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Anforderungen methodisch beschreiben

Wie finde ich die passende BI-Software?

Abbildung 2: Anforderungskategorien und deren Gewichtung (Bild: MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH)

Abbildung 2: Anforderungskategorien und deren Gewichtung (Bild: MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH)

Im Zielbild festgehalten

Im ersten Schritt wird ein Zielbild definiert, das die funktionalen Anforderungen beschreibt. Auf diesen Schritt wurde ein Hauptaugenmerk gelegt. Begründet ist dies in den Erkenntnissen des BARC-Instituts wonach rund 18 Prozent aller Probleme bei der Implementierung neuer Softwareprodukte in unpräzisen Anforderungsbeschreibungen liegt. Die unklare Definition des Zielbildes ist somit der größte Problemtreiber. Außerdem konnte aufgezeigt werden, dass Nutzer nach einem objektivem Auswahlprozess durchschnittlich zufriedener mit der eingeführten Software sind als Nutzer, deren Software aufgrund von strategischen Entscheidungen gewählt wurde (6,0 zu 4,9 von 10 Punkten). Zur Zielbilderstellung wurde daher ein multiperspektives Vorgehen angewendet. Dabei wurden Anforderungen an die neue Softwarelösung aus verschiedenen Perspektiven ermittelt, um eine hohe Objektivität sicherzustellen, siehe Abbildung 1.

Zu Kernaussagen verdichtet

In das Zielbild flossen zunächst die Erkenntnisse aus der Analyse des Ist-Systems ein. Diese zeigten bestehende und genutzte Funktionalitäten sowie identifizierte Schwachstellen im aktuellen Analyse- und Reportingprozess auf. Darüber hinaus wurden Rahmenbedingungen berücksichtigt. Sie beinhalten beispielsweise unternehmensinterne IT-Richtlinien als auch Charakteristiken, die sich aus dem Instandhaltungsgeschäft (MRO-Organisation) ergeben. Zusätzlich zu den internen Faktoren wurden externe Einflüsse ermittelt. Dafür wurde zunächst der Stand der Technik eruiert und gängige auf dem Markt erhältliche Softwarelösungen analysiert. Diese Analyse stellte sicher, dass die performanteste und nachhaltigste Lösung gefunden werden konnte. Aus den internen und externen Einflussgrößen ergaben sich neue Anforderungen. Diese wurden kategorisiert und in Kernaussagen verdichtet, siehe Abbildung 1 mittlerer Abschnitt. Die Anforderungskategorien, die sich bei der MTU Maintenance ergaben, sind in Abbildung 2 zusammengefasst. Dabei sind Anforderungen wie beispielsweise der Bedarf nach einer Echtzeit-Datenanalyse in die Kategorie Datenextraktion und die Anforderung Stabilisierung des Laufzeitverhaltens in die Kategorie Performance eingeflossen. Im nächsten Schritt wurden die Anforderungskategorien priorisiert. Hierbei wurden zukünftige Nutzer der MTU Maintenance einbezogen, um einen Konsens zwischen den verschiedenen Nutzergruppen zu erzielen. Die Einbindung erfolgte mittels einer digitalen Befragung. Auf Basis der gewonnenen Resultate wurde eine Gewichtung mit dem Direct-Ratio-Verfahren durchgeführt. Das Ergebnis ist in Abbildung 2 dargestellt. Je höher der relative Anteil der Anforderungskategorie bezogen auf das Gesamtgewicht ist, desto höher wurde die Bedeutung durch die Teilnehmer eingestuft. Für weitere Details siehe Fengler: (2020. Entwicklung eines IT-Konzepts für die Datenanalyse in der Produktionsplanung und -steuerung der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg. Wildau, S. 61-62) Da es Ziel der Konzeptentwicklung war, die aktuelle Anwendung abzulösen, mussten ihre wesentlichen Grundfunktionen auch im Neukonzept abgebildet werden. Das Zielbild besteht aus diesem Grund aus Mindestanforderungen sowie erweiterten Anforderungen, siehe Abbildung 1.

Bildung von Lösungsvarianten

Im zweiten Schritt des Auswahlprozesses werden Lösungsvarianten erarbeitet. Bei der MTU Maintenance wurden dafür die bereits im Unternehmen eingesetzten Softwareprodukte denen auf dem Markt verfügbaren Produkten gegenübergestellt. Ein erster Abgleich mit den Mindestanforderungen verkleinerte die Vergleichsmenge. Aus einer daraus entstandenen Shortlist wurden fünf Lösungsvarianten gebildet, siehe Abbildung 3. Die Lösungsvarianten kombinieren bereits im Unternehmen eingesetzte Softwareprodukte wie SAP BW/4Hana mit auf dem Markt verfügbaren Produkten. Auffällig ist die häufige Nennung des Produkts Tableau Server. Dieses erfüllt die abgeleiteten Anforderungen im Bereich der Datenanalyse und des Reporting am besten und findet daher am häufigsten Verwendung.

Ergebnis und Ausblick

Im dritten und letzten Auswahlschritt wird die Vorzugslösung ermittelt. Dafür wurde eine Nutzwertanalyse durchgeführt. Als Grundlage der Bewertung diente das im ersten Schritt definierte Zielbild. Innerhalb des Auswahlverfahrens konnte sich die Lösungsvariante I durchsetzen. Diese berücksichtigt ausschließlich Software des Anbieters Tableau. Aktuell wird die Implementierung und Überprüfung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Vorzugslösung einem Proof-of-Concept unterzogen. Nach dessen Abschluss wird die Lösung umgesetzt werden. Sie soll einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die Analyse- und Reportingprozesse bei der MTU Maintenance zukunftssicher aufzustellen.

Abbildung 3: Lösungsvarianten der Shortlist (Bild: MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH)

Abbildung 3: Lösungsvarianten der Shortlist (Bild: MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH)


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