kann das Projektmanagement und Task Management einen Chatbot einsetzen. Dieser kann den Projektleiter sowie das Projekt Management Office entlasten, indem er einfache administrative Aufgaben übernimmt – so kann er beispielsweise aktuelle Zahlen anfordern. Des Weiteren können ihn Projektmitglieder dazu nutzen, den aktuellen Projektstatus zu erfragen. Die Technologie dient also als intelligentes und antwortendes Reporting-Tool.

Potenzielle Bewerber betreuen

In einigen Branchen ist die Auslastung der Produktion stark von der Nachfrage bestimmt. Es gibt bestimmte Phasen, etwa die Ferienzeit oder die heiße Phase vor einem Produktlaunch, in denen zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden müssen. In einigen Fällen kommen Chatbots bereits für die Rekrutierung zum Einsatz. Sie beantworten beispielsweise offene Fragen potenzieller Bewerber. Dabei ermöglichen sie ein schnelleres Onboarding. Zudem können Chatbots die Kommunikation sowie die Bereitstellung von Informationen verbessern: Wenn ein Angestellter beispielsweise eine Frage zu Weiterbildungen oder betrieblichen Regelungen hat, kann er sich im ersten Schritt an einen Chatbot wenden – je nachdem wie die Personalabteilung besetzt ist, kann dies die Servicequalität verbessern. Chatbots können ferner Informationen von Arbeitern einholen, die sich krank melden oder Ihnen helfen, Zeitausgleich zu beantragen bzw. ihre Stundenverschreibung zu prüfen.

Bessere Informationen im Werk

In der Produktion dürften Chatbots mittelfristig einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des reibungslosen Betriebs leisten. Dort können beispielsweise bereits kleine Schwankungen in der Temperatur die Anlageneffizienz negativ beeinflussen und die Produktivität verringern. Chatbots könnten dabei mit Plattformen synchronisiert werden, auf denen Ausrüstungsmetriken geprüft und gemeldet werden. Anstatt sich mit diesen Kennzahlen vertraut zu machen, könnten Mitarbeiter einen Chatbot bitten, den aktuellen Wert auszulesen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das Abrufen der Informationen erfolgt durch Text oder Spracheingabe.

 (Bild: ©ekkasit919/Fotolia.com)

(Bild: ©ekkasit919/Fotolia.com)

Potentiale und Ausblick

Chatbots sind heute schon in der Lage, einfache Gespräche mit Benutzern zu führen. Die Technologie kann automatisch Datenbanken durchsuchen, Backend-Daten anpassen und auf intuitive Weise mit Benutzern interagieren. Digitale Assistenten wie Siri, Cortana oder Alexa sind bereits im Alltag angekommen. Diese Technologien kommen in den Bereichen Konsumgütern, Finanzen und Rechnungswesen zum Einsatz und spielen dort eine immer größere Rolle. Darüber hinaus könnten sie die Schnittstelle zwischen Produktionsdaten und dem Mitarbeiter verbessern sowie die Kommunikation zwischen der Produktion und anderen Unternehmensbereichen optimieren helfen.

Künstliche Intelligenz

In seiner einfachen Form ist ein Chatbot ein Softwareprogramm, das in der Lage ist, auf Benutzeranfragen in einer vorgegebenen Weise zu antworten. Dies führte bisher zu hohen Entwicklungskosten, da alle Fragen vorher analysiert und programmiert werden müssen. Der Einsatz von KI und Machine Learning kann diesen Aufwand so verringern, dass sich der Einsatz lohnt. Die Chatbot-Technologie befindet sich deshalb vor allem aufgrund der besseren Zugänglichkeit zu KI-Technologien im Aufwind. Durch maschinelles Lernen können Chatbots auf Sprache reagieren und dabei selbst ungewöhnlich formulierte Fragen verstehen sowie Antworten darauf liefern. Durch maschinelles Lernen wird das Identifizieren der Antworten verbessert. Dabei wird auf vorhandene Daten zurückgegriffen, um zu verstehen, welche Arten von Informationen die Benutzer benötigen. Dadurch wird der technische Aufwand reduziert und die Benutzererfahrung verbessert, da die Software auf Sprache reagieren kann. Chatbots sind so zunehmend in der Lage, als Informationsbeschaffungswerkzeug zu fungieren.

Anweisungen für Werker

In der Vergangenheit beinhalteten viele Informationserhebungsprozesse eine Interaktion zwischen verschiedenen Personen. Zum Beispiel kann ein Werker seinen Produktionsleiter über ein Headset kontaktieren, wenn ein Routing-Problem auftritt. Bislang stand der Prozess in einem solchen Moment still und der Produktionsleiter musste sich erst ein Bild machen, das Problem bewerten, andere geplante Arbeiten prüfen und eine alternative Vorgehensweise vorschlagen. Diese Art der der Kommunikation kann durch Chatbots verbessert werden. Durch den Einsatz der Technologie kann der Werker seine Frage per Headset an den Chatbot stellen und ihn dazu veranlassen, Daten aus dem gesamten Lagerhaus in Echtzeit zu analysieren, um dem Benutzer die jeweils geeigneten Aktionen zu präsentieren. Die Integration diese Technologie in Unternehmensprozesse steht gerade erst am Anfang. Es gilt, sinnvolle Use-Cases zu identifizieren und nach geeigneten Einsatzmöglichkeiten Ausschau zu halten. Im Ringen um mehr Effizienz in der Produktion könnte der Chatbot auf jeden Fall ein Wort mitzureden haben.


Konstantin Graf ist Manager World Class Center Advanced Manufacturing bei Altran Deutschland S.A.S. & Co. KG.


Das könnte Sie auch interessieren:

In die Entwicklung von KI-Anwendungen fließen weltweit Multi-Milliarden-Dollar-Beträge. Ganz vorne dabei: Die großen Plattform-Betreiber aus den USA und China. In weiten Bereichen außen vor sind die Europäer. Im folgenden Beitrag geht es um Technologien, Trends und Player, welche die globale Wirtschaft in den kommenden Jahren nachhaltig prägen werden.‣ weiterlesen

Produzierende Unternehmen stellt die Digitalisierung vor einen grundlegenden Wandel. Kennzeichen hierfür ist die systematische Integration von Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Automatisierungstechnik in industriellen Wertschöpfungsstrukturen.‣ weiterlesen

Der ERP-Anbieter Proalpha übernimmt Tisoware, ein Anbieter für Zeitwirtschaftssoftware. Gemeinsam wollen beide Unternehmen ihre Kunden noch besser bei der Digitalisierung unterstützen.‣ weiterlesen

Wenn Werkzeuge ihre Halter- und Werkzeugrevolver-Daten zielgerichtet erheben und austauschen würden, ließen sich viele Mängel, etwa infolge von Schwingungen, vermeiden. Eine digitale Lösung rund um die Auswerteeinheit IQ Box des Werkzeugträgerspezialisten Sauter soll das und mehr möglich machen.‣ weiterlesen

Wenn der weltweit agierende Softwarehersteller IFS sein größtes Kundentreffen der Welt organisiert, geht es um Strategien, neue Produkte und Releases. So zeigte der ERP-Anbieter mit schwedischen Wurzeln im Oktober in Boston die neue durchgängig gestaltete Benutzerführung, ein neues Schnittstellenpaket und ein gestärktes Portfolio für das Field Service Management - unter anderem durch die Akquisition des Konkurenten Astea. Skateboard-Legende Tony Hawk war auch dabei.‣ weiterlesen

Die Bandbreite an Analyseanwendungen reicht von klassischen Reports und Kennzahlen über Self Service Analytics bis hin zu künstlicher Intelligenz. Bei aller Vielfalt sollte der Zweck nicht aus dem Fokus geraten: transparenter und effizienter fertigen zu können. Zumal immer wieder neue Manufacturing-Analytics-Instrumente entwickelt werden.‣ weiterlesen

Trotz schwieriger Marktbedingungen befindet sich die Fertigungsindustrie weiter im Wachstum. Dies zeigt der Global Growth Index des Softwareanbieters Epicor. Demnach betrug das Wachstum im Vergleich zur Vorjahresbefragung ein Prozent.‣ weiterlesen

Mit der Inititative 'Industrie 4.0' versuchen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft seit 2012, die hiesigen industriellen Wertschöpfungsnetzwerke wettbewerbs- und zukunftsfähig zu erhalten. KI und Machine Learning spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.‣ weiterlesen

Die Richtlinie VDI/VDE/NAMUR 2658 Blatt 1 'Automatisierungstechnisches Engineering modularer Anlagen in der Prozessindustrie - Allgemeines Konzept und Schnittstellen' wurde im Oktober 2019 in deutsch und englisch veröffentlicht. Darin wird das Engineering der Automatisierungstechnik modularer Anlagen vorwiegend in der Verfahrenstechnik beschrieben.‣ weiterlesen

Rund 100Mrd.€ Schaden ist deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr durch kriminelle Attacken entstanden. 75% der für eine Bitkom-Studie befragten Unternehmen waren von einer solchen Attacke betroffen.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige