Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Beitrag drucken

Ralf Winkelmann von Fanuc zum Großauftrag von BMW:

„Mehr zentrale Funktionen in Deutschland“

3.500 Roboter verkaufen auch die großen Hersteller nicht oft auf einen Schlag. So viele Automaten soll Fanuc in den nächsten Jahren an BMW liefern. Damit dürfte das japanische Unternehmen zu einem zentralen Automatisierungspartner des Münchener Autobauers aufrücken. Mit unserer Schwesterzeitschrift ROBOTIK UND PRODUKTION haben wir Ralf Winkelmann von Fanuc zum Deal befragt.

 (Bild: Fanuc Europe GmbH)

(Bild: Fanuc Europe GmbH)

Vor dem Hintergrund des neuen Großauftrages: Welchen Stellenwert haben die deutschen Autobauer für Fanuc?

Ralf Winkelmann: Der deutsche Markt ist für Fanuc der technologische Leitmarkt für Automotive weltweit, weil die deutschen OEMs die höchsten Anforderungen haben. Wir entwickeln dabei herstellerspezifische, customized Lösungen. Fanuc stellt sich diesen Herausforderungen, indem in Deutschland mehr und mehr zentrale Funktionen angesiedelt werden, um eine sehr enge Schnittstelle ins japanische Headquarter sicherzustellen. Das neue europäische Entwicklungszentrum am Standort in Neuhausen ist ein Beispiel dafür. Dort werden unter anderem Themen aufgegriffen sowie Lösungen gemeinsam von Kollegen aus Deutschland und Japan entwickelt für die besonderen Anforderungen der deutschen Automobilhersteller.

Wie positioniert sich Fanuc in der Automobilindustrie gegenüber den anderen großen Roboteranbietern?

Winkelmann: Die Automobilhersteller planen zunehmend mit langen Nutzungszeiten der Roboter für bis zu drei Modellzyklen, also mehr als 20 Jahre. Wir unterstützen diese Strategie durch die besonders lange Lebensdauer und Zuverlässigkeit unserer Produkte. Außerdem stellen wir für unsere Kunden eine lebenslange Ersatzteilverfügbarkeit über die gesamte Nutzungsdauer sicher. Wir sind global aufgestellt. Weltweit hat Fanuc lokale Niederlassungen überall dort, wo auch die Automobilhersteller ihre Standorte haben – um überall auf der Welt den selben hochwertigen Service und Support bieten zu können. Weltweit haben wir 264 Standorte, die 108 Länder bedienen – mit weiter steigender Tendenz.

Welches Angebotspektrum hält Fanuc für die Automobilindustrie bereit?

Winkelmann: Wir haben die größte Modellpalette aller Roboteranbieter – von ganz klein bis ganz groß. Der weltweit stärkste Industrieroboter mit einer Traglast von 2,3 Tonnen gehört zu den Top-Performern unserer Produktpalette.

An welchen Stellen in der automobilen Wertschöpfungskette sehen Sie die Stärken von Fanuc?

Winkelmann: Dank dieser großen Modellpalette haben wir entlang des Herstellprozesses im Automobilbau über Presswerk, Karosserierohbau, Lackiererei bis hin zur Endmontage jeweils die passenden Lösungen.

Wo liegen aus Sicht der Robotik aktuell die großen Herausforderungen im Automobilbau? Was fordern die Hersteller hier von ihren Lieferanten?

Winkelmann: Wir beobachten bei den Auftraggebern immer komplexere Entscheidungsprozesse. Projektentscheidungen fallen aufgrund der Herausforderungen der Automobilhersteller durch den schnellen Wandel und die hohe Dynamik in der Automobilindustrie immer kurzfristiger. Die Lieferzeiten werden immer kürzer, es gibt weniger Planungssicherheit – worauf wir unter anderem mit unserem großen Warenlager in Luxemburg reagieren und weshalb wir unsere internen Prozesse stets an die neuen Entwicklungen anpassen.

Verschiedene Fahrzeughersteller experimentieren mit Alternativen oder Ergänzungen zur klassischen Linienfertigung. Wie sind Sie als Roboterhersteller auf solche Szenarien vorbereitet?

Winkelmann: Abseits einer hochautomatisierten, konventionellen Fertigungslinie spielt der Mensch weiter eine wichtige Rolle im Fertigungsablauf. Deshalb benötigen wir Roboter, wie Cobots, die direkt mit den Menschen zusammenarbeiten können. Auch bei den Cobots bietet Fanuc die größte Modellpalette am Markt an.

Welche Technologien und Standards müssen Sie für den europäischen Markt beherrschen und abdecken?

Winkelmann: Ziel der Automobilhersteller ist es, immer mehr Prozesse zu automatisieren. Besonders großes Potenzial besteht in der Automatisierung der Endmontage, da hier bislang nur ein Automatisierungsgrad von etwa zehn Prozent realisiert wird – im Gegensatz zum bereits hochautomatisierten Karosseriebau mit einem Grad von etwa 90 Prozent. Dafür muss der Roboter immer mehr Fähigkeiten mitbringen – indem er fühlt, sieht und immer mehr Werkzeuge intelligent steuern kann.

