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Vom Innovationsprojekt zur Serienentwicklung

Stresstest für die Veränderungsfähigkeit

'E-Mobility' steht für Mobilitätskonzepte der Zukunft. Die Mehrzahl der Technologieunternehmen in der Automobilbranche versucht, sich hier zu positionieren. Dabei neigt sich die Zeit der Prototypen und Designstudien dem Ende zu, es entstehen konkrete Nutzungskonzepte und Betriebsmodelle. Die Markteinführungstermine der Hersteller sind veröffentlicht und bereits Teil der operativen Planungen der Unternehmen. Doch die Prozesse hinter den neuen Produkten müssen ebenfalls 'serienreif' werden.

Bild: Fotolia / arsdigital

Der Produktentstehungsprozess in der Automobilindustrie ist hoch entwickelt. Maßnahmen zur Kostenoptimierung werden erfolgreich umgesetzt. Reifegradgeführte Entwicklung und Absicherung, komplexe Lieferantenintegrationsszenarien, durchgängiges Konfigurationsmanagement, zielmarktgerechte Produktgestaltung und Compliance sind aktuelle Themen im Fachprozess. Die IT ist als stabile Infrastruktur ausgelegt, mit möglichst geringem Änderungsrisiko und hohem Kapitalnutzen der bisherigen Investitionen. Auf diese etablierte Infrastruktur trifft nun der Innovationstreiber E-Mobility als Stresstest für die Veränderungsfähigkeit von Prozessen und Unternehmen. Denn nicht nur die Prozesse in der Entwicklung erster E-Mobil-Prototypen unterscheiden sich deutlich vom Prozess der Serienproduktpflege, auch als Produkt stellen elektrisch oder hybrid angetriebene Fahrzeuge andere Anforderungen an IT-Lösungen und Abläufe als bisherige Automobile.

Neue Anforderungen an Produktion und Prozesse

Welche neuen Fragen E-Mobility-Produkte aufwerfen und wie stark die für klassische Fahrzeuge optimierten Herangehensweisen verändert werden müssen, zeigt schon das Beispiel Kaufprozess: Ein Kunde interessiert sich für ein umweltfreundliches E-Auto. Für Konfiguration und Preisbildung greift der Händler auf ein Programm zurück, das die Produktdefinitionen der Basisprodukte und die mit diesen kombinierbaren Optionen zur Verfügung stellt. Trotz verschiedener Leistungsstufen und Bauarten aktueller Motoren ist ein solcher Konfigurator für klassische Fahrzeuge bisher vergleichsweise übersichtlich. Doch für Elektrofahrzeuge stehen zusätzliche Fragen wie Reichweite und Ladungszeiten im Vordergrund. Zudem besteht die Möglichkeit, dass E-Mobil- und Hybridmodelle eine Variantenvielfalt hervorbringen, die sich durch die unterschiedliche Lage von Modulen im Fahrzeug – etwa zur Erhöhung der Reichweite durch größere Aukkumulatoren – bis auf die Karosserie auswirkt.

Steigende Komplexität im Produktdatenmanagement

Grundsätzlicher als die Frage nach dem Frontend für den Händler sind die Fragestellungen für das Produktdatenmanagement (PDM), denn die Daten müssen für den Produktlebenszyklus bereit stehen und ihre Abhängigkeiten korrekt berücksichtigt werden. Die Konfigurationsmerkmale werden für die Darstellung der Produktdifferenzierung benötigt. So lässt sich abbilden, in welchen Eigenschaften oder technischen Lösungen sich die Produkte unterscheiden. Mit steigender Verbreitung von E-Mobility werden auf der technischen Ebene zusätzliche und andersartige Lösungen wie neue Antriebe, Speichertechnik, Ladetechnik zu beschreiben sein. Dies erhöht die Anzahl der Merkmale und die mögliche Kombinatorik.

Frühes Risikomanagement unabdingbar

Daraus ergeben sich Herausforderungen für die informationstechnische Abbildung. Es gilt zu klären, wie viele Merkmalswerte im Klassensystem eines PDM-Systems abgebildet werden müssen, und ob die Leistung des Systems danach noch für die Arbeit im Alltag ausreicht. Auch der Einfluss neuer Konfigurationsregeln und Messgrößen auf die Produktkalkulation muss geprüft werden. Die Bedienbarkeit des komplexer werdenden Systems durch die Fachabteilungen ist ebenfalls zu bewerten. Bei der Anpassung von PDM-Systemen an die Serienproduktentwicklung im Bereich E-Mobility ist eine frühe Risikoeinschätzung unabdingbar. Sonst besteht die Gefahr, dass die IT-Prozesse den Anforderungen der neuen Produktkategorie ‚hinterherhinken‘.

Auch in Materialwirtschaft und Supply Chain ziehen elektrische und hybride Antriebe Umwälzungen nach sich. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die Aufnahme zusätzlicher Materialflüsse in das Enterprise Resource Planning (ERP), sondern auch in Bezug auf die Lieferketten. In der Automobilindustrie haben die Zulieferer ihre Prozesse weitgehend an die der Fahrzeugproduzenten angepasst. Der wesentliche Grund für die Integrationsbereitschaft der Zulieferer liegt dabei in der großen Umsatzbedeutung der Abnehmer für das eigene Unternehmen. Zahlreiche Hersteller zum Beispiel von Elektromotoren oder Batterien werden noch auf viele Jahre ihre Hauptumsätze in Bereichen außerhalb der Automobil-Branche tätigen.

Damit fehlt den Endabnehmern Marktmacht – und es muss genau geklärt werden, wie eine für beide Seiten erfolgversprechende Kooperation mit neuen Lieferanten gestaltet werden kann. So, wie etwa Steuergrößen für die Produktlinien zu identifizieren sind, müssen auch die Mechanismen neu erschlossener Supply Chains untersucht werden. Ein anderer Aspekt der Lieferantenbeziehungen bezieht sich wiederum auf das Produktdatenmanagement. Die Komplexität zum Beispiel von Hybridfahrzeugen zieht eine große Komplexität in Zulassungsprozessen nach sich. Es kann daher geboten sein, die Lieferanten weit mehr einzubinden, als dies im Bereich der Verbrennungsmotoren notwendig ist. Eine solche Integration setzt ebenfalls neue Prozesse und deren Abbildung in der IT voraus.

Prozesse planen für die Serienproduktion

Die ersten E-Mobility-Serienfahrzeuge kommen. Die Herausforderung für Prozesse und Methoden besteht darin, dass die Maßnahmen bereits zu den Einsatzterminen der Prozesse in der Serienentwicklung greifen. Eine strukturierte Ermittlung der Handlungsbedarfe, die sowie die Maßnahmenableitung und Steuerung der Maßnahmen sollte sinnvollerweise von Fachleuten begleitet werden, die über Implementierungserfahrung in führenden PDM-Systemen verfügen. Hier kann sich auch der Einsatz von IT-Dienstleistern anbieten. Da teilweise auch langjährig gelebte Prozesse geändert werden müssen, ist zudem Erfahrung im Change Management gefragt. Die Aufgaben eines Dienstleisters können dabei Business Consulting für Handlungsempfehlungen und Maßnahmenplanung sowie Prozess- und Methodenentwicklung für Produktdefinition und -abbildung, Konfiguration, geometrische Gestaltung und Mechatronik umfassen. Schließlich sollte auch Unterstützung in Produktlinien und Fachbereichen bei der Umsetzung von Veränderungen und der Sicherstellung termingerechter Produktdatenbereitstellung gegeben werden. Denn neue Prozesse, die durch passende IT-Werkzeuge unterstützt werden, zählen zu den wichtigen Faktoren, um E-Mobility kommerziell erfolgreich in Serie gehen zu lassen.


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