Welche Rolle spielen die Engineering- und HMI-Lösungen für die Inbetriebnahme und Programmierung der Roboter? Liegt hier das eigentliche Unterscheidungspotenzial?

Winkelmann: Es kommt darauf an, die spezifischen Anforderungen der Kunden in das eigene System so zu integrieren, dass dabei die Vorteile der Technologie voll ausgespielt werden können. Neue, intuitive Menüstrukturen helfen dabei dem Bediener, sich einfach und schnell zurechtzufinden.

Wird die Kinematik an sich in Karosseriebau und Co. zunehmend austauschbar?

Winkelmann: Zunehmend spielen Themen wie Green Production, etwa niedriger Energieverbrauch und CO2-neutrale Produktion, eine Rolle. Dabei kommt es auf energieverbrauchsoptimierte Kinematiken an – in Verbindung mit einer intelligenten Robotersteuerung. Zusammen mit einem sehr geringen Energieverbrauch und niedrigen TCO-Werten leisten wir mit unseren Produkten einen deutlichen Beitrag zur nachhaltigen Automobilproduktion.

Die Autohersteller haben sich schon früh mit Cobots beschäftigt. Sind diese mittlerweile in größeren Stückzahlen in Montage und Co. zu finden?

Winkelmann: Man findet Cobots derzeit noch vorwiegend in Pilotanwendungen, aber mit der zunehmenden Automatisierung auch im Bereich Montage. Mit der Weiterentwicklung der Cobots steigen hier die Einsatzmöglichkeiten weiter an. (mby/ppr)


Diesen und weitere Beiträge aus dem Bereich Roboterlösungen für den Automobilbau finden Sie auf unserer Schwesterseite ROBOTIK UND PRODUKTION.


Das könnte Sie auch interessieren:

Im Werkzeugmanagement eröffnet das Kennzeichnen von Assets mit Data Matrix Codes die Möglichkeit, Werkzeuge zu tracken und mit ihren Lebenslaufdaten zu verheiraten.‣ weiterlesen

Google Cloud gab kürzlich die Einführung der beiden Lösungen Manufacturing Data Engine und Manufacturing Connect bekannt. Mit den Tools lassen sich Assets einer Fertigungsumgebung vernetzen, Daten verarbeiten und standardisieren.‣ weiterlesen

Virtuelle multicloudfähige Plattformen können in Fertigungsbetrieben das Fundament bilden, um IT-Infrastruktur und Betriebsabläufe zu modernisieren und effizient zu betreiben. Denn das nahtlose Zusammenspiel von Cloud-Anwendungen, Softwarebereitstellung sowie Remote Work lassen sich mit digitalen Plattformen vergleichsweise einfach und global orchestrieren.‣ weiterlesen

Wibu-Systems ist Anwendungspartner im Projekt KoMiK. Im Mai wurde das Projekt abgeschlossen und der Karlsruher Lizensierungsspezialist hat zusammen mit den Projektpartnern aus Wirtschaft und Wissenschaft Empfehlungen zur Auswahl eines digitalen Kooperationssystems erarbeitet, inklusive eines Screening-Tools.‣ weiterlesen

MES-Lösungen verfügen über unterschiedliche Erweiterungsmodule, etwa für das Qualitätsmanagement. Der Ausbau der Basisfunktionen sorgt jedoch oft für Aufwand. Eine Alternative versprechen Cloudlösungen.‣ weiterlesen

Bei ihrer digitalen Transformation adaptieren Fertigungsunternehmen Technologien wie künstliche Intelligenz, Machine Learning und digitale Zwillinge. Cloud Computung hilft, dafür erforderliche Kapazitäten skaliert bereitzustellen.‣ weiterlesen

Mit mehreren neuen Partnern erweitert der Softwareanbieter ZetVisions sein Partnerangebot. Unter anderem sollen Pikon und People Consolidated das Beratungsangebot des Heidelberger Unternehmens ergänzen.‣ weiterlesen

Viele Deep-Learning- und Machine-Vision-Anwendungen stellen hohe Ansprüche an die eingesetzten Industrie-Rechner. Für den Einsatz in diesem Umfeld hat Hardware-Spezialist Spectra die PowerBox 4000AC C621A ins Programm genommen.‣ weiterlesen

Mit Hybrid Cloud-Lösungen wollen Firmen die Vorteile des privaten und öffentlichen Cloud-Betriebs erschließen. Managed Cloud Service Provider sind darin geschult, Fallstricke bei der Cloud-Nutzung solcher Infrastrukturen zu bewältigen.‣ weiterlesen

Per Low-Code-Tool können Anwender Prozesskonfigurationen selbst umsetzen. Im MES-Bereich ist dieser Ansatz noch selten zu finden, doch einige Lösungen gibt es bereits.‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